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Kategorien > Jugendliebe > 1. Liebe

Blind

von Kathrin Schulz

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Moment“ so lange dauern, wie es ging. Als ich ihn schließlich erlöste und die Tür aufmachte musste ich grinsen. Das Gesamtbild war perfekt, stellte ich fest, als ich die Tür aufmachte. Das musste dokumentiert werden!
„Ich will dich fotografieren“, sagte ich und holte schnellstmöglich meine Kamera. Er durfte mir nicht davonlaufen. Verwirrt über meinen plötzlichen Entschluss rührte er sich nicht vom Fleck und ich konnte ein flüchtiges Foto machen, bevor er sich ins Bad rettete. Sekunden später hörte man einen heiseren Schrei. Dann konnte ich mich vor Lachen nicht mehr halten. Er riss die Tür auf.
„Lösch das Foto!“, rief er. Ich schüttelte den Kopf.
„Sofort!“, verlangte er und versucht mir die Kamera aus der Hand zu reißen.
Geübt ließ ich die Kamera von der linken zur rechten Hand gleiten, immer wenn er danach schnappte. Das Foto war viel zu gelungen, um es einfach zu löschen. Ich machte ihm ein anderes Angebot:
„Du darfst mich genauso verunstalten und dann machen wir Fotos zusammen, dann bist du nicht der einzige Idiot.“ Er grübelte und stellte sich in Denkerpose, bis er schließlich zusagte und mir ebenfalls rote Lippen und pinke Herzchen malte. Dann kriegte ich ein „Bitteschön!“ auf die linke Wange. Und los ging’s. Wir knipsten, bis Mum uns zum Frühstück rief.
„Gehen wir so runter?“, fragte Ben zweifelnd und zeigte auf sein Gesicht.
Ich nickte grinsend.

Neue und alte Freundschaften

Am späten Vormittag sagte ich Alice zu.
„Das ist ja super!“, freute sie sich und ich freute mich mit. Ich hatte lange nicht mehr darauf geachtet, wie sie klang, wenn sie sich freute, hatte nicht mehr gewusst, wie ansteckend das war. Wir vereinbarten sieben Uhr abends vor dem Kino und ich wusste nicht, was ich bis dahin machen sollte. Also legte ich mich noch mal hin und wartete, dass die Zeit verging. Ich lag auf dem Bauch, das halbe Gesicht von meinen Haaren verdeckt, den rechten Arm hinunterbaumelnd auf meinem Bett. Die Zeit verging nicht. Der Minutenzeiger wollte sich einfach nicht bewegen, als wäre er festgeklebt. Das war wahre Langweile. Die Gedanken an Andreas wischte ich schnell weg, wenn sie sich andeuteten. Ben hatte mir genug abgenommen, dass ich mich dagegen wehren konnte. Und ich hatte mich erst zwei Wochen lang gequält, bis ich auf die Idee gekommen war. Wie dumm von mir! Allerdings fragte ich mich allmählich was schlimmer war. Liebeskummer oder diese verdammte Langeweile? Ich war sowieso in den wenigsten Fällen mit dem zufrieden, was ich gerade hatte. Ich fing an die Sekunden zu zählen. Es gab noch nicht mal Hausaufgaben, die ich zu machen hatte. So ein Mist! Ich wurde immer zappeliger und ungeduldiger. Wer hatte es sich ausgedacht, dass Zeit langsam verging, wenn sie schnell vergehen sollte und schnell verging, wenn sie langsam vergehen sollte? Ich fluchte in Gedanken. Ich hatte auch keine Lust Musik zu hören oder irgendwas zu zeichnen. Das Buch, das mich so gut abgelenkt hatte, hatte ich längst aus. Es gab nichts, wirklich nichts, was ich machen konnte. Schließlich stürmte ich in Bens Zimmer.
„Das macht mich noch verrückt!“, platzte ich heraus. Ich hatte ihn verschreckt, weil ich nicht geklopft hatte.
„Was denn?“, fragte er nun verwirrt.
„Ich krieg die Zeit nicht rum“, erklärte ich und schaute ihn bettelnd an. Dackelblick. Das brach oft das härteste Eis. Diesmal nicht.
„Nein, nein“, wehrte er ab „Ich hab zu tun.“ Ich schmollte. Wer sollte mich denn dann unterhalten? So schnell, wie ich rein gekommen war, ging ich auch wieder. Auf einmal hatte ich eine unerklärliche Wut, einen Hass auf alle. Das war nicht Ben schuld. Es war die Zeit. Und dann war es Andreas, der sich wieder in meine Gedanken geschlichen hatte. Einfach so. Hatte den besten Moment abgewartet, ein Moment wo es unerwartet kam. Ein Stromschlag, zwei, drei. Es durchzuckte mich in Sekundenabständen, während all die Gefühle zurückkamen, die ich keineswegs vermisst hatte. Das machte die Wut noch größer. Das brachte mich noch um. Ich knallte meine Tür zu und hoffte dass Ben das nicht falsch verstand. Ich musste irgendetwas gegen die Wand schmeißen. Irgendwas. Ich war lange nicht mehr so wütend gewesen, war dazu immer zu schwach gewesen. Das alles war zu viel, mein Fass lief über. Ich stampfte durch das Zimmer, auf der Suche nach einem Opfer. Eins meiner Regale wackelte, weil der Boden unter meinen Schritten vibrierte und meine Handtasche kippte um. Ich verlor den Rest meiner Selbstbeherrschung. Ich stürzte mich auf sie und kannte kein Erbarmen mehr. Wütend pfefferte ich sie gegen meine Wand ohne darauf zu achten ob ich damit etwas kaputt machen könnte. Erst, als sie schon an der Wand hinunter glitt erinnerte ich mich, dass mein Handy und meine Kamera darin waren. Jetzt fiel jedenfalls alles heraus, weil der Reißverschluss offen gewesen war. Ich stöhnte und kniete mich daneben um zu prüfen, wie groß der Schaden war. Alles schien okay zu sein. Ich kramte in dem Haufen von unnützlichem Kram herum. Zwischen all dem Krempel fiel mir das kleine Zettelchen ins Auge. Ich hörte auf zu kramen. Es war das Zettelchen, was ich letztens noch aus dem Regen gerettet hatte. Es war zerknittert und hatte einen Einriss. Wenigstens war es jetzt trocken. Ich versuchte erst gar nicht mich zu überreden es wegzuschmeißen. Ich hasste ihn. Das wusste ich selbst. Jetzt war bloß die Frage was schlimmer war: Timo oder Langeweile. Ich kannte die Antwort schon bevor ich die Frage zu Ende gedacht hatte. Ich hatte mir eigentlich selbst versprochen nie auch nur auf die Idee zu kommen Timo anzurufen. Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen, dachte ich. Ich saß eine Weile reglos da und schielte das Papierchen an. Die Tinte war verlaufen, aber alles noch lesbar. Es handelte sich um einen Notfall, redete ich mich heraus. Dann stand ich auf und holte das Telefon von unten. Was sollte ich sonst machen? Wenn es sein musste würde ich auch ihm auch erzählen, was bei unserer ersten Begegnung das Problem gewesen war. Beim Gedanken an Andreas starb ich fast vor Kummer. Noch ein Grund sich mit Timo zu treffen: er könnte mich vielleicht ablenken. Immer noch unsicher tippte ich die Zahlen der Festnetznummer ein, die er auf den Zettel gekritzelt hatte. Unsicher aber entschlossen. Es gab kein Zurück mehr. Ich fing an nervös auf und abzugehen. Die Dielen knarrten dabei. Es dauerte nicht lange bis jemand anhob:
„Kerstin Klaaßen.“ Ich vermutete, es war seine Mutter.
„Ja, Hallo Frau Klaaßen, Pauline Möllers hier. Könnte ich bitte mal Timo sprechen?“
Sie seufzte, als hätte ich heute schon sechsmal angerufen und sagte mir dann, ich solle einen Moment warten. Ich wartete und lauschte ihren Schritten. Ich spielte mit meinem Reißverschluss, während ich hörte, dass ihre Schritte stoppten. Ich hörte ich ein Klopfen, Gemurmel und wenig später meldete sich Timo:
„Hallo?“
„Ja, hi. Ich bin’s Pauline“, meldete ich mich, wie ich es sonst nur tat, wenn ich mit Freundinnen telefonierte. Seltsam. Ich hasste ihn doch.
„Pauline? Mensch, bin

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Kommentare

AnSt schrieb am 2010-12-31 19:51:35:
Eine tolle Geschichte!!! Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Du hast das so schön geschrieben und dein Ende ist auch wirklich toll !!! großartig
Chris schrieb am 2010-07-31 17:25:04:
Diese Geschichte ist einfach wahnsinn! Sie geht wirklich tief in das Innere eines Menschen. Absolut verständlich geschrieben, mit einem Ende, das sogar einen Jungen Gänsehaut verschafft hat. ;)

Wirklich wunderschön!
wow. schrieb am 2010-01-01 07:07:35:
einfach nur wow.

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