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Kategorien > Kurzgeschichte > Erfahrung

Blutspenden

von Jürgen Haidvogl

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Ich hang gerade vor der Glotze und schaute mir irgendeine Zeichentricksendung an, als mein Vater in mein Zimmer kam, kurz schaute, was ich machte und weiter in die Kleiderkammer schlenderte, dessen einziger Zugang von meinem Zimmer aus war. Ich beachtete ihn kaum und widmete meine volle Aufmerksamkeit dem Kinderprogramm. Nach kurzer Zeit kam er mit frischen Jeans und Hemd heraus.
„Gehst du weg?“, fragte ich.
„Ja.“
„Wohin?“, wollte ich wissen.
„Blutspenden“, antwortete mein Vater und nach kurzem zögern fragte er mich, ob ich mit kommen möchte.
„Wie lange muss man nach dem letzten Spenden warten?“
„Zwei Monate“, teilte er mir mit und zeigte mir dies mit den Fingern ebenfalls an. Ich überlegte kurz und entschied mich, dass es ja nicht schaden kann. Also schaltete ich den Fernseher aus, stand von meiner Couch auf und zog mir schnell eine Hose an. Da Sommer war, natürlich eine Kurze.
Im Vorzimmer schlüpften wir in die Schuhe, banden diese zu und schon waren wir auf dem Weg. Mein Vater sperrte die Wohnung zu, während ich langsam den Gang entlang schritt. Kaum war ich bei den Stiegen, schon hatte er mich eingeholt und wir eilten die Stiegen hinunter in das Erdgeschoss sowie im Anschluss die paar Stufen hinauf zur Eingangstür und hinaus auf die Straße.
Als wir zur Straßenbahnstation kamen, war diese auch gleich zur Stelle und wir stiegen ein. Mein Vater entwertete den Fahrschein und ich suchte in der Zwischenzeit einen Sitzplatz, den ich reservierte. Als er sich zu mir setzte, fragte er ob ich eh einen Fahrschein dabei hätte. Ich bejahte, auch wenn dies nicht stimmte, denn ich hatte so ein Gefühl im Magen, welches mir sagte, dass mich heute kein Kontrolleur erwischen würde.
Wir fuhren bis zur Endstation und wechselten dort in die U2, die uns zum Karlsplatz brachte. Dort wollte mein Vater in die Straßenbahn einsteigen, doch ich wollte nicht.
„Die zwei Stationen können wir auch zu Fuß gehen.“
„Wie du willst!“
Nach einem kurzen Fußmarsch von etwa zehn Minuten gelangten wir zur Blutspendezentrale des Roten Kreuzes und betraten dieses. Es war nicht viel los. Außer den Angestellten waren vielleicht zwei oder drei Spender anwesend, die gerade dabei waren das Anmeldeformular aus zu füllen.
Sofort gingen wir zum Anmeldeschalter und holten uns das Formular. Bei einem der Tische nahmen wir platz. Ich war schnell fertig, während mein Vater gründlich eine Frage nach der anderen beantwortete.
„Hast du das eh ordentlich ausgefüllt?“, fragte er mich, als er fertig wurde und den Stift zur Seite legte.
„Na klar“, antwortete ich und stand auf.
Mein Vater folgte mir zu dem Zimmer, wo ein Angestellter, wahrscheinlich ein Arzt, wie ich es annahm, uns eine Probe unseres Blutes aus dem Finger ab nahm und dieses Analysierte.
„Blutgruppe A Positiv“, sagte er zu mir, als er meinen roten Saft des Lebens analysiert hatte.
„Danke, das wusste ich schon“, erwiderte ich und nahm die Zettel, die er mir gab. Mit diesen schlenderte ich in den nächsten Raum. Dort waren die Liegestühle, wo das Blut abgenommen wird. Bei jedem Stuhl stand ein Pfleger oder Pflegerin, welche in der absoluten Überzahl waren, die sich um die Spender kümmerten und das Prozedere des Abnehmen des Blutes überwachten. Zusätzlich gab es noch einen Arzt, der das ganze Überwachte.
Ich setzte mich auf einen der Stühle und sagte zur Pflegerin: „Na dann bedienen Sie sich. Nehmen Sie sich so viel Sie brauchen. Aber bitte nicht zu viel. Ich will es noch nach Hause schaffen können!“
„Machen Sie sich da Mal keine Sorgen. Ich lass Ihnen schon noch genug Blut übrig.“
„Ich werde Ihnen einfach Mal vertrauen“, sagte ich und ein breites Grinsen entstand in meinem Gesicht.
„Das können Sie“, entgegnete sie mir lächelnd und nahm einen Katheter, den sie mir gekonnt in den abgeschnürten Arm stach. Direkt in die Ader. Erst nahm sie mir ein paar Proben ab und schloss nach Abschluss dieses Vorgangs das Ende des Katheters an einen Schlauch an, der direkt zu einem Beutel führte, der für mein Blut gedacht war. Dieser war auf einer schmalen Metallplatte, eine Art Schiene, befestigt, die wie eine Waage von rechts nach links und links nach rechts kippte. Auf und ab. Das ganze in einem Sekunden takt. Es machte mich ziemlich nervös und so schaute ich weg. Ich lies stattdessen meinen Blick auf die Decke wandern.
„Am Besten Sie machen eine Faust und öffnen diese. Das ganze immer wiederholen und etwa in einem Takt von zwei bis drei Sekunden“, meinte die Pflegerin, „dann geht es schneller.“
„Ok“, erwiderte ich ohne meinen Blick von der Decke ab zu wenden.
„Haben Sie Angst vor Spritzen?“, fragte sie mich.
„Nein“, antwortete ich, „aber ich habe ein Problem, wenn mir eine Nadel im Arm steckt.“
„Gibt es dafür einen bestimmten Grund?“
„Nicht das ich wüsste. Ich vermute, dass es einfach nur daran liegt, dass es an dem unangenehmen Gefühl liegt, welches man dabei hat.“
„Ach, das kenne ich. Mir geht es genauso. Ich fühle mich bei so etwas ebenfalls unwohl. Aber ich finde es sehr tapfer, dass sie dennoch den Mut haben zum Blutspenden zu kommen.“
„Irgendwer muss das doch machen.“
„Ja, das stimmt. Wir können jeden Tropfen gebrauchen.“
„Genau deswegen lass ich es auch über mich ergehen. Immerhin sind es ja leider viel zu viele Menschen zu faul um etwas für die Allgemeinheit zu tun.“
„Leider ist das Wahr.“
„Aber zum Glück gibt es wenigstens ein paar Leute, die dies über sich ergehen lassen und ein wenig ihres Blutes abgeben.“
„Ja, sonst wäre ich arbeitslos.“
„Stimmt“, entgegnete ich ihr.
„Zum wievielten Mal sind Sie nun beim Blutspenden?“, wollte die Pflegerin wissen.
„Das ist jetzt mein zweites Mal.“
„Aha. Wie Alt sind Sie, wenn ich fragen darf?“
„Achtzehn“, sagte ich, „im nächsten Monat werde ich neunzehn.“
„Also eh schon recht oft für ihr Alter. Immerhin gibt es Leute, die doppelt so Alt sind und erst zwei Mal in bisschen Blut spendeten. Abgesehen von den Typen, die aus Faulheit noch nie waren.“
Ich nickte nur und nach einer kurzen Gesprächspause, in der ich tief ein und aus atmete, fragte ich: „Wie lange noch?“
„Nicht mehr lange. Gleich haben wir es geschafft. Vielleicht so ein oder zwei Minuten. Entspannen Sie sich einfach.“
Einfacher gesagt als getan, dachte ich mir und atmete tief ein und aus.
„Nur nicht nervös werden“, sagte die Pflegerin lächelnd, „Sie haben es gleich geschafft. Nur noch ein paar Augenblicke.“
Ich nickte wieder nur und atmete tief ein und aus. So gut es ging, versuchte ich mich zu entspannen. Es war aber nicht allzu einfach, denn das ist nicht so simpel wie Worte es beschreiben können. Denn es ist Schwieriger. Eine Nadel im Arm zu haben ist nicht gerade angenehm. Nichts, dass man sich wünscht. Es ist einfach nur scheiß unangenehm und der einzige Wunsch, den man hat ist dieses beschissene Teil endlich los zu werden. Hauptsache es ist weg. Und zwar so schnell wie möglich.
„Jetzt haben Sie es“, sagte die Pflegerin und kurz darauf war auch schon die Nadel aus meinem Arm

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