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Kategorien > Misshandlung > Verzweiflung

Brennendes Eis

von sina franke

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Seine blauen Augen kommen mir so bekannt vor. Sein Atem schließt mich ein und versucht mich zu erdrücken. Es ist ein alter, ekelhafter Atem, der mich fast zum Übergeben zwingt. Aber ich muss seinem Blick standhalten. Seinen blauen Augen blicken auf mich hinab.
Und ich habe Angst.
Große, verzweifelte, tiefe Angst, die mich hemmt zu schreien. Die mich hemmt mich zu wehren. Doch ich könnte mich auch nicht wehren, selbst wenn ich wollte.
Ich höre den leisen Regen an meinem Fenster, sehe in jedem Schein, eines vorbeifahrenden Autos, seine Augen aufleuchten. Seine Augen, die vor Sucht beinahe zerspringen. Seine blauen Augen, wie brennendes Eis.
Ich erkenne ihn nicht wirklich, nur diese unglaublichen Augen sind in meinem Kopf eingebrannt.
Wer könnte auch, der einmal solche Augen gesehen hat, sie jemals vergessen? Und ich spüre seine Hände. Spüre seine Hände dort, wo sie nicht sein durften. Dort, wo er niemals hätte hin greifen dürfen mit seinen groben, ungewaschenen Händen. Sie stanken wie sein Atem. Abscheulich
Und ich spüre eine klebrige Masse auf meiner nun nackten Haut. Spüre, wie die rote Flüssigkeit auf meinem Körper gerinnt. Weiß, dass es nicht mein Blut sein kann. Angst klettert meinen Körper hinauf. Ich erschaudere unter den eiskalten Händen, die mir wehtun. Doch ich weiß noch nicht, dass es größere Schmerzen gibt, als diese hier.
Und sein Mund nimmt mir die Luft. Seine Zunge klopft und reist an meinen Zähnen. „Zieh sie auseinander.“, höre ich die Stimme zischen. Eiskalt und brennend auf der Haut. Wie seine Augen. Und ich tue es.
Ich weiß, was er macht, habe ich es doch schon ein Mal aus Liebe und Leidenschaft getan, doch nicht so. Nicht auf diese erniedrigende Weise, mit einem Mann, den ich nicht kenne. Doch ich sollte ihn kennen lernen.
Bin ich doch noch fast ein Kind.
Doch darauf nimmt er keine Rücksicht. Nein, er will es ja so. Warum hilft mir denn keiner, schreie ich stumm an die Wand. Die Wände vibrieren unter dem gellen Schrei, der doch nicht über meine Lippen kommt. Ich kann mich nicht meiner Stimme ermächtigen, liege wehrlos auf dem Rücken wie ein Hund und bete zu Gott, er möge mir helfen. Doch er tat es nicht.
Warum? Warum nicht? Keine hat so etwas verdient!
Ich spüre seinen nackten Körper auf dem meinen und stoße einen Schrei aus, der aus meinem tiefsten Inneren kommt.

Dann bin ich wach. Und es regnet immer noch.

Und obwohl schon paar Jahre vergangen sind, sehe ich noch heute diese blauen Augen vor mir. Ich sehe noch heute meine toten Eltern auf dem Boden, als ich endlich erlöst war von dem schrecklichen Schmerz. Erlöst von der Qual, und doch bin ich nicht mehr die, die ich einmal war.
Ich stehe auf und schleiche in das Zimmer meines Sohnes. Er ist aus Schmerzen entstanden und doch so wunderschön.
Vielleicht hat mir Gott deshalb nicht geholfen, da er wusste, dass ich für Schmerzen eine Hilfe für mein weiteres Leben bekam, um so alles besser zu verkraften.
Und doch, verkraften kann man so etwas nicht, wenn man immer wieder in die gleichen Augen blicken muss.
In die blauen Augen, meines Sohnes.

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Kommentare

lis schrieb am 2010-04-29 16:01:36:
hey sina,
die geschichte ist echt super! das ende gefällt mir besonders gut, wirklich genial! deine anderen geschichten werde ich mir auch noch durchlesen!
großes lob und liebe grüße
lis
daisy schrieb am 2009-11-10 16:50:02:
die geschichte ist super geschrieben, man bekommt wirklich ne gänsehaut dabei.
mach weiter so.
nachteule_w schrieb am 2008-08-01 22:34:40:
Hi Sina.
Also deine Geschichte ist echt nicht schlecht. Traurig, Schmerzhaft und Bitter aber gut geschrieben.
Ich bekam eine Gänsehaut bei der Vorstellung an diese Augen...*Schauder*
Mach weiter so und ich bedanke mich auf diesen Weg auch für dein liebes Kommenentar.
Eine gute Nacht und viel Spaß noch beim Schreiben, mögen die Worte fallen aufs Papier fallen wie Regen auf den ausgedörten Boden.
Johannes Beck schrieb am 2007-12-12 22:18:35:
hi,
gefällt mir gut. allerdings, irgendwie, ich kann nicht genau sagen, warum, aber ich würde den zweiten Teil irgendwie anders schreiben. Klingt ein bischen holprig oder mh, weiß auch nicht so recht. Man könnte mehr Spannung reinbringen. Hier mein alternatives Ende (bei einem Film wäre das Bonusmaterial für die DVD ;-)):
Vielleicht hat Gott mich durch die Hölle gehen lassen, um mir einen Engel zur Rettung zu schicken.
Einen wunderbaren, wunderschönen Engel,
mit den Augen seines Vaters, Augen wie brennendes Eis.
*schulterzuck*, wäre meine Idee. is vielleicht ein wenig zu poetisch(?) oder sonst was, und nur eine FAN-Einsendung ;-)
Lg, machs gut und weiter so jo
Stern schrieb am 2007-11-20 13:14:48:
Hart, aber gut.
Kurzer Kommentar, ich weiß, aber das ist, was mir als erstes in den Sinn kam.
Freedom schrieb am 2007-11-18 13:36:35:
wahh...ohman...hammer...*schauder-krieg* ich wusste ja schon auf was für ne geschichte ich mich hier wieder einlasse (immer so als stände man dabei, als würde man es selber sehen, fühlen), typisch eine von deinen geschichten eben xD aber...wow....trotzdem fehlte mir der atem. echt derb..wow......hammer geschrieben echt. wie schaffst du dass dich so in personen versetzen zu können??? echt mal! ich hab immer einige probleme damit xD
Lilly schrieb am 2007-11-16 20:17:51:
Gänsehaut...... SUPER KLASSE
Liebe Grüße
Lilly
Ariane schrieb am 2007-09-18 23:03:07:
Boar da laeuft es mir eiskalt den Ruecken runter. Das ist genial geschrieben.
Bina schrieb am 2007-09-08 11:10:23:
und wieder fehlen mir die Worte...
GLG Bina
sina franke schrieb am 2007-08-22 12:09:59:
ihr seid so goldisch danke
ich merks mir. bei neachsten mal schreib ich drunter -keine wahre begebenheit- oder -frei erfunden- hahahah gaaanz herzlichen dank noch mal an euch alle
lg
sina
Hilfe? schrieb am 2007-08-18 17:07:12:
du Hexe :-))
Schreibst so gut dass es dir alle abnehmen!!!!
Ich bin voll drauf reingefallen!
Solltest das irgendwie anmerken lassen, sonst schreibst du über deine erfundenen Suizidgedanken und alle hier starten ne Suchaktion und holen die Polizei :-D
Währenddessen sitzt du hinter deinem Bildschirm und grinst vor dich hin!

Liebe Grüße,
Samuel
Lothar Cremer schrieb am 2007-08-18 08:37:00:
Hallo Sina,
echt eine starke Geschichte.
Hätte ich nicht im letzten Satz deiner Geschichte deine Richtigstellung gelesen,
dass sie frei erfunden ist, so hätte ich gedacht, du hättest sie erlebt.
Alle Achtung. Werde jetzt erst mal deine anderen geschichten lesen.
Sind bestimmt genau so gut. Bitte mach weiter so.
Lg
sina franke schrieb am 2007-08-16 19:32:38:
hehehe ihr seid ja sau sueß, aber die geschichte ist frei erfunden, ich versetzt mich beim schreiben nur zu stark in die geschichte rein, dass man glauben koennte sie ist fast wahr *g*
nee nee aber sau goldisch von euch, aber is halt nur ne geschichte, aber ueber gott kann man eh nicht diskutieren wer dran glaubt der soll es tun, man stirbt schwerer ohne gott...
aber trotzdem viiiiiiiiiiiiiiiielen dank fuer die kritik
hab euch lieb
sina
melina ludwig schrieb am 2007-08-10 12:36:36:
oh mein Gott! Ja wie "Hilfe?" schon sagte, diese Erlebnisse kennen viele! Aber auch in einem anderen Punkt hat er recht! Eine Psychologin ist auch ein Mensch mit dem man reden kann UND Gott hat immer das beste mit uns vor!! Auch wenn wir es oft nicht auf den ersten Blick sehen, es ist immer das einzig richtige!!
Lg
Hilfe? schrieb am 2007-08-07 14:01:38:
Diese erdrückende Wahrheit kennen viele.
Gott macht viele Sachen, die wir im Moment nicht verstehen,
aber er macht immer das Richtige für uns. Es ist immer das Beste. Weil er uns so liebt.
Ich glaube, du brauchst Hilfe. Nicht von mir. Sondern von Leuten, die sich auskennen.
Eine Psychologin ist auch nur ein Mensch- sie will dir helfen, und sie kann es.
Wenn du Gott noch nicht kennst, frage nach.
Wenn du Zweifel hast, Rede. Frage Gott. Frage Menschen.
Ich hoffe, das hier hilft dir.
Eule schrieb am 2007-06-05 18:38:48:
Deine Geschichte zeigt harte realität, die schon zu vielen Mädchen wiederfahren ist. Ich finde es gut dass du darüber schreibst, und ganz besonders wie du es tust.

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