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Briefgeheimnis
von
Antje Rosebrock
Sein Leben über hatte er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. Unter ,Job' verstand er kleine Schmugglereien oder andere Sachen, die sich nicht besonders gut machen würden in seiner Akte. Aber er war ja noch nie erwischt worden. Wieso sollte er sich Sorgen machen? Er war einfach begabt.
"Herr Lorenzo, sind Sie da?" Missmutig öffnete er die Tür des kleinen Hotelzimmers, in dem er seit einigen Tagen wohnte. Eine Wohnung für unbestimmte Zeit.
Vor der Tür stand ein hübsches junges Ding, mit viel zu viel Rouge auf den Wangen. Schüchtern blickte sie ihn an. Das Rot, das jetzt ihr Gesicht überzog, ließ anmerken, dass er auch ihr zu gefallen schien. "Ähmm" Nervöses Gekicher. "Ich würde gerne die Betten abziehen, wenn es ihnen nichts ausmacht. Ohne ein Wort drehte er sich um und bedeutete ihr so, dass sie reinkommen sollte. Entweder schien sie noch nicht lange hier zu sein oder er hatte sie so überwältigt, dass sie jetzt Dutzende Versuche startete um das Deckbett zu beziehen. Er saß ganz ruhig in dem schäbigen Sessel und betrachtete sie. Er wollte diese jungen Dinger nicht immer so um den Finger wickeln, doch er konnte nichts dagegen tun. Anscheinend war es ein Geschenk Gottes. Er brauchte nur dazustehen, alle Mädchen würden an seinem Hals hängen. Nach zahlreichen durchzechten Nächten wusste er nicht mehr ob vielleicht schon ein Kind irgendwo von ihm auf der Welt war. Mario Lorenzo stand in allen möglichen Telefonbüchern vielleicht mit einem Herz oder durchgestrichen. Waren doch alle selber Schuld.
Das Zimmermädchen war inzwischen fertig mit dem Betten beziehen. Sie schaute sich unsicher im Zimmer um, nestelte an ihrer Schürze rum und sagte dann schließlich: "Kann ich noch irgendetwas für sie tun?" Er antwortete nicht. Sie hatte nette Augen. Vielleicht, würde er sich mal eine Flasche Schampus mit ihr teilen, aber er hatte im Moment Wichtigeres zu tun, als in allen möglichen Zimmern herumzuturnen.
Gerade als sie das Zimmer verlassen wollte sagte er: "Champagner, bitte." Sie nickte und schien anscheinend enttäuscht zu sein, als sie sich zum Gehen umwandte. Seine Mutter hatte ihm beigebracht höflich zu sein, daher stand er auf fasste sie von hinten an der Schulter und sagte: "Ich würde mich freuen, wenn sie ein Glas mittrinken würden." Alles so ruhig, als würde er einkaufen. Völlig überwältigt nickte sie nur und drehte sich dann schleunigst um. Er lächelte zufrieden. Wieder eine Frau, die ihm ergeben war. Manche würden ihn als Heiratsschwindler bezeichnen. Hatte er diesen Frauen aber jemals irgendetwas versprochen?
In diesem Augenblick klingelte sein Handy. "Was?", Blökte er in den Hörer. Er hatte sich angewöhnt sich nicht mit seinem Namen zu melden. Immerhin gab es schon ein paar Typen, die ihm nicht sonderlich gut gewillt waren und so rausbekommen könnten, wo er war.
Diesmal war es jedoch eine Stimme die Lorenzo nur all zu gut kannte. Sein Bruder. Eine absolute Niete, die es zu nichts gebracht hatte. Die Firma von ihren Eltern hatte dieser Volltrottel vollkommen kaputtgewirtschaftet. Mario war von Beginn an klar gewesen, dass sein Berufsweg der erfolgreichere sein würde. Sein Bruder dagegen war ehrlich geblieben und hatte brav Muttersöhnchen gespielt. Er dagegen war von seinen Eltern verstoßen worden, als er mal wegen einer kleinen Sache in den Knast gekommen war. Anfängerfehler.
"Was ist los?" Lorenzo war nicht sonderlich darauf aus mit seinem Bruder zu diskutieren. Überhaupt fragte er sich woher der seine Handynummer herausbekommen hatte. Stille. Eine Sache, die die beiden gemeinsam hatten war, dass beide nicht viel redeten. Vielleicht war es so auch besser. "Was machst du so?" Wieso interessierte ihn das? Verdammt, sie hatten seit zehn Jahren nicht mal mehr mit einander gesprochen. Die Frage, was er gerade tat, war an dieser Stelle fast lächerlich. "Gibt's irgendwelche Probleme?" Rein rhetorische Frage. Wieso sollte er diesem Erbschleicher helfen? Immerhin hatte der ihn auch nicht aufgenommen, als er seine Sachen packen musste. Ein lautes Atmen klang durch die Leitung Dann: "Dir gehört ein Viertel, von dem was ich spare, wenn du mir ein bisschen mit meinen Finanzen hilfst." Natürlich. Er meinte, dass er ein paar Scheinchen vor dem Finanzamt verstecken konnte. Er hatte zu so was natürlich auch keine Begabung. Vielleicht freute sich Lorenzo, dass sein Bruder ihn um etwas bat, aber er würde ihn noch ein bisschen auf den Knien herumrutschen lassen. "Wie meinst du das?" Nun würde er sich wie ein Tier in der Falle winden. Sein Bruder sah das lächeln nicht, das jetzt sein sonnengebräuntes Gesicht umspielte.
In diesem Moment klopfte es an der Tür. "Herr Lorenzo, sind sie da?" Natürlich war er da. De Wände und Türen waren hier nicht sonderlich dick. "Ich ruf dich zurück." Er schaltete sein Handy aus und ging zur Tür um ihr zu öffnen. Inzwischen hatte sie ihren Zopf geöffnet und ihre langen Haare fielen um ihr Gesicht. Bei der Bluse waren nun drei Knöpfe geöffnet. Er lächelte in sich hinein. Wahrscheinlich würde es ein langer Abend werden. Sein Blick fiel auf einen Pfosten bei der Treppe. Dahinter hörte man Gekicher. Jetzt würde er wohl keine Ruhe mehr vor diesen liebeskranken Zimmermädchen haben.
Wortlos zog er die Tür zurück und ging zu dem alten Bauernschrank, in dem er die Gläser vermutete. "Setzen sie sich," forderte er sie auf. Zögernd setzte sie sich auf die Bettkante und blickte sich um. "Schön haben sie es hier." Machte sie dieses Zimmer nicht täglich sauber? Er nahm die Gläser und setzte sich zu ihr auf die Bettkante. Wortlos nahm er ihr die Fasche Champagner aus der Hand. "Ich heiße Mario und Sie?" "Isabelle." Was für ein dämlicher Name. "Ein schöner Name." Er gab ihr ihr Glas. Schüchtern nahm sie es und schien sich dabei nicht zu trauen, ihm in die Augen zu sehen, sondern blickte nervös auf ihre Finger. Er stellte sein Glas ab und hob ihr Gesicht sacht.
Wenig später war die Kleidung gefallen. Eine Sache über die sich später das ganze Hotel das Maul zerreißen würde. Sie lag nun, an ihn geschmiegt, neben ihm und sagte kein Wort. Er hatte seinen Arm um ihre Schultern gelegt. Die leere Flasche lag neben dem Bett und die Gläser waren zerbrochen. Von draußen drang der Lärm der Autos ins Zimmer. Es war Feierabendverkehr. Die ganzen armen Irren, die jetzt von der Arbeit kamen. Waren denn alle Menschen so dumm ihr Geld zwar sauber zu verdienen aber dafür von ihrem Chef über den Tisch gezogen zu werden? Die Bonzen ganz oben hatten doch zuviel Geld.
Auf einmal klingelte sein Handy wieder. Er hatte es schon wieder nicht richtig ausgeschaltet. "Ja?" Es war sein Bruder. "Verdammt, Vinzenz. Ich hab dir gesagt, dass ich anrufe."
"Du hast dich ja nicht gemeldet." Ein leises Gefühl sagte Lorenzo, dass etwas nicht stimmte. Dieses Gefühl wurde ihm auch wenig später bestätigt. Vinzenz erzählte ihm, dass ihr Vater einen Herzinfarkt erlitten hatte. Es war für Lorenzo nicht überraschend, dass er kein Mitgefühl spürte. Wie oft hatte er sich gewünscht, dass der Alte bald im Grab landen würde. Lorenzo ging ihm nicht um das Erbe. Wahrscheinlich war er wieso schon enterbt worden. Sondern es ging ihm darum, zu wissen, dass sein Vater litt, noch schlimmer, als er damals gelitten hatte, als man ihn aus der elterlichen Villa geworfen hatte.
"Wieso erzählst du mir das?"
"Er möchte seinen zweiten Sohn noch einmal sehen." Die Stimme seines Bruders hatte etwas Verzweifeltes an sich. Natürlich. Er war ja immer der Lieblingssohn gewesen. Der Alte hatte niemanden so geliebt, wie seinen kleinen Vinzent.
"Du weißt, dass ich..." Er senkte seine Stimme, da er merkte, dass Isabelle aufmerksam zuhörte. "... noch nicht einmal zu seiner Beerdigung kommen würde."
"Komm zum Krankenhaus, bitte. Er liegt auf Zimmer 149, Gang 17. ich warte auf dich. Ciao."
Dann hatte er aufgelegt. Sollte er hinfahren. Es war ein weiter Weg bis in seine Heimatstadt.
"Isabelle. Ich muss heute noch weg. Könntest du ein paar Sachen aus der Stadt für mich holen?" Es war keine richtige Frage, sondern eher ein Befehl. Er zog sich seine Boxershorts über und hob die leere Flasche auf.
"Natürlich, was denn?" Er kritzelte ein paar Sachen auf ein Teil der Zeitung und drückte ihn ihr in die Hand. Sie zog sich sofort an und ging aus dem Zimmer, nicht ohne ihn noch einmal auf die Wange zu küssen. Das er sich jetzt auffallend kühl verhielt, schien sie nicht zu bemerken.
Er packte seine wenigen Sachen in den Aktenkoffer, der neben der Tür stand und zog sich dann vollständig an. Gerade, als ersein Handy in die Tasche stecken wollte, klingelte es schon wieder. Lorenzo schaute auf den Display. Fallenberg. Wieso rief der ihn jetzt an. Der letzte Coup, den sie zusammen gemacht hatten, lag Jahre zurück. Seufzend nahm er das Gespräch an. "Ja, was ist?" "Mario, hau ab so schnell du kannst. Die Bullen sind auf dem Weg zu dir!" "Was, verdammt?" Lorenzo konnte es nicht glauben. Hatte diese Niete etwa geplappert? Bei ihm konnte er es sogar glauben. Man muss ihm nur drohen und schon würde er wie ein Kanarienvogel plappern.
"Hau ab, Mann. Sie haben meine Wohnung durchsucht, wegen irgendeiner Bagatelle und haben noch die Unterlagen von damals gefunden. Leider stand deine Handynummer unten auf dem Blatt und..." Lorenzo hatte verstanden. "Volltrottel!" blaffte er noch in den Hörer, dann schmiss er es zu den anderen Sachen in die Aktentasche.
Er schrieb für Isabelle noch seine Adresse mit dem Postskriptum, dass er sie über alles liebe und niemals ohne sie leben könnte und gab ihn einem anderem Zimmermädchen, mit den Worten, dass sie niemandem , außer Isabelle sagen dürfte, woher sie den Zettel hatte, nicht einmal der Polizei, die ihn wegen einer kleinen Belanglosigkeit befragen wollte und auch niemandem den Zettel zeigen dürfte außer Isabelle. Dann steckte er ihr einen Hunderter in die Tasche und rannte die Treppe herunter. Er knallte den Zimmerschlüssel auf den Empfangstisch und bezahlte. Dann rannte er nach draußen um sich ein Taxi zu suchen, dass ihn zu irgendeinem Autoverleih bringen würde.
Seufzend ließ er sich in die Sitze fallen. Sobald die Bullen erst mal seine Spur hatten, würden sie nicht lockerlassen und das würde nicht gerade angenehm für ihn werden.
,Melanski Autoverleih' prangte in großen Buchstaben über der Bruchbude. Davor parkten einige Wagen. Manche noch ziemlich neu andere reif für sie Metallpresse. Suchend sah er sich um. Ein Cabrio gefiel ihm einigermaßen. Das einzige womit sein Vater Recht gehabt hatte war, dass man nicht sparen sollte, sondern alles ausgeben solange man es noch konnte.
Prüfend strich Lorenzo über die Kühlerhaube. "Schöner Wagen. Noch ganz neu." Lorenzo drehte sich um. Vor ihm stand ein Mann mittleren Alters. In seinem Mundwinkel steckte eine Zigarette. Er war kaum bis gar nicht gepflegt, wie man es von einem Geschäftsmann erwartete, eher wie ein Automechaniker. "220 PS, Rußpartikelfilter, Lederinnenausstattung, ABS, fabelhafte Lenkung", fuhr er fort. "Mein bestes Pferd im Stall." Er lachte. "Wie viel?" Lorenzo wurde langsam ungeduldig. "Vierundzwanzig Stunden mit vollem Tank..."
"Ich will den Wagen kaufen." Melanskis Miene veränderte sich schlagartig. "Siebzig"
"Siebzigtausend Euro! ?" Das war eindeutig zu viel. Das Teil war höchstens die Hälfte wert. "Dachten sie siebzig Euro?" Sein schmieriges Lachen erstickte in einem Hustenanfall. Lorenzo blieb nach wie vor ernst. "Ich geb ihnen vierzigtausend und keinen Cent mehr." "Fünfundsechzig mit Papieren und mehr kann ich nicht runtergehen. Ich muss schließlich auch noch leben." Schließlich hatten sie sich auf fünfzigtausend heruntergehandelt. Melanski gab ihm die Papiere und den Schlüssel. Dann fuhr Lorenzo los.
Die Sonne war schon hinter den dunklen Wolken verschwunden, als er zum ersten mal Rast einlegte. Es war ihm zwar nicht sonderlich wichtig, seinen Vater zu sehen, aber er hatte das dumpfe Gefühl, dass sein Foto inzwischen schon auf der Titelseite aller Zeitungen war.
Das Auto war nicht schlecht. Nur leider war es ein wenig auffällig.
Das kleine Motel an dem er hielt war vollkommen ausgebucht. Doch er musste schlafen. Dazu war er seit 18 Stunden nicht mehr gekommen. Die Augen fielen ihm dauernd zu und er konnte sich so wieso nicht richtig konzentrieren, da er jetzt bestimmt eine ganze Eskorte Polypen hinter sich hatte.
Nach zwanzig Minuten fuhr er auf einen Parkplatz. Dort machte er es sich auf dem Rücksitz einigermaßen bequem und schlief auch sofort ein, jedoch jederzeit dazu bereit, sich hinters Steuer zu setzen und loszufahren.
Um vier Uhr wurde er von einem anhaltenden Klingeln geweckt. Sein Rücken war vollkommen verspannt and auf seinem Gesicht hatte er Abdrücke des Sicherheitsgurtes. Er nahm das Handy in die Hand und sah auf dem Display die Nummer von Isabelle. Musste die blöde Kuh denn schon um diese Zeit anrufen? Doch er entschloss sich weiter den treuen Liebhaber zu spielen. "Hallo, Isabelle, wie geht es meinem Schatz?" "Vergiss es, ich bin nicht mehr dein Schatz!", Brüllte sie ihm durch den Hörer entgegen. Nicht wieder so ein Rumgezicke, wie es nur von einer Frau kommen konnte. "Was ist denn los, mein Kleines?" "Stimmt das, was in der Zeitung über dich steht? Ich bin heute völlig aus den Wolken gefallen, als die Polizei bei mir auf der Matte stand um mich zu befragen." Scheiße, wenn die Schlampe, den Bullen was verklickert hatte, war er geliefert. "Was steht da denn über mich?", Fragte er scheinheilig. "Hier steht, dass du mit einem Erich F. Drogen im Wert von einer Million Euro nach Deutschland geschmuggelt hast." Falsch es waren zwei Millionen gewesen. Hatten diese Deppen vom Zollamt denn das andere Zeug noch nicht gefunden?
"Hast du damit etwas zu tun, Mario?" Ihre Stimme klang flehend. Natürlich. Er war der ausführende Kopf gewesen. Ohne ihn wäre das alles gar nicht gelaufen. "Natürlich nicht. Zerbrech dir dein hübsches Köpfchen nicht darüber, Isabelle." "Und wieso schreiben die dann so was über dich?" Er überlegte und sagte dann mit einer Stimme, die verzweifelt klingen sollte: "Meine Großmutter ist gestorben, als ich fünfzehn war." Das stimmte, aber er hatte die alte Vogelscheuche so wieso nicht länger ertragen können. "Sie hatte mich aufgenommen, als meine Eltern beide sehr krank waren und hat sich um mich gekümmert. Sie war wie eine Mutter für mich. Ich war völlig verzweifelt und hab dann getrunken und Drogen genommen. Du weißt. Die Polizei hat mich erwischt und ich habe gleich eine Akte bekommen. Weil sie jetzt niemanden mehr für den Fall gefunden haben, muss ich wohl herhalten. Mach dir keine Sorgen Darling, alles wird gut. Ich komme wieder und dann werden wir heiraten." "Was?" Die Nummer mit dem Heiraten zog immer. "Isabelle, ich liebe dich so sehr. Du bist der einzige Lichtblick in meinem Leben und ich möchte dich immer bei mir haben." Er fand, dass dies eine äußerst schauspielerische Leistung war. Natürlich würde er sie niemals heiraten. Er brauchte seine Freiheit. Auch das ewige Treusein würde ihm auf die Nerven gehen.
"Oh, Mario. Es tut mir ja so schrecklich leid für dich. Ich war eben nur so überrascht und natürlich will ich auch immer mit dir zusammen sein, Liebling." "Es ist schon gut, aber bitte sag niemandem, wo ich bin. Mir geht es im Moment psychisch nicht so gut. Mein Vater wird vielleicht sterben und ich weiß nicht was ich tun soll. Er war immer eine Stütze für mich." Das war die größte Lüge, die je seinen Mund verlassen hatte.
Das Gespräch zog sich noch lange hin. Dann endlich kam dieser berühmte:
,Nein, -du-legst-zuerst-auf' Quatsch und dann konnte Lorenzo endlich auflegen. Die Frau nervte ihn tierisch. Er machte die dritte Packung Zigaretten auf und suchte vergeblich sein Feuerzeug. Verdammt, wo hatte er es bloß gelassen? Jetzt war der Tag gelaufen. Ohne seine morgendliche Zigarette konnte er sich nicht entspannen. Das würde ein schrecklicher Tag werden.
Er setzte sich wieder hinters Steuer und fuhr zurück auf die, noch leere, Autobahn. Der Schlaf war nicht sonderlich erholsam gewesen. Wenn er nicht bald einen Kaffee kriegen würde, würde er zusammenklappen.
Nach und nach füllte sich die Autobahn. Schließlich hielt er an einer Raststätte. Er zog seinen langen Mantel an und die Sonnenbrille, da er sich sicher war, dass inzwischen auch andere Leute von seiner kleinen ,Ungezogenheit' wussten. Er betrat die Eingangshalle. Dahinter lag das kleine Restaurant. Er stellte sich hinter eine junge Frau mit zwei Kindern an der Hand. Sie brauchte zehn Minuten um eine ganz normale Bestellung aufzugeben.
Lorenzo seufzte. Er wollte doch nur einen Kaffee, damit er nicht gegen den nächsten Baum fuhr.
Als er später endlich wieder im Auto saß, fuhr er sofort los. Die restliche Fahrt über hörte er Radio und versuchte sich dadurch abzulenken. Doch dann kam eine Meldung: "Die Polizei bittet um ihre Mithilfe. Der flüchtige Verbrecher Lorenzo, der vor drei Jahren den größten Drogenimport nach Deutschland durchgeführt hat, wird seit gestern polizeilich gesucht. Er ist schätzungsweise 1, 90 groß, dreißig Jahre altmuskulös und spricht mit einem leichten italienischen Akzent. Er hat schwarze, zurückgegelte Haare. Eine Belohnung wurde ausgesetzt. Sie beträgt fünftausend Euro." Lorenzo pfiff durch die Zähne. So teuer war er also. Die Bullen hatten also Probleme ihn zu kriegen. War ihm Recht so.
Gegen Nachmittag erreichte er seine Heimatstadt. Dort war er aufgewachsen, bis er sechzehn war. Dann hatte es diesen großen Streit mit seinem Vater gegeben und er wurde rausgeschmissen.
Lorenzo wusste noch genau, wo das Krankenhaus war. Er kämpfte sich durch die dicht befahrene Innenstadt. Nach zwanzig Minuten stand er vor dem riesigen Koloss. Er zögerte. Hatte seine Familie inzwischen auch von der Suche nach ihm erfahren? Zögernd ging er in das große Hauptgebäude.
Er hatte das Zimmer schnell gefunden. Er schloss die Augen und drückte dann die Klinke herunter. Erschreckt blickte er seinen Vater an. Er war kreidebleich und war an Dutzende Schläuche angeschlossen. "Hallo Vater." War er das wirklich? Dieser Mensch im Bett glich seinem Vater überhaupt nicht. Er hatte Tränen in den Augen "Mario, bist du das wirklich?" Er nickte. Die Tür- klinke hielt er fest umschlossen. Das Gefühl des Hasses trat nicht ein, wie er es vermutet hatte. Stattdessen spürte er, dass etwas falsch gelaufen war, etwas, das man nicht wieder gerade biegen konnte.
Aber so war es nun mal. Er hatte seine Welt, wurde polizeilich gesucht, hatte Tausenden Frauen ewige Treue versprochen und sein Vater lag in einem Bett, konnte sich nicht bewegen und sah seinen Sohn wieder, mit dem er ein Jahrzehnt nicht mehr gesprochen hatte.
"Komm her, Mario." Sein Vater streckte seine Hand aus. Sollte er seine Überzeugung, dass er diesen Mann auf ewig hassen würde, aufgeben? Zögernd ging er zum Bett. Er merkte, dass die Hand seines Vaters ebenfalls zitterte, als er seinem Sohn übers Gesicht strich. "Ich habe dich nie gehasst. Ich war enttäuscht von dir. Aber ich hatte dich nie gehasst."
Lorenzo war unfähig irgendetwas zu sagen. Alles was er wollte war ein Neuanfang. In ihm stiegen Tränen auf. "Ich gebe dir meinen Segen für alles was du tust. Ich weiß, dass du ein guter Junge bist."
Ein anhaltender Ton durchschnitt die Stille. Die Apparate empfingen keine Signale mehr. Sein Vater war gestorben. Zitternd befreite Lorenzo seine Hand aus der seines Vaters.
Er hatte Angst. Gründe dafür gab es nicht. Er hatte einfach Angst vor sich selbst, einem Verbrecher, der zu nichts anderes im Stande war, als andere Menschen zu verletzen. Doch er wusste, dass dieser Zug für ihn abgefahren war. Er kam sich vor, als würde er in einem Sumpf stecken, in dem er unmerklich sank. Nun steckte er schon bis zum Hals drin.
Lorenzo konnte den Leichnam seines Vaters nicht mehr sehen. Er drehte sich zur Tür um und rannte auf den Flur. Verdammt, er war ein erwachsener Mann. Er konnte jetzt nicht heulen wie eine Frau. Festen Schrittes ging er zum Ausgang.
"Hallo, Mario." Es war Vinzent. Er hatte sich kaum erändert. Das gleiche milchige Gesicht wie vor zehn Jahren. Eine Ähnlichkeit zwischen den beiden bestand nicht. Sein Bruder war schmächtig gebaut, hatte streng geschnittene Haare und trug teure Anzüge, die er sich eigentlich nicht leisten konnte. Lorenzo ging weiter. Das war nicht der richtige Moment für ein Wiedersehen mit seinem Bruder.
"Hey, hast du über mein Angebot nachgedacht?" Eigentlich hatte Lorenzo darüber nachgedacht, ob er die Sache doch lieber hinschmeißen sollte. Wirklich einen Neuanfang zu starten. "Ich mach's. Gib mir nur ein bisschen Zeit." Dann wandte er sich um und ging zu seinem Auto zurück.
Der verkehr war schrecklich auf der Autobahn. All diese glücklichen Familien, die mit ihren Kindern in den Urlaub fuhren.
Sein Handy meldete, dass er eine SMS erhalten hatte. Sie war von Isabelle. Er löschte sie, ohne sie zu lesen.
Der nächste Stau bahnte sich schon an. Die Autos hupten. Glücklicherweise konnte Lorenzo erkennen, dass 50 Meter vor ihm eine Abfahrt ab ging.
Die Geschichte ist natürlich noch nicht fertig und die Überschrift hat natürlich ich erst etwas mit dem nächsten teil zu tun, würde mich jedoch über Kommentare freuen
Kommentare
Christina schrieb am 2006-03-17 17:31:37:
Hallo!
Ich finde deine Geschichte echt klasse!! Super geschrieben!!! Freu mich schon auf den nächsten Teil!! =P Bye!
kurz@geschichten.de schrieb:
Schreib deine geschichten kürzer !
sagichnich@web.de schrieb:
Ich finde die Geschichte sehr gut und denke auch nicht, dass man sie kürzer schreiben sollte.
Allerdings finde ich es unrealistisch, dass der Vater genau in dem Moment stirbt, wenn Lorenzo an sein Bett tritt. Und kann man innerhalb weniger Minuten seine Meinung über seinen Vater ändern?
www.sdf@web.de schrieb:
sie ist zulang
Nina.Meyer@yahoo.de schrieb:
Traurig... :-( Aber gut geschrieben! Und es gibt noch viel längere Geschichten... Ich find sie gut! Sie ist mit viel Gefühl geschrieben!!!!
isi_happyqueen@hotmail.com schrieb:
Am Anfang kommt einem die Geschichte unheimlich lang vor und ich würde zum Anfang nicht so viel rumfaseln....sorry- aber ihr wollt doch ein Feedback!
storysite@storysite.de schrieb:
Noch tappe ich ehrlich gesagt im Dunklen, worum es bei dieser Geschichte eigentlich gehen soll, aber vielleicht lüftet der zweite Teil ja das Geheimnis
Die Nummer mit dem Zimmermädchen ist viel zu lang. Da reich tein Satz, vielleicht zwei, wenn Isabelle später noch einmal auftaucht
Insgesamt wären weniger Füllsätze wie "Als er später endlich wieder im Auto saß, fuhr er sofort los." besser und würden Deiner Geschichte mehr Tempo geben
Sprache
"nicht sonderlich gut gewillt waren" nicht gut gesonnen
"Wahrscheinlich war er wieso schon"
wieso? sowieso? am besten streichen
"hatten sie sich auf fünfzigtausend heruntergehandelt"
hatten den Preis ...heruntergehandelt
oder Mario den Händler
"eine ganze Eskorte Polypen hinter sich hatte."
eine Eskorte begleitet
Inhalt
" Er dagegen war von seinen Eltern verstoßen worden, als er mal wegen einer kleinen Sache in den Knast gekommen war. Anfängerfehler. "
Am Anfang schreibst Du, er sei noch nie erwischt worden
Warum schreibt der paranoide Lorenzo Isabelle seine Adresse auf- und welche Adresse? Er hat doch gar keine Wohnung?
Die Polizei würde kein Kopfgeld auf einen Drogendealer aussetzen und ihn per Radio suchen lassen
critic schrieb:
Die Story ist spannend und absolut nicht zu lang, dafür aber unrealistisch. Lorenzo hat ein typisches Verbrecher Image. Und seine Flucht ist sehr unrealistisch. Ein schwergesuchter verbrecher kann sich kaum in einem auffälligen wagen verstecken, und ausserdem hätte ihn sicher ein bulle bei seinem vater abgefangen. die sind ja auch nicht blöd. Dass der vater gerade in dem Augenblick stirbt tönt auch nach kitsch, lass ihm mehr zeit und lass ihn vielleicht etwas röcheln und stocken oder so. Die Idee aber ist gut, schreib weiter und werde immer besser!
p s hat auch noch ziemliche Rechtschreib-fehler, wenn auch nicht so viele wie viele andere auf der site :-)
uli_krueger@gmx.de schrieb:
Ich frage mich, warum sich alle wegen der Länge anpissen (man verzeihe mir den Ausdruck)! Hat irgendjemand mal gesagt, so lang und nicht mehr darf eine Geschichte sein? Wenn man letztendlich zum Ziel der story kommt, kommts doch auf die länge nicht! So, ende banane! ;-P
*g* schrieb:
Ich finde die Geschichte echt gut gelungen und auf die Länge kommts nun wirklich nich an!!! Cool das du sie geschrieben hast, die kann ich gleich für meine Hausaufgaben verwenden!!! ^o^
Antje schrieb:
Erst einmal vielen lieben Dank für die kommentare. Mit der Länge habe ich immer Probleme. Entweder muss ich einfach die Geschichte offen enden lassen wie hier(sorry einen zweiten Teil wird es wahrscheinlich nicht geben) oder die Hauptperson stirbt. Ist zwar ein wenig sadistsch, aber dann krieg ich's wenigstens fertig. Vielleicht ist die Geschichte ein wenig unrealistisch. Mit der Verfolgung aber ich hatte halt einfach die Idee mal sowas zu schreiben und hab's dann einfach gemacht. Und für alle die den Tod mit dem Vater kitschig finden: Ich hab echt lange daran gesessen und weiß selbst, dass es wie Rosamunde Pilcher klingt. Vielen dank für den Tipp mit der Polizei, die den Vater eigentlich bewachen müsste, fällt mir jetzt auch auf. Aber ich möchte jetzt einfach mal das rätsel um den Titel und das ende lüften. Also: Lorenzo fährt von der Autobahn ab. In seiner alten Heimatstadt trifft er auf seine Cousine, mit der er früher mal verbotener weise was hatte. Die ist jetzt verheiratet. Lorenzo hatte sich aber trotzdem nen bisschen mehr als nur Gespräche gewünscht, fährt dann aber wieder. Irgendwann sieht er dann mal auf einer Landstraße ein Postauto, dass im Graben liegt. Er nimmt die Briefe an sich um darin mal ein bisschen rumzustöbern( Geld, Geheimnisse...) Dabei stößt er darauf, dass eine frau einen Überfalll begangen hat und nicht erwischt wurde. dies schreibt sie einer Freundin. Lorenzo kommt auf die Idee, da er knapp bei Kasse ist, die Frau zu erpressen. Irgendwie kommen sich die beiden dann näher,und die fRau liefert Lorenzo dann bei der Polizei aus.So Ende. (Uups, mein Kommentar ist beinah so lang wie die geshcichte.) Na, ja noch mal danke fürs lesen. Antje
Lucita schrieb:
Hmmm..ich finde die Geschichte gut, nur einige Stellen sind entweder zu kurz oder zu lang gehalten.
Was ich äußerst ärgerlich und auch nicht sehr diszipliniert finde, ist, dass es keinen 2. Teil geben wird. Es ist unfair die Erwartungen der Leser zu enttäuschen, bloß weil man keine Lust mehr hat.
Cibi schrieb:
Der Anfang gefiel mir sehr gut deswegen las ich uach weiter is echt gelungen die Story jedoch tat ich mir schwer den Zusammenhang herauszulesen. Den Teil mit dem Zimmermädchen fand ich etwas zu abgedroschen und übertrieben sonst oklay mach weiter so
nemico@web.de schrieb:
Ist zwar keine Kurzgeschichte, aber recht gut geschrieben. Hier und da noch etwas holperig, aber wirklich nett.
deutsch@web.de schrieb:
hi also der anfang ist wirklich super geschriebn doch der hauptteil ist zu wenig ausgebazut du müsstest die begegnung mit dem vatre weiter ausschmücken,...
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