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Kategorien > Mysterie > Erlebnisse

Cellardoor

von Michael Behofsics

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Das Haus in dem Marvin wohnte war ein zweistöckiges, robustes, um 1920 erbautes Prachtstück. Hie und da knarrte mal ein Brett oder eine Stufe aber alles in allem hatte es die Jahre gut überstanden, es wurde ja auch richtig gepflegt. Wenn man in das Haus kam fühlte man richtig wie gut sich das Haus fühlte, weil es ja so gut gepflegt wurde.
Doch seit einer Weile hatte sich etwas verändert. Marvins Frau war mit einem anderen Mann verheiratet, und hatte ihre gemeinsame kleine Tochter mitgenommen. Mehr Bretter knarrten und mehr und mehr Stufen ächzten. Die Türen fingen an zu quietschen. Staub lag wie der Ausdruck des Unwohlseins auf allen Regalen, auf den Tischen, bis auf den auf dem Marvin aß. Die Fensterläden klapperten schon beim leichtesten Luftzug, und das Treppengeländer fing auch an zu wackeln. All das seit Marvin allein in diesem großen Haus war. Er war Schriftsteller, seine Frau hatte ihn verlassen weil er sich mehr und mehr abkapselte. Dann saß Marvin im Keller, den er sich gemütlich eingerichtet hatte und als Ruheraum nutzte, um zu schreiben. Sie hatte viel Geduld mit ihm gehabt, aber nach zwei Jahren der Einsamkeit und Frustration war es ihr zuviel und sie ging. Sie hatte ihm einen Zettel auf den Küchentisch gelegt sodass er ihn gleich finden würde wenn er aus dem Keller kam. Die Tür zum Keller lag nämlich genau zwischen dem Herd und dem Spülbecken. Der Küchentisch lag der Kellertür genau gegenüber. Erst drei Tage nachdem sie und das Mädchen gegangen waren, fand er den Abschiedsbrief. Als er ihn fand, holte er eine Flasche Whiskey und ging wieder in den Keller.
Er weinte ein paar Minuten und setzte sich dann wieder, um zu schreiben, an den Computer.
Die Kellertür war die einzige Tür im Haus die nicht quietschte, dafür knarrten und ächzten die Stufen umso mehr. Das Haus fühlte sich nicht wohl. Marvin schlief kaum mehr. Er verbrachte Tag und Nacht im Keller, ob nun zum schreiben oder nicht, das Haus verließ er nur noch um Spärlich einzukaufen, er aß beinahe nichts, trank dafür umso mehr. Die Heizung fing nun auch an zu gluckern und zu klopfen, lauter als bisher. Um Geld machte er sich keine sorgen, er hatte genug Geld gespart um noch ein paar Jahre auszukommen, ein Auto hatte er ja nicht abzuzahlen, Strom verbrauchte er so gut wie keinen. Genauso wie Wasser oder Gas. Und das Haus war voll bezahlt. Nach einer weile saß er im Keller und hörte eine Stimme.
„Hallo Papa.“
Marvin schloss die Augen. “Hallo mein Schatz. Hallo. Was ist denn los mein Engel?“
„Ich mach mir sorgen Papa.“
Marvin legte den Kopf ein wenig zur Seite. “Aber wieso denn mein Engel?“
„Das Haus ist traurig.“
Marvin nahm mit geschlossenen Augen eine Zigarette aus dem Päckchen und zündete sie an.
„Das Haus ist traurig? Wieso glaubst du denn dass das Haus traurig ist mein Engel?“
„Es ist traurig, weil du traurig bist.“
„Aber ich bin doch nicht traurig.“
„Doch bist du, das Haus hat es gesagt.“
Marvin öffnete die Augen. Er war allein. Die Zigarette war bis auf den Filter heruntergeglommen.
Er stand auf. „Aber das Haus kann dir doch gar nichts erzählen mein Engel.“
„Doch, es spricht die ganze Zeit.“
Während er zu einem Regal in der hinteren Ecke des Raumes ging lachte er leise.
„Aber nein, ein Haus besteht doch nur aus Holz und Beton und Stoff und Kabeln und Metall, es kann nicht reden.“
„Es sagt du bist traurig und das es nicht will das du hier bist.“
„Nun, aber es gehört mir. Es kann mir nicht sagen wo ich sein darf und wo nicht.“
Marvin nahm eine Trittleiter, und platzierte sie unter einem Balken der etwa zweieinhalb Meter über dem Boden war.
„Nicht so, es meint du darfst nicht mehr weitermachen.“
Er warf einen Strick über den Balken und befestigte ihn.
„Naja aber das Haus ist doch schon ziemlich alt, vielleicht irrt es sich.“
„Nein es irrt sich nicht. Es irrt sich nie.“
Er band einen Galgenknoten und legte ihn sich um den Hals.
„Und woher weißt du das?“
„Das Haus hat es gesagt.“
„Vielleicht lügt das Haus.“
„Aber Papa, Häuser lügen doch nicht.“
„Hm..ja du hast wohl recht.“
Er stieß die Leiter zur Seite. Der Balken knarrte und ächzte, aber er hielt.
Marvins Todeskampf dauerte einige Minuten.
Draußen Klapperten die Fensterläden.
Ein Luftzug öffnete die Kellertür. Quietschend öffnete sie sich und fiel knarrend aus den Angeln.

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Kommentare

Michael behofsics schrieb am 2006-10-16 16:14:47:
freut mich sehr zu lesen, das euch meine geschichten gefallen, ich werde in naher zukunft weitere posten.
christoph schlüter schrieb am 2006-10-11 00:00:03:
Recht hat Coils! Deine Stories sind in der Tat alle recht faszinierend und fesselnd.
Wenn du dich noch etwas mehr von deinen literarischen Vorbildern löst, wird diese Wirkung noch viel stärker!
Ich werde in Zukunft nach neuen Stories von Dir Ausschau halten.
Gruß, Chris.
Coils schrieb am 2006-10-10 13:12:58:
Das klingt vielleicht komisch, aber Deine Stories sind mit die ersten, die mich tatsächlich bewegen - noch keine, die ich nicht in irgendeiner Weise faszinierend oder fesselnd fand - welch tragisch Schicksal...

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