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Kategorien > Mysterie > Seltsam

Cheyenne

von Raziel

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Ihr Lachen klang süß und war so erfrischend wie die ein leichter Schauer im Hochsommer. Wenn die Luft dann so angenehm würzig und natürlich duftet -befreit von all dem Schmutz der Autos, Fabriken und Flugzeugen- fühle ich mich genau so. Ich drehte den Kopf und sah von meinem Auto auf. Meine Hände waren schmutzig und auch der Rest von dem ganzen Kerl, meiner Wenigkeit, war schwarz verdreckt. Sofort fiel mir ihr Kastanienfarbiges Haar ins Auge. Es umrahmte ihr schönes Gesicht und brachte ihre Augen zur Geltung, die zwei Sterne bargen. Um ihre Pupille war ein Goldbrauner Stern, der von einer blaugrauen Iris umschlossen wurde. Zwei Inseln in endlos tiefen Gewässern. Ich war damals 19. Mein Haar war lang, dicht und schwarz. Smaragdgrüne Augen schauten aus dem verschmutzten Gesicht hervor und blickten stets neugierig. Sie warf einen kurzen Blick auf meinen rechten Arm, der drei vertikale, große Narben hat, die ich mir irgendwann zuzog.
Ich stand auf und wischte mir die Hände, an einem Tuch. Sie war einige Zentimeter kleiner als ich. Trotzdem wirkte sie nicht klein. So standen wir, mitten in der Pampas und sahen uns neugierig an. Mein altersschwacher Ford hatte den Geist aufgegeben und das nicht zum ersten mal. Wieder mal der Keilriemen.
Wo war sie hergekommen? Es waren mindestens 80 Kilometer bis zur nächsten Ortschaft. Sie hatte kein Fahrzeug und stand, im Designerkostüm, wie frisch geduscht da. Zudem war es gerade dunkel geworden.
"Ich bin Cheyenne", antwortete sie auf meine unausgesprochene Frage.
Ein ungewöhnlicher Duft ging von ihr aus. Eine Mischung aus frisch gewaschener Wäsche und aufgebrühtem Kaffee. Beide Düfte liebe ich.
Etwas zaghaft erwiderte ich ihr Lächeln. Bevor ich meinen Namen nennen konnte, ergriff sie meine Hand, wie meine Freundin es getan hatte, als ich 6 war.
"Komm mit, Jack. Ich will dir etwas zeigen", sagte sie und zog mich mit sich. Woher kannte sie meinen Namen?
Sie lachte wieder dieses süße Lachen, als sie mein verdutztes Gesicht sah. Ich ließ mich mitziehen. Wenige Schritte gingen wir, als wir an eine Anhöhe kamen, die von Kakteen übersät war. Schon vor dem Erdbuckel hörte ich Musik und sah leuchtendes Farbenspiel. Dann sah ich es und konnte es einfach nicht glauben. Da war ein Rummel, mitten in der Wüste. Mit Riesenrad, stärksten Mann der Welt, Hau den Lukas, Geisterbahn und bärtiger Frau. Es erinnerte stark an einen Rummel, wie man ihn von früher kannte. Die Besucher trugen Kleidung, wie man sie vor etwa 70 Jahren, in den dreißigern trug. Der stärkste Mann der Welt war ein bärtiger Fettsack, mit ungepflegter Haut und Glatze. Er wirbelte in der linken Hand eine schwarze Kugel, auf der in großen Lettern das Gewicht, von einem Zentner, stand. In der rechten Hand, hielt er einen Stuhl in der Luft, auf dem eine hübsche Frau saß, die ihre Beine zeigte. Daneben spie ein kleinerer Mann Feuer, wie ein mythischer Drache. Es roch nach Popcorn, Zuckerwatte und gebrannten Mandeln. Ein junges Paar stand am Schießstand und er imponierte mit seinen Schießkünsten. Ich konnte Waffen noch nie ausstehen. Sie waren zu nichts nutze. Außer um Schaden anzurichten. Cheyenne drückte kurz meine Hand und setzte mir einen unerwarteten Kuss auf die Wange.
"Darum mag ich dich. Ich finde Waffen auch fürchterlich."
Wieder sah ich sie verdutzt an. Hatte sie meine Gedanken gelesen?
"Woher kennst du mich? Und warum führst du mich hierher?"
Meine Frage war ganz klar und eindeutig. Dennoch antwortete sie nicht darauf und lächelte wieder so geheimnisvoll.
"Cheyenne?" Hakte ich nach.
Doch sie deutete statt dessen auf eine Menschenmenge vor dem Riesenrad. "Sieh hin!"
Ich sah hin. Da stand ein abgemagerter Wolf, alt und verbraucht. Er war angeleint und wurde von den Leuten, die ringsum standen, angestarrt und bespuckt. Ich wurde wütend. Das arme Tier hatte den Schwanz zwischen die Beine geklemmt, zitterte und winselte. Die Leute lachten.
"Das ist Tsitsistas. Er war der stolze Anführer eines großen Rudels, dass die Wüste durchstreifte und die Hasenplage eindämmte. Wilderer haben sein Rudel umgebracht, die Felle verkauft und nur ihn übrig gelassen, weil er zu alt, sein Fell zu matt war. Sie haben ihn an diesen Rummel verkauft.
Ich wurde immer wütender und mein Herz zersprang fast vor Mitgefühl, mit dieser erbarmenswerten Kreatur. Entschlossen ging ich auf die Situation zu, schob mich durch die Menge und machte mich daran, die Leine loszubinden. Ich würde dieses Tier mitnehmen und den Rummelbesitzer anzeigen.
"Was machst du da?" Die Stimme donnerte durch das Getöse der Menge und sorgte augenblicklich für Ruhe.
"Ich werde Tsitsistas befreien und sie, Mister, werden mit einer Klage rechnen müssen."
Er lachte und seine Stimme troff vor Sarkasmus.
"Du? Du kleiner Wicht! Du wirst schon sehen, was du davon hast. Red! Schaff mir diesen Idioten aus den Augen."
Ich schluckte trocken, als ich sah, wer Red war. Es war der riesige Fettsack, der einen Zentner locker auf den Händen balancieren konnte. Er würde mich zerreissen, wie ein altes Taschentuch. Trotzdem! Ich konnte Tsitsistas nicht im Stich lassen. Sie würden dieses arme Tier zu tode quälen. Ich überdachte meine Chancen. Der Kerl war einen ganzen Kopf größer als ich. Er wog mindestens das Doppelte und seine Oberarme glichen Baumstämmen. Mein einziger Vorteil war, dass ich schneller sein konnte. Ich musste ihm so lange ausweichen, bis er seine Deckung entblößt und ich ihn da treffen kann, wo es ihn sofort umhaut. Ich musste ihn zuerst zu Boden bringen und dann seine Eingeweide bearbeiten. Nun sahen die Leute mich an. Sie hatten wieder diesen sensationsgierigen, gewaltgeilen Blick. Sie wollten Blut sehen. Ich ging in Kampfstellung. Tsitsistas gesellte sich an meine Seite und knurrte Red an. Offenbar fühlte er sich im Rudel stärker. Dann würden wir gemeinsam kämpfen. Tsitsistas fletschte die Zähne und zeigte damit dummerweise, was er nicht mehr hatte.
"Toll gemacht", raunte ich ihn an.
Der Wolf fiepte endschuldigend. Die Menge machte Red platz. Er wälzte sich, wie eine Naturgewalt, auf seine ungleichen Gegner zu. Bevor er zum Zug kommen konnte, warf ich mich nach links und trat ihm in die Kniebeuge. Jeden normalen Menschen hätte dieser Tritt gefällt, aber nicht dieses Monster. Er lachte und ließ es mich weiter versuchen. Diesmal verpasste ich ihm einen Schlag in die Nieren, den er gähnend wegsteckte. Ich versuchte es erneut und verpasste ihm einen Kinnhaken, der seine Zähne lautstark aufeinander schlagen ließ. Nun lachte er nicht mehr. Von weit oben, blickte er wütend auf mich herab. Bevor ich reagieren konnte, hatte er mich gepackt und nahm mich in den Schwitzkasten. Seine schmierigen, fetten Arme nahmen mir die Atemluft. Ich kämpfte weiter, trat und schlug. Alles umsonst. Der Kerl spürte nichts. Gerade als ich dabei war, das Bewußtsein zu verlieren, schrie der Fettsack laut und ließ mich los. Dabei riss er meine schwarze Digitaluhr von meinem Handgelenk. Das billige Plastik hielt nichts

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Kommentare

TJ Omar schrieb am 2008-11-23 22:24:47:
Hey, diese Geschichte ist wirklich ganz gut. Mir gefällt sie ganz ausgezeichnet. Ich konnte mir alles gut und bildlich vorstellen. Hör nicht auf zu schreiben und mach noch mehr solche guten Geschichten, die du hier reinstellen kannst. Respekt.

MfG TJ Omar
Frau Sonnenschein schrieb am 2008-11-11 15:56:49:
Ja Raziel, du hast mich mal wieder überzeugt. Ganz toll geschrieben. Ich bin begeistert und gratuliere Dir zu Deiner bemerkenswerten
Fantasie gaaanz LG
Gimliy schrieb am 2008-11-11 08:51:30:
Hi. Deine Geschichte ist extrem toll! Sie erklärt alles und lässt trotzdem etwas offen. Sie ist sehr spannend und aber auch sehr gefühlsstark und regt Mitgefühl aus. Mir gefällt sie wirklich gut und ich werde sie zu meinen Favvouriten hinzufügen.
Liebe Grüße: Gimliy

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