Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Erotik > Frauensache

Christa von Drostenburg

von Daniel S

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60

Franks Behausung – pardon, seine „Literatenklause“ – ist von bohèmehafter Unzulänglichkeit, wie es sich für einen Ringelnatzjünger gehört! Als „Arbeitsplatz“ benutzt er einen alten IKEA-Küchentisch, auf welchem auch die bejahrte Olympiaschreibmaschine thront, die er von seinem Großvater mütterlicherseits geerbt hat. Auf dem Platz, den die Schreibmaschine noch frei läßt, türmen sich Manuskripte. Weitere – teilweise im Zorn in Fetzen gerissene – literarische Ergüsse liegen neben und unter dem Schreibtisch auf dem verschlissenen Teppich. Die verstreut im Zimmer herumliegenden Blätter lassen den ursprüngliche Text unter zahllosen hingekritzelten Korrekturen und Bemerkungen oft kaum noch erkennen. Manche Buchstaben tanzen überdies nach oben oder unten aus der Zeile, denn die Mechanik der Schreibmaschine ist schon etwas klapprig.
Neben dem „Schreibtisch“ ist Franks Dachkammer auch noch mit einem Drehstuhl, einem Bett, einem alten Schlafzimmerschrank, einer Biedermeierkommode, einem vollgestopften Bücherregal und einem kleinen Gasofen möbliert. Eine Stehlampe im 50erjahre-Design, eine rote Klemmlampe am Bett, ein auf der Kommode stehendes großes Grundig-Röhrenradio mit „magischem Auge“, eine Doppelkaffeemaschine, eine elektrische Kochplatte und diverser Krimskrams, der sich in den bisherigen 25 Lebensjahren des jungen Dichters angesammelt hat, vervollständigen die Einrichtung. Ein an diese Studentenbude angrenzendes und von ihr nur durch einen einfachen Vorhang getrenntes Kämmerchen beherbergt ein kleines, verwinkeltes Badezimmer mit einer Toilette, einem Waschbecken und einer etwas schmal geratenen Dusche.
Frank stammt ursprünglich aus Dinslaken. Er wollte im Gegensatz zu seinem Vater kein „Postbeamter im mittleren Dienst“ werden, sondern Literatur studieren. Sein Vater tat alles, um ihm dieses Studium auszureden, das ja doch nur zu einem unsteten Studentenleben und einer ungesicherten Zukunft führen würde. Frank setzte sich jedoch letztendlich gegen seinen Vater durch und begann ein Literaturstudium an der Universität in Göttingen. Franks Begeisterung für das selbstgewählte Studium verflog allerdings schon nach recht kurzer Zeit, denn er mußte bald enttäuscht feststellen, daß seine Vorstellungen bezüglich interessanter und lesenswerter Literatur von denen der Dozenten erheblich abwichen. Ringelnatz, den Frank besonders verehrte, wurde kaum erwähnt und sein Verdacht, sich gründlich verschätzt zu haben, nahm spürbar zu.
Er ging allmählich immer seltener in die Vorlesungen und verbrachte statt dessen mit einigen Gleichgesinnten ganze Nächte in Studenten- und Künstlerkneipen. Im Laufe der Zeit erwuchs in Frank schließlich der Wunsch, ein „Vollerwerbs-Schriftsteller“ zu werden. Frank lief nun oft stundenlang in Göttingen und Umgebung herum, um das Tun und Treiben der Menschen zu beobachten, wobei ihn gelegentlich Freunde und Gesinnungsgenossen begleiteten. Stets trug er ein kleines Notizbuch in der Jackentasche, worin sich während seiner Wanderungen Verse, Gedichte und kleine Skizzen sammelten.
Das Studium hatte Frank inzwischen gänzlich aufgegeben, was er seinen Eltern allerdings verschwieg, da er nicht wußte, wie er ihnen diese plötzliche Änderung seiner Zukunftspläne begreiflich machen sollte. Seinem Vater fehlte das Verständnis für die „brotlosen Künste“, wie er sie nannte, weitgehend  infolgedessen bekäme er gewiß beinahe einen Herzanfall, wenn er von Franks Plänen erführe, eine Karriere als Schriftsteller zu beginnen. Franks Mutter würde allerdings – wie schon bei allen vorhergehenden Familienstreitigkeiten – ihr Möglichstes tun, um den zeternden Vater zu beruhigen. Dieser ginge schließlich grollend in seine geliebte Eckkneipe, um dort Stammtischweisheiten über den Werteverfall in Deutschland zum besten zu geben.
Und so sitzt nun Frank, der seiner gemütvollen Mutter diese unerfreulichen Szenen auf jeden Fall ersparen möchte, gedankenversunken in seiner Dachkammer:
Auf Franks „Schreibtisch“ liegt seit einigen Tagen ein angefangener Brief an seine Eltern, in welchem er ihnen nun endlich die Wahrheit über seine Zukunftspläne sagen will. Er hat in den vergangenen Monaten bereits mehrere Briefe dieser Art begonnen und nach wenigen Sätzen wieder zerrissen, weil sie entweder zu konkret oder zu beschönigend gerieten.
— einige Wochen vergehen —
Mittlerweile ist Franks pekuniäre Lage nicht mehr ganz so prekär, denn erste Erfolge erzielte er mit seiner Schriftstellerei schon. Ein örtlicher Zeitungsverlag hatte sich dazu bereit erklärt, einige der gelungeneren Gedichte und Erzählungen probeweise abzudrucken. Diese wurden von den Lesern bisher recht gut angenommen, weshalb der Verlag inzwischen jedes veröffentlichte Dichtwerk mit einer Provision honoriert.
Franks Eltern können ihrem Sohn für sein Leben in Göttingen nur eine relativ bescheidene finanzielle Unterstützung zukommen lassen  das „Zubrot“, welches durch seine schriftstellerische Tätigkeit entsteht, kommt ihm deshalb als Verbesserung seines Lebensstandards sehr zupaß. Frank hat sich inzwischen unter anderem eine neue Schreibmaschine zulegen können – ein Computer wäre ihm wesentlich lieber, er würde seine finanziellen Möglichkeiten momentan jedoch um ein Vielfaches übersteigen. Mit einem Mal verspürt Frank ein Gefühl der Erschöpfung, dies ist allerdings nicht sehr verwunderlich, denn die Sonne schickt sich soeben an, hinter den Dächern der Nachbarhäuser zu verschwinden. Frank steht leise stöhnend auf und streckt seine vom langen Sitzen steif gewordenen Glieder; schließlich öffnet er das Fenster so weit es geht, um die milde Luft des außergewöhnlich warmen Herbstabends hereinzulassen.
Aus den hohen Pappeln der benachbarten Gartengrundstücke ertönt lebhaftes Vogelgezwitscher, wodurch Frank Lust auf einen gemütlichen Spaziergang durch das abendliche Göttingen bekommt. Er dreht das Radio an und hört gerade noch das Ende der Nachrichten mit der Wettervorhersage: die Nacht soll trocken und bis in den späten Abend hinein fast genauso warm wie der Tag bleiben! Frank angelt seine Birkenstocksandalen unter dem Bett hervor, wobei er durch einen Zufall die „Phantasusverse“ von Arno Holz wiederfindet, ein Buch, das er schon mehrfach vergeblich in allen Ecken seiner Schriftstellerklause gesucht hatte!
Glücklich über diesen ebenso unerwarteten wie erfreulichen Fund tauscht Frank seinen barock gemusterten „Inspirationsbademantel“ gegen Sandalen, Jeans und T-Shirt aus, füllt die benutzte Kaffeetasse im Waschbecken mit Wasser und sammelt dann noch einige der mißlungenen Manuskripte vom Fußboden auf, um sie beim Verlassen des Hauses in die Mülltonne zu werfen. Er öffnet noch einmal weit das Dachfenster, wobei ihm jetzt allerdings ein entgegen der Wettervorhersage leicht auffrischender Wind ins Gesicht weht und auch einige Wolken am Horizont sichtbar werden.
„So viel zum Thema Straßencafé!“ geht es Frank durch den Kopf, und leise seufzend zieht er nun doch ein Paar Socken an. Nachdem er sich noch rasch ein

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.