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Kategorien > Krimi > Liebe

Cúrre - Der Fall Alisen Morgan

von Elisa Messerschmidt

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Alles fing mit einem harmlos wirkenden Fall an. Diese Art von Fällen landeten zu dutzenden auf den Schreibtischen der Polizei und erwiesen sich meist als Ausreißer oder Fehlalarm.
Madlene Cúrre arbeitete seit zwei Jahren als Polizistin in Deutschland, nach dem sie aus Frankreich eingereist war, hatte sie sich hier eine völlig neues Leben aufgebaut.

14:30 Uhr 25.12.2004
Cúrre bekam einen von diesen harmlosen Fällen zusammen mit einem Fall von Kleinkriminellen von ihrem Vorgesetzten auf ihren Schreibtisch gelegt. Der Fall der Vermissten entsprach dem Standardschema. Die Beamtin vermutete das die junge Frau einfach davon gelaufen war um bei ihrem Freund zu sein oder Ähnliches. Doch um ihren Chef nicht zu reizen, da er die Eltern der Vermissten kannte, hängte sie sich sofort dahinter – außerdem hatte sie bis jetzt eine Auflösungsquote von 100 %% und das sollte sich wegen so etwas nicht ändern.

Vermisst:

Name: Alisen Morgan

Geburtsdatum: 01.01.1984

Vermisst gemeldet von: Antonia und Felix Morgan (ihren Eltern)

Verlauf:

Alisen Morgan verließ am 24.12. 2004 um 13:00 Uhr das elterliche Haus um ihre beste Freundin Taischa Mour zu besuchen. Dort kam die Vermisste jedoch nicht an (T. Mour war über Heiligabend verreist). Als sie am nächsten Morgen ca 10:00 Uhr nicht auf zufinden war, begannen die Eltern sie zusammen mit Freunden der Familie zu suchen.
Am 25.12.2004 um 13:30 Uhr gaben die Eltern die Vermisstenanzeige auf.
Sie beschrieben Alisen Morgan als sehr ruhige und in letzter Zeit sehr zurück gezogene junge Frau.

Anlagen:
- Bilder und Lebenslauf von Alisen Morgan
- Lebensläufe der Eltern

Cúrre beschloss zunächst die Familie direkt zu befragen, bevor sie sich mit den Papierkram befasste, der wahrscheinlich nichts Hilfreiches enthielt. Sie warf sich ihren Mantel über, setzte sich ihre Sonnebrille auf, packte die Akte in ihre Tasche und wagte sich zusammen mit einem Kollegen in die Kälte. Im Gegensatz zu ihrem Kollegen dachte sie gar nicht daran ein von den üblichen Streifenwagen zu nehmen, stattdessen stieg sie mit dem Argument: „Die Familie hat eh schon genug Sorgen. Da brauchen sie keinen Streifenwagen vor der Tür, “ in ihren silbernen VW, der wie ein schnurrendes Kätzchen ansprang.

Sie verließen im hohen Tempo die Innenstadt. Es dauerte keine zehn Minuten bis sie das Haus der Familie Morgan in einem Vorort erreichten. Nach mehrmaligen Klingeln öffnete ihnen ein sehr alt wirkender Mann. „Herr Morgan? Ich bin Madlene Cúrre von der Polizei und das ist mein Kollege Philliph Meyer.“ Beide zeigten ihren Ausweis vor: „Können wir kurz rein kommen und mit Ihnen und Ihrer Frau reden?“ Der Mann trat zur Seite und ließ sie herein: „Aber nur kurz, meiner Frau geht es nicht gut. Hier entlang.“ Sie folgten ihm ins Wohnzimmer, wo Frau Morgan wie ein Häufchen Elend auf dem Sofa saß.

15:15 Uhr Haus der Familie Morgan
Frau Morgan konnte nicht aufhören zu weinen, daher fing ihr Mann an, sie im Arm haltend, zu erzählen: „Alisen wollte Gestern nach dem Weihnachtsessen zu ihrer Freundin Taischa Mour. Sie wollte sich abends melden und uns sagen ob sie dort übernachten würde.“ Die Frau brach in einen Schluchtsanfall aus und Cúrre reichte ihr ein Taschentuch. Meyer fragte: „Und dann?“ „Wir haben schließlich gegen 22:00 Uhr dort angerufen um uns zu erkundigen ob.... . Doch Taischa war seit Ferienbeginn nicht zu Hausee und ihre Familie war auch erst gerade zurück.“ Madlene Cúrre nickte und meinte bevor ihr Kollege etwas sagen konnte: „Ist es wahrscheinlich das sie einfach so los gegangen ist und als ihre Freundin nicht da war einfach woanders hin ging?“ „Nein,“ die Mutter sah auf; „sie sagte uns sie wären verabredet gewesen.“ Der Beamte seufzte: „Also hat Ihre Tochter Sie belogen.“ Und schon flossen wieder Tränen.

Madlene fragte sich wie man so unsensibel sein konnte und trat ihrem Kollegen unter dem Tisch verdeckt auf den Fuß, während sie sich wieder an den Vater wandte: „Haben Sie eine Ahnung wo sie hin gegangen sein könnte?“ „Nein,“ der Vater stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch. „Hat sich Ihre Tochter in letzter Zeit verändert, vielleicht ein neuer Freundeskreis oder gar einen Freund?“ Sekundenlanges Schweigen, dann nickte der Vater: „Ja. Es begann etwa vor einem Jahr so im Oktober. Sie schloss sich immer ein und redete immer weniger mit uns. Ihre Kleidung wurde düster und sie war abends kaum noch zu Hause, übernachtete woanders und ließ uns kaum noch an ihrem Leben teilhaben.“ Die Mutter nickte: „Wir dachten es wäre nur eine Phase aber jetzt.“ Die junge Beamtin seufzte: „Tut mir leid. Darf ich mir mal ihr Zimmer ansehen.“ „Sie hat es wie immer abgeschlossen.“ „Meyer rufen Sie die Spusi und bleiben sie bei den Eltern.“

Ihr Kollege wollte protestieren, doch da er ihre Maroden schon kannte, verkniff er sich einen Kommentar und griff nach dem Telefon.

16:00 Uhr Alisen Morgans Zimmer
Als Madlene Cúrre allein vor dem Zimmer im ersten Stock stand zog sie ein Dietrichsatz aus ihrer Jacke und sah sich noch einmal kurz nach ihrem Kollegen um, der aber brav mit der Familie im Erdgeschoß wartete. Sie hatte keine Ahnung was sie erwarten sollte und öffnete langsam die Tür. Mit einer Taschenlampe leuchtete sie hinein. Denn obwohl es draußen noch hell war, herrschte in dem Zimmer tiefe Dunkelheit. Mit Handschuhen und Taschenlampe bewaffnet betrat sie den Raum – der mehr an eine Rietenhöhle eines satanischen Kultes erinnerte, als an ein Zimmer einer neunzehnjährigen Schülerin. Alles war mit schwarzen schweren Stoffen verhangen und blutrote Zeichen zierten die Wände. Überall fanden sie altlateinische und rumänische Schriftzüge. Auf jeder glatten Fläche standen Kerzen oder dämonische Figuren. Cúrre murmelte: „Wo bist du da nur rein geraten Kleine.“

Der Mittelpunkt des ganzen bildete ein Schwarz angemalter Schrank. Auf alles gefasst öffnete sie ihn. Dieser Anblick ließ sogar sie erschauern: Die Kleine, die nicht viel jünger war als Cúrre war einem Vampirismus verfallen. In der Mitte hing ein Bild von einem jungen Mann von etwas 28 Jahren. Er trug gelbe Kontaktlinsen, hatte spitze Eckzähne, dunkel braune wuschige Haare und war blass geschminkt. Rund herum um dieses Bild waren rumänische Runen verteilt und unten standen vier Figuren um eine schwarze steinerne Schüssel. „Die vier Reiter der Apokalypse,“ sie sah sich die Schüssel näher an und stöhnte erschrocken auf. Auf dem Grund und am Rand waren dunkle Schatten. Die junge Frau schien ernsthaft Blut getrunken zu haben. Sie überließ das Zimmer der Spusi und ging wieder nach unten.

Zu ihrem Kollegen Meyer meinte sie: „Das ist keine normaler Fall, dass ist satanische Folter, ich muss das Mädchen finden bevor ihr irgendwas passiert.“ Ihr Kollege seufzte: „Du willst immer gleich die ganze Welt retten. Vielleicht ist es ja nur Farbe in der Schüssel und alles nur Spielerei.“ „Vertrau mir Phillip, das ist alles andere als harmlos. Ab hier bist du nur noch offiziell mein Partner, das ist zu gefährlich.“ Meyer

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