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Kategorien > Liebesbeziehung > Gestern und heute

DER KAFFEEDUFT DAVOR

von Lex Divina

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D E R K A F F E E D U F T D A V O R


ist ein Cappuccinoschaumstreifen danach.


Sie beugt sich langsam über die Kaffeetasse. Der ungezwungene milde Duft nach frisch gemahlenen Kaffeebohnen umschmiegt wie eine erfrischende Gesichtsmaske aus Yoghurt und Gurken ihr Gesicht. Sie streckt ihren rechten Arm aus. Mit fast geschlossenen Augen und halb geöffneten Lippen, auf denen ihre Zungenspitze fast unsichtbar geschmeidig hin und her gleitet, greift sie nach dem muschelförmigen Porzellangriff. ...

... Er hat so anziehende Ohren. Kleine Muscheln, bedeckt mit leicht pulsierenden (Sinnes-)Härchen, mit watteweichen Ohrläppchen, die in ein warmes, fast durchsichtigblasses Rot eingetunkt sind. Sie presst ihre fiebernde Wange fest an eine dieser Muscheln. Immer wieder. Und hört das Meer rauschen. Immer wieder. Wie es sich aus den dunklen Tiefen langsam emporhebt. ...

... Und plötzlich ist die Tiefe wie weggeschmolzen. Und der kraterartige Abgrund bläst sich wie ein gigantischer Luftballon auf. Und sie steht vor einem imposanten Gebirge, dessen Spitze sich zwischen den Wolken verliert. Denn die Welt steht auf dem Kopf. Weil sie auf dem Kopf steht. Weil ihr Herz auf dem Kopf steht. Ihr Brustkorb platzt. Die Seele fließt wie Honig aus der hervorstechenden Wunde. Schmetterlinge gleiten durch die leichte Windluft. Mit erstarrten Flügeln. Als wären sie aus Eis, das voller Ungeduld wegschmilzt, während klitzekleine Wasserperlchen davongetragen und im Wirbel zu dünnen Dampfstreifen umgemeißelt werden. ...

... Wie es sich wellenartig auftakelt. Wie ein elfenbeinfarbiges Satinkleid. Es betont ihre üppigen Brüste. ...

... Sie mag Haselnusseis. Den kremigen Geschmack, der sich auf die Zunge klebt. Die erfrischende Kälte, die den Mund füllt. Als er sie zum ersten Mal küsste! Seine Lippen waren kalt. Sein Atem warm. Und seine Zunge war klebrig. Und schmeckte nach Haselnusseis. Sie ist durstig. Ihr Rachen steht Feuer und Flamme. Kein Wasser dieser Welt kann die tobende Hitze in ihrem Körper löschen. Ihr Herz rast. Ihr Atem stockt. Sie holt nach Luft. Ihre Augen sind weitgeöffnet. Und schließen sich plötzlich. Und öffnen sich wieder. Und kreisen. Immer und immer wieder. Und sie fällt in Ohnmacht. Und wacht wieder auf. Streckt ihre Arme aus. Zappelt mit den Beinen. Ihren Körper durchzucken stichartige Krämpfe. Als seine Spucke ihren Rachen entlang gleitet. Und alle Feuer werden gelöscht. Und eine Oase blüht inmitten ihrer Gebärmutter auf. ...

... Es liebkost ihre leichterregten Brustwarzen. Und schmiegt sich an ihren Körper wie eine zweite Haut. Es streichelt ihre Hüften. ...

... Sie liegt in einer Hängematte. Sie ist nackt. Der Wind hat feine Kristallsandkörner in ihrem Bauchnabel versteckt. Und schreibt mit unsichtbarer Tinte ein Liebesgedicht auf ihren Venusgipfel. Vögelschatten gleiten kreisförmig über ihrem Bauch. Getrocknetes Meereswasser hat salzsträhnige Spuren auf ihren Warzenhöfen hinterlassen. Die Hautkrem entfacht einen verführerischen Kokosduft, der ihr Haar durchkämmt. ...

... Sie überkreuzt ihre Beine. Sie möchte die Melodie eindämmen, die aus ihrer Scheide ertönt. Notenförmige Schönheitsfleckchen sammeln sich auf ihren Oberschenkeln. Die Musik wirbelt die Spitzenfalbeln ihres Kleides durcheinander. Mandolinen durchdringen die Stille. Ihre Schamlippen pulsieren. Öffnen sich. Und schließen sich wieder. Als beobachtete man einen Fisch, der auf dem Trockenen nach Wasserluft holt. Im wilden Rhythmus spanischer Kastagnetten. Ihre Klitoris ist dunkelrot. Hart. Wie eine frische Rosenknospe, die in jedem Augenblick zu einer wunderschönen Blüte explodieren wird. ...

... Hinter dem Haus steht ein großer Rosenbusch. Daneben steht eine Schaukel. In das Holzgerüst ist ein kleines Herz eingeritzt. Das Herz umschließt zwei Anfangsinitialen. ...

... Ihren und seinen Namen. Und ein kleines Mädchen steht vor dem riesigen Rosenbusch. Und versucht den betörenden Duft mit Händen zu fassen. Ein Dorn verbeißt sich in die geschmeidige Haut. Bluttropfen fallen auf den Rasen. Ein Junge hüpft von der Schaukel. Nimmt seine Hand. Entfernt liebevoll und einfühlsam den Dorn. Wischt ihm mit beruhigendem Blick seiner kohlenschwarzen Augen die Tränen von den Wangen. Der Junge nimmt ein kleines Messer aus seiner Hosentasche. Und verewigt im Holz die Umarmung einer Kinderliebe. ...

... Sie schaukelt. Und beobachtet den Boden unter sich. Wie sie ihm mit voller Wucht entgegenrast. Wie sie sich von ihm entfernt. Ohne zu fallen. Ohne sich zu verletzen. Mit einer unerklärlichen Leichtigkeit. Unbeklommenheit. In tiefster Geborgenheit. Denn da, im Herzen, ist jeder frei. Und alles ist möglich. ...

... Sie versinkt im vollen Geschmack des Kaffees. Leckt sich mit artistischer Kunstraffinesse und Erotik weiblicher Etikette den Cappuccinoschaumstreifen von der Oberlippe. ...

... Und eine Meereswelle nach der anderen zerschellt auf den scharfen Klippen. Und sie presst ihre Wange noch fester an eine seiner Muscheln. Damit das Donnern der brechenden Wellen nicht das beruhigende Rauschen im Inneren der Muschel übertönen kann. Damit die Welt weiterhin auf dem Kopf stehen bleibt. Damit ihr Herz auf dem Kopf stehen bleibt. Damit die Wunde inmitten ihres Brustkorbs offen bleibt. Und die Todesschlucht als unbezwingbares Gebirge erscheint. ...

... Sie stellt die Tasse auf den Tisch. Greift mit gesenktem Blick in ihre Tasche. Mit einem Seidentuch wischt sie sich die Spuren des Orgasmus vom Gesicht. Vorsichtig öffnet sie das Tuch. Erblickt das eingestickte Herz mit den beiden Anfangsinitialen. Vernimmt den Duft nach Rosenblüten, der sich mit der Kokosnote ihrer Gesichtslotion vermischt. ...

... GUTEN TAG, SCHÖNHEIT. ...

... Sie schließt schnell das Handtuch. Und lässt es in ihrer Tasche verschwinden. Damit die Stimme seines Blicks auf ewig in ihm gefangen bleibt. Er beugt sich über den Tisch zu ihr. Küsst sie sanft auf den Mund. ...

... Sie liebt Haselnusseis! ...

... Beim Herüberbeugen fällt ihm sein Taschenmesser aus der linken Innentasche des Sakkos. Fällt mit stumpfem Geräusch zu Boden. Öffnet sich schlagartig wie eine ausgelöste Feder. Blind greift sie mit der Hand nach dem Messer. Die silberne Messerklinge verbeißt sich in ihren Finger. Er nimmt ihre Hand. Küsst die kleinen Bluttropfen weg. Und sieht sie an. Mit seinen kohlenschwarzen Augen. ...

... ICH LIEBE DICH, KLEINES. ... NOCH IMMER. ... NOCH MEHR. ... FÜR IMMER. ... UND EWIG. ...

... Und hebt das Messer auf. Und verewigt in einem der hölzernen Tischbeine die Umarmung eines sich liebenden Ehepaares.

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Kommentare

jess schrieb am 2007-12-28 22:19:03:
wie du deine geschichte geschrieben hast ist gut, aber du hast sie langweilig geschrieben, viel zu langwiereig. sorry.
Lucia schrieb am 2007-12-27 16:17:24:
Hi Lex,
ich glaube, es ist besser, nicht viel zu der Geschichte zu sagen - denn ich finde sie einfach genial, wunderschön geschrieben und sehr bildlich (^^ wie soll man dazu noch sagen?). Ist manchmal aber auch verwirrend. Dazwischen war ich mir nicht ganz sicher, aus wessen Sicht alles geschrieben ist (aus ihrer, oder?) und was da eigentlich beschrieben wird, weil die Szenen von Absatz zu Absatz wechseln. Aber vielleicht ist das auch gut so.
Auf jeden Fall eine wunderschöne Geschichte, die von einer wunderschönen Liebe erzählt. Und ein toller Stil, bei dem man neidisch werden kann ... :)
Lg, Lucia

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