Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Erotik > Liebe

DIE MITTAGSDÄMMERUNG

von Lex Divina

1

DIE MITTAGSDÄMMERUNG

ist taubstumme Zeugin der Liebe, die keine sein darf/soll.

Es gibt nur ein einziges Schaufenster, das sich nicht wagt, irgendetwas Anschaulustiges oder Aussagekräftiges preiszugeben. Alle Bedeutungsinhalte entleeren sich in kaum wahrnehmbaren Schattenrissen, die wie schüchterne Silhouettenpuppen oder rätselhafte, nicht in den breiteren Kontext passende Scharadebewegungen hinter dem Milchfensterglas ihr anziehendes, kalte Emotionen mit heißen Instinkten vermischendes Unwesen treiben.

In den leise umher schleichenden Windwirbelchen der schweigsamen Mittagsdämmerung, die sich in der Krone des am Straßenrand stehenden Wallnussbaumes verfangen hat, ist kein einziges Gesicht wahrzunehmen. Keine in der Geschwulst des gerade begonnenen Wochenendes flatternden Haarlocken. Keine im Regenbogenstil gewölbten Augenbrauen. Keine wallnussförmigen Augen, in denen glitzernde Freudetränen wie gewagt verspielte Sternschnuppenmuster auf einem aufreizenden pastellblauen Satinabendkleid flimmern. Keinen nach einem sanften Kuss lechzenden Mund mit kaum geöffneten, mit Begierde durchtränkten Lippen, über die quellwasserartige, sich mit blendendem Zahnweißlicht umarmenden und liebkosenden Stimmen und Wörter in Form eines gefühlvollen, aber trotzdem aufbrausenden Wasserfallklangs in einen niemals endenden, geheimnisvollen Abgrund entleeren, ohne jemals den Grund zu erreichen, ohne jemals auf der rauen Oberfläche der messerscharfen Klippen zu zerschellen, ohne jemals wieder Flügel zu bekommen, ohne jemals geflügelte Eisglasscherbchen zu werden, die leicht mit Schmetterlingen oder Glühwürmchen zu verwechseln wären.

Mit leicht zitternder Hand, die das schmiegsame Ineinanderfließen des Vorstellbaren der Erwartung und des sich Erhoffenden des ahnungslosen Unerwarteten offenbart, drückt er die vergoldete Messingtürklinke nach unten. Die Tür geht fast geräuschlos auf und aus der gerade entstandenen Spalte zwischen dem Türrahmen und Türpfosten hüpft eine leichte Windbrise hasenartig flink seinem erhitzten Gesicht entgegen, um es abzukühlen. Um die Abdruckspuren hemmungsloser Wünsche und zähmender Scham abzuwischen. Der Klang der sternsilbernen Glöckchen über der Tür reißt ihn aus der sekundenlangen Mittagstrance, die ihm jetzt wie ein nicht abzuwimmelnder, stundenlang andauernder Tagestraum vorkommt.

Gedämmte rot-braune Lampenlichttöne setzen sich auf seinen Schultern nieder, als sich die Tür hinter ihm schließt. Er vernimmt gerade noch, wie der Glöckchenklang auf der anderen Seite der Tür langsam entschwindet. In der Wallnussbaumkrone angekommen, bekommt er von der einfühlsamen Mittagsdämmerung einen warmen Kuss auf seine Stirn gedrückt und legt sich in ihren mütterlich fürsorglichen Armen schlafen. Er braucht ein Paar Sekunden, um sich an das Verwirrspiel der Schatten zu gewöhnen, die die Konturen der Sexshopregale verspeisen und die Aussagekraft der Intimverkaufsartikel nur auf der Sinnesebene enthüllen lassen.

Der bloßstellende Blick des Sexshopverkäufers, sein bittersüßer Geruch nach frischen Wallnüssen, der sich mit der Zartheit des Karamellzuckeraromas vermischt, lässt ihn alle Hüllen fallen. Völlig nackt und sich mit beiden Händen gegen ein mit Sexscherzartikeln überladenes Regal stützend, ist sogar er selbst ein Schatten geworden, denn auf der Sinnesebene ist er (nur) ein Mensch ohne Fleisch und Blut und ohne lästigen Knochenballast. Er ist eine reine Schattenseele mit aufgetakelten Sinnen und aufgebrausten Gefühlen. Er spürt, wie die hervorstechenden Zungenspitzenpapillen des Verkäufers sich seine Wirbelsäule entlang tasten und sich seine Hautoberfläche wie im starken Wind aufgeblähte Segel spannt. Seine harten Brustwarzen nehmen ein Bad im lustvollen (Er)Tastenspiel der Liebhaberfingerspitzen und vor seinen Augen drehen sich unzählige bunte Rädchen, die sich bemühen, in ihrer durcheinander geratenen Gesamtheit eine Sinn verkörpernde Form zu bilden, weil sie sich einfach nicht eingestehen wollen, obwohl sie es sich wünschen, dass die eigentliche Ordnung des Seelischen nur im völligen Chaos des Körperlichen herrscht. Gesenkten Kopfes beobachtet er, wie das rhythmische Stöhnen seines Glücks über seine Lippen springt, sich für ein Paar Augenblicke in seinem Bauchnabel inmitten seines bibbernden Bauches verfängt und dann wie ein weißes Seidentuch einen Knoten um die harte Lanze seines Schwertes bildet, während die betörende Hitze der Leistengegend seines sensiblen Mitstreiters, die er auf seinem Gesäß wahrnimmt, sanft in ihn hineindringt, um in ihm, als wäre er ein Pandorakästchen, für alle Ewigkeit sündhaft schöne Melodien zu verstecken.

Plötzlich unterbricht der Glöckchenklang eiskalt seine ausgeartete Unaufmerksamkeit. Er hebt den Köpf und sieht gerade noch, wie der Nebelschleier der Glöckchenmelodie hinter der sich schließenden Tür verschwindet. Er vernimmt, wie er mit seiner rechten hand über die Spiegelung seines Gesichts in der Milchglasfensterscheibe gleitet. Er dreht sich um und in der Welt der sich aufdrängenden Formen erblickt er die Mittagsdämmerung, wie sie, in der Krone des Wallnussbaumes sitzend, ihre mit Tränen durchtränkten Augen hinter ihren Händen erfolglos zu verbergen versucht.

Mit süßem Geschmack nach frisch gemahlenen Wallnüssen im Mund und dem hinreißenden Duft nach klebrigem Karamell in seinen Länden, setzt er vorsichtig einen Fuß vor den anderen, um nicht ins Stolpern zu geraten, denn das Wochenende hat bereits begonnen und da gibt es unzählige Gesichter mit Augen, Augenbrauen, Ohren und Mündern, die ihn vorurteilsvoll anschauen und richten, damit er stets seine Form, die die Mittagsdämmerung zwingt, zu weinen, aufrecht(er)hält.

1

Kommentare

Traumfänger schrieb am 2008-10-20 10:02:10:
Sehr schön geschrieben.
Lex Divina schrieb am 2008-10-19 11:57:42:
Marika,

es gibt einen feinen (zu feinen???) Unterschied zwischen Kritik und Kritiksucht. Ich frage mich gerade, ob ich ihn dir erklären sollte. Mhm ... Nein! (Nö klingt viel zu umgangssprachlich, meinst du nicht?)
Marika schrieb am 2008-10-19 11:06:02:
EROTIK?? Sorry aber ich habe kein Wort verstanden. Jetzt frage ich mich gerade ob ich so doof bin
oder Deine Geschichte so schlecht..??.. vielleicht sollte ich sie nochmal lesen?? ...mhm.... nö

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.