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Kategorien > Erotik > Liebe

DIE MORGENDÄMMERUNG

von Lex Divina

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DIE MORGENDÄMMERUNG

ist ein Liebesakt ohne Berührung.

Die aufkommende Morgendämmerung schimmerte in blassen Lichthaarsträhnchen durch die geschlossenen Vorhänge hindurch und liebkoste mit geschmeidig sanften Berührungen ihren nackten Körper. Auf dem Rücken liegend, schien es, als würde sie langsam in den weißen Tiefen des wie Schneeschaum aufgetakelten Reliefs des Bettlackens versinken. Ihr Brustkorb hob und senkte sich wieder in rhythmischen Melodien der Morgenträume. Inmitten ihrer blassblutig durchtränkten Warzenhöfe schienen die kieselsteinig geformten Warzen wie in Unruhe gebrachten Honigbienen leicht zu pulsieren. Am Hals, zwischen den beiden Halsschlagadern, verursachten ihre ruhigen Herzschläge leichten Trommelwirbel, der durch die Hautporen in kaum zu erahnenden Luftbläschen der Schlafzimmerdecke emporstieg und mit dem Duft ihrer Abendkörpershampoonote, vermischt mit ihrem Schweißaroma und mit Hormonextrakten ihrer Weiblichkeit gewürzt, zwischen den Wänden umherirrte und langsam den Raum füllte. Verspielte Atmungswellen durchströmten die angespannte Haut ihres, nur leicht gewölbten Bauches. Wenn man sehr genau hinhörte, konnte man in der Tiefe der verträumten Dunkelheit ihres muschelförmigen Bauchnabels in die Fernen entgleitendes Meeresrauschen vernehmen. Albatrosse stürzten sich abwechselnd wie Kamikazen in die unerforschten Tiefen ihrer Achselhöhlen und stiegen mit silbernen Schweißperlchen in den Schnäbeln einer nach dem anderen wieder auf, um die funkelnden Kügelchen kometenartig inmitten der Sandwüste ihres Venusgipfels fallen zu lassen. Als wären sie Tränen, geboren aus den Augen magischen Glücks, die, wie Argusaugen auf den Pfauschwanzfedern, das Gesicht purer Begierde zieren, rollten sie hinunter ins Tal, das Feuer und Flamme stand. Man bekam das Gefühl, als würde man eine Perlenkette beobachten, die, fest an die Hautoberfläche gepresst, in die uneroberten Landschaften der Glückseeligkeit hervordringt, um sie mit betörendem Zischen zu erobern. Im Tal angekommen, passte sich der Schlangenkörper den Konturen ihrer äußeren Schamlippen an, wobei das mit Hitze geladene, beinlose Tier ihren Kopf auf ihrer, einer Rosenknospe ähnelnder Klitoris ruhen ließ. Ein sanftes, kaum hörbares Jauchzen sprang von ihrer leicht geöffneten Unterlippe. Nur für einen Bruchteil der Sekunde konnte man seinen Schatten, als wäre er ein vor den Flintenschüssen fliehendes Reh, über ihre Kinnhalbinsel huschen sehen, da sein Sturz durch den dünnen Lichtstrahl ihres Zahnweißes in Schatten reflektiert und in Form einer Krähenschar widergespiegelt wurde. Die ungezähmten, welligen Locken ihrer langen, wildkastanienbraunen Haare lagen wie lange, kopflose Hälse der von Herakles besiegten Hydra über das Kopfkissen zerstreut. Als hätte man eine geöffnete Packung frisch gemahlener Kaffeebohnen auf die schneeweiße Seide fallen lassen. Und hie und da zuckte einer ihrer Finger, als ob sie in der schattigen Traumwelt die Formen des Geträumten zu ertasten versucht.

Nackt neben ihr liegend und den Kopf mit der rechten Hand abstützend, brannte er mit begehrlichen Blicken Hieroglyphen seiner Liebesbekenntnis in die milchige Haut ihres, sich im Schlaf wiegenden Körpers. Er fühlte sich, als wäre er ein Bildhauer aus der fernen Antike, der Blick für Blick aufblühende Lilienblüten in eine ionische Säule hineinmeißelt. Die strahlendfeuchte Oberfläche seiner erweiterten Iris durchwanderten scharfkantige Blitze der Ekstase.

Ohne ihn je berührt zu haben, zog sie seinen Excalibur aus dem Gestein der Zeit und ließ im Traum seinen Liebessaft wie Kerzenwachs die Lanze seines Schwertes entlang gleiten, als ließe man Honig von der Teelöffelspitze in eine Tasse warmen Tees abtröpfeln.

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Kommentare

Devon Hunsaker schrieb am 2009-11-08 17:06:35:
Hallo Lex!
Ich finde, dass es ein sehr schöner Text ist. Klasse.

Weiter so.

LG
Devon
Tinu schrieb am 2008-01-04 19:13:25:
Hallo Lex,
ich finde deine Geschichte atemberaubend. Wie du den Körper der Frau beschreibst und dabei Tiere, Gegenstände oder Naturereignisse hineinbringst, is wirklich faszinierend. Ich kann es mir äußert gut vorstellen. Die Metaphern lassen diesen Akt zu etwas rundrum elektrisierenden werden. Wirklich super!

Gruß Tinu
Čepe Aleš (Lex Divina) schrieb am 2007-12-30 15:48:25:
Hallo, Lucia!
Ich gebe mich niemals der Versuchung her, meine eigenen Texte zu interpretieren, da ich sie damit als Autor der Freiheit berauben würde, als polyvalente Individuen in den kognitiven Welten der Leser frei und entfaltungsfreudig (weiter) zu leben, d. h. immer in einer neuen Gestaltungsform wiedergeboren zu werden. Aber trotzdem: Das irrelevante Verwirrungsspiel zwischen Statik und Dynamik liegt immer im Auge des relevanten Betrachters, der - wie du sagst - hineindichtet. Die Frage, die dabei bestehen bleibt, ist immer: WER hineindichtet und WIESO.
Lucia schrieb am 2007-12-30 12:17:06:
Hallo Lex,
weiß nicht genau, was ich von diesem Text halten soll. Einerseits zeugt er von Weltkenntnis (^^), andererseits ... vielleicht ist es nicht ganz richtig, so viele verschiedene Dinge in eine Frau hineinzudichten. Vor allem mit den sich bewegenden Dingen hab ich Schwierigkeiten, da sie doch still liegt, oder? Könnte falsche Vorstellungen heraufbeschwören. ... es ist schwer, das zu beschreiben, was ich sagen will ... verstehst du wenigstens ein bisschen davon?
Lg, Lucia

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