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Kategorien > Fabeln & Märchen >

Däumekätzchen

von Thombaer

Es war einmal eine kleine Katze, die war so klein, das alle sie nur Däumekätzchen nannten, denn die Größe eines Daumens erreichte sie gerade so. Däumekätzchen lebte recht zufrieden und wohl behütet in einem kleinen Haus mit verschiedensten Leuten und alle achteten darauf, das es Däumekätzchen gut ging. Sie war die Attraktion im Dorf und jeder Tourist, der sie sehen wollte musste einen hohen Eintritt zahlen. Eines Tages nun geschah es, das ein unachtsamer Mitbürger das Fenster offen ließ, vor dem Däumekätzchen immer zu schlafen pflegte. Als sie sich gerade in eine Feder gekuschelt hatte, um sich auszuruhen, da kam ein heftiger Wind auf und blies die Feder mitsamt Däumekätzchen aus dem Fenster. Das arme Tierchen bemerkte es noch nicht einmal, so daß sie nicht sofort um Hilfe rufen konnte, und so trug der Wind die Feder weit fort in den tiefen Wald hinein.
Als Däumekätzchen erwachte, war alles um sie herum dunkel und grün. Zuerst erschrak sie heftig, doch dann überwog ihre Neugier, und sie befreite sich aus ihrer Feder und stöberte durch das dichte Farngestrüpp. Plötzlich hörte sie etwas, das sie vorher noch nie gehört hatte. Es war ein seltsames Brummen. Interessiert schlich Däumekätzchen näher und wurde alsbald eines winzigen Bären gewahr, der auf einem Baumstumpf saß und etwas vor sich hin brummte.
'Was tust du da ?' fragte Däumekätzchen. 'Ich versuche ein Lied zu singen, aber irgendwie bin ich wohl zu tief mit meiner Stimme!' brummte der Bär. 'Laß es mich doch einmal versuchen!' bat Däumekätzchen und hob mit ihrer klaren, glockenhellen Stimme an zu singen. Der Bär war begeistert und lauschte Däumekätzchen eine Weile. 'Wo kommst du her ?' fragte er dann. 'Ich komme aus einem großen Haus in der Stadt' sagte Däumekätzchen. Der Bär überlegte und dachte nach, doch dann mußte er zugeben, daß er weder wusste, was ein Haus ist, noch je von einer Stadt gehört hatte. Däumekätzchen versuchte ihm zu erklären, dass eine Stadt eine Ansammlung von vielen Häusern sei, aber der Bär schüttelte nur unverständig den Kopf.
Schließlich gab Däumekätzchen es auf und fragte nach der nächsten Busverbindung. Wiederum starrte der Bär sie eine Weile an und beschloss dann die Bäume zu fragen. 'He Baum, wo ist denn die nächste Busverbindung, was auch immer das sein soll ?' Der Baum neigte seine Krone zu den beiden herab und flüsterte :'Keine Ahnung, als Baum kommt man nicht sehr weit herum!' Der Bär musste Däumekätzchen also wieder enttäuschen. Inzwischen war es dunkel geworden, und der Bär lud Däumekätzchen ein, bei ihm zu übernachten. Da ihr nicht viel anderes übrig blieb, folgte Däumekätzchen ihm und quartierte sich bei ihm ein. Bald bemerkte sie, dass der Bär ziemlich nett war, und außerdem besaß er ihre Größe. Die Tage vergingen, und Däumekätzchen beschloss, eine Zeit bei dem Bären zu bleiben.

Däumekätzchen und ihr Bär lebten jetzt schon seit einigen Tagen zusammen im Wald. Der Bär hatte sich als sehr liebenswürdig erwiesen und schleckte Däumekätzchen jedes Mal das Fell sauber, wenn sie von ihren langen Spaziergängen zurück kamen.
Eines Tages beschloss Däumekätzchen morgens, als der Bär noch schlief, schnell ein paar Beeren zum Frühstück zu holen. Der kleine Bär hatte sich nämlich als ziemliche Zuckerschnauze erwiesen und mochte süße Beeren für sein Leben gerne. Sie wusste genau, wo sie die Beeren finden konnte, denn sie waren erst am Tag vorher an dem Strauch vorbei gekommen.
Nachdem sie eine Zeitlang gepflückt hatte und zwei stattliche Beeren neben ihr lagen, hörte sie auf einmal ein harmonisches Brummen hinter dem Strauch. 'Oh, das muss mein Bär sein!' dachte sie erfreut, ließ die Beeren liegen und begann sich unter dem Gebüsch hindurch zu schleichen. Sie wollte den Bären überraschen, doch die Überraschung war ganz auf ihrer Seite, als sie statt des Bären eine Ansammlung von großen, braungelben Hummeln sah, die nebeneinander saßen und mit ihren Flügeln brummten. 'Was macht ihr denn da ?' fragte Däumekätzchen neugierig. Die Hummeln erschraken, blieben aber sitzen. 'Wir üben ein Musikstück für den Festtag unserer Königin' sagte die dickste Hummel und brummte einmal ordentlich mit ihren Flügeln, um ihre Aussage zu untermalen. 'Ihr hört euch sehr gut an! Darf ich eine Weile zuhören ?' sagte Däumekätzchen. Die Hummeln sahen sich kurz an und nickten dann. Danach begannen sie wieder im Takt zu summen und zu brummen.
Als der kleine Bär aufwachte, bemerkte er zuerst, dass Däumekätzchen nicht da war. Er tapste mit seinen runden Pfoten das ganze Bett ab, um zu schauen, ob sie sich irgendwo versteckt hätte. Aber er fand sie nicht. Erschrocken sprang er aus dem Bett und sah sich in seiner Bärenhöhle um, aber dort war Däumekätzchen auch nicht. Schnell warf er sich eine paar Pfoten Wasser ins Gesicht und rannte los, um sie zu suchen. Als er an dem Beerenstrauch vorbei kam, sah er die beiden stattlichen Beeren und dachte, 'Vielleicht war mein Kätzchen hier, ich schau besser mal nach!' Er trat näher und fand in dem weichen Sandboden kleine Katzenspuren, und im nächsten Moment hörte er sie auch schon von jenseits der Hecke applaudieren. Froh begann er unter den Beeren hindurch zu kriechen, doch auf halbem Weg musste er feststellen, das er wohl ein wenig zu beleibt war, um seiner Katze zu folgen. Kurzum, er steckte fest. Laut begann er zu rufen, und es dauerte nicht sehr lange, das hatte Däumekätzchen ihn gehört und kroch unter die Hecke. Sie fand ihren Bären ziemlich eingequetscht unter zwei schweren Ranken. Vorsichtig versuchte sie ihn heraus zu ziehen, aber der Bär steckte fest und kam weder aus noch ein. Schließlich beschloss Däumekätzchen, die Hummeln um Hilfe zu bitten. Leider mussten sie feststellen, das diese auch nicht unter die Hecke kamen. Man überlegte lange, doch dann kam ihnen eine Idee. Ein paar Seile wurden besorgt und an dem Bären festgebunden, dann zogen die Hummeln mit aller Kraft, und wenige Minuten später war der Bär befreit. Glücklich fiel er seinem Däumekätzchen in die Arme und küsste sie. Er erzählte ihr, wie er in diese missliche Lage gekommen war, und sie versprach ihm, nicht wieder ohne Warnung die Höhle zu verlassen. Dann gingen sie zurück und genossen die beiden Beeren zum Frühstück.

Däumekätzchen und der kleine Bär lebten jetzt schon fast sechs Wochen zusammen im Wald. Der Bär hatte ihr alle möglichen Dinge gezeigt und ihr erklärt, was sie wo finden konnte.
Als sie eines Tages zusammen einen kleinen Ausflug wagen wollten, schlug der kleine Bär vor, die Schwalben zu fragen, ob sie die beiden nicht mit in die Lüfte nehmen wollten. Däumekätzchen war etwas mulmig zumute, aber es interessierte sie doch, wie der Wald von oben aussah. So bestieg jeder von ihnen eine Schwalbe, und sie stiegen hinauf über das grüne Blätterdach. Als sie eine Weile dort gekreist waren, rief Däumekätzchen plötzlich, 'Schau, Bär, da drüben ist die Stadt, mein Zuhause!' Sie bat die Schwalbe, in diese Richtung zu fliegen, und bald kamen sie zu dem Haus, in dem Däumekätzchen gelebt hatte, bevor sie in den Wald geweht worden war. Sie landeten auf dem Fenstersims, und das Kätzchen und der Bär stiegen ab und schauten hinein. Das Zimmer lag leer vor ihnen, aber es war nichts verändert worden, seit Däumekätzchen es verlassen hatte. Vorsichtig stupste der Bär das Glas an, denn er hatte so etwas vorher noch nie gesehen.
'Es ist ziemlich laut hier!' bemerkte der Bär und hielt sich mit seinen Pfoten die runden Teddyohren zu. 'Du hast recht, lass uns hineingehen!' freute sich Däumekätzchen und schaute nach einem offenen Fenster. Bald hatte sie eines gefunden und schlüpfte in den Raum. Der Bär folgte ihr vorsichtig, denn er hatte ein wenig Angst vor dem, was ihn erwarten könnte.
Als sie den Raum betreten hatten, bemerkte Däumekätzchen das jemand im Raum war und begrüßte die Menschen mit lautem, maunzenden Gesang. Die Menschen freuten sich, dass Däumekätzchen wieder da war, denn jetzt hatten sie auch wieder ihre Attraktion für die Touristen. Als sie jedoch den kleinen Bären erblickten, begannen sie zu tuscheln. 'Der ist garantiert für das Verschwinden unseres Kätzchens verantwortlich gewesen' meinte einer, und ehe er sich versah, steckte der Bär in einem winzigen Käfig und wusste nicht mehr, wo ihm der Kopf stand. 'Hilf mir, Däumekätzchen, bitte!' rief er, doch die Menschen brachten ihn aus dem Zimmer und stellten ihn in einem anderen Raum auf einen Schrank.
Däumekätzchen war sehr traurig über diese Entwicklung, und so dachte sie darüber nach, wie sie dem Bären helfen konnte. Schließlich beschloss sie, unter der Tür hindurch zu kriechen und ihn aus dem Käfig zu befreien. Gesagt, getan war sie flugs aus dem Zimmer entflohen und machte sich auf den Weg, den Schrank zu erklimmen. Nach einer Stunde hatte sie sich an dem glatten Schrank nach oben gearbeitet und stand vor dem Bärenkäfig, dessen Insasse traurig aus seinem Gefängnis herausschaute. 'Ich werde dich retten!' flüsterte die Katze und begann mit ihren Krallen in dem Schloss herum zu nesteln. Bald hörte sie ein metallisches Klicken, und das Schloss sprang auf. Glücklich fielen sich der Bär und Däumekätzchen in die Arme. Doch da tauchten wieder Menschen auf und sahen die beiden vor dem offenen Käfig stehen. 'Schnell, packt sie, bevor sie wieder verschwinden!' rief einer, und plötzlich begannen alle los zu stürmen. Däumekätzchen und der Bär ließen sich schnell vom Schrank herunter gleiten und rannten, was ihre kleinen Pfoten sie trugen.
Nach einer langen Verfolgungsjagd gelangten sie an ein offenes Fenster. Der Bär schlüpfte hinaus und spähte in die Tiefe. 'Noch mal will ich nicht da hinein.' sagte er und bereitete sich darauf vor, zu springen. 'Und ich lasse dich nicht alleine gehen!' rief Däumekätzchen, und gemeinsam sprangen sie in den tiefen Abgrund.
Das Glück war ihnen hold, denn sie landeten direkt auf dem Rücken eines großen, schwarzen Raben, der dunkle Gevatter war zwar nicht sehr erfreut über seine Reiter, aber nach einer kurzen Erklärung war er bereit, die beiden zurück in den Wald zu tragen. Däumekätzchen beschloss nun, der Stadt für immer den Rücken zu kehren und bei ihrem Bären im Wald zu bleiben.

Also, es war einmal: Wie du sicher schon weißt ein kleines Däumekätzchen, das mit dem kleinen Bären im Wald wohnte. Die beiden hatten sich recht gut zusammen gerauft und genossen ihr Leben im Wald. Morgens wurden sie vom Zwitschern der Vögel geweckt und abends wiegte sie das Zirpen der Zikaden in den Schlaf. Eines Tages nun kam Däumekätzchen auf die Idee, sie wolle auch noch andere Teile des Waldes kennen lernen und erforschen. Der kleine Bär war nicht sehr begeistert über diesen Vorschlag, denn er hasste es, seine Höhle längere Zeit leer stehen zu lassen. Doch nachdem Däumekätzchen ihn lieb gebeten hatte, stimmte er zu und packte ein paar Sachen zusammen die er mitnehmen wollte. Dann schnürte er mit seinen runden Pfoten das Tuch zusammen und warf es sich auf den Rücken. 'Lass uns gehen und den Wald erobern!' rief er fröhlich, blickte dann jedoch ein bisschen wehmütig zur Tür zurück.
Sie wanderten durch die hohen Farngräser und das Laub, das den Boden bedeckte, bald kamen sie an eine Stelle, die über und über mit weichem, dunkelgrünen Moos bedeckt war. 'Lass uns schnell weitergehen, hier gibt es viele Ameisen, die sind nicht sehr gesprächig, und wenn du nicht aufpasst, deklarieren sie dich als Futter und schleppen dich ab.' Sagte der kleine Bär und stapfte schnell durch das Moos.
Däumekätzchen hielt Ausschau nach diesen Wesen, die der Bär beschrieben hatte und sah auch alsbald ein paar dünne Gesellen, die große Beeren mit sich herum trugen. 'Sind das dort Ameisen ?' fragte sie und deutete auf die sich langsam bewegende Kolonne.
Der Bär nickte und stapfte noch schneller mit seinen runden Pfoten durch das Moos. 'Ja, wir sollten uns wirklich beeilen!' Däumekätzchen warf noch einmal einen Blick auf die Gesellen, aber sie schienen ihr recht friedfertig zu sein, trotzdem folgte sie dem Bären, man konnte ja nie wissen.
Wenige Zeit später kamen die beiden an einen breiten Strom, der plätschernd vor sich hin floss. 'Das ist der kalte Quell!' Sagte der Bär und tauchte seine Pfoten ins Wasser. 'Wenn es regnet, wird es hier ziemlich gefährlich!' Er verzog seine Teddyschnauze zu einem Grinsen und spritzte die Katze ein wenig nass. 'Hey, du, na warte!' rief Däumekätzchen, und ehe man sich versah, waren die beiden in einer Wasserschlacht versunken. Nachdem sie völlig durchnässt waren, ließen sie sich ins Gras fallen und lachten. 'Meinst du nicht, es ist für heute genug ?' fragte der kleine Bär. Däumekätzchen dachte über den Heimweg nach und nickte. 'Ja, aber morgen gehen wir viel früher los!' Der Bär nickte. 'Und dann nehmen wir ein kleines Zelt mit und übernachten hier!' sagte Däumekätzchen. Dem Bär wurde etwas mulmig zumute, aber an der Seite seines Kätzchens konnte ihm nichts passieren, und deshalb stimmte er freudig zu. Dann schleckten sie sich gegenseitig trocken und tapsten gemeinsam nach Hause.

Als der Bär und Däumekätzchen am frühen Morgen dicht aneinander gekuschelt erwachten, bemerkten sie, dass es sehr schönes Wetter war. Sofort erwachte auch wieder Däumekätzchens Entdeckersinn, und sie sprang auf, um sich für eine große Tour zu rüsten. Der Bär kroch unter der warmen Decke hervor und tapste zum Spiegel, warf sich ein paar Pfoten Wasser ins Gesicht und griff nach seinem Bündel und dem kleinen Zelt, das er vorsorglich schon bereit gestellt hatte.
Gemeinsam zogen sie wieder in Richtung Fluss. Däumekätzchen hatte die Gegend so verlockend gefunden, das sie unbedingt wieder dort hin wollte. Als sie am Ufer des ruhigen Stromes standen, sah Däumekätzchen sich um und lief dann geradewegs zu einer Ansammlung von Blättern. 'Bär, Bär, hilf mir, ich brauche eines von den großen, festen Eichenblättern!' Der Bär wunderte sich zwar, was sie vorhatte, doch er half ihr gerne, das gewünschte Blatt zu suchen. Sie zerrten es zum Ufer, und Däumekätzchen warf ihre Bündel auf das Blatt. 'Lass uns Boot fahren!' rief sie und begann das Blatt ins Wasser zu schieben. 'Ist das nicht gefährlich ?' fragte der Bär zaghaft. 'Nein, das ist ganz toll!' rief Däumekätzchen und sprang auf das nun treibende Blatt. 'Na, wenn du es sagst, wird es wohl stimmen!' brummte der Bär und kletterte ebenfalls an Bord.
Langsam begann das Blatt den Strom hinab zu treiben, doch je mehr es trieb, um so schneller wurde es. Der Bär klammerte sich mit einer seiner Pfoten am Blattstiel fest, und mit der anderen hielt er Däumekätzchen umschlungen, die vor Vergnügen jauchzte. Plötzlich fing das Blatt sich an zu drehen und fuhr rotierend den breiten Strom hinab. 'Wir sind schon weit weg von zu Hause!' rief der Bär, aber Däumekätzchen hörte ihn nicht, sie jubelte und genoss die Karussellfahrt. Dann nahm ihr Vergnügen abrupt ein Ende, als das Blatt an einem Zweig hängen blieb. Däumekätzchen und der Bär wären beinahe ins Wasser gefallen, aber sie konnten sich gerade noch fangen. 'So, wir sind angekommen!' stellte Däumekätzchen fest. 'Wo ?" fragte der Bär. 'Ganz einfach, am Anfang unseres Heimweges!' maunzte Däumekätzchen fröhlich und nahm ihr Bündel. Dem Bären war ein wenig schwindelig, als sie beide an Land traten, aber Däumekätzchen zog ihn begeistert mit sich in den Wald.

Der Himmel hatte sich ein wenig zugezogen, als Däumekätzchen und der kleine Bär in den Wald hinein tapsten, sie waren jetzt schon eine Weile unterwegs und der kleine Bär hatte irgendwie die Befürchtung, dass Däumekätzchen nicht genau wusste, wohin sie eigentlich ging. Jedes Mal, wenn er sie fragte, sagte sie nur :'Zurück zu unserer Höhle!' Nun, der Bär verließ sich auf sie, denn sie war sein einziges Däumekätzchen und so klug.
Mit der Zeit zog sich der Himmel immer mehr zu, und bald fingen die ersten leichten Tropfen an zu fallen. Nun muss man sich überlegen, wie groß ein leichter Tropfen für einen Menschen ist und wie riesig er einem Däumekätzchen erscheinen muss. Nachdem es ein wenig geschauert hatte, beschlossen der Bär und das Kätzchen, sich schleunigst unterzustellen. Zu ihrem Glück entdeckten sie bald eine Höhle, in einem Stein, der aus dem Waldboden hervorragte. Schleunigst gingen sie hinein und schüttelten sich. Der Bär ließ sich auf seinem runden Po nieder und nahm Däumekätzchen auf den Schoß. Dann kuschelten sie sich zusammen, damit ihnen nicht so kalt würde.
'Wenn der Regen vorüber ist, wird es ziemlich matschig sein!' bemerkte der kleine Bär und schaute auf seine runden Pfoten. 'Ha, das macht uns doch nichts aus, oder ?' rief Däumekätzchen ungestüm. Da ertönte plötzlich eine tiefe Stimme. 'He, wer da ? Wer stört mich in meiner Ruhe ?' Die beiden erschraken fürchterlich. Aber der Bär fing sich gleich wieder und brummte, so laut er konnte. 'Ich bin ein gefährlicher, großer Bär, bleib lieber, wo du bist, wer immer du auch bist!" Ein Zittern lief durch den Stein, an den sich der Bär kurz vorher angelehnt hatte und in der Dunkelheit öffneten sich zwei große, leuchtende Augen. 'Nun, Größe ist relativ, aber gefährlich siehst du für mich nicht aus!' Ein Echsenkopf kam aus der tiefe der Höhle auf die beiden zu und hielt dann kurz vor ihnen inne. 'Was haben wir denn da ?' fragte das Geschöpf. 'Haben jetzt auch schon die anderen Rassen begonnen sich zu schrumpfen ?' Es schüttelte den Kopf.
'Wir sind nicht geschrumpft, wir waren schon immer so!' beschwerte sich Däumekätzchen keck und trat vor den großen Echsenkopf hin. 'Was sollst du denn sein wenn ich fragen darf ?' Der Kopf senkte sich herab, um Däumekätzchen besser sehen zu können. 'Ich bin ein Drache, sieht man das nicht ?' Der kleine Bär beäugte den Kopf. der sich ihnen entgegen reckte. 'Ich habe schon von Drachen gehört, aber es hieß immer, sie seien sehr groß.'
Der Drache lachte. 'Und ich dachte immer, gefährliche Bären könnten wenigstens über meinen Schwanz springen! Lassen wir die Größe außer acht, mein kleiner Freund, es sei wie es sei, ich bin ein Drache!' Däumekätzchen legte den Kopf schief. 'Kannst du Feuer spucken ?' Der Drache verzog das Gesicht. 'Taschenspielertricks, wir Drachen haben so etwas nicht notwendig. Das haben alles die Menschen erfunden, um zu erklären, warum ihnen mal wieder das Korn abgebrannt ist. Jungfrauen habe ich in meinem ganzen Leben auch noch keine gefressen!'
'Du hättest dich auch sicher verschluckt, bei deiner Größe!' murmelte Däumekätzchen. Der Drache blickte sie wütend an. 'Wir Drachen haben vor langer Zeit beschlossen, unsere Größe zu verringern und unsere Flügel abzulegen, bis zu dem Tag, an dem wir wieder gebraucht werden. Bis dahin beobachten wir hier aus den Wäldern den Lauf der Zeit. Hätten wir unsere ursprüngliche Größe behalten, dann wären wir schon längst ausgestorben oder allesamt in Käfige gesperrt worden. Du wirst einsehen, dass unser jetziger Zustand um einiges günstiger ist.'
Der Bär nickte. 'Und wann kommt ihr wieder zu eurer normalen Größe ?' Der Drache legte den Kopf schief. 'Wenn die Menschen einsehen, dass sie unsere Lebensräume in Ruhe lassen sollen und nicht immer gleich auf alles schießen, was größer ist als ein normaler Düsenjet!' Der Bär überlegte kurz. 'Was ist ein Düsenjet ?' Der Drache schüttelte den Kopf. 'Vergiss es, Kleiner, ist nicht so wichtig. Würde es euch sehr stören, mich jetzt wieder schlafen zu lassen ? Ich brauche meinen Schönheitsschlaf!'
Däumekätzchen wollte gerade etwas sagen, aber der Bär hielt ihr seine runde Pfote vor den Mund und verabschiedete sich von dem Drachen. Der Regen hatte aufgehört, und die beiden verließen eiligst die kleine Höhle im Waldboden.
'Glaubst du ihm wirklich das er ein Drache ist ?' fragte Däumekätzchen ein wenig erregt. Der Bär nickte. 'Sicher, jeder Wald hat einen, das hat mir mal meine Mama erzählt. Und sie hat mir auch gesagt, das ich sie besser nicht ärgern soll. Also lass uns besser nach Hause gehen.' Däumekätzchen nickte. 'Hier lang, Bär, ich kann schon unsere Höhle riechen!' Der Bär war sich nicht sehr sicher, ob sie in die richtige Richtung liefen. Der Fluss lag in ihrem Rücken, und statt ihn wieder hinaufzulaufen, folgte er nun einer Katze in einen Wald voller Drachen und Feen.

Der Himmel verdunkelte sich langsam, und Däumekätzchen und der Bär stapften gemeinsam durch den Wald. Der lange Weg und die aufregende Begegnung mit dem Drachen hatten sie schon ziemlich erschöpft, und ihre Pfoten taten weh. 'Lass uns hier Rast machen und das Zelt aufbauen!' brummelte der kleine Bär und schaute sich nach einem geeigneten Unterstand um. 'Meinst du, wir schaffen es heute nicht mehr bis nach Hause ?' fragte Däumekätzchen unglücklich. Sie hätte sich jetzt zu gerne mit dem Bären zusammen unter die warme, weiche Decke gekuschelt und ihre geplagten Pfötchen ausgestreckt. 'Nein, wir brauchen wohl noch ein wenig!' brummte der Bär vergnügt, denn er merkte, dass Däumekätzchens Stimmung ein wenig ängstlich war. Er ging zu ihr und nahm sie in den Arm. 'Wir werden uns heute nacht ganz dicht aneinander kuscheln und dann morgen früh gleich weiter laufen.' Däumekätzchen nickte und begann ein wenig zu schnurren.
Gemeinsam bauten sie das Zelt auf. Der Bär spähte während dessen immer wieder in die Dunkelheit, denn er war auch ziemlich ängstlich, wollte es aber nicht zeigen. Endlich stand das kleine Zelt, und die beiden krochen hinein, um sich gegenseitig zu wärmen. Es müssen wohl einige Minuten oder sogar Stunden vergangen sein, als plötzlich ein seltsames Geräusch ertönte. Däumekätzchen hatte es zuerst gehört und war hochgeschossen, dabei hatte sie den kleinen Bären mitgerissen, so dass die beiden bunt verknotet zusammen im Zelt lagen. Der kleine Bär wollte sich ein wenig beschweren, aber Däumekätzchen gebot ihm Ruhe. 'Hörst du das ?' flüsterte sie. 'Da ist doch etwas vor unserem Zelt!' Wieder ertönte ein leises Rascheln und Knistern in den Blättern vor dem Zelt. 'Ich werde nachsehen, was es ist!' brummte der Bär mutig, aber seine Beine schlotterten vor Angst. Däumekätzchen merkte das wohl, und so beschloss sie mit dem Bären zu gehen. 'Ich werde dich begleiten und dich beschützen!' maunzte sie fröhlich. Das gab dem Bären neuen Mut, und er öffnete vorsichtig den vordere Teil des Zeltes und schaute hinaus.
Vor ihnen herrschte Bewegung in dem Blätterhaufen, der den Waldboden bedeckte. 'Wer da!' brummte der Bär so laut er konnte. Die Bewegungen verstummten, und Augenblicke später schob sich ein spitzer, mit Fell bedeckter Kopf aus den Blättern hervor. 'Was seid ihr denn ?' quiekte die Maus und befreite sich von den Blättern, die noch auf ihr hingen. 'Ich bin ein mutiger Bär, und das dort ist eine gefährliche Katze!' brummte der Bär. Die Maus schrak ein Stück zurück, da Katzen ihre natürlichen Feinde waren, doch dann kam sie neugierig vorwärts gekrochen, um sich die kleine Katze anzusehen. 'Du bist ja kaum größer als ich!' bemerkte sie verwundert. 'Und ich hatte immer Angst vor eurer Art!' Dann wand sie sich dem Bären zu. 'Was tut ihr hier in diesem Stück des Waldes ? Die Waldfeen haben es gar nicht gerne, wenn man sich uneingeladen in ihrem Gebiet aufhält.' Der Bär schaute etwas betrübt auf den Boden. 'Nun, ich glaube, wir haben uns verlaufen!' Die Maus legte den Kopf schief. 'Ei ei ei, und wo kommt ihr her ?' Der Bär beschrieb ihr schnell seine Höhle und den Wald um sie herum, doch die Maus schien dieses Gebiet nicht zu kennen. 'Passt auf, ihr Lieben, ich kann euch nur raten, nicht den Waldfeen zu begegnen. Seht zu, dass ihr so schnell wie möglich hier fort kommt. Ich wünsch euch noch eine gute Reise.' Mit diesen Worten drehte sich die Maus um und war schon im Blättergewirr verschwunden.
'Das klingt gar nicht gut, Bär.' stellte Däumekätzchen fest. Der Bär nickte, aber er war viel zu müde, um sich jetzt Gedanken darüber zu machen. 'Wir werden morgen weiter sehen!' brummte er und zog Däumekätzchen mit sich, wieder ins Zelt.

Am frühen Morgen standen Däumekätzchen und der Bär auf, um sich auf den Weg zu machen. Der Boden war bedeckt mit glitzernden Tautropfen, und ein leichter Morgennebel lag in der Luft. Der Wald hatte etwas Zauberhaftes, und in diesem Moment glaubte der Bär, in jedem Baum eine Waldfee zu sehen. Vorsichtig schlichen die beiden in die Richtung, die Däumekätzchen als die Richtige erachtete.
Sie marschierten die ganze Zeit, und bald taten ihnen die kleinen Pfoten weh, so dass sie eine Pause einlegen mussten. Der Bär setzte sich betrübt auf einen kleinen Stein und dachte an seine gemütliche kleine Höhle und an die putzigen Sachen, die sie beide dort gemeinsam tun könnten. Dann seufzte er tief und erhob sich wieder. 'Wir müssen schauen, dass wir bald weiter laufen, Däumekätzchen!' sagte er und tapste zu ihr. Als er sie erreicht hatte, stellte er fest, dass sie sich in dem weichen Moos des Waldbodens zusammengerollt hatte und eingeschlafen war. Er strich ihr durch das weiche Fell, und sie begann wohlig zu schnurren, dann öffnete sie die Augen und blinzelte ihn an. 'Ach mein lieber Bär, ich wünschte, wir wären jetzt zu Hause!' Der Bär nickte und half ihr aufzustehen. 'Bald sind wir wieder da, ich glaube, ich erkenne schon die Bäume wieder!' schwindelte er und lächelte sie dabei an. Däumekätzchens Miene erhellte sich, 'Meinst du wirklich ? Dann nichts wie los!' Und ruckzuck war sie wieder auf den Pfoten und tapste los.
Sie wanderten noch ein paar Stunden weiter, dann begann die Sonne langsam, sich zu verabschieden. 'Wir müssen wohl noch eine Nacht hier verbringen.' murmelte der Bär und begann das Zelt auszupacken. Er stellte es neben einen großen Stein, in der Nähe einer Eiche und eines Ahornbaumes.
Als er das Zelt fertig aufgebaut hatte, setzten sich die beiden davor und beobachteten, wie die Sonne langsam unterging. Gerade als sie den Horizont erreichte und den Himmel in ihr abendliches Farbenspiel aus Rot, Gold und Purpur tauchte, reckte sich der Ahornbaum, und im nächsten Moment löste sich aus der Rinde die Gestalt einer schlanken Frau, deren Haar über und über mit Blättern bedeckt war. Sie reckte sich und schaute zum Himmel hinauf. 'He Eiche, alter Freund, wie ist es dir ergangen ?' rief sie und schritt mit zierlichen Bewegungen zu dem Baum hinüber. Ein Zittern lief durch die Borke, und Augenblicke später klappten zwei uralte Astlöcher nach oben und enthüllten die Augen der Eiche. 'Oh, wie soll es einem alten Baum schon gehen, mein Kind ?' knarrte der Baum. 'Die Käfer jucken unter meiner Rinde, und die Spechte versuchen, sie davon abzuhalten. Ich wünschte, ich könnte mich einmal richtig kratzen!' Ein Rucken ging durch die Eiche, und sie versuchte ihre Äste zu bewegen, aber er gelang ihr nicht richtig. 'Ach, ich bin zu alt für so etwas!' knarrte die Eiche und ließ ihre Äste wieder nach oben schnellen.
Die Waldfee trat zu ihm und legte ihre Hand auf die Rinde. 'Reicht es, wenn ich dich ein wenig reibe ?' Der Baum ächzte. 'Ich glaube nicht!'
'Hey, ihr da oben!' rief in diesem Moment Däumekätzchen. 'Ich habe scharfe Krallen und der Bär auch, sollen wir es mal probieren ?' Die Waldfee fuhr herum und bemerkte erst jetzt das kleine Zelt mit den beiden Gestalten davor. 'Eindringlinge in meinem Wald!' rief sie empört und schaute Däumekätzchen böse an. Die kleine Katze schluckte um ihres leichtsinnigen Mutes und versteckte sich hinter dem Bären. 'Verzeihung, wir wollten nicht eindringen, wir wollen nur nach Hause!' stotterte der Bär.
'Ach, lass die Kleinen doch, Fragaria!' knarrte die Eiche und bemühte sich, soweit nach unten zu schielen, um die beiden zu sehen. 'Vielleicht können sie mich ja wirklich kratzen, lass sie es versuchen!' Die Waldfee blickte kurz zur Eiche auf und trat dann einen Schritt zur Seite. 'Also gut, sie scheinen ja nichts beschädigt zu haben!' Däumekätzchen und der Bär begannen an der alten Eiche empor zu klettern, wobei sie ihre Krallen tief in die Rinde schlugen, um den Baum zu kratzen. 'Ah, ja, das tut gut!' kommentierte die Eiche ihre Aktionen.
Nach einer Weile sagte sie dann: 'Danke, das hat gut getan, ihr könnt jetzt aufhören, wenn ihr wollt.' Die beiden begannen also mit dem Abstieg und waren bald wieder auf dem Boden angelangt. 'Fragaria, könntest du den beiden nicht helfen, nach Hause zu kommen ?' fragte die Eiche. 'Ich kann mich leider nicht von der Stelle bewegen, aber ich finde, das bin ich ihnen schuldig.' Die Fee zuckte mit den Schultern und murmelte, 'Ich kann auch nicht sehr weit weg, aber ein Stück kann ich sie begleiten.' Sie beugte sich zu dem Bären und Däumekätzchen hinunter und nahm sie mitsamt ihrem Zelt in ihre weichen Hände. 'So, in welche Richtung wollt ihr ?' Der Bär überlegte nicht lange, und bevor Däumekätzchen etwas sagen konnte, hatte er der Fee schon die Richtung beschrieben. 'Das ist noch ziemlich weit, ich kann euch nur eine Stunde oder zwei tragen, aber ich denke, den Rest werdet ihr auch alleine finden.' Und so trug die Fee sie durch den nächtlichen Wald. Nach einiger Zeit setzte sie die beiden wieder ab und verabschiedete sich von ihnen.
Däumekätzchen schaute ihr noch eine Weile nach und meinte dann zum Bären. 'Bist du dir sicher, dass es diese Richtung war ? Ich hätte schwören können, wir mussten in die andere!'
Der Bär überlegte kurz und nahm sie in den Arm. 'Lass uns morgen nachschauen.'

Als der Morgen graute und die ersten Sonnenstrahlen den Boden des Waldes in ein grünlich irisierendes Licht tauchten, standen Däumekätzchen und der Bär auf und reckten sich. Der kleine Bär suchte sich einen großen Baum und schupperte seinen Rücken daran. 'Ah, das tut gut, ich kann die Eiche wohl verstehen.' Däumekätzchen schaute ihm zu und wollte es ihm gleich tun, doch irgendwie gefiel ihr das Gefühl nicht so gut, als wenn der Bär mit seinen Pfoten über ihren Rücken strich.
Nachdem sie das kleine Zelt wieder zusammen gerollt hatten, begaben sie sich auf den Weg, der Bär übernahm diesmal die Führung und war sich sicher, bald in bekanntes Gebiet zu kommen. Nachdem sie einen halben Tag gelaufen waren, begann der kleine Bär langsam an ihrem Weg zu zweifeln, gegen Abend war es ihm dann schon fast klar, dass auch er in die falsche Richtung gelaufen war. Traurig setzten sie sich auf den Waldboden, und dem Bären kullerten ein paar Tränen die Teddyschnauze herunter. 'Ich finde meine kleine Höhle nie wieder!' schluchzte er und kuschelte sich an Däumekätzchen. Diese legte ihre Pfoten um seine Schultern und versuchte ihn zu trösten, auch wenn ihr selber nicht gerade wohl bei der Sache war. 'Oh Bär, wir finden den Weg, und wenn wir zu Hause sind, dann lachen wir über unser Abenteuer und denken uns, warum waren wir nur so kindisch.' Der Bär hörte auf zu schluchzen und sah Däumekätzchen an. 'Ich darf kindisch sein, schließlich bin ich noch minderbärig!' Däumekätzchen überlegte einen Moment und stimmte ihm zu.
Als die Nacht hereinbrach, hatten die beiden das Zelt noch nicht aufgebaut und bemerkten bald, dass es nun zu dunkel war, um es noch fertig zu bauen. 'Wir werden wohl unter freiem Himmel schlafen müssen.' maunzte Däumekätzchen ein wenig unglücklich. Schnell kuschelten sie sich zusammen und setzten sich an einen Ast gelehnt auf den Waldboden. 'Schau mal, Bär,' sagte Däumekätzchen, 'der Himmel ist klar, und der Mond leuchtet wie eine Perle.' Der Bär nickte und betrachtete den Sternenhimmel. 'Der Stern dort hinten stand immer direkt über meiner Höhle.' murmelte er bedrückt. Däumekätzchen riss die Augen auf und schaute den Bären an. 'Was hast du da eben gesagt ?' fragte sie freudig erregt. 'Ich sagte, dass der Stern da hinten normalerweise immer direkt über meiner Höhle steht!' murmelte der Bär. Im nächsten Moment wurde auch ihm die Bedeutung seiner Worte klar. 'Däumekätzchen, da hinten geht es nach Hause!' rief er und sprang auf. Schnell packten sie ihre Bündel und rannten los.
Plötzlich ließ ein markerschütternder Schrei sie erstarren. Instinktiv warfen sich Bär und Katze auf den Boden, und nur Sekunden später schoss etwas Großes, Dunkles über sie hinweg und schlug auf den Waldboden auf. 'Was soll das!' schrie die große Eule. 'Ihr habt gefälligst stehen zu bleiben, wenn ich euch jage!' Der Bär richtete sich auf und brummte böse. 'Wir schmecken nicht und würden dir böse im Magen liegen!' Die Eule legte ihren Kopf schief und schaute sie an. 'Nanu, das sind ja gar keine Mäuse, so etwas aber auch. Tja, tja, tja, klein, aber nicht fein! Ich muss schon sagen!' Däumekätzchen trat vor und schaute die Eule an. 'Was heißt hier nicht fein ? Erst erschreckst du uns zu Tode, und dann beleidigst du uns auch noch ? Entschuldige dich gefälligst.' Die Eule kratzte sich am Kopf, 'Recht hast du schon, aber ihr seid selber Schuld! Was lauft ihr auch nachts in eurer Größe durch den Wald ?'
Der Bär räusperte sich. 'Wir müssen uns nach den Sternen richten, sonst finden wir nicht mehr den Weg zurück.' Die Eule überlegte kurz. 'Klingt gut, mach ich auch, wohin wollt ihr ?' Der Bär deutete zum Himmel, 'Da, zu diesem Stern' Die Eule schaute hinauf. 'Soll ich euch ein Stück mitnehmen ? Dort gibt es gute Mausgründe, unter den hohen Brombeerhecken. Nachts kommen sie raus, ach, was für ein Schmaus!' Die Eule hüpfte vor Vergnügen hin und her. Der Bär und Däumekätzchen überlegten nicht lange und packten ihre Sachen ein.
'Wie willst du uns mitnehmen ? Doch hoffentlich nicht in deinem Magen ?' scherzte Däumekätzchen. 'Nein, ihr würdet schwer darin liegen, hat der Schwarze gesagt. Steigt auf meinen Rücken!' Die beiden ließen sich nicht lange bitten, und kurz darauf schwebten sie über dem Wald und wurden in Richtung des leuchtenden Sterns getragen. Der Bär strengte seine Augen an, und bald erkannte er eine Lichtung, die ganz in der Nähe seiner Höhle lag. Überglücklich schrie er 'Eule, Eule, lass uns runter, wir sind fast da!' Die Eule landete auf der Lichtung, und der kleine Bär und Däumekätzchen sprangen von ihrem Rücken. 'Vielen Dank für deine Hilfe!' sagte Däumekätzchen artig und hastete dann mit dem Bären in den Wald, um zu seiner Höhle zu gelangen. Nur wenige Minuten später standen sie vor seiner Tür und fielen überglücklich hinein. Sie machten sich gar nicht mehr die Mühe, ihre Sachen zu verstauen, sondern ließen sich gleich auf das weiche, große Bett fallen. Was sie dann taten, möchte ich hier nicht erwähnen, aber als sie fertig waren, seufzte Däumekätzchen glücklich, 'Und wohin gehen wir morgen ?'

To be(ar) continued .....


Kommentare

creativ-head@gmx.de schrieb:
Die Story ist echt süß! Ein bisschen an Däumelinchen angelehnt, aber total schön.

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