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Kategorien > Vielleicht Leben... KP > Irgendwo in Paris

Danny- mein Möchte-gern-Freund und mein großes Pro

von KatieCat

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Es war Samstag. Einer dieser Tage, an denen ich mich nicht traue hinauszuschauen, da dann wieder…ja was passiert immer? Ich fange am besten ganz von vorne an. Als wir hierhergezogen sind. Damals dachte ich, das sei die ödeste Gegend, die ich je gesehen habe. Es war ein sehr trüber Tag. Alles war feucht und kalt, der Himmel war grau und mein Hase kroch bis zum Abend nicht aus seiner Hütte. Ich wollte nichts mehr sehen, nichts mehr hören. Außer meine Musik, die aus dem iPod kam. Ich war unendlich traurig. Meine Freundinnen hatten zwar versprochen, dass sie mich mindestens einmal im Monat besuchen würden, aber ich kann sie nicht mehr jeden Tag sehen. Außerdem bin ich sauer. Auf meinen Pa, der mir die ganze Zeit das Ohr vollsäuselt, wie schön es hier wäre und wenn die Sonne erst einmal rauskäme würde ich einen Freudentanz aufführen. Dass er sich da mal nicht täuscht. Fast immer sitze ich vor meinem uralten Computer und schreibe E-Mails. Naja, komme ich mal dazu, das zu erzählen wovor ich mich samstags immer verstecke. Klavierunterricht? Nein, auf keinen Fall! Der ist meine einzige Möglichkeit mich an Samstagen aufzuheitern. Mein Tagesablauf besteht darin, mich anzuziehen, mein Frühstück herunterzuwürgen und dann durch den kleinen Spalt im Vorhang zu schauen, ob ER da ist oder nicht. Ich könnte ihn einfach davonschicken aber jedes Mal, wenn ich ihn anspreche lächelt er selig. Dabei ist es vollkommen egal was ich zu ihm sage. Würde ich sagen: „Verpiss dich“, dann glaube ich, würde er trotzdem lächeln. Ich habe ihn ja angesprochen. Er nervt mich. Alles fing damit an, dass ich schüchtern in meine neue Arbeit ging, nicht wusste in welches Stockwerk, und ihn um den Gefallen gebeten habe, er möge mir doch bitte zeigen, wo Journalisten ihren Platz im Haus haben. Er starrte mich an und ließ beinahe seine Mappe mit irgendwelchen Zetteln fallen, die anscheinend keine Ordnung haben. „Ist etwas? Hab ich noch mein Nachthemd an? Oder habe ich etwa vergessen meine Haare zu richten?“. Meine Ma findet, ich habe die schönsten Haare der Welt. Kastanienbraun. Aber nur, wenn ich sie richte. Einfach kämmen nützt bei mir nichts. Naja, ich fasste mir an meinen Kopf um sicher zu sein, dass dort keine von meinen neuen mattschwarzen Haarklammern fehlte. Doch das war nicht mehr nötig. Eben schüttelte ER den Kopf und brachte endlich auch mal etwas heraus. „Hallo“, schniefte er. War das die Antwort auf meine Fragen? ER zog ein Taschentuch heraus. Total durchnässt. Ich holte eines von meinen peinlichen Taschentüchern heraus. Mit Hello Kitty darauf, und bot ihm eins an. ER nahm es und schnäuzte sich kräftig. Dann krächzte ER: „Zweiter Stock, geradeaus, vorletztes Zimmer links. Und wenn du `ne Kaffeepause machen willst, dann musste in das gegenüberliegende Zimmer gehen. Ich komm nachher vielleicht auch noch rüber“. „Meisterleistung“, dachte ich mir. „Dass ER so einen Satz herausbringt hätte ich nie gedacht“. Aber da täuschte ich mich gewaltig. Drei Arbeitstage später verliefen unsere Gespräche ganz anders. ER hieß übrigens Danny. Seine Eltern kamen aus Amerika und wohnten auch dort. Also, zurück zu den Gesprächen. Jetzt fragte Danny meistens etwas und ich konnte ihm nur schwer antworten. Manchmal wollte ich auch nicht antworten. Kam eben darauf an, ob es eine Frage wie „Wann willst du denn mal heiraten?“ war oder eher eine wie „Hast du denn schon mal gehabt?“. Bei der Frage, ob ich schon mal gehabt hätte, habe ich mich taub gestellt und war mit einem Stapel meiner neuesten Arbeiten auf und davon. Was ja wohl hoffentlich verständlich ist. Dieser Typ hatte außerdem eine blühende Fantasie. Er erzählte mir mal, wie ein Ufo nach irgendwelchen physikalischen Gesetzen und unverständlichen Formeln landen müsste. Leider hat er dabei ganz vergessen, dass es eigentlich keine Ufos gab. Jedenfalls nicht bei jemandem, der normal im Kopf ist. Aber von einem Tag auf den nächsten, Schlag auf Schlag, war er plötzlich wie… ausgewechselt. Ganz anders wie sonst. Eigentlich war er immer bei der Sache. Konnte sich bei seinen -im wahrsten Sinne des Wortes- fantastischen Gedankengängen auch immer wieder fassen und schweifte nebenher auch nicht von seiner Arbeit ab. Seite für Seite tippte er, jedes Wort genau platziert, kein Satz fiel aus der Reihe. Er arbeitete nach seinem Schema und hatte immer ein vernünftiges Ergebnis. Aber dann…., sein Verstand: wie weggeblasen; sein Wortschatz: auf die Hälfte verkleinert. Als er dann aber auch noch bei jeder Gelegenheit zu mir herüberschielte, wurde es mir zu viel. Ich sagte ihm, er solle sich auf seine Arbeit konzentrieren und nicht auf das, was die anderen machen. Wortkarg war er jedenfalls nicht in dieser Situation. Er schwieg nicht und wandte sich auch nicht seinem Papierkram zu, was mich sehr überraschte, sondern entgegnete: „Ich habe nicht auf die Texte der anderen geschaut. Ich habe DICH angesehen“. Ich dachte mich trifft eine Stahlkugel oder so was ähnliches. Das einzige, was ich machen konnte, war stottern. Und so stotterte ich eine Weile vor mich hin, bis ich so etwas herausbrachte, das annähernd wie „aha….o-o-OK...ab-aber…ähm,….eh. W-wie mein-meinst d-du das je-je-jetzt?!“ klang. Doch er drehte sich schon wieder weg. Ein Zettel, weiß mit pinken Wellen und Streifen, flog mir zu Füßen. Ich faltete ihn auf. Mir stockte der Atem. Er war natürlich von Danny. Adressiert an … MICH! Und das stand darauf: Ein Gedicht und ein eigens formulierter Text mit allerlei Verzierungen. Also ich lese ihn mal vor:
Jeder Mensch braucht einen Engel, der ihn schützt, der ihn hält, der ihn auffängt, wenn er fällt.
Wenn ich nicht gewusst hätte, dass es einen Menschen gibt, der mich braucht und der mich mag, hätte ich …längst aufgegeben…denn mein Leben hat sonst keinen Sinn.
Only you can make the darkness bright, only you can fill my heart with light.
Das Leben besteht nicht aus Momenten, in denen du atmest. Es sind die Momente, in denen du liebst und die dir den Atem rauben.

Und dann kommt noch sein Text. Ich hätte auch hier nicht gedacht, dass Danny so viel zu Papier gebracht hat: Könnten wir uns vielleicht morgen an Pierres Crêpes-Stand unter dem Eiffelturm treffen? Wenn es dir Recht ist, so um … halb neun. Ich lad dich zu einem Crêpe nach deiner Wahl ein. Bitte antworte mir, Kate. Ich weiß, du denkst jetzt wahrscheinlich irgendetwas von wegen „hat der jetzt eine Meise oder ist der einfach nur blöd im Hirn?“, aber bitte sei so lieb und komm. Ich hab schrecklich dringend eine Nachricht für dich. WICHTIG!!!
Wirklich, er hat mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen. Er kann Gedanken lesen! Wahnsinn!!! Natürlich hielt ich ihn damals für übergeschnappt. Naja, ich ging letztendlich doch noch zum Crêpes-Stand. War nicht mal so schlecht. Hat wirklich lecker geschmeckt. Aber das, was er mir sagen wollte hat mich zuerst aus den Socken gehauen, die sowieso immer nach Edamer riechen. Das hat er offensichtlich auch gemerkt, denn zog so eine komische Grimasse, wie ich sie bis jetzt nur im Zirkus gesehen

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