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Kategorien > Fabeln & Märchen > Märchen

Das Adlerpferd

von Rosemarie Möller


Diese schöne Geschichte wurde von Jasmin Schmid erdacht und mir danach
erzählt. Jasmin ist 9 Jahre alt und lebt im Allgäu.

Eine Pferdefamilie galoppierte über die Wiesen und Felder im Land der Berge
und Seen. Es war ein Vaterpferd, Namens Mondschein und ein Mutterpferd,
Namens Sternschnuppe. Zusammen mit ihrem Tochterpferd Shakiraa waren sie
eine glückliche Familie.
Shakiraa war noch ein sehr junges Tier. Sie war erst ein paar Tage alt und
konnte noch nicht für sich selber sorgen. Man musste jede Minute auf sie
aufpassen, denn sie hatte noch nicht genügend Erfahrung um alleine zu Leben.
So sorgten die führsorglichen Pferdeeltern gut für ihr Kleines. Jeden Tag
galoppierten sie durch den Wald und über die Wiesen. Es ging ihnen gut und
sie waren glücklich.
Eines Tages aber, es war noch ganz früh am Morgen, da störten laute Schüsse
ihr Familienleben. Schüsse und laute Geräusche kamen aus der ferne immer
näher. Sternschnuppe sah Mondschein voller Angst an, sie wusste nicht was
dass soll und sie sorgte sich um Shakiraa.
Mondschein sagte zu seiner Sternschnuppe: „Wir müssen weg hier und uns
in Sicherheit bringen!“ Da hörten sie wieder einen lauten Schuss und
zuckten zusammen. Die kleine Shakiraa erschrak sehr und lief einfach weg.
Mondschein rief Shakiraa nach:
„Shakiraa halt, bleib stehen!“
Doch Shakiraa lief und lief. In Panik lief auch Sternschnuppe los und
Mondschein folgte zugleich. Da fielen wieder Schüsse und trafen
Sternschnuppe und Mondschein. Sie starben auf der Stelle und konnten
Shakiraa nicht mehr sehen. Shakiraa, das junge Fohlen lief in seiner Panik
immer weiter und weiter. Das arme Tier, es wusste noch gar nicht, das seine
Eltern starben. Es lief solange bis es müde war und Hunger hatte. Langsam
wurde es auch dunkel und die nächtliche Kühle trat ein. Shakiraa ruhte sich
aus und verstand nicht, warum es alleine war. Das kleine Fohlen hatte
fürchterlichen Hunger und fing an zu jammern in ihrer Pferdesprache. Es
fühlte sich so allein und wollte warme Milch von ihrer Mama.
Ein Adler aus der Ferne hörte das Jammern und machte sich auf den Weg,
herauszufinden, woher dieses Jammern kam und wer das wohl ist. Kurze Zeit
später fand er Shakiraa und fragte: „Warum schreist Du denn so?“
Shakiraa antwortete: „Ich habe solchen Hunger und meine Eltern sind
nicht da“!
Der Adler dachte sich sofort, dass etwas schlimmes passiert sein muß, denn
Tiereltern verlassen ihr Kind nicht einfach so.
„Nun,“ sagte der Adler „Ich heiße Sherdil und wie heißt
Du?“
Das Fohlen antwortete: „ Ich heiße Shakiraa und ich habe solchen
Hunger! Kannst Du mir was zu Essen bringen?“
Sherdil sagte: „O.K., ich werde mal sehen was ich finde!“
Er flog weg und holte einen besonderen Leckerbissen aus dem nahegelegenem
See. Shakiraa wartete jammernd auf den Adler.
Es dauerte nicht lange, da war der Adler wieder da und legte dem Fohlen sein
gefundenes Fressen hin. Shakiraa roch daran und rümpfte die Nase.
„I gitt, was ist denn das, es stinkt fürchterlich?“
Sherdil sah das Fohlen erstaunt an und sagte mit ernster Stimme:
„Das ist ein wundervoller, gutschmeckender Fisch aus meinem
Lieblingssee!“
„So etwas habe ich noch nicht gerochen und gegessen. So etwas schmeckt
Dir?“ fragte Shakiraa mit großen Augen.
„Das ist mein Leibgericht und ich dachte, es wäre auch Dein
Leibgericht! Aber wenn es Dir nicht schmeckt, dann werde ich Dir was anderes
bringen“. sprach der Adler.
Sherdil flog los und es quälte ihn der Gedanke, was er wohl diesem Fohlen
bringen könnte, damit es nicht mehr jammert.
Es dauerte nicht lange, da kam Sherdil mit einem Bündel Gras wieder. Er
legte es Shakiraa hin und sagte:
„Ich hoffe, Du magst Gras!“
Shakiraa probierte einen Halm und spuckte ihn wieder aus.
Dazu meint Sherdil:
„Was hast Du denn nun schon wieder an dem Essen auszusetzen!“
Shakiraa sah in mit ihren großen braunen Augen an und sagte: „Bitte
bring mir doch ein bisschen warme Milch von meiner Mutter.“
Sherdil erschrak und sagte:
“Wie soll ich warme Milch auftreiben, wenn ich nicht weiß, wo Deine
Mutter geblieben ist?“
Shakiraa fing an zu weinen und das ging Sherdil zu sehr ans Herz, denn er
konnte niemanden weinen sehen.
Er sagte:
„OK, OK, hör bloß auf zu weinen, ich hab da eine Idee, wie ich Dir
Milch besorgen könnte! Ich bin gleich wieder da und hör jetzt auf zu
weinen!“
So flog Sherdil zum dritten Male los, um das verwöhnte Fohlen satt zu
kriegen, damit es nicht mehr jammert.

Ganz in der Nähe lebte eine Hirte Namens Joscha. Er hatte jede Menge Ziegen
und bestimmt genügend Milch. Sie wird zwar nicht so schmecken wie die Milch
der Pferdemutter, aber sie wird sie sättigen.
Sherdil begab sich auf dem schnellsten Wege dort hin. Joscha war ein alter
Freund des Adlers, vor vielen Jahren hat der Adler diesem Hirten mal was
gutes getan und so wurden sie gute Freunde.
Sherdil landete vor Joschas kleiner Hütte.
„Hallo Joscha!“ rief Sherdil, der ganz außer Puste war.
„Hallo Sherdil, was führt Dich denn um diese Zeit zu mir?“ sagte
Joscha mit gespanntem Blick.
„Ich brauchen Deine Hilfe“ keuchte er. „Ich habe da ein
junges Fohlen gefunden, dass wohl keine Eltern mehr hat. Für dieses kleine
jammernde Pferd brauche ich warme Ziegenmilch, sonst wird es mir verhungern
und mich mit seinem Weinen verrückt machen.“ sagte der Adler
verzweifelt.
„Beruhige Dich Sherdil, Du bekommst ja etwas Ziegenmilch!“ sagte
Joscha.
„Aber wie um alles in der Welt, willst Du es zu ihm bringen?“
fragte Joscha den Adler.
Der Adler sah den Hirten fragend an und sagte:
„Joscha, bitte, lass Dir doch was einfallen, ich habe jetzt nicht die
Zeit um lange darüber nachzudenken!“
Joscha schüttelte den Kopf und sagte lächelnd:
„Komm mit, Du verzweifelter Freund!“
So ging Joscha in die Scheune und melkte ein wenig Milch in einen kleinen
Behälter, der aussah wie ein kleiner Eimer.
„So Sherdil, hier hast Du Milch für das Fohlen.“
„Jetzt musst Du es nur noch schaffen, es dem Fohlen zu bringen.“
Sherdil sah Joscha erleichternd an und sagte:
„Danke Dir mein Freund.“
Er nahm mit seinem Schnabel den Henkel des Eimers und flog mit ihm los.
„Sag mir bescheid, wenn das Fohlen die Milch getrunken hat! Und hole
mich morgen bei Tagesanbruch ab, damit ich mal nach dem Pferdekind sehen
kann!“ rief Joscha dem Adler hinterher.
Ganz müde und hungrig lag Shakiraa im Gras, als der Adler endlich wieder
kam.
„So mein Kleines, hier hab ich Milch für Dich.“ Sagte Sherdil zu
dem winselndem Fohlen und stellte den kleinen Eimer mit Milch ab.Ohne
Kommentar schlabberte Shakiraa die Milch bis auf den letzten Tropfen aus.
Dann wurde sie ruhig und schlief langsam ein.
Sherdil war sichtlich erleichtert und sagte leise:
„Schlaf gut, Du Pferdekind.“
Dann setzte sich der Adler auf einen Baum und hielt Wache. Die ganze Nacht
gab Sherdil darauf acht, dass das Pferdekind in Ruhe schlafen konnte.
Am nächsten Morgen, es war noch ganz Früh und die Sonne ging gerade auf, da
machte der Adler sich auf den Weg zu Joscha. Shakiraa schlief noch, so
beeilte sich Sherdil, um bald wieder da zu sein. Es dauerte nicht sehr
lange, da kam Sherdil mit Joscha zurück. Tascha die Labradorhündin von
Joscha, bewachte der Weile die Ziegen.
Tascha, die sehr neugierige Hundedame, wäre gerne mitgegangen um das junge
Fohlen zu sehen. Doch sie musste bei den Ziegen Wache halten, damit sich
dort nicht der Fuchs Namens Schikano einschleicht. Denn Schikano ärgerte
Joscha schon seit Monaten. Schikano hatte großen Respekt vor der schönen
weißen Hündin Tascha. Wenn er sie nur sah, zog er den Schwanz ein und wenn
sie zu knurren anfing suchte er das Weite.
Das junge Fohlen wurde gerade wach und sah Joscha mit seinen großen dunklen
Kulleraugen an. Dann ging Shakiraa zu dem Hirten, um ihn zu beschnuppern.
„Na Du kleines armes Ding. Komm nur her, ich hab Dir ein Frühstück
mitgebracht.“ sagte Joscha und streichelte Shakiraa ganz lieb.
Shakiraa süffelte ganz gierig die Milch aus, die Joscha ihm gab. Er brachte
eine etwas größere Babyflasche mit, die einen Sauger daran hatte. Damit
konnte das Fohlen besser trinken, denn es war ja noch das Saugen gewohnt.
Nach dem es die Milch aufgetrunken hatte, lies es sich ganz lang von Joscha
streicheln und fand Vertrauen zu ihm. Shakiraa schmiegte sich mit dem Kopf
an Joschas Schulter. Sie bewegte sich keinen Millimeter mehr von Joscha weg,
so dass Sherdil frech grinste, denn er wusste jetzt, wie er das Fohlen ohne
Probleme groß kriegt und sagte zu Joscha:
„Wenn Du Shakiraa mit zu Deiner Hütte nimmst, dann könntest Du ihn
öfter am Tag warme Ziegenmilch geben und es wäre für das Fohlen
gesorgt.“
„Ja, das werde ich tun und Du kommst mit! Denn ich habe nicht den
ganzen Tag Zeit, um den Fohlen die wichtigsten Dinge beizubringen. Es ist
von nun an Deine Aufgabe, auf Shakiraa aufzupassen. Von mir bekommt es nur
seine Milch und einen Platz, wo es trocken steht.“ erwiderte Joscha
mit erstgemeinter Stimme.
„Na, dann lass uns mal keine Zeit verschwenden, denn ich bin
Müde.“ sagte Sherdil und setzte sich auf Shakiraas Rücken um ein
Schläfchen zu machen.
So zogen die Drei los um zu Joschas Hütte zu marschieren.
Als sie an Joschas Hütte ankamen, wedelte Tascha heftig mit dem Schwanz und
ging den dreien zur Begrüßung entgegen. Tascha freute sich sehr, als sie
Shakiraa sah, denn endlich hatte sie einen Spielgefährten. Mit den
meckernden Ziegen konnte Tascha einfach nichts anfangen. Es ging auch nicht,
denn sie sollten ja Respekt vor der Hündin haben und aus diesem Grund kam
auch keine Freundschaft zustande.
Es vergingen viele Tage und viele Wochen, Shakiraa wuchs heran und fühlte
sich bei Joscha, Tascha und den Ziegen sehr wohl. Tascha und Shakiraa wurden
sehr gute Freunde, sie hatten sehr viel Spaß beim hüten der Ziegen. Sherdil
kam jeden Tag vorbei geflogen um sich um Shakiraa zu kümmern. Um ihr einiges
zu lernen und nach dem Rechten zu sehen.
Der Adler fühlte sich sehr verantwortlich für das junge Pferd. So, als
wollte er sein Vater sein. Joscha, Sherdil und die Ziegen lebten in Harmonie
mit Tascha und dem Fohlen. Das junge Pferd hatte wieder ein zu Hause, bei
einer richtig netten Familie und sprang glücklich herum. Tascha begleitet
Shakiraa jeden Tag und zeigte ihm die Gegend. Dabei hatten die beiden
wirklich sehr viel Spaß und tollten in den hohen Wiesen hin und her.
Shakiraa wuchs heran und entwickelte sich zu einer wunderschönen Pferdedame.
Ihr Fell glänzte und sie besaß Anmut und Eleganz. Genauso wie die Hundedame
Tascha, graziös trabten sie täglich über Felder und Wiesen um die Gegend zu
erkunden. Der Adler Sherdil flog ihnen meistens hinterher und achtete
darauf, das sie beide wieder Nachhause finden. Manchmal wurde er ganz schön
müde dabei, denn er war auch nicht mehr der jüngste Flieger.
Eines Tages entdeckte Shakiraa eine wunderschöne Blumenwiese, mit jeder
Menge saftigem Gras. Die Sonnenstrahlen glitzerten durch das Morgentau und
die Luft roch frisch und duftig.
Die Vögel gaben mit ihrem Gezwitscher ein munteres Konzert. Shakiraa trabte
über die Wiese und wurde immer freudiger. Ganz lustig galoppierte sie durch
das Gras, das so schön glitzerte, als wären kleine Edelsteine daran kleben
geblieben. Die Sonnenstrahlen tanzten mit ihr im Galopp und ihre prächtige
Mähne bewegte sich mit dem Wind. In Shakiraa kamen so viele Glücksgefühle
auf, dass sie fast über die Wiese schwebte und die Vögel gaben vor Freude
ihre Musik dazu. Die Schmetterlinge flogen zu vielen bunt umher und
schmückten den Tanz von Shakiraa.
Ganz in der Nähe hielt sich ein schöner, dunkelbrauner, fast schwarzer
Hengst auf, der Shakiraa sah und wie angemauert stehen blieb. Er vergas fast
das Schnaufen, als er diese junge wunderschöne Pferdedame sah.
„Meine Güte, träume ich, oder ist das wirklich das schönste Wesen,
dass ich je sah?“ murmelte der Hengst vor sich hin.
„Nein Du träumst nicht.“ Kam aus dem Baum über ihm, wo Sherdil
sich es gemütlich machte.
„Das ist Shakiraa, meine Tochter.“ Sagte Sherdil mit anmaßender
Stimme.
„Deine Tochter!“ meinte der Hengst mit erschrockener Stimme und
fing an zu lachen.
„Wenn das Deine Tochter ist, dann frage ich mich schon ein wenig,
warum sie keine Federn hat und einen solchen Schnabel wie Du.“ Der
Hengst lachte und lachte.
„Hör auf, so doof zu lachen!“ schimpfte Sherdil.
„Natürlich ist Shakiraa nicht mein richtiges Kind. „Ich habe für
sie gesorgt und mich um sie gekümmert, als sie ihre Eltern auf tragische Art
und Weise verlor.“
„Und nun hör auf zu lachen!“ wiederholte er.
„Federn und Schnabel.“ murmelte Sherdil mit schüttelndem Kopf.
„Oh, verzeih, es hörte sich nur so komisch an, dass ein Adler ein
Pferd als Kind hat.“ sagte der Hengst. „Tut mir leid! Ich heiße
Rheingold und komme aus dem Westerwald.“
„Netter Name. Und ich heiße Sherdil“ kam es vom Baum herunter.
„Willst Du mich Deiner Tochter Shakiraa nicht vorstellen, ich möchte
sie kennen lernen,“ meinte Rheingold ganz ungeduldig.
Dann trabte Rheingold ganz gemächlich Shakiraa entgegen und Sherdil flog
nebenher.
Shakiraa merkte vor lauter Freudentaumel überhaupt nicht dass sie Besuch
bekam, erst als Sherdil sie rief, blieb sie kurz stehen und kam dann den
beiden entgegen.
Shakiraa sah den Besucher an, blinzelte mit ihren schönen Augen und sagte zu
Sherdil: „Wen hast den da mitgebracht?“
„Ha... Ha... Hallo, ich bin Rheingold und ich komme aus dem W... W...
Westerwald.“ stotterte er herum.
Sherdil fing an zu lachen und sagte: „Musst du niesen, oder
hat’s dir die Sprache verschlagen?“
„Ich bin Shakiraa, guten Tag Rheingold! Schön, dass es dich in diese
Gegend verschlug. Komm. Ich zeige dir mal meinen Lieblingsplatz“
Ohne ein Wort folgte Rheingold Shakiraa hinterher. Sherdil sah nur
Kopfschüttelnd hinterher und sagte: „ Meine Güte, die beiden
hat’s aber erwischt! Das muss ich sofort Joscha und Tascha
erzählen.“ Und schon flog er los, um die Neuigkeit weiter zu tragen.
Shakiraa und Rheingold trabten über die Wiesen und waren überglücklich, sich
gefunden zu haben. Shakiraa erzählte Rheingold von ihrem Zuhause, von Joscha
, von Sherdil und von ihrer besten Freundin Tascha. Rheingold erzählte ihr
vom schönen Westerwald und dem Rhein, an dem er geboren wurde und auch
aufwuchs. Er erzählte ihr von seiner Familie, von seinem Vater und von
seiner Mutter. Bevor es dunkel wurde trabten sie zu Shakiraas Zuhause.
Sie wollte ja schließlich Rheingold ihrer Familie vorstellen.
Als sie dort ankamen, begrüßte sie Tascha als erste mit ihrem Gebelle.
Joscha kam aus seiner Hütte raus, um sich den Verehrer Shakiraa’s
anzusehen.
Alle schienen ganz froh darüber zu sein, dass Shakiraa Besuch mitbrachte, so
dass sich Rheingold in ihrer Mitte sehr wohl fühlte. Es schien so, als wäre
auch er hier Zuhause.
Es vergingen viele Tage und Wochen und eines schönen Tages rief Shakiraa den
Adler, Joscha und Tascha, um mit ihnen über ihre Zukunft zu reden. Sie kamen
und waren ganz gespannt, was Shakiraa ihnen zu sagen hatte.
„Rheingold und ich werden für immer zusammen bleiben und wir bekommen
bald ein Junges. Da es hier dann wohl zu eng wird, haben wir uns
vorgenommen, auch bald nach einem anderen Zuhause zu suchen. Wir wollen es
finden, bevor unser Junges zur Welt kommt.“
Sherdil freute sich sehr über die Nachricht und meinte: „ Ich werde
Großvater!“
Joscha und Tascha grinsten und fragten: „Wollt ihr weit weg
ziehen?“
Tascha sah Shakiraa ganz traurig an und sagte: „Bitte Shakiraa, zieh
nicht zu weit weg, du bist doch meine beste Freundin!“
Shakiraa sah Rheingold mit großen feuchten Augen an und gab ihrer Freundin
zur Antwort:
„Nein, wir werden nicht all zu weit weg einen schönen Platz
finden.“
„Vielleicht sogar ganz in der Nähe, dann könnt ihr uns jeder Zeit
besuchen.“
Erleichtert atmete Tascha durch. Auch der Adler war zufrieden und Joscha
hatte ein Lächeln im Gesicht. Somit waren alle sehr zufrieden, mit der
Entscheidung der Beiden frisch Verliebten und freuten sich sehr über den
Nachwuchs.
Ganz in der Nähe, so wie es Shakiraa versprach, fanden sie auch eine
wunderschöne Lichtung am Fuße des Berges, wo sich Joschas Hütte befand. Und
nicht all zu lange Zeit später bekam Shakiraa ihr Junges. Es war ein
wunderschönes,aber noch etwas wackliges Fohlen. Es hatte ein weißes Fell und
war etwas gefleckt. Rheingold sah Shakiraa voller Stolz an und flüsterte ihr
ins Ohr:
„Gut hast du das gemacht, es ist ein wunderschönes Fohlenmädchen. Hast
du dir schon einen Namen für sie ausgedacht?“
Shakiraa sah zum Himmel und überlegte, denn sie war sich noch nicht ganz
sicher. Da tanzte eine Schneeflocke über ihr und landete auf ihrer Nase.
„Schneeflocke!“
„Schneeflocke sollst du heißen.“ sagte sie, während sie ihr
Junges mit dem Kopf streichelte.
Rheingold lachte und sagte: „Herzlich willkommen, meine kleine
Schneeflocke.“
Die Nachricht von dem Nachwuchs Namens Schneeflocke sprach sich in
Windeseile herum, wenn Sherdil flog so schnell er konnte zu Joscha und
Tascha.. Auf dem Weg dort hin rief Sherdil allen Tieren zu: „Ha Ha,
ich bin Großvater! Und Schneeflocke heißt mein Enkelkind!“
Tascha hörte Sherdil schon von weitem und lief gleich los um Shakiraa zu
besuchen.
Joscha rief Tascha noch nach, denn er brauchte sie um die Ziegen zu
bewachen. Doch die Hündin lief wie der Wirbelwind und konnte Joscha nicht
mehr hören.
Sherdil war ganz außer Atem als er bei Joscha ankam. „Ich bin
Großvater! Joscha!!! Ich bin Großvater!“
„Ja ja, das war nicht zu überhören und Tascha ist auch schon auf und
davon vor Begeisterung.“
„Wie heißt es denn, dein Enkelkind?“ fragte Joscha ganz
neugierig.
„Schneeflocke heißt sie.“ erwiderte Sherdil mit knapper Luft im
Hals. „Und sie ist auch noch weiß mit kleinen Fleckchen und es geht
ihr gut. Puuu, bin ich jetzt außer Puste.“
„Jetzt muss ich aber erst mal etwas Ruhen, denn schließlich bin ich
auch nicht mehr der Jüngste.“
Sherdil setzte sich und schlief erst mal glücklich und zufrieden ein. Er
hatte wirklich Ruhe nötig, denn das umherfliegen und herumposaunen hat ihn
sehr müde gemacht. Schließlich war er wirklich nicht mehr der Jüngste.
Während er sich ausruhte, kam Tascha wieder und löste Joscha ab, damit er
auch noch Schneeflocke begutachten konnte.
Schneeflocke war nun schon einige Tage alt und sie fühlte sich wohl bei
ihrer Mama Shakiraa. Ihr Vater Rheingold erzählte seinem Mädchen viele
schönen Geschichten aus dem Westerwald und vom schönen Rhein. Die drei waren
sehr glücklich zusammen und hatten sehr viel Spaß am Leben. Oft besuchten
sie Joscha und Tascha und sahen nach Sherdil. Denn der kam nicht mehr so oft
bei ihnen vorbei. Er war alt und sehr schnell müde und es strengte ihn sehr
an, immer die Strecken hin und her zu fliegen. Hin und wieder blieb
Schneeflocke bei Sherdil dem Adler, seinem Großvater. Damit seine Eltern mal
alleine durch die Gegend rennen konnten. Sherdil erzählte Schneeflocke die
Geschichte seiner Mutter, wie er sie gefunden hatte und ihr das Leben
rettete. Ganz aufmerksam lauschte Schneeflocke dem Adler zu und nun verstand
sie auch, warum er sein Großvater war. Der Adler war sichtlich stolz auf
seine gute Tat, denn er hätte sonst niemanden so schöne Geschichten erzählen
können.
Schneeflocke wuchs auch heran und wurde eine junge Pferdedame.
Eines Abends fragte Shakiraa ihr Kind: „Was hältst du davon, wenn du
einen Spielkameraden bekommst? Ich bekomme nämlich noch ein Junges und dann
hast du einen Bruder oder eine Schwester. Du hättest immer jemanden, mit dem
du herumtollen könntest und könntest ihm alles beibringen, was du gelernt
hast.“
Schneeflocke freute sich sehr über diese Frage und sagte: „Das wäre
wirklich sehr schön. Mir wäre dann nie mehr langweilig. Kann ich mir
raussuchen, was ich haben will?“
„Nein,“ erwiderte Shakiraa, „raussuchen kann man sich das
nicht, aber man bekommt das, was man braucht. Du brauchst dir diesbezüglich
keine Sorgen machen, denn egal, ob es ein Schwesterlein oder Brüderlein
wird, du wirst es mögen.“ sagte Shakiraa mit beruhigender und sanfter
Stimme.
Nach einiger Zeit war es dann soweit, Schneeflocke bekam einen kleinen
Bruder. Er war genauso dunkel, wie Schneeflockes Vater Rheingold. Nachdem
Shakiraa ihren Jungen geputzt hatte, sagte sie zu Schneeflocke: „ Was
für einen Namen willst du deinem Bruder geben?“
Schneeflocke sah zum Himmel und grübelte. Dabei sah sie dem funkeln der
Sterne zu und schwupp, flog eine Sterschnuppe den Himmel entlang.
„Sternschnuppe! Ja Sternschnuppe soll er mein Bruder heißen.“
Shakiraa und Rheingold lachten und Rheingold sagt zu Schneeflocke:
„Sternschnuppe ist ein wunderschöner Name. Doch hast du dir auch gut
überlegt, ob er zu deinem Bruder passt? Er wird einmal ein stattlicher
Hengst werden und da hört sich Sternschnuppe schon etwas komisch an.“
Schneeflocke sah wieder zum Himmel und erinnerte sich daran, wie die
Sternschnuppe schnell an ihr vorbei flog. Wie ein Pfeil schoss sie über den
Himmel und sie kam aus der Richtung, in der Sherdil Zuhause war. Sherdil
hatte Schneeflocke mal erzählt, das er früher so schnell über den Himmel
flog, dass man ihn auch den Silberpfeil nannte. Dann war es Schneeflocke
klar, welchen Namen ihr Bruder kriegen sollte und sie sagte:
„Ich möchte meinen Bruder Silberpfeil nennen.“
„Denn er wird so schnell wie ein Pfeil sein und dann so schön, wie die
silberfarbene Sternschnuppe am Himmel, die ich sah. Und außerdem nannte man
Sherdil auch mal so.“
Die Pferdeeltern freuten sich sehr über diesen passenden Namen für ihren
jungen Hengst und waren voll und ganz einverstanden mit der guten Wahl von
Schneeflocke.
Am nächsten Morgen, ganz früh, machte sich Schneeflocke auf den Weg um den
anderen von dem freudigen Ereignis zu erzählen. Sie galoppierte über die
Felder und Wiesen um schnell bei Sherdil, Joscha und Tascha anzukommen.
Alle freuten sie sich über den jungen Hengst Namens Silberpfeil. Besonders
Sherdil sah man die Freude sehr an. Er plusterte seine Federn auf und war
mächtig Stolz, schon wieder Großvater zu sein. Doch noch mehr freute es ihn,
dass sich Schneeflocke einen so wunderschönen Namen für ihren Bruder
ausdachte. Sherdil setzte sich auf Schneeflockes Rücken und sie machten sich
auf den Weg, das neue Familienmitglied zu begrüßen. Tascha die Hundedame,
wartete auf den Moment, wo Joscha nach den Ziegen sah und schlich dann
schnell und lautlos hinterher. Als Joscha dass bemerkte, schüttelte er nur
grinsend den Kopf. In gewisser Hinsicht hatte er sich das schon gedacht,
darum war er auch nicht böse, als Tascha wieder zurück kam, um Joscha
abzulösen. Alle sahen sich Silberpfeil an und freuten sich mit Rheingold,
Shakiraa und Schneeflocke über Silberpfeil.
Das Adlerpferd Shakiraa war sehr glücklich. Der gute alte Adler Sherdil hat
ihr das Leben gerettet. Shakiraa sah Sherdil in die Augen und dankte ihm für
alles, was er für sie getan hatte. Sie wusste, das Sherdil schon alt und
schwach war. Und da man nie weiß, wann jemand sterben muss, war der jetzige
Moment der Beste, um dem Adler zu danken, für alles, was er Shakiraa und
ihrer Familie zu Gute kommen ließ. Nachdem dieser tapfere Adler starb,
erzählte man sich im ganzen Land seine Geschichte. Jedes Tier wusste, wer
das Adlerpferd war, denn jeder, der sie hörte, erzählte sie dann auch seinen
Kindern und Enkelkindern.

Landsberg am Lech, den 23.04.2002, Rosemarie Möller

Kommentare

rabel o. duble schrieb am 2010-09-27 18:14:52:
die geschicte hast du gut fumuliert

Das war geil.
Alex schrieb am 2008-04-29 15:18:07:
Jo voll cool.
Nur en bisschen lang. :-)
Melanie schrieb am 2008-03-15 16:23:28:
Oha das isch so schön
Stefanie schrieb am 2006-05-10 17:48:31:
Eine schöne Geschichte, beeindruckend, dass sie von einer Neunjährigen ist.

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