Das Beste für dich
von
Susanne Dos
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Es war zwei Uhr morgens, als ein lautes Geräusch die dunkle Stille der Nacht durchschnitt. Mein Handy. Blind tastete ich danach, fand es und suchte nach der Annahme-Taste. Da ich mir nicht sicher war, ob ich nun wirklich die richtige gefunden hatte, öffnete ich sicherheitshalber doch die Augen. Die Nummer meiner besten Freundin wurde mir angezeigt. Plötzlich hellwach, da ich eigentlich mit einem Anruf eines Freundes gerechnet hatte, nahm ich den Anruf entgegen. Mein Puls schien sich verdreifacht zu haben, denn ein Anruf meiner besten Freundin mitten in der Nacht in ihrem derzeitigen Gefühlszustand konnte nichts Gutes bedeuten. „Was ist los?“, fragte ich also sanft. „Kannst du kommen?“ „Ja.“ „Dann bis gleich…“ Und aufgelegt. Ich brauchte einen Moment, mich zu orientieren. Dann sprang ich as dem Bett, rannte die Treppe hinunter, schloss die Haustür auf und sprang auf mein Fahrrad. Zum Glück schlief ich immer im Trainingsanzug, sodass ich wenigstens durch Anziehen keine Zeit mehr verlor. Meine Eltern waren mir egal. Die konnten mich ja immer noch auf dem Handy anrufen, denn das hatte ich mitgenommen. Die Straßen waren verlassen und leblos. Ein kalter Wind schlug mir entgegen. Der Asphalt war nass vom strömenden Regen. Ich weiß nicht, warum ich das alles überhaupt wahrgenommen habe, warum ich heute noch weiß, wie diese Nacht aussah. Ich glaube, es hat damit zu tun, dass ich versucht habe, vor den ganzen schrecklichen Gedanken wegzulaufen. Und deshalb auf die Nässe und Kälte geachtet habe…
Meine Freundin wohnte ungefähr eine halbe Stunde mit dem Fahrrad von mir entfernt. Ich raste wie irre durch die Nacht. Spürte weder Regen noch Wind. Fuhr in einem Tempo, bei dem ich sonst zusammengebrochen wäre. Die Dunkelheit verschluckte mich. Ich hatte mein Fahrradlicht ausgelassen, da ich die Helligkeit, die die Halogenlampe ausstrahlte, in dem Moment einfach nicht ertragen konnte. Doch nur durch Düsternis zu fahren half natürlich auch nicht. Ich hatte das Gefühl, die Welt sei untergegangen und ich der einzige noch lebende Mensch. Als ich die Kanalbrücke überquerte, warf ich einen kurzen Blick auf das schmutzige Wasser. Es glitzerte unschuldig, von Schiffslaternen angestrahlt. Ein schrecklich schöner Ort. Hastig setzte ich meinen Weg fort. Es war nicht mehr weit. Nur noch den Feldweg entlang ins Dorf rein. Fast wäre ich in einer scharfen Kurve weggerutscht und hingefallen, konnte mich jedoch zum Glück gerade noch abfangen. Der Regen prasselte unvermindert weiter. Und nun spürte ich ihn auch. Er war Musik für mich, dunkle, hoffnungslose Musik. Mir fiel eine Zeile aus einem Lied von „Planlos“ ein: …“Während mir der Tod ein Liebeslied singt“ Ich wusste, es würde gleich um Leben und Tod gehen. Da brauchte man keine hellseherischen Fähigkeiten, das fühlte ich einfach. Endlich hatte ich das Haus meiner Freundin erreicht. Und wusste nun nicht weiter. Ich konnte doch jetzt nicht einfach zur Tür gehen, klingeln und nach Daria fragen. Ich war mir sicher, dass ihr Vater von dieser Aktion nichts mitbekommen sollte. Es dauerte eine Weile, bis mir einfiel, dass ich auch auf ihrem Handy durchklingeln könnte. Dann würde sie schon merken, dass ich da war. Dieser Einfall erwies sich zwei Sekunden später bereits als unnötig, denn Daria stand auf einmal in der Tür und winkte mich zu sich. Schnell stieg ich die Treppen zum Eingang hoch. Sie nahm mich bei der Hand, schloss leise die Haustür und zog mich hoch in ihr Zimmer. Ich hatte nur einen flüchtigen Blick auf ihr Gesicht werfen können, aber das hatte schon gereicht. Sie sah total verweint aus, ihr schwarzer Kajal und die Wimperntusche waren verschmiert und ihre Augen wirkten leer und müde. Ihre Hand, die meine fest umklammerte, war eiskalt und zitterte. Oben angekommen machte ich vorsichtig die Zimmertür hinter mir zu und drehte mich dann um. Daria stand mitten im Zimmer, den Blick in die Ferne gerichtet. Ich ging auf sie zu, nahm ihre Schultern und schob sie sanft zum Bett, um sie dort auf meinen Schoß zu ziehen und einfach nur festzuhalten. Sie zuckte immer wieder vor unterdrückten Schluchzern. Ich wollte etwas Aufmunterndes sagen, doch mir fiel nichts ein. Es erschien alles so hoffnungslos. Daria hatte ihre beste Freundin verloren, eine Freundin, die für sie wie ein Zwilling gewesen war. Die Liebe zu dieser Freundin war unbeschreiblich groß gewesen beziehungsweise war es immer noch. Und genau diese Freundin war bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Ein unglaublicher Schock. Nie zuvor hatte ich einen Menschen so weinen sehen, so schmerzvolle Schluchzer gehört. Die Beerdigung war unerträglich gewesen. Ich hatte das Mädchen nur flüchtig gekannt, war jedoch als Unterstützung für Daria mitgegangen. Ein guter Entschluss, wie sich dann herausstellte. Denn Daria war am Grab weinend zusammengebrochen. Ich hatte mich zu ihr hingekniet, sie im Arm gehalten und versucht, sie zu trösten. Na ja, was heißt versucht. Was hätte ich schon sagen sollen? Es gab nicht Tröstendes für dieses Erlebnis. Ich hätte ihr gerne Mut zugesprochen, aber mir war absolut nichts eingefallen. Genau wie jetzt. Nichts, rein gar nichts hatte sie bisher aufmuntern können. Ablenken ja, aber wirklich aufmuntern… Nein. Was ich auch gut verstehen konnte. Zwar hatte ich keine so enge Freundin wie Daria, aber doch sehr enge Freundinnen und auch einen festen Freund. Deren Tod wäre mir auch so nahe gegangen… Und es war schon der zweite lebenswichtige Mensch, den Daria verlor. Vor drei Jahren war ihre Mutter an Krebs gestorben. Seitdem lebte sie alleine mit ihrem Vater zusammen, den der Tod seiner Frau jedoch psychisch stark geschwächt hatte.
Nach einigen Minuten schien Daria sich langsam zu beruhigen. Vorsichtig und sanft löste sie meinen engen, hoffentlich Geborgenheit vermittelnden Griff und setzte sich neben mich auf das Bett. Lange schauten wir uns tief in die Augen. In meinem Bauch machte sich ein mulmiges Gefühl breit. Angst… Angst vor dem, was sie jetzt sagen würde. Ein tiefer Seufzer ihrerseits, ein tiefer meinerseits, wobei meiner nur in meinem Inneren zu hören war. Sie räusperte sich. Als sie sprach, kamen die Worte nur leise und mit belegter Stimme: „Ich muss dir jetzt was sagen, Schatzi…“ Ich nickte kaum merklich. In ihren Augen schwammen Tränen, als sie weiterredete: „Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll…“ Sie senkte kurz den Blick, schaute dann jedoch wieder auf. „Ich will dir dabei in die Augen schauen… Es ist… nur… ich werde… ich werde… springen…“ Ich brauchte eine Weile, um diese Aussage zu realisieren. Wobei realisieren noch das falsche Wort ist. Ich habe es bis heute nicht verstanden…
In meinem Körper breitete sich eine erdrückende Kälte aus. Tränen stiegen mir in die Augen. Ich wusste erst einmal nicht, was ich sagen sollte, obwohl ich, so weh es getan hatte, diesen Fall natürlich schon einmal durchdacht hatte. Daria beobachtete mich, wartete auf eine Reaktion. Ich seufzte wieder, diesmal jedoch laut. Meine Gedanken schienen sich verlangsamt zu haben. Verzweifelt suchte
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Kommentare
sabrihim@freenet.de schrieb am 2008-02-20 16:50:33:
ich finde das ist richtig gut aber auch voll traurig.. mit viel gefühl ^^
J.Brandily@gmx.de schrieb am 2008-02-19 12:16:08:
Bisschen kurz ohne ende...
aber is gut
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