Das Bildnis einer Einsamkeit
von
Regina
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Das Bildnis einer Einsamkeit
„Was haben Sie mir heute Schönes mitgebracht, Martin?“
Cora zog interessiert das flache Paket über die Ablage neben dem kleinen Schaufenster und wickelte es aus der alten Wolldecke, die Martin zum Schutz gegen den Regen um das Bild geschlungen hatte.
„Das Übliche, Cora, wieder das Übliche!“
Martin stand mit dem Rücken zu ihr, blickte teilnahmslos durch die gläserne Ladentür der kleinen Galerie hinaus auf die Strasse, die wegen des gerade herunterkommenden Platzregens menschenleer war.
Er machte sich nicht die Mühe, noch einen weiteren Blick auf das Ölgemälde zu werfen, das
er heute wieder hier abgeben wollte. Er kannte das Bild. Er kannte jedes seiner Bilder.
Die Darstellung eines dunklen Dämonen mit verzerrter Fratze, das abstoßende Antlitz dem Betrachter nur halb zugewandt, so sahen die Produkte seiner Phantasie alle aus.
Dieses Mal hatte er Azazel auf seine Leinwand zitiert. Azazel der von den Erzengeln für die Erfindung von Spiegeln mit Steinigung und Verbannung in die ewige Finsternis gestraft worden war.
Auf dem behaarten mächtig männlichen Körper saß ein gehörnter Kopf mit zu großen Ohren, mit zu großen Zähnen, mit zu großen Augen, die Mundwinkel im stummen, selbstverachtenden Schmerz verzogen, seine arme Kreatur nur umgeben von einer das Unendliche greifbar machenden, eisigkalten Dunkelheit.
Ein furchtbarer Augenblick, der in dem Bild zur Anwendung kam.
„Wundervoll!“ Coras Augen glänzten.
„Ihre Linienführung hat sich noch mehr verbessert. Der Ausdruck ist klar, die Formen präzise mit subtil gewählten Farben!“
Martin schnaubte verächtlich.
„Erstatten sie mir einfach meine Aufwendungen für die Farbe und die Leinwand und erzählen sie den Mist ihren Kunden!“
Cora blickte irritiert auf und legte widerstrebend das Bild beiseite, trat hinter Martin, suchte zaghaft seine Aufmerksamkeit.
„Wollen Sie nicht einmal etwas anderes malen? Mit Ihrem Talent... versuchen Sie doch mal eine sonnige Landschaft, oder spielende Kinder oder...“
„Einen röhrenden Hirsch?“, fiel Martin ihr unsanft ins Wort.
„Vergessen Sie es!“
Beide schwiegen für einen Moment.
„Ich könnte bessere Preise für ihre Bilder erzielen!“ versuchte Cora es erneut.
Martin lachte, aber es klang sehr freudlos.
„Verkaufen Sie meine Teufelsbildchen weiterhin an die Gothic-Kinder. Wenn wir die Preise anheben, dann langt das Taschengeld nicht mehr. Ich male nur aus Passion, haben Sie das vergessen?“
Cora gab keine Antwort. Seit nunmehr drei Jahren brachte Martin ihr mehr oder weniger regelmäßig seine Arbeiten. Anfänglich eher von einer bezaubernden Laienhaftigkeit geprägt, hatte er sich im Laufe der Monate und Jahre entwickelt.
Er war mutiger geworden in seinen Darstellungen.
Sie erinnerte sich noch sehr gut an das erste Bild, das er ihr gebracht hatte.
Nicht einmal signiert war es gewesen obwohl seine „Interpretation der Hölle“ in aggressivem Rot sofort einen Platz in ihrem Schaufenster gefunden hatte und binnen weniger Tage bereits verkauft war.
Wenn auch zu einem Discount-Preis, der kaum die Selbstkosten zu decken vermochte, aber es war verkauft.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich ein freundschaftlich geschäftliches Verhältnis zwischen ihr und Martin.
Gelegentlich ließ er eine belanglose Plauderei zu, die meiste Zeit jedoch verschanzte er sich hinter seinem entstellten Gesicht, das er seiner unachtsamen Mutter und einem Topf siedender Milch verdankte.
„Hätten Sie Lust mich zu einer Vernissage zu begleiten?“
Cora wusste schon, noch bevor sie ihre Frage ganz ausgesprochen hatte, dass Martin verneinen würde und im gleichen Moment wusste sie auch wie unglaublich dumm es von ihr war ihn so direkt zu fragen.
Ein Mann der offensichtlich Menschenansammlungen jeglicher Art verabscheute, der seine Einkäufe und Besorgungen außerhalb der Stoßzeiten verrichtete, nur um so wenig wie möglich Kontakt zu anderen Personen haben zu müssen, so ein Mann ging nicht mit ihr einfach auf eine Vernissage, als sei es das Normalste und Natürlichste der Welt.
Wie sollte sie ihm auch glaubhaft vermitteln, dass sie ihn trotz seiner Entstellung eher anziehend als abstoßend fand.
Es störte sie nicht, dass die Symmetrie seines Gesichtes durch die großflächige Vernarbung der rechten Wange gestört war, genauso wenig, wie sie die Vernarbungen an den Händen und Armen störten.
Wie er war sie schon in der zweiten Lebenshälfte angelangt. Früher war sie das gewesen, was man landläufig als schöne Frau bezeichnete, doch inzwischen waren zusammen mit den zahlreichen Geburtstagen auch die Falten in ihr Gesicht und so manche graue Strähne in ihr braunes Haar gekommen.
Geblieben war jedoch ihre Warmherzigkeit, ihre Lebensfreude, ihr Optimismus, Dinge die ihr auch mehrere gescheiterte Beziehungen nicht nehmen konnten.
Sie blickte nicht mit Wehmut zurück auf die verflossenen Jahre, denn diese waren erfüllend gewesen und voller inspirierender Geschehnisse, während Martin im steten Groll über sein Schicksal seine sozialen Kontakte auf das aller Notwendigste reduziert hatte.
Trotzdem oder gerade deshalb war Cora eines Morgens aufgewacht und stellte mit einem tiefen Seufzer fest, dass sie dieser Mann hinter seinen Narben mehr interessierte, als sie sich ursprünglich zu erlauben bereit war.
Der Klang seiner Stimme, der Blick seiner Augen, Eindrücke die noch greifbar im Raum standen, auch wenn er schon längst eilig in die Stille seines Hauses abgetaucht war und sie noch verträumt im Licht der Reklamebeleuchtung auf sein Bild schaute.
„Nein!“
Nicht böse und unfreundlich, eher erschrocken klang seine Antwort, die Cora mit tiefstem Bedauern und stummem Nicken entgegennahm.
Martin wandte sich zum Gehen, drehte sich in der Tür aber nochmals um.
„Bitte verstehen Sie mich nicht falsch aber ich..... ich mag solche Veranstaltungen nicht!“
„Was mögen Sie denn, Martin? Was gefällt Ihnen?“
Cora war bemüht ihre Frage so beiläufig wie möglich klingen zu lassen und räumte derweil gekonnt gelangweilt die Ladentheke auf, um ihre Unsicherheit zu verbergen.
Unschlüssig stand Martin in der Tür.
„Wie bitte?“
„Ich habe gefragt was sie mögen. Es können doch nicht nur diese Dämonendarstellungen sein, die Ihnen gefallen. Es muss doch noch andere Dinge geben, die Ihnen wichtig sind. Mögen sie z.B. Hunde, mögen Sie Kino oder Autos oder Sport. Was ist ihr Lieblingsessen, ihre Lieblingsfarbe, Ihr Lieblingslied?“
Martin schüttelte leicht den Kopf.
„Nichts! Nichts gefällt mir!“
Cora gab ihre Deckung hinter dem Ladentisch auf und ordnete die Blumendekoration eines Facettenspiegels.
„Nun dann frage ich anders, was mögen sie sonst nicht, außer harmlose Veranstaltungen wie die Vernissage eines Künstlerkollegen?“
Martin machte einige Schritte auf sie zu und beugte sich zu ihr herab.
Ganz nah brachte er sein Gesicht an das ihrige, zwang sie in sein von Brandnarben gezeichnetes Antlitz zu starren und mit unverhohlenem Spott in der Stimme sagte er:
„Na dann raten Sie doch mal!“
Cora floh sich
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Kommentare
ohinderks@aol.com schrieb am 2008-04-17 22:17:53:
Danke!
uwe wetzlich schrieb am 2008-03-17 19:36:55:
Leider habe ich die Geschichte nicht verstanden, die Autorin, hier Cora,
beschreibt nach meiner Meinung ihre eigene Träume.
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