Das Blut der Rose 7
von
Moonwish
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7. Nachtwanderungen
Er hatte das Geschenk vergessen!
"Romeo?", rief sie in der Hoffnung, er wäre noch in der Nähe.
Doch niemand antwortete.
Ohne zu überlegen befreite sie sich aus der Decke und stand auf, nahm die Schokolade und wäre beinahe losgelaufen, hätte sie nicht bemerkt, wie sie aussah: An ihrem Körper hing nichts Weiter als ein grün geblümter Krankenkittel! Schockiert musste sie auch feststellen, dass sie nicht einmal richtige Unterwäsche trug!
'Er hat mich doch etwa nicht so gesehen, oder?', dachte Mary beschämt und sah sich im Zimmer nach ihrer Kleidung um.
Glücklicherweise fand sie auf dem Bett links von ihr eine Hose und das T-Shirt, das sie letztes Wochenende getragen hatte.
Hastig schlüpfte sie hinein und hoffte inständig, dass Romeo nichts gesehen hatte, was er nicht sehen sollte. Dann schnappte sie sich das Geschenk, das sie eben zur Seite gelegt hatte und verschwand im Flur. Nach wenigen Schritten wurde ihr jedoch schon übel.
"Reiß dich zusammen!", scholt sich die junge Frau selbst und ging demonstrativ weiter. 'Das bin ich ihm schuldig!'
Die Wege bis zum Hauptein- und -ausgang waren wie ausgestorben und nur spärlich mit Wandlichtern erleuchtet. Sehr wohl konnte man auch die hellere Deckenbeleuchtung anschalten, doch Mary wollte um Himmels willen keine Aufruhe erzeugen. Die Lehrer, die ihre Schlafräume in diesem Hauptgebäude hatten, würden sie sofort bemerken und ins Bett zurückzwingen, noch ehe sie das Geschenk bei ihrem Retter abgegeben hatte.
Wo war er eigentlich?
Erst jetzt fiel ihr ein, dass sie ohne nachzudenken einfach in Richtung Jungengebäude gelaufen war. Dabei hatte er doch gar nicht gesagt, dass er dorthin wollte. Andererseits... Wohin sollte er zu dieser Stunde sonst hingehen?
Verunsichert schlich sie die rosenverzierten Treppen hinunter, immer darauf bedacht, keinem Lehrer über den Weg zu laufen.
In der Vorhalle angekommen spürte das Mädchen das eiskalte Material, das die Bodenfließen versiegelte. Sie hatte vergessen, sich Schuhe anzuziehen und würde dies sicher bald bereuen.
'Hoffentlich ist diese Frau wirklich weg.', dachte Mary auf einmal.
Die Kühle und die leeren Gänge erinnerten sie an das Geschehene zurück. Energisch schüttelte sie den Kopf und versuchte gleich darauf, nicht zu fallen. Ihr Körper war eigentlich noch viel zu schwach als dass er bereits Nachtwanderungen unternehmen konnte.
Mary lächelte über ihren naiven Leichtsinn und trat auf das Eingangstor zu. Hoffentlich wurde das Haus bei Nacht nicht geschlossen.
Beinahe vorsichtig griff sie nach der großen Klinke und drückte sie hinab.
Tatsächlich sprang die Tür auf.
Glücklich darüber verließ sie die fast unheimliche Vorhalle und betrat den Hauptgang. Ein kühler Luftzug wehte durch ihr Haar und ließ sie frösteln. Reflexartig schlang sie ihre Arme um die Brust, wobei sie die Schokolade so hielt, dass sie unter keinen Umständen beschädigt werden konnte. Dann machte sie sich auf den Weg zum Jungengebäude. Ihre Fußsohlen schmerzten dabei bei jedem Schritt, da sich die kleinen Steinchen wie Reißzwecken in ihre blasse Haut bohrten.
'Bitte lass ihn da sein.', flehte Mary, während sie beim schwachen Licht der Fackeln, die in Halterungen an den Schlosswänden hingen, nach dem Eingang suchte. Die Angst, die Frau könnte wieder da sein oder etwas Anderes könnte passieren, ließ sie immer schneller werden.
Nach mehreren Minuten erst fand sie endlich die Einganstür.
Anstatt wie überall Rosen, waren hier Lilien eingraviert und schmückten auch die Klinke.
Sollte sie einfach hineingehen? Was, wenn es um diese Zeit nicht gestattet war, das andere Geschlecht zu besuchen? Oder was, wenn alle bereits schliefen und sie die einzige wache Person war, die in den Gängen umherlief? Was würde man über sie denken?
'Ich habe ihm mein Leben zu verdanken! Da kann ich eine vielleicht nicht einmal existierende Peinlichkeit auf mich nehmen!', dachte die junge Frau und öffnete die Tür, die dabei kaum hörbar quitschte. Leise schritt sie durch den kleinen Gang, der ebenfalls mit schwachen Wandleuchten erhellt wurde, bis sie in eine Art Miniaturvorhalle kam.
Eine marmorene Treppe, die mit einem roten Teppich belegt worden war, stand in der Mitte und wirkte geradezu bedrohlich in Marys Augen. Wie zwei Schlunde führten dunkle Gänge zu den Zimmern der ersten Klassen. Die erste Etage, in der Romeo mit seiner Klasse schlief, war von hier aus nicht zu sehen.
Zögerlich kam Mary auf die Treppe zu und spähte nach oben. Beruhigt stellte sie fest, dass dort ebenfalls Licht brannte. So musste sie nur das richtige Zimmer finden.
Beinahe euphorisch eilte sie die Stufen hinauf, wobei sie die Übelkeit geflissentlich ignorierte. Sollte sie sie doch später überfallen!
In der ersten Etage angekommen, fand sich die Braunhaarige vor einem Flur mit mindestens zwei Dutzend Zimmern wieder. Sofort sank die Euphorie.
"Es gibt unmöglich so viele Klassen!", murmelte sie und entschloss sich, einfach auf die Kärtchen an den Türen zu schauen. Irgendwo musste doch seine Klasse...
Da fiel ihr etwas ein, ohne das das Vorhaben nun ein Ende hatte: Sie kannte seine Klasse nicht.
Enttäuscht darüber lehnte sie sich an die Wand zwischen zwei Türen und glitt an ihr zu Boden.
Wie konnte sie das bloß vergessen? Hatte der Blutverlust ihr Hirn derart geschädigt?
Mary seuzte traurig und ließ das Geschenk aus ihrer Hand gleiten.
Was sollte sie jetzt tun? Wieder zurückzugehen traute sie sich nicht alleine und einen fremden Jungen zu bitten, mit ihr zu kommen, kam ihr noch absurder vor.
So blieb sie einfach sitzen und versank langsam und ohne es zu wollen in einem unruhigen Schlaf.
"Ich war gerade auf dem Weg zur Toilette als ich sie schlafend aufgefunden habe..."
Wie durch Watte hörte Mary die tiefe Stimme Collins. Was machte er hier?
"Weißt du zufällig, was sie hier wollte?", fragte eine andere Person, deren Stimme stark der von Romeo ähnelte.
"Keine Ahnung."
Zögernd öffnete sie die Augen und erblickte einen bordeauxroten Baldahin. 'Wo bin ich?', schoss es ihr durch den Kopf.
"Interessant ist aber, dass sie dieses Päckchen bei sich hatte. Woher weiß sie davon?", wollte Collin wissen.
Langsam, um nicht bemerkt zu werden, wandte sie den Kopf den beiden Männern zu, die gerade an einem runden Tisch saßen. Wo um alles in der Welt war sie?
"Ich habe mich auch gewundert, doch sie meinte, Eleonora hätte ihr bei der Auswahl geholfen. Kein Wunder, deine Schwester kennt ja meine favorisierte Sorte."
Collin lächelte belustigt. "Ich habe das Gefühl, du hast das Ding extra bei ihr vergessen, damit sie es dir hinterherträgt. Du warst schon immer äußerst eigensinnig in solchen Sachen."
"Das stimmt nicht. Ich habe es nicht mitgenommen, weil sie es mir nicht gegeben hat. Sollte ich es ihr einfach aus der Hand reißen?"
"Nein, nein..."
Für einen Moment herrschte Stille, in der sich Mary umsehen konnte.
Das Zimmer war größer als das der C4 und viel eleganter. Ein einziges Bett befand sich darin,
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Kommentare
Katsa schrieb am 2009-09-07 22:12:59:
Bitte schreib weiter!
!!! schrieb am 2008-05-29 18:41:17:
Toll!!! schreib schnell weita!!
TJ Omar schrieb am 2008-05-29 16:40:16:
Schreib weiter ich wills wissen wies weiter geht!!!!!
jess schrieb am 2008-05-29 15:00:09:
ohhh sehr sehr spannend!! und richtig gut geschrieben!! man kann sich sehr sehr gut den weg, welchen mary zurück gelegt hat, vorstellen, gefällt mir richtig richtig gut!^^
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