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Kategorien > Spannung > Horror

Das Fenster aus Glas

von Wölfchen

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Das Fenster aus Glas

[Mein Name ist Mike. Ich mache in diesem Laden mehrmals täglich die Flure sauber, damit es hier sauber bleibt. Die Wände sind weiß, de Boden ist weiß, die Decke ist weiß. Selbst das Licht ist weiß und wenn ich in die Gesichter der Menschen hier sehe, finde ich diese Farbe darin wieder. Mein Wischmob ist mein einziger Freund, der vielfach eingedellte Eimer mit dem ewig gleichen Reinemachewasser mein ständiger Begleiter durch die zwei Stockwerke. Jeden Tag komme ich drei Mal an jedem Raum vorbei, von denen die Mehrzahl kleine Fenster aus Glas in den Türen haben. Weiße Türen, versteht sich. An sich habe ich einen relativ gemütlichen Job, der auch eine Menge Langeweile mit sich bringt. Und wäre da nicht das eine Zimmer, in das ich jeden Tag drei Mal durch das kleine Fenster aus Glas schaue, hätte ich schon längst gekündigt. Jedes Mal, wenn ich an diesem Zimmer vorbeikomme, nehme ich mir zwei, drei Minuten meiner kostbaren Arbeitszeit und werfe einen Blick hinein. So wie auch heute. Und immer wieder sehe ich das Gleiche, doch irgendetwas fasziniert mich an diesem Mann. Wie er da so vor dem riesigen Fenster steht, mit dem Rücken zur Tür…]

Sie fragen sich bestimmt, wer ich bin. Oder auch nicht. Es ist mir ehrlich gesagt egal, wie sehr ich Sie interessiere, meinen Namen werde ich Ihnen sowieso nicht verraten. Ich bin nicht auf eine persönliche Bindung mit Ihnen aus, weil ich einfach nur ein erschöpfter Mann mit zu viel Zeit bin. Entweder Sie hören mir in den folgenden Minuten zu oder gehen weg und lassen es eben bleiben. Es macht keinen Unterschied und wird mein Leben nicht ändern. Aber ich rate Ihnen vorweg: Sie können sich Ihr Mitleid für Kinder in der Dritten Welt aufheben, die haben es nötiger als ich – für sie gibt es mehr Hoffung als für meine Wenigkeit, glauben Sie mir.
Es begann schon in meiner Kindheit, da wusste ich, dass ich anders war als andere. Ich mied mehr als von einem normaldurchschnittlichen instinktiven Trieb andere Kinder, die mich nie mögen würden. Ich hatte immer das Gefühl, ich könnte Etwas an ihnen sehen, das ihren Charakter beschrieb. Einen Charakter, den ich so nie akzeptieren würde können. So wurde ich schnell zum Außenseiter, weil die Kinder in der Schule immer gemeinsam spielten, ich dies aber nicht wollte. Zu jener Zeit sah ich auch den ersten Schatten. Das Gebiet um die spielenden Kinder schien grau zu werden und etwas Fremdes schimmerte in der Luft. Es bewegte sich um die Jungen und Mädchen gleichermaßen herum und berührte sie und kicherte dabei. Die Kinder bemerkten das Wesen offenbar nicht.
Doch ich sah es mit meinen eigenen, jungen Augen.
Meine Schulzeit überstand ich bis kurz vor den Realschulabschluss sehr einsam und stets ängstlich, das Wesen könnte eines Tages wiederkehren, bis ich die Schule vorzeitig abbrach. Es war während einer Klassenarbeit, da sah ich jene schreckliche Erscheinung ein zweites Mal. Es begann auf meinem Tisch. Ein grauer Fleck breitete sich aus, nahm die Farbe aus meinen Sachen und mir selbst und ergoss sich auf den Fußboden, um von da aus mit seinem Ergrauen weiterzumachen. Niemand bemerkte, was dort vor sich ging und plötzlich, als es keine Farbe mehr in dem Klassenzimmer gab, hörte ich es. Ein lang gezogenes, Schauer erregendes Stöhnen über meinem Kopf. Ganz langsam wagte ich - den Atem hatte ich angehalten aus Angst, es könnte mich hören –, meinen Kopf und auch so meinen Blick zu erheben und an die Decke direkt über mir zu richten. Ich glaube, meine Lippen hatten gezittert, doch das lag wohl daran, dass alles an mir gezittert hatte.
Ich schaute in ein leeres Augenpaar eines schwarzen Schattens, das mich anstarrte. Das Stöhnen wurde lauter und eindringlicher; der Schatten hatte bis auf einen Kopf mit den zwei ausdruckslosen Augen keine dauerhafte Form. Es schien, als wäre dieses Ding überall und nirgendwo zugleich. Wie lange hatte ich so dagesessen und in dieses…Augen…Ding geblickt? Diese Leere hatte mich damals in ihren Bann gezogen, doch als das Schattenwesen ein ungewohntes, wütendes Zischen von sich gab, kehrte ich zu meinem Bewusstsein wieder zurück und begann laut los zu schreien. Es nützte Nichts, denn das Wesen über mir tat es mir gleich, doch es mischte sich eine Art Lachen hinzu. Der Schatten hatte sich über mich lustig gemacht.
Nur nebenbei bemerkte ich, wie sich mit einem Ruck und erschrockenen Ausrufen alle anderen Schüler nach mir umdrehten und mich mit diesem – angeekelt sehen sie mich an…SIE SEHEN MICH AN!! – etwas befremdlichen Blick ansehen. Verwirrt sahen sie aus, meine armen Mitschüler. Der Lehrer stand auf, näherte sich meinem Platz vorsichtig und fragte, was mit mir los sei. Das Grau blieb, ich sprang auf, wobei sich alle nochmals erschraken. Jemand schluchzte. Der Lehrer blieb abrupt stehen und hob beruhigend die Hände.
Ich sah noch einmal nach oben und sah, dass sich der Schatten fallen lassen wollte – genau auf mich drauf! Ohne noch weiter zu zögern nahm ich die Beine in die Hände und lief aus dem Klassenzimmer, schlug die Tür hinter mir zu und versuchte tief durchzuatmen. Doch auch dort war alles ein einziges, verräterisches Grau. Und mir graute, was das bedeutete…
Wieder ein Stöhnen, dieses Mal war es hinter mir und kam vom Ende des Ganges. Dieses Mal war dieser seltsame Laut in erschreckender Weise dichter und…waberte…auf seine ganz eigene Art und Weise. Von einer Eingebung getrieben, rannte ich den Gang in die entgegen gesetzte Richtung und verwarf die Idee einen Blick hinter mich zu werfen. Wieder wuchs ein wütendes Zischen heran, das eindeutig aus dem Stöhnen hervorging, das sich mir rasch näherte.
Dann sah ich den Ausgang der Schule! Ich beschloss diesen verfluchten Ort zu verlassen und nahm meine letzte Puste zusammen. Es war, als würde mir ein kühler Atem den Nacken einfrieren…
Doch da riss ich die Tür bereits auf und stolperte nach draußen, wobei ich eine sichtbare Grenze überschritt. Von Grau zur Farbe zurück. Mit einem Male waren die grässlichen Geräusche verstummt und ich befand mich wieder im normalen, bunten Leben von Grünwann. Menschen gingen den Gehsteig lachend und sich normal unterhaltend entlang, als gäbe es dieses seltsame Grau überhaupt nicht. Vögel sangen, die Sonne lachte, doch als ich mich umdrehte…

[Er rührt sich einfach nicht. Jetzt stehe ich hier heute schon zum zweiten Mal und er wackelt nicht einmal mit seinem kleinen, nackten Zeh. Sein schlichtes Gewand ist lang und weiß, ein typischer Einteiler unserer Institution. Ich drücke mir die Nase an dem kleinen Fenster aus Glas in der Tür zu seinem Zimmer platt und frage mich, was ihn an seinem großen Fenster hält. Was hat er erlebt, dass er sich nur zum Schlafen und Erledigen gewisser Geschäfte abwendet? Warum fragt er nie, ob er sein enges Zimmer verlassen darf? Unsere Institution hat einen überwachten Garten, durch den er gehen könnte, dann müsste er nicht hinter dem Glas zwischen den sterilen Mauern stehen. Ich frage mich ernsthaft, was in ihm vorgeht, wenn er stundenlang

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Kommentare

Wölfchen schrieb am 2008-09-06 19:24:22:
danke,danke ^^
ich glaube,diese geschichte wird mein neues herzstück,was kurzgeschichten angeht...
das mit dem "wortwitz" war tatsächlich mal absicht *lol* es ist zwar irgendwie lustig,aber in dem moment auch wieder nicht... ich finde das total toll ^^

Gruß, Wölfchen
Gimliy schrieb am 2008-08-28 20:56:30:
Also die Geschichte fällt mir ganz ehrlich sehr gut. Extrem spannend und durch den Perspektivenwechsel super erklärt. Die Gefühle und Gedanken des Mannes kommen sehr gut rüber (jedenfalls bei mir) und ich finde es bewundernswert, sowas zu überlegen.
Das ganze hat auch echt Wortwitz: Doch auch dort war alles ein einziges, verräterisches
Grau. Und mir graute, was das bedeutete… (Zitat)

War das Absicht? :-)
Ist echt eine klasse Geschichte.
Gruß: Gimliy

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