Das Friedhofsmädchen / Prolog
von
Moonwish
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Bevor ihr es euch durchlest, möchte ich euch bitten, einige Tips zu beachten:
1. Lest euch bitte die Story langsam und ohne Hast durch.
2. Denkt während dessen darüber nach, stellt es euch vor.
Das war es auch schon.)
Plitsch, plitsch...
Regen fiel auf den Boden und verwandelte die Straßen in kleine Bäche.
Träge sammelte sich das Wasser um die grauen Gullideckel und sickerte, wie ein Heer müder Soldaten, hinein. Dampf stieg empor und bildete Nebel, der sich in den kahlen Ästen verfing und sich wie Watte über das Dorf spannte.
Plitschschschsch....
Das Tropfen wurde stärker, bis es in ein Rauschen überging... Der Himmel weinte.
Hinten, in weiter Ferne, fuhr ein Zug kaum hörbar vorbei. Seine Räder klackten und schepperten leise über die vom Regen nasse Gleise.
Es war kalt.
Lilliana spürte es nicht... nicht mehr. Schon vor langer Zeit hatte sie aufgehört, irgendetwas zu spüren.
Teilnahmslos saß sie da und starrte das Grab vor ihr an, betrachtete, wie die Tropfen zu Wasser wurden und sich auf der Marmorplatte sammelten, bis es keinen Platz mehr gab und sie an den Kanten hinab stürtzten.
Verwelkte Blumen ruhten auf der grauen Platte und brachen immer weiter, wenn eine Himmelsträne sie berührte.
Schon vor langer Zeit hatte niemand dieses Grab besucht. Niemand... außer ihr.
Vor langer Zeit...
Es gab so vieles, was damals war: Familie, Freunde, Glück und Liebe.
Doch alles wurde ihr genommen.
Das einzige, das blieb, war dieses Grab und die verwelkten Blumen darauf.
Gefühllos fuhr Lilliana mit den Fingern über den eiskalten Stein. Sie fühlte wie immer nichts, wenn sie an die Person darunter dachte. Sie wusste nicht mehr, wer es war. Sie wollte es nicht mehr wissen. Vergessen war derjenige, der einst in ihrem Herzen wohnte. Vergessen, weil sie es wollte.
Doch hin und wieder tauchten Bruchstücke von Erinnerungen auf.
// "Lilly! Herzlichen Glückwunsch!" //
Das war etwas, dass sie nicht vergessen konnte.
Ein Mann hatte ihr irgendwann einmal gratuliert und das mit einer Stimme, die sie einfach nicht vergessen konnte, nicht vergessen durfte.
Vor langer Zeit hatte sie darüber nachgedacht: Diese Stimme hatte sie oft gehört und ihr Herz hatte vor Freude gehüpft.
Doch nun quälte sie diese Stimme nur und zwang ihre Seele tiefer und tiefer in ein Loch aus Gleichgültigkeit und Vergessen...
Langsam schloss sie ihre Augen und lehnte sich auf die Seite, bis sie auf dem Boden lag.
Inzwischen hatte der Regen ihr Kleid völlig durchnässt. Der weiße, bereits verschmutzte Stoff klebte auf ihrer totenblassen Haut. Ebenfalls ihr Haar, das lange nicht mehr gekämmt worden war.
Vor langer Zeit schon hatte sie aufgehört, sich zu schminken, andere Kleider zu kaufen oder sich Nahrung zu suchen.
Sie war allein und der Friedhof ihr Zuhause.
Wer kümmerte sich hier schon, wie sie aussah oder wie dünn sie doch war...
Ab und zu wunderte sie sich aber selbst, wie lange sie ohne Nahrung ausgekommen war. Vor einer Woche musste sie wohl das letzte Mal gegessen haben. Seltsam.
Möglicherweise wollte ihr Körper auch nichts mehr. Er würde wohl auch nichts mehr vertragen, nach... so langer Zeit.
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Kommentare
manfred stiller schrieb am 2010-12-01 14:07:31:
geht unter die haut. habe auch eine friedhof geschichte mit einem einsamen mädchen. vieleicht hast du mich ermutigt, sie auch einzustellen.
lieber gruß
Moonwish schrieb am 2008-02-29 18:30:25:
Vielen Dank!
Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass diese Story so gut ankommen würde und habe sie einfach einmal "probeweise" hier hineingestellt.
Vielen Dank für eure Kommentare. =)
Liebe Grüße,
Moonwish.
Denise Rüegg schrieb am 2008-02-28 19:36:14:
Deine Geschichte begeistert mich! Du hast das ganze wundervoll geschrieben. Fettes, riesiges Lob an dich!
Lg Denise
lia-27@hotmail.de schrieb am 2008-02-28 18:41:03:
..Mir gefällt die Geschichte sehr. Sie ist traurig und faszinierend geschrieben.. gr0ßes Lob. schön Melancholisch und
äußerst gut dargestellt.=)
Moonwish schrieb am 2008-02-28 14:59:23:
Danke!
Dein Kommentar bedeutet mir SEHR viel und natürlich werde ich versuchen, es genau so gut weiter zu schreiben.
Liebe Grüße,
Moonwish.
SilviaStrass@aol.com schrieb am 2008-02-27 21:20:59:
... wunderbar bildhaft geschrieben ... du verstehst es, nicht nur eine sensitiv lebendige Kulissse in der Vorstellung des Lesers aufzubauen, sondern ebenso ein Gefühl für die Protagonistin und deren Kapitulation ohne Hoffnung ihrem Leben und der Liebe gegenüber zu vermitteln ... das geht unter die Haut und macht nachdenklich .... super .... weiter so!
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