Das Geburtstagsgeschenk (Violas Hilfe)
von
A. Salterna
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Das Geburtstagsgeschenk
(Violas Hilfe)
Fast geräuschlos glitt der letzte Nachtzug aus der Halle. Der Bahnsteig war leer, bis auf einen einzelnen Mann. Er hatte sich eine Zigarette angezündet und starrte dem Zug nach, dessen rote Schlusslichter rasch kleiner wurden.
Der Abschied von Viola klang nachhaltig in Rudolf Obermanns Innerem nach. Gerne hätte er ihr noch einen Einblick in sein durcheinander geratenes Seelenleben gegeben, aber dazu war es nun zu spät.
Sein begüterter Vater hatte ihn, ohne einen Finger zu rühren, auf seinem hohen Schuldenberg sitzen lassen. Seinen morgigen dreißigsten Geburtstag konnte Rudolf aber ruhig angehen lassen, denn nun war er ja, Gott sei Dank, schuldenfrei.
War es diese trübe, regnerische Novembernacht, die seine Freude verminderte? Oder war es der Groll und die aufgestaute Wut seinem Vater gegenüber?
Rudolf schlug fröstelnd den Mantelkragen hoch und ging gedankenverloren der Bahnsteigtreppe zu. - Ab seinem achten Lebensjahr hatte Viola ihm viele Jahre die Mutter ersetzt. Die nervösen Zustände seiner Mutter waren immer schlimmer geworden, so dass sein Vater sich gezwungen sah, sie in eine Nervenklinik einzuliefern. Viola, eine Freundin der Mutter, versorgte von nun an die Familie. Alle Familienmitglieder waren mit ihr einverstanden.
Fünfzehnjährig wurde er zur Kur in die Schweiz geschickt. Hier erfuhr er, Viola sei sang- und klanglos aus der Familie verschwunden. Auch später wollte ihm niemand etwas über ihren Verbleib sagen.
Als die Schuldenangst ihn täglich mehr beschwerte, erinnerte er sich plötzlich wieder an seine alte Vertraute Viola.
Ihre Telefonnummer erfuhr er, unerwartet schnell, von einem ihrer Verwandten. Ein warmes dankbares Gefühl überkam ihn wieder, wenn er daran dachte, von Viola keine Gardinenpredigt erhalten zu haben Sie hatte gelächelt, als sie ihm den Scheck überreichte.
Inzwischen näherte sich Rudolf dem nächtlichen Bahnhofsvorplatz. - Er hatte Viola angeboten, sie mit seinem Auto nach Hause zu fahren. Freundlich aber bestimmt hatte sie abgelehnt. "Ich fahre ebenso bequem mit dem Zug! Schlaf dich nach all den Sorgen erst mal richtig aus!"
Der junge Mann hatte endlich seinen Wagen erreicht. In seine einsame unaufgeräumte Wohnung wollte er jetzt auf keinen Fall. So entschloss er sich aufs Geratewohl loszufahren. - Wie konnte ihm Viola nur eine so hohe Geldsumme schenken? Er hatte ihr die Rückzahlung in Raten angeboten. Entschieden hatte sie sein Anerbieten zurückgewiesen: "Ein zweites Mal helfe ich dir nicht. Es soll eine einmalige Zuwendung sein."
Wieder einmal hatte er Geld, viel Geld in eine Frau investiert. Das Vierteljahr mit Alexandra, seiner überspannten Freundin, hatte ihm eigentlich nur Ärger, Verdruss und Schulden gebracht. "Zum Teufel mit den Weibern!" Fluchte er laut vor sich hin.
Er hätte sich gerne bei Viola revanchiert, aber wie? Längst hatte er die Stadt hinter sich gelassen. Ein plötzlich vor ihm auftauchendes Auffahrtsschild einer Autobahn brachte ihn in die Gegenwart zurück. Wie Schuppen fiel es ihm auf einmal von den Augen! Jetzt wusste er, wohin er in dieser einsamen Nacht wollte! Seine spontane Idee beflügelte ihn dermaßen, so dass
seine Stimmung schlagmall umschlug. Er drehte das Autoradio auf, hörte eine bekannte Melodie und summte sie laut mit.
Er würde zu Viola fahren! Natürlich würde er früher als sie in B. sein.
Nach einstündiger Fahrt parkte Rudolf seinen Wagen vor dem Bahnhofsgebäude in B. Der Zug würde noch etwas brauchen, aber wenn er hier geduldig wartete, konnte er Viola sogar ein Taxi ersparen. Er würde sie noch einmal umarmen, ihr erneut herzlich danken, bevor er dann die Rückfahrt anträte.
Durch das geöffnete Seitenfenster schreckte ihn da ein helles bekanntes Lachen auf. Das war unverkennbar Violas Lachen! Er wollte sich gerade zu erkennen geben, als er ihn sah. Ja, der Mann, der seinen Arm unter Violas schob, war zweifellos sein Vater. Völlig verblüfft hörte er seinen Vater sagen: "Du bist wirklich sicher, er merkte nicht, dass ich ihn durch dich als Vermittlerin schuldenfrei gemacht habe?" Bevor Viola antwortete hauchte sie dem Vater einen Kuss auf die Wange: "Nein, er glaubt fest daran, dass ich ihm das Geld schenkte."
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