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Kategorien > Fantasy > Abenteuer

Das Geheimnis hinter der Felsentür

von Günter Klein

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Das Geheimnis hinter
der Felsentür


Prolog

Im Thüringer Land wird seit jahrhunderten eine wunderbare Tradition von einer Generation an die andere weitergegeben. Dieser Brauch hat sich in abgewandelter Form bis zum heutigen Tag erhalten. An langen Winterabenden trifft sich die Landbevölkerung zum geselligen Beisammensein in althergebrachten Spinnstuben. Die Menschen nutzen diese Gelegenheiten aus um Neuigkeiten und Gerüchte auszutauschen, die in den umliegenden Dörfern gerade die Runde machen. Zu besonderen Anlässen richtet im Wechsel immer wieder ein anderer Hof eine Spinnstube aus. In der kalten Jahreszeit gestalteten die Menschen früher, wenn es in den Wintermonaten abends schon sehr früh dunkel wurde, in diesem Landstrich einen Teil ihrer Freizeit gemeinsam.
In der alten Zeit brachten die Bauersfrauen Wolle von ihren Schafen zu diesen geselligen Treffen mit, und verarbeiteten sie im Schein von Petroleumlampen an kleinen Spinnrädern zu Garn. Ihre Männer vertrieben sich die Zeit mit derben Witzen über die Bauern und ihre Frauen aus den Nachbardörfern. Sie spielten Karten und tranken dabei so manches Glas Bier aus. Zu fortgeschrittener Stunde erzählten die angeheiterten Mannsbilder manchmal Gruselgeschichten, mit denen sie die jungen Mädchen und die alten Weiber so erschreckten, dass sie sich auf dem nach Hause Weg ängstlich einander an den Händen festhielten.
Eines Abends, im Dezember, zwei Wochen vor Weihnachten, trafen sich viele Menschen aus unserem Dorf beim Bürgermeister. In seiner Spinnstube hörte ich zum ersten Mal von der Legende „Das Geheimnis hinter der Felsentür.“
Ein alter Mann erzählte am späten Abend eine Geschichte, von der keiner im Dorf bisher etwas gehört hatte. Seine angenehme Stimme war sanft aber leider sehr leise. Man musste genau hinhören um zu verstehen was er sagte. Die Frauen im Raum hielten ihre Spinnräder an, sie trauten sich nicht laut zu atmen. Der alte Mann verbreitete mit seinem ihm angeborenen Charme eine Stimmung im Raum, mit der er ihre Seelen verzauberte.
Im Jahr 1800, vier Tage nach Neujahr, in einem Dorf, südlich der größten Thüringer Stadt Erfurt gelegen, erblickte in der Frühe um vier Uhr ein Knabe das Licht der Welt. Der Pfarrer der kleinen Gemeinde gab ihm in der Kirche Sant Marien bei der Taufe den Namen Falko. Die glücklichen Eltern, Eike und Ethel Stein, sind nach einer Epidemie, die diesen Landstrich schon wiederholt heimsuchte, die letzten Vertreter eines uralten Bauerngeschlechts. Sie fühlen sich dazu verpflichtet, die Traditionen ihrer Vorfahren am Leben zu erhalten. Das junge Paar bewirtschaftet einen stattlichen Hof an einem Flussarm der Unstrut.
Schon im zarten Kindesalter von fünf Jahren verliert der Junge bei einem Hochwasser seine Eltern. Die Familie seiner Tante nimmt ihn auf und er wächst auf ihrem stattlichen Hof behütet zu einem stattlichen Mann heran.
Falkos Zukunft liegt vor ihm wie ein aufgeschlagenes Buch, seine Pflegeeltern bekamen keine Kinder, sie behandeln ihn wie ihren eigenen Sohn. Kurz nach seinem zwanzigsten Geburtstag schreibt das Schicksal einen neuen Plan für sein junges Leben. Onkel Eduard wird nach dem Genuss vieler Gläser Bier im Gasthaus zum goldenen Hahn beim Karten spielen schändlich betrogen, seinen gesamten Besitz verliert er in wenigen Stunden an einen skrupellosen Adeligen, der ein nahe beim Dorf gelegenes Gut verwaltet.
Seine geliebten Pflegeeltern zerbrechen an diesem harten Schicksalsschlag und wählen in einer Stunde größter Verzweiflung den Freitod. Der junge Mann steht plötzlich vor dem Nichts, er weiß nicht mehr wie es seinen Lebensunterhalt bestreiten soll. Im Zorn zündet er die Scheune neben dem Wohnhaus an, die Flammen breiten sich mit rasender Geschwindigkeit aus, der schöne Hof brennt bis auf die Grundmauern nieder. Nach diesem Frevel muss er sich wie ein Dieb aus dem Dorf davonschleichen. Er reitet auf dem Rücken seines treuen Pferdes durch das Thüringer Land, und erlebt dabei so manches Abenteuer. Mitten im Wald findet er hinter Büschen versteckt eine Tür in einem Felsmassiv, als er sie durchschreitet betritt er einen riesigen unterirdischen Raum, in dem er viele geheimnisvolle Gegenstände findet, die er nach und nach ergründet. Er begegnet einem Vertreter einer noch unbekannten Zivilisation dieser Erde, Falko und das fremde Wesen sind sich vom ersten Augenblick an sympathisch. Sein neuer Freund lädt ihn in seine Heimat ein. Er besucht ein technisch hoch entwickeltes Volk auf einer Inselgruppe mitten im Atlantik. Nach endlos langen Reisen und vielen Schicksalsschlägen findet er am Ende doch noch sein persönliches Glück.



Das Geheimnis hinter der Felsentür


Kapitel I Kinder und Jugendjahre

Vor zweihundert Jahren gab es noch keine Eisenbahn, mit der man durch das Land fahren konnte. Eine Kutsche und Pferde konnte sich ein Reisender nur leisten, wenn er viele Taler in der Tasche hatte. Als mittelloser Thüringer musste man in dieser Zeit, etwa zehn Stunden von Erfurt nach Süden laufen, bis man an einen stattlichen Bauernhof kam. Stallungen, Wirtschaftsgebäude, und ein Wohnhaus, standen direkt an einem Flussarm der Unstrut.
Hier drehte sich vor langer Zeit das Rad einer Wassermühle. Die Familie Stein kaufte das Anwesen von einem Verwandten, der in seiner Familie keinen Nachfolger fand. Die Landwirte verstanden nichts vom Müllerhandwerk, und machten aus den Gebäuden an der Unstrut, einen Bauernhof.
In dieser Zeit wütete im Thüringer Land eine schreckliche Seuche. Viele Menschen in diesem Landstrich verloren durch eine Krankheit, deren Ursache niemand kannte, ihr Leben. Eike und Ethel wurden verschont. Sie sind die letzten Angehörigen einer Großfamilie, die mit Stolz den Namen Stein tragen.
Das Ehepaar bewirtschaftet den Bauernhof an der Unstrut mit Erfolg. Sie hatten Glück, die Ernten der vergangenen Jahre waren ausgezeichnet, die Scheune ist mit Getreide und Ackerfrüchten voll bis unter das Dach. Eike hat auch eine glückliche Hand in der Viehzucht, die Tiere in den Ställen gedeihen prächtig. Das Leben der Eheleute müsste eigentlich vollkommen sein, aber in ihrem Leben fehlt etwas Entscheidendes zum Glück.
Die jungen Leute sehnen sich nach einem Kind. Ethel ist oft sehr traurig, weil sie nicht schwanger wird. Ihrem Mann Eike fallen die richtigen Worte nicht ein, mit denen er seine Frau trösten kann. Die Bäuerin kennt seinen größten Wunsch, er träumt seit vielen Jahren von einem Erben.
Das Paar gibt die Hoffnung Eltern zu werden nach vielen Ehejahren auf. Aber dann geschieht ein Wunder. Kurz nach Ethels dreißigstem Geburtstag, erblickt auf dem Hof an der Unstrut, ein Knabe das Licht der Welt.
Die glücklichen Eltern lassen den Jungen vom Pfarrer in der Dorfkirche Sant Marien, in Gedenken an Eikes Vater, Falko taufen. Der Knabe entwickelt sich prächtig, er wächst gesund heran, und macht ihnen viel Freude. Falko ist von kräftiger Gestalt, er trägt langes blondes Haar, das ihm manchmal in die Augen fällt. Wenn er lacht, dann geht auf dem Hof

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