Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Horror > Surreales

Das Geräusch

von Faenor

1 2 3

Der Träumer streifte über die weiten, grünen Wiesen, wie er es seit den Jahren seiner Kindheit nicht mehr getan hatte. Die rote Sonne stand hoch am Himmel, schien heiss und hell auf die Erde herab. Das hügelige Grasland erstreckte sich bis zum Horizont, niedrige Bäume mit weisser Rinde und dichtem Blätterdach wuchsen überall. Das kleine Häuschen seiner Eltern stand nicht weit entfernt am Rande eines geduckten Hügels, doch es war kein Mensch und kein Tier zu sehen, eine tiefe Stille lag über dem Land. Ein friedliches, lang vergessenes Gefühl breitete sich in ihm aus und erfüllte ihn, ein Gefühl, das er zutiefst vermisst hatte. Doch nun war es wieder da, und er war glücklich.
Ohne Sorgen wanderte er über das Land, an kleinen Flüssen vorbei, sanfte Hügel auf und ab, lange Zeit, Stunde um Stunde, so schien es ihm, und die Sonne wollte ihren hohen Sitz nicht aufgeben.
Mitten in seinem Glück und der Ruhe keimte ein Gedanke in ihm auf wie eine lange vergessene Erinnerung. Etwas fehlte. Wo sind Mutter und Vater? Wo ist meine kleine Schwester? Wo ist der Hund? Er sah sich um, doch es war niemand zu sehen. Plötzlich schien ihm die Stille nicht mehr wie ruhiger Friede. Eine seltsame Bedrohung schien von ihr auszugehen, unfassbar, unsichtbar. Doch sie war da, irgendwo im Schein des brennenden Lichtes der Sonne. Unruhig starrte er zum Haus, doch nichts rührte sich. Er blickte zur Sonne hinauf. Geblendet senkte er seinen Kopf, Schweiss bedeckte seine Haut, ihm wurde schwindelig. Werde ich krank? Stand ich zu lange im heissen Sonnenschein?
Er begann eine Leere zu fühlen, die alles Glück aufzufressen schien, und doch nicht satt wurde. Die Hitze wurde unerträglich. Nicht weit entfernt erhob sich der hohe Baum, der alle anderen überragte und die der Träumer vor Jahren oft zu besteigen versucht hatte. Unter seinen Blättern lagen dunkle Schatten. Mit schmerzendem Kopf und von Schweiss brennenden Augen ging er mit hastigen Schritten auf das Dunkel zu, den Blick unaufhörlich darauf gerichtet. Erleichtert wollte er in den Schatten treten, als ein seltsames Geräusch ertönte. Er blieb stehen, wandte sich um. Niemand stand hinter ihm. Wieder hörte er diesen Laut, leise, kaum hörbar, als wurde jemand gierig Luft durch die Zähne einsaugen. Der Träumer starrte vor sich in die finsteren Schatten. Etwas raschelte, etwas am grauen Baumstamm bewegte sich rasch und huschend, doch bevor er erkennen konnte, was es war, war es mit den Schatten verschmolzen. Sein Herz hämmerte. War das ein Eichhörnchen? Ein Marder? Eine Katze? Schweiss rann in seine Augen, brannte und liess seine Sicht verschwimmen, doch er blinzelte nicht. Wieder sah er die Bewegung, dieses Mal deutlicher. Der Schatten wand sich schnell und ruckartig durch das graue Zwielicht, das sich um ihn herum zu bewegen schien wie Wasser. Es verschwand im Blätterdach. Wieder ertönte der saugende Laut, als würde ein Erstickender verzweifelt nach Atem ringen. Die Hitze wurde schlimmer, immer schmerzhafter, doch nun schien sie nicht mehr von der Sonne zu stammen, sondern aus seiner Brust. Ein wütender Brand schien dort zu wüten, verschlang sein Inneres. Jeder Atemzug liess das Feuer erstarken, der Druck auf seinen Lungen schwoll an. Er sank zu Boden, sog verzweifelt die lodernde Luft in sich ein.

Der Träumer ging auf die Hütte zu. Die dunklen Fenster starrten blind in eine andere Welt. Das weite, flache Land schien verlassen von jedem Wesen, nichts rührte sich, kein Laut war zu hören. Selbst die Vögel, die sonst immer in den Bäumen oder auf dem Dach des Hauses misstrauisch auf den Träumer hinabblickten, sassen nirgends, flogen nicht durch die Lüfte.
Als er sich dem Haus näherte, sah er, dass die alte Holztür nicht geschlossen war. Wo sind meine Eltern? Wo ist meine Schwester? Wieso begrüsst mich der Hund nicht? Eine ziellose Furcht ergriff ihn, doch sie zog ihn nicht vom Haus weg, sondern auf es zu. Mit langsamen, zögernden Schritten erreichte er die Türe. Mit eisiger Angst blickte er durch den schmalen Spalt, doch im Zwielich dahinter konnte er nichts erkennen ausser undeutlichen Umrissen und reglosen Schatten. Alles war still. Mit wachsendem Entsetzen öffnete er das Tor zu seinem Heim, geräuschlos schwang sie auf, das fahle Sonnenlicht fiel in den länglichen Raum dahinter und versuchte vergebliche das träge Dämmerlicht zu verbannen. Ein Streifen schwachen Sonnenlichtes fiel auf ein bleiches, grinsendes Gesicht. Der Träumer atmete auf.
"Schwester!", rief er erleichtert. Das Geräusch ertönte schrill und laut in der totenstillen Welt. "Wo sind Vater und Mutter? Ich habe sie nirgendwo gesehen."
"Sie sind hinter dem Haus. Sie hacken Holz.", antwortete das bleiche Gesicht lächelnd, die grauen Augen blickten dem Träumer ruhig entgegen. "Hast du Hunger, Bruder? Wir haben gegessen, während du weg warst. Doch wir haben etwas für dich übrig gelassen." Der Träumer lächelte dankbar, nickte und setzte sich in der Finsternis an den kleinen Tisch aus grob gehauenem Holz. Das junge Mädchen mit dem langen, weissen Haar wandte sich um, griff nach einer Schüssel und stellte sie auf den Tisch. Der Träumer ass die kalte Suppe, das Mädchen beobachtete ihn schweigend. Die Schüssel war leer, sein Hunger gestillt. Er beruhigte sich, die Aufregung fiel von ihm ab, Müdigkeit überkam ihn.
"Wo ist eigentlich der Hund?", fragte er beiläufig, sah sich um, doch konnte ihn nicht sehen. Die Schwester grinste.
"Kannst du ihn denn nicht hören?", fragte sie in gespielter Verwunderung. Der Träumer lächelte unsicher, glaubte an einen Scherz des Mädchens, doch dann hörte er die Laute, ganz in der Nähe. Unter dem Tisch drangen sie hervor, seltsam, unbekannt, ein keuchendes Saugen. Ein Grauen erfüllte ihn, lähmte Gedanken und Körper. Er fühlte, wie etwas seine Füsse berührte, seine Beine betastete, ein kaltes Ding, doch war es nicht die Schnauze eines Hundes.
"Hier ist er doch!", rief die Schwester fröhlich, bückte sich unter den Tisch und packte etwas. Als sie sich wieder erhob, erblickte der Träumer, was sie in den Händen hielt. Kreischendes Entsetzen schnitt durch seinen ganzen Körper, liess seine Arme versteifen, sein Herz zu Eis gefrieren, doch sein Blick verschwamm nicht, von Grauen gepackt konnte er nur mit weit, schmerzhaft aufgerissenen Augen auf das Ding starren, das seine Schwester sanft, liebevoll in den Armen trug. Wieder fühlte er den Druck auf seiner Brust, der ihm den Atem stahl. Er wusste, er erstickte, sein Inneres brannte wie Feuer, doch er konnte sich nicht bewegen, seine Augen starrten noch immer auf das Ding, er konnte sie nicht abwenden. Starr und steif sass er auf dem Stuhl, während seine Besinnung schwand und das Grauen alle seine Gedanken erfüllte.

Der Träumer erwachte. Schweiss brannte in seinen Augen, panisch sog er die kalte Luft zwischen seinen Zähnen ein. Sein Herz hämmerte. Schreckliche, endlose Augenblicke lag er starr in seinem Bett, während sich Traum und Wirklichkeit noch immer nicht entwirrt und getrennt hatten und das

1 2 3

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.