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Kategorien > Love Story´s > Begegnungen

Das Haus am See

von Poersel

Rosalie saß an ihrem Schreibtisch und starrte sehnsüchtig aus dem Fenster. Die Wolken hat-ten sich nach einer geschlagenen Woche endlich seit Mittag verzogen und dicke Sonnenstrah-len kämpften sich durch die letzten Wolkenfetzen und ließen die Straßen wie Silber durch die Feuchtigkeit funkeln. Zu gerne wäre sie jetzt mit ihrem Hund Schnipsi ins Auto gesprungen um zu einem ausgedehnten Spaziergang an ihre Lieblingssee aufzubrechen, aber ihr Arbeits-pensum ließ das einfach nicht zu.
"So ein Pech!", nörgelte sie und drehte sich bedauernd zu dem Körbchen um, aber dann musste sie lauthals lachen. Das Körbchen war leer, Schnipsi war gar nicht wie üblich bei ihr, denn genau der Arbeit wegen hatte sie den Hund vorgestern zu ihrer Freundin Jane gebracht, damit nichts und niemand sie ablenken würde. Jane tat das gerne, denn sie mochte Schnipsi und es war immer Verlass auf sie, wenn Not am Mann war. Und das war es in doppelter Hin-sicht! Rosalie war schon etwas länger Single, aber im Großen und Ganzen kam sie sehr gut damit klar, denn neben ihrem Hund war die Arbeit ihr Ein und Alles und sie kniete sich nur zu begeistert in ihren Job. Aber diesmal war die Sache ein wenig heikel. Rosalie arbeitete freibe-ruflich als Werbetexterin für einige Firmen und hielt sich so über Wasser, aber große Sprün-ge waren damit nicht zu machen. Nun hatte ausgerechnet ihre Lieblingsfirma ihr zu verstehen gegeben, dass sie beabsichtigten, bald nur noch einen Freiberufler zu beschäftigen und alles würde von der nächsten Kampagne abhängen. Das Thema war "Gleichberechtigung" und dass ausgerechnet ein Mann ihr größter Konkurrent dabei war, dem der Firmenboss auch noch sehr zugetan schien, verlieh der Sache eine gewisse Brisanz. Rosalie wollte diesen Auf-trag um jeden Preis. Zum einen fand sie prinzipiell, dass es sozusagen ihr Vorrecht war, als Frau gekonnt und pointiert etwas zur Gleichberechtigung zu sagen, und zum anderen winkte als Bezahlung eine nicht ganz unerhebliche Summe Geld. Für die nächsten zwei Jahre würde sie ihr Einkommen zuverlässig von "Kunze und Konze" erhalten, ohne sich dauernd Sorgen um den nächsten Auftrag machen zu müssen und mit dem Geld hätte sie dann auch endlich die Chance, sich das Häuschen zu kaufen, von dem sie so schwärmte. Es lag zufällig an ihrem Lieblingssee und Rosalie verdrängte energisch jegliche Vorstellung daran, was passieren würde, wenn sich dieser Traum zerschlagen würde. Den Zuschlag für die Kampagne zu be-kommen, das war nicht nur eine Frage der Ehre, sondern auch die ihrer Zukunftsvisionen und dafür war sie bereit, eine Menge herzugeben, sogar Schnipsi, wenn auch nur für drei Tage. Sie hätte einfach keine Zeit für sie, denn wenn sie kreativ wurde, brauchte sie Ruhe und keine Ablenkung. Trotzdem fehlte ihr der kleine Hund, denn die Sonnenstrahlen lockten sie raus, weg vom Schreibtisch, den sie fast zwei Tage nicht verlassen hatte und wo dennoch nur ein paar magere Ideen rausgekommen waren. Sie seufzte.
"Ach was soll's! Wahrscheinlich tut es mir ganz gut mal raus zu kommen. Ich nehme mir jetzt einfach eine Auszeit, hole meinen Hund und fahre zum See. Da fällt mir dann bestimmt der Einfall des Jahrhunderts ein und gut ist!" Entschieden zog sie ihre Jacke an, nahm noch ein Leckerchen für ihren Liebling mit und verließ gut gelaunt die Wohnung. Auf dem Weg zum Auto schrieb sie Jane schnell eine Nachricht, damit sie Bescheid wusste, und dann fuhr sie los. Ungefähr zehn Minuten von Janes Wohnung entfernt, piepte ihr Handy und Rosalie hielt schnell rechts, um ihre empfangenen Nachricht zu lesen. "Hallo. Tut mir Leid, dass ich mich jetzt erst melde, aber ich musste heute Morgen dringend zum Zahnarzt und wollte dich nicht stören. Schnipsi habe ich beim Nachbarn abgegeben.", las sie mit zunehmender Empörung. Was? Ihr Hund wurde weitergereicht an jemand Wildfremden? Das fand sie gar nicht okay, wer weiß, wie der drauf war.! ". er ist ein sehr netter Kerl und hat Hunde wirklich gern. Er wohnt einen Stock über mir, nicht böse sein, war ein Notfall. Bis später. P.S. Hoffe, deine Arbeit gut, J." Das waren ja Neuigkeiten. Sie musste einmal tief durchatmen, die Nachricht war einfach zu überraschend. Natürlich wusste sie, dass Jane Schnipsi viel zu gerne hatte, um sie jemandem Unverantwortlichen in die Hände zu drücken, aber so richtig wohl war ihr trotzdem nicht bei dem Gedanken, diesen Menschen nicht zu kennen und dementsprechend auch nicht einschätzen zu können. Rosalie hatte es jetzt sehr eilig, ihren Hund zu holen und ein paar Minuten später drückte sie ungeduldig die Klingel, die ihr am passendsten schien, um zu der Wohnung über Jane zu gehören, aber zu ihrem großen Bedauern öffnete niemand. Das war ja zum aus der Haut fahren! Hier stand sie, gönnte sich nach fast drei Tagen den Luxus, ihren Liebling zu sehen und kam dann nicht zu ihr hoch, weil irgend so ein Idiot durch die Gegend fuhr und nicht mit dem Hintern zu Hause bleiben konnte. Unschlüssig überlegte sie, was sie nun tun sollte, aber dann resignierte sie und entschied, alleine zum See zu fahren.
"Wenigstens das sollte klappen!", dachte sie, und als sie etwas später an ihrer gewohnten Stelle parkte, wusste sie bereits, dass die Entscheidung richtig gewesen war. Rosalie nahm sich fest vor, diesen Spaziergang so bald wie möglich mit Schnipsi nachzuholen und merkte nach ein paar Minuten, wie die gesamte Anspannung der letzen Tage von ihr abfiel. Es war einfach zu schön hier, sie atmete tief durch und freute sich an den Sonnenstrahlen, die sich im klaren Wasser des Sees spiegelten. Ein wenig ungewohnt war es für sie schon, dass ihr klei-ner Hund nicht mit Stöckchen beladen an ihr vorbeistürmte, die Enten jagte, oder fröhlich um sie herum wuselte, aber daran konnte sie nun wirklich nichts ändern. Sie freute sich, dass sie sich auf den Weg hierher gemacht hatte, denn der See war noch nicht überfüllt und es begeg-neten ihr nur wenige Leute, was Rosalie half, an wenig zu denken und die Seele baumeln zu lassen. Da war sie ja, ihre Bank. Hier machte sie immer Pause und genoss den Blick über das Wasser und natürlich auf das Häuschen. Zufälligerweise hatte man von dort eine hervorra-gende Position, um ein wenig von dem Garten zu sehen und sich seinen Tagträumen hinzuge-ben. Ihr Haus., vielleicht bald schon.. Ein schöner Garten, ihr Hund und irgendwann si-cher auch mal der richtige Mann, um das Bild perfekt zu machen. So wie der da!
Rosalie riss die Augen auf und schüttelte ungläubig den Kopf. So lange sie dieses Haus kann-te, hatte sie außer dem älteren Ehepaar, das dort wohnte noch nie jemanden Fremdes dort gesehen und dass sich ausgerechnet jetzt ein Mann dort aufhielt, gefiel ihr gar nicht. Da lief jemand in ihrem Garten rum, mit einem Hund. Das war ja nicht zu fassen. Dabei hatte der Makler ihr erzählt, dass das Haus erst im nächsten Monat zur Besichtigung freigegeben wäre, er hatte es ihr sogar zugesichert, dass dieser Termin für alle bindend sei und nun so was. Ihr Herz schlug schneller. Was, wenn dieser Kerl da ihr Häuschen stehlen würde? Bei diesem Gedanken blieb ihr beinahe die Luft weg und ohne richtig zu begreifen, was sie tat, sprang sie auf und rannte zu dem Tor hinüber.
"He!", rief sie, "he, Sie, was machen Sie da?", fuhr sie die große Gestalt hektisch an und wartete hitzig darauf, dass er sich umdrehte, aber bevor das geschehen konnte, ließ ein oh-renbetäubendes Bellen und Winseln sie zusammenfahren. "Schnipsi!", rief sie aus. Tatsäch-lich. Der kleine Hund sprang hektisch an dem Tor hoch und brachte sich fast um bei dem Versuch, sein Frauchen zu begrüßen. "Wie kommst du denn hierher? Ich habe dich ja so ver-misst", sagte sie und drückte begeistert das Gesicht in das braune Fell. Den Mann hatte sie völlig vergessen, aber er war jetzt einige Schritte näher gekommen und sah amüsiert der
Begrüßungsszene zu.
"Sie scheinen sich ja gut zu kennen!", sagte er, als Rosalie endlich aufsah. Ihre Wut war ver-gessen, so sehr freute sie sich darüber, ihren Hund zu sehen.
"Ja, natürlich, das ist meiner!", brachte sie schließlich hervor und ignorierte seinen fragen-den Blick.
"Ach dann sind Sie die Werbefrau?"
"Wer will das wissen?", fragte sie ein wenig zickig.
"Wenneke, Mark. Ich bin der Nachbar von Jane."
"Ach so", sagte sie ein wenig verwirrt. Obwohl sie eigentlich selbst zu dieser Schlussfolge-rung hätte kommen müssen, hatte sie irgendwie das Bild im Kopf gehabt, dass der Nachbar unterwegs und ihr Hund eingesperrt sei. "Ich war vorhin bei Ihnen und es hat niemand geöff-net. irgendwie dachte ich." Sie verlor den Faden. Dieser Mann sah ihr mit einer Art Be-lustigung in die Augen und sein ihrem Geschmack nach ein wenig zu forscher Blick irritierte sie ein wenig. Dann riss sie sich zusammen.
"Gehen Sie öfter mit fremden Hunden auf fremde Grundstücke?", überspielte sie ihre leichte Unsicherheit mit einem direkten Angriff.
Aber er reagierte leider gar nicht, wie sie es sich gewünscht hatte. Er schüttelte einfach selbstsicher den Kopf. "Weniger. Ihr Hund ist mir seit heute Morgen ans Herz gewachsen und dieses kleine Häuschen gehört meiner Familie", antwortete er schlicht. "Wir wollen es nächsten Monat verkaufen."
Jetzt schien sich der Boden unter ihren Füßen zu bewegen. Diesem Mann gehörte das Haus? Das musste sie erstmal sacken lassen und sah sich außerstande, etwas Vernünftiges darauf zu antworten; sie starrte ihn einfach nur an.
"Sie sind ein wenig blass um die Nase. Kann ich Ihnen vielleicht eine Tasse Kaffee anbieten? Sie dürfen sich nur nicht daran stören, dass einige Umzugskartons herumstehen." Mit diesen Worten öffnete er einladend das Gartentor und schritt in Richtung Haustür. Rosalie nickte und folgte ihm bedächtig. Sie hatte bisher noch keinen näheren Blick in den Garten oder gar das Haus werfen können, jeglicher Kontakt war telefonisch gewiesen, nur an der Vorderseite des Zaunes hatte ein kleines Schild auf den Verkaufswunsch aufmerksam gemacht und die Maklerfirma genannt. Durch den schönen Garten ging es eine Steintreppe hinauf, die zu der roten Eingangstür führte, die Rosalie in ihren Träumen schon unzählige Male durchschritten hatte. Fast ehrfürchtig ging sie hindurch und konnte sich nicht satt sehen an der Einrichtung in dem gemütlichen Wohnbereich. Zwar sah es anders aus, als sie es sich vorgestellt hatte, aber sie musste feststellen, dass es so noch schöner war. Das Ambiente kam durch eine Mi-schung aus Edlem und Gemütlichem zustande. Irgendwie englisch. So ähnlich hatte sie sich immer bei ihren Englandaufenthalten in den verschiedensten Bed & Breakfast-Cottages ge-fühlt, nur wirkte es hier ein wenig bewohnter. Ein paar Kisten standen unordentlich herum, Wäsche lag auf dem Sessel und wollte sortiert werden und jemand hatte sich nicht viel Mühe gegeben, die Tageszeitung wieder anständig zusammenzulegen, aber Rosalie fühlte sich ge-nau deshalb sofort wohl, es war nicht steril oder unpersönlich, sondern heimelig und freund-lich. Alles harmonierte zusammen. Hier hätte sie auf ewig bleiben können.
Mark riss sie aus seinen Gedanken, als er mit zwei dampfenden Kaffeetassen hereinbalancier-te. "Setzten Sie sich bitte, ich hoffe Sie nehmen Milch in den Kaffee, ich habe sie automatisch reingetan, muss wohl in Gedanken gewesen sein. Falls nicht, der zweite läuft gerade durch, dann trinke ich beide."
"Nein, es ist alles okay, ich trinke ihn tatsächlich mit Milch, vielen Dank", nahm sie ihm den Becher ab. "Wieso wollen Sie das Haus verkaufen? Es ist so schön!" platzte sie dann so un-vermittelt heraus, dass er auflachte.
"Na ja, Sie haben natürlich Recht, es ist ein tolles Haus, aber meine Eltern sind nun schon etwas älter und haben entschiede, mehr in Richtung Ortskern zu ziehen, und mir ist es hier zu einsam. Allein." Er kratzte sich ein wenig verlegen am Kopf. "Eigentlich schade drum, a-ber." Er stockte und einen Augenblick schien er in Gedanken zu versinken, aber dann hatte er sich wieder unter Kontrolle. "Was soll man machen, manche Dinge laufen nun mal nicht so, wie man es gerne hätte und das muss man dann auch akzeptieren!", beendete er seine Ausführung sachlich.
Rosalie hatte ihn genau beobachtet und konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Sachlichkeit ein wenig zu aufgesetzt war, um seine wirkliche Meinung wiederzugeben. Sie war hin- und hergerissen diesem Mann noch einmal klar zu machen, was er da bereit war auf-zugeben, und gleichzeitig rückte genau durch diese Entscheidung natürlich das Haus in er-reichbare Nähe. Zumindest theoretisch. Aber dann konnte sie sich nicht mehr zurückhalten.
"Sie werden das vielleicht für Spinnerei halten, aber ich träume davon, dieses Haus zu besit-zen, seit ich das erste Mal hier spazieren gegangen bin und das ist immerhin schon vier Jahre her. Es ist mein absoluter Traum und steht für alles, was ich mir im Leben erwünsche. Und es ist für mich schon beinahe ein Sakrileg, dass Sie hier sitzen und etwas so Schönes leichtfertig hergeben wollen. Das bricht mir fast das Herz."
Rosalie war sofort klar, dass sie ihn getroffen hatte, denn er sah sie leicht verärgert an und zwang sich, einen Schluck Kaffee zu trinken, bevor er ihr antwortete.
"Jeder muss tun, was er für richtig hält, oder sind Sie da anderer Meinung? Wenn Sie es un-bedingt haben wollen, dann müssen Sie es sich halt kaufen!", fügte er in einem kühlen Tonfall hinzu und rang sich dann ein leichtes Lächeln ab." Meine Eltern haben eine Maklerfirma beauftragt, die Nummer steht draußen."
"Ja, ich weiß, entschuldigen Sie, ich wollte nicht persönlich werden. Das Haus soll 150.000 Euro kosten, das bedeutet für mich, dass ich eine Anzahlung von 10.000 machen muss, sonst bekomme ich keinen Kredit. Sie merken, ich bin bestens informiert, vielen Dank." Jetzt war es an ihr, ihre Unzufriedenheit nicht offen kund zu tun, aber so recht wollte es ihr nicht gelingen. "Das Problem ist nur, dass ich dieses Geld nicht habe. Noch nicht." Ihre Stimme war im-mer leiser geworden und schließlich verstummt. Dann atmete sie tief durch und versuchte, die Gedanken aus dem Kopf zu bekommen. "Bitte entschuldigen Sie, das gehört wirklich nicht hierher. Ich wollte Sie nicht mit meinen Problemen belästigen. Wenn es dies Haus nicht ist, dann vielleicht ein anderes. So ist es doch im Leben, oder? Eigentlich geht man nie leer aus", tönte sie und zwang sich zu einem Lächeln, obwohl ihr in diesem Moment eher zum Heulen zumute war.
"Meine Eltern wollen nicht verkaufen. Sie wünschen sich nichts sehnlicher, als dass ich es behalte und hier endlich einziehe, aber um ehrlich zu sein, bricht es mir fast das Herz, etwas so Perfektes zu besitzen, das nicht perfekt ist. Ohne Frau. Hier alleine zu wohnen ist eine Farce, mit einem Partner ein Traum. Dann ist es mehr als ein Haus, dann ist es ein Heim."
Rosalies Herz schlug bis zum Hals. Ja, sie wusste genau was er meinte, absolut, und ihr wur-de schlagartig klar, dass sie jetzt auch nicht mehr alleine hier wohnen wollte, aber nach dem letzten Blick von ihm würde sie das vielleicht auch nicht mehr müssen. Wie von einer Tarantel gestochen sprang sie auf. "Ich muss nach Hause, erkläre alles später, bitte passen Sie auf Schnipsi auf, ich melde mich. Vielen Dank für alles!" Ohne ihn noch weiter zu beachten, ver-ließ sie fluchtartig das Haus. Das heftige Schlagen ihres Herzens schob sie energisch auf den Einfall, der ihr soeben für die Arbeit gekommen war, aber wenn sie ehrlich war, wusste sie genau, dass es dafür einen anderen Grund gab.
Zu Hause arbeitet sie die ganze Nacht durch und hatte am nächsten Morgen nur einen ferti-gen Entwurf, der ihrem Gefühl nach alles aussagte. Ihr war zwar klar, dass sie von einer mu-tigen Seite an dieses Thema herangegangen war, aber irgendwie konnte sie nicht anders. Sollte sie damit scheitern, dann war es halt so. Angelehnt an ihr gestriges Erlebnis hatte Ro-salie den Spieß der Gleichberechtigung umgedreht und den Mann zum Angelpunkt gemacht. Er war es in ihrem Entwurf, der zu Hause gekocht und nett den Tisch gedeckt hatte und nun darauf wartete, dass seine Frau von der Arbeit nach Hause käme. Obwohl er die Idee mehr als gewagt fand, war der Firmenboss zu ihrer großen Erleichterung doch toleranter als sie zu hoffen gewagt hatte und so erhielt sie tatsächlich den Exklusivzuschlag von "Kunze & Kon-ze" für die nächsten zwei Jahre. Rosalie freute sich riesig über ihren Erfolg und stieß mit al-len Kollegen an, aber irgendwie schaffte sie es nicht, diese innere Unruhe in den Griff zu be-kommen. Viel größer als die Freude über den Vertrag, war der Wunsch, die Feier Feier sein zu lassen und nach Hause zu gehen. Zu ihrem Haus, ihrem Hund und dem Mann, der viel-leicht darauf wartete, dass sie heimkäme. So schnell sie konnte verließ sie die Firma und schickte Jane eine SMS, dass sie jetzt Schnipsi holen würde. Aber die postwendende Antwort lautete: "Schnipsi bei Mark, er wartet auf dich, du wüsstest schon wo."
Mit klopfendem Herzen parkte sie, ging den vertrauten Weg am See entlang, schritt durch das kleine Tor, wurde dort ungestüm von Schnipsi begrüßt und zog dann an der altertümlichen Klingel neben der roten Holztür.
"Da bist du ja endlich!", hörte sie von innen. "Komm herein", rief Mark, "ich habe auf Dich gewartet!"
Und wie selbstverständlich ging Rosalie mit einem Lächeln durch die rote Tür und wusste, dass sie ihr neues Zuhause gefunden hatte.

Kommentare

steini_stoni@web.de schrieb:
Hi Frau Poersel,
erst mal zur Anrede: Muss man dich/sie ansprechen? Ich sprech dich einfach mal mit du an, ich hoffe, dass du mir nicht böse bist.

Als erstes nerven die Trennungsstriche. Viele Autoren schreiben ganz und gar ohne diese Striche, doch andere Meinen, dass es dann zum Schönheitsbild beiträgt, aber das bleibt letzendlich jedem selbst überlassen.

>dicke Sonnenstrah-len<- eine merkwürdige Formulierung. Für unmaterielle sachen wurde ich keine adjektive benutzen die materlielle Dinge beschreiben.

>gesprungen um <- da fehlt ein Komma

>wegen hatte <- genau das selbe. ich zähle jetzt keine weiteren Kommatafehler auf, bitte sei mir nicht böse.

Sonst fällt mir nichts auf, aber schöne Geschichte. Nur waren einige teile der Geschichte vorherzusehen.

Eigentlich lese ich solche Geschichten nicht, denn ich bin eher in der Fantasyecke tätig, aber auf deinen Hilferuf bin ich gefolgt und voilà. Noch ein paar Worte zum Stil. Man kann flüssig lesen und wegen der ausreichenden Wortwahl wird einem nie langweilig, nur hab ich irgendwie Gefühle vermisst, die sich aber gegen Ende in doppelter Form breitmachten. Glückwusch zu dieser gelungenen Geschichte und ich würde gern mehr von dir lesen, wenn ich deinen Namen nicht vergesse. Komm doch mal ins Forum oder in den Chat. Gegen Abend ist dort immer jemand anzutreffen.

Gruß Stoni
. schrieb:
Hallo Poersel,

obwohl das hier nicht unbedingt mein Metier ist, habe ich Deine Geschichte gelesen und finde sie eigentlich ziemlich gut.
Am meisten hat mich der Name des Hundes fasziniert. Wie bist Du auf den gekommen? Ich hätte es gut gefunden, wenn Du nicht immer nur von „dem Hund“ gesprochen hättest, sondern auch mal von „dem kleinen Mischling, Dackel, Pudel“. Dann gäbe es auch weniger Wortwiederholungen.
Rechtschreibung und Grammatik sind absolut top, was ich sehr positiv fand. Aber nachdem ich schon ganz neidisch sein wollte, ist mir doch noch eine Sache aufgefallen *g: „...aber meine Eltern sind nun schon etwas älter und haben entschiede, mehr...“ „entschieden“
Mit den Satzzeichen konntest Du Dich in wenigen Fällen nicht ganz arrangieren. „Das fand sie gar nicht okay, wer weiß, wie der drauf war.! ". er ist ein sehr netter Kerl und...“ (Punkt, Ausrufezeichen, Anführungsstriche, Punkt) (ich kann mich irren aber: Ausrufezeichen, Anführungsstriche, Komma)
Die Sonnenstrahlen egal in welcher Art und Weise sind ein wenig zu oft erwähnt worden.
Zwei Stellen sind ein wenig verwirrend gewesen.
„Zufälligerweise hatte man von dort eine hervorra-gende Position, um ein wenig von dem Garten zu sehen...“ Zuerst noch mal eine andere Sache. Die Bindestriche erschweren das Lesen und behindern den Lesefluss, aber ich nehme an, das ist nur ein Übertragungsfehler?
Und dann inhaltlich: Sie geht am See spazieren, wo kommt auf einmal ein Garten her. Und dann auch noch ein Haus? Das hätte man einleiten können mit: „Gleich würde sie an ihrer Lieblingsstelle vorbeikommen. Dort wo ihr Traumhaus stand, würde sie eines Tages...“ Oder etwas in der Art.
Die zweite Stelle ist jene, wo Rosalie plötzlich geht und ihr die Idee für die Arbeit kommt. Diese Szene musste ich zweimal lesen, weil sie so schnell und plötzlich wechselt. Und sie hat den Spieß umgedreht und Mark hat sie auf die Idee gebracht? Wie denn?
Na ja und nach einem Mal sehen und kaum persönliches bereden gleich ein: „Komm rein. Wir haben was zu bereden.“ Gut, das mag ich etwas unlogisch finden, aber es sind ja die meisten dieser Geschichten (in Zeitschriften, Du sprachest doch davon?) so gestrickt und deswegen ist es wohl gut so.
Zusammenfassend kann ich aber sagen, das ich die Geschichte sehr gut fand. Sie ist gut formuliert und gerade auch die Dialoge sind sehr schön. Die Gefühle sind nachvollziehbar und genug Kleinigkeiten, die eine Geschichte formen, sind auch enthalten. Der Lesefluss ist locker und fließend, wird aber durch die vielen Bindestriche erheblich erschwert.
Die Geschichte ist in einem bestimmten Maße schon vorhersehbar, auch wenn ich zugeben muss, das ich anfangs noch dachte, das Mark auch ihr Konkurrent in der Firma ist und schließlich sogar darauf gewartet habe, das es so kommt. Gut gemacht!

Liebe Grüße
Soleil
susebay@yahoo.de schrieb:
Hi Stoni und Soleil, danke erstmal für Eure Kommentare und die Mühe. Habe die Tipps und Verbesserungen angesehen und werde die eine oder andere auf jeden Fall umsetzten! Ganz generell ist klar, dass es sich hier -wie auch schon geschrieben- um kitschige Liebesgeschichten handelt, die in den meisten Fällen nach dem Schema "Sehen und Verlieben" ablaufen, obwohl ich versuche, das in Grenzen zu halten (deshalb war Mark eben auch NICHT der Konkurrent, das wäre ZUUUviel gewesen). Aber letztendlich gehts um die Zufälle aller Zufälle, wo gerade der tolle Mann auf die tolle Frau trifft und zufällig dann auch noch beide dieselben Träume haben. Herrlich unrealistisch, aber auch inspirierend, was? Die hier ist ja noch harmlos :-)
Anmerkungen zu den Anmerkungen: Die Sonnenstrahlen werde ich ausdünnen, "den Hund" ersetze ich öfter durch Mischling o.ä. guter Tipp. Das mit dem Haus ist folgendermassen: Ich hatte von Rosalies Traum erzählt, das Haus, das "zufällig an ihrem Lieblingssee liegt zu kaufen". Von daher war es nicht abwegig, dass sie von der Bank das Haus am See sehen konnte bzw. Teile vom Garten.
Zu dem "Spieß umdrehen": Die Formulierung bezog sich eigentlich auf den Auftrag, den sie zu erledigen hatte, denn normaler Weise sitzt ja doch meistens noch die Frau brav zuhause und bekocht den Mann. Hier wurde der Ausgangspunkt umgedreht, denn Rosalie setzt in der Idee eben nicht die Frau dem Mann gleich, sondern umgekehrt. Er wurde ihr gleichgestellt. Deshalb kocht er ja. Ist aber glaube ich nicht so klar rausgekommen, obwohl es letztlich nichts macht.
Also, danke für die netten Kommentare, freut mich wirklich gleich 2 (!!) Metierfremde mit der Geschichte unterhalten zu haben. Kommen bald mehr. Poersel
ganser_ch@yahoo.de schrieb:
Hi Poersel,
ich hab es jetzt mal endlich geschafft, mir Zeit zu nehmen um deine Story zu lesen (hab ich dir ja mal versprochen *g).
Also, dein Schreibstil ist einfach toll, aber Lovestories les ich ja normalerweise nicht, trotzdem muss ich zugeben, dass es mir eigentlich Spaß gemacht hat die Story zu lesen. Das Ende jedoch, ging mir irgendwie zu schnell, weiß nicht warum. Die Geschichte hat mir aber eigentlich gut gefallen und dass sie so ausgeht, hätte ich es eigentlich nicht erwartet. Naja, schon, aber halt nicht genau so, ich hoffe du weißt was ich meine *g
Mach nur weiter so.

mfg Chris
susebay@yahoo.de schrieb:
Yipih!! Freut mich, soviele "eigentlich-les-ich-das-nicht-Leser", danke. Halte mich ran mit Deiner Story. Viele Grüsse, Poersel
knudeldudel2000@yahoo.de schrieb:
Hallo Poersel,

als erstes möchte ich dir sagen, dass mir deine Geschichte gut gefallen hat. Ich mag deine Art zu schreiben, daran u.a., dass du viele Adjektive benutzt, die es dem Leser ermöglichen, sich genau vorzustellen, wie sich die Personen fühlen, ohne das du von Gefühlen schreibst. Man muss also ein bisschen interpretieren und das macht eine Geschichte für mich erst reizvoll.
Ich bin eigentlich, wie meine Vorgänger, auch nicht der Lovestory-Fan, sie sind mir zu vorhersehbar. Das war bei deiner Geschichte nicht so. Ich dachte zum Beispiel, dass Rosalie nach der SMS von Jane direkt den Nachbarn kennen lernt und die beiden sich ala "Liebe auf den ersten Blick" ineinander verlieben.
War nicht so - war toll :)

Liebe Grüße,

Dani
susebay@yahoo.de schrieb:
Wow, danke, das freut mich wirklich. Werde mal sehen, dass das Niveau zumindest bleibt... ;-) Poersel
franzholz4@fholzinger.com schrieb:
Diese Geschichte ist dir wirklich gut gelungen. Vor allem deinen Schreibstil finde ich gut. Ein Zahnarzt-Notfall, der schließlich über einen Hund und wegen dem Interesse an einem Haus zwei Menschen einander näher bringt, die sich vorher nicht gekannt hatten.
Allerdings wäre es gut, wenn du die erste Begegnung zwischen Rosalie und Mark noch ein wenig ergänzen würdest in Hinblick darauf, welche Gedanken der Rosalie dabei durch den Kopf gingen. Es war der Geschichte nicht zu entnehmen, ob sie den Mann selber auch gut fand. Und wegen des Hauses alleine einem Mann nachzulaufen, das wäre unrealistisch, meine ich. Es hätte mich interessiert, wie sie den Mann angesehen hat und ob sie versucht hat, ihn irgendwie für sich zu gewinnen. Etwas spannender wäre es auch gewesen, wenn Mark nicht gleich verraten hätte, daß er nur wegen dem Mangel an einer Frau dieses Haus verkaufen wollte. Er hätte es umschreiben können, daß ihm hier in dieser abgelegen Gegend langweilig war. Es war nichts los und seine Freunde wohnten weiter weg. Er hätte ihr dann anbieten können, dem Makler die Lizenz zum Verkaufen wieder zu entziehen und die Frau so öfter zu Gesprächen über das Haus einzuladen, um sie dabei allmählich besser kennenzulernen.
Der Schluß ging zu schnell. Hier müssen erst weitere Hindernisse und Bedenken überwunden werden, bevor es zum Happy-End kommt. Auch die Sicherheit der Rosalie, daß sie nun ihr Zuhause gefunden hätte, ist überraschend. Es müßte begründet werden, zum Beispiel dadurch, daß Mark sie zum Essen einladet oder ihr anbietet, ihr eine Etage zu vermieten.

Korrekturen:
- jeglicher Kontakt war telefonisch gewiesen ?
- und haben entschiede,

Franz Holzinger
Positive Kritik schrieb:
Hallöchen... also ICH muß sagen, daß es mich absolut nicht stört, wenn nicht alle Komma´s an der richtigen Stelle stehen... Gott, wie kleinlich kann man sein? Ich finde die Geschichte super schön. Liebe Grüße

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