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Kategorien > Begegnungen > Nachdenkliches

Das Haus der Schnecke

von Etienne van Frechen

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Das Haus der Schnecke

Einst einmal, als ich gerade mal so groß wie ein Gänseblümchen gewesen war, da streifte ich durch die riesigen Wiesen des Landes, auf der Suche nach dem, von was die großen Menschen immer sprachen, doch aber nie besaßen; nämlich die absolute Vollkommenheit, das Glück der Welt am Ende des Regenbogens.
Ich war mir sicher es eines Tages zu finden, ich musste nur lange genug danach suchen.
Und so vergingen auch viele Sonnen und Monde, bis ich eines Tages eine Weinberg Schnecke traf, welche mich nach meinem Namen fragte.
» Ich bin Myro! «
» Myro, …« sprach sie tief nachdenklich in sich hinein » Myro, das ist ein wirklich schöner Name, das muss man schon sagen. «
» Danke Schnecke. Aber willst du mir nicht auch deinen nennen? «
» Ich habe keinen Namen, aber ich bin auf der Suche nach dem schönsten und am meist wohlklingenden Namen, welchen es auf dieser Welt gibt. Und so werde ich mich dann nennen.«
Ich war einen momentlang stolz, da die Schnecke meinen Namen so schön fand, wo sie doch schon so viele gehört haben muss. Geschmeichelt fragte ich, ob sie sich denn nun Myro nennen würde. Und sie antwortete.
» Hm, Myro ist wirklich ein ganz toller Name! Aber ich denke, ich werde noch ein wenig weiter suchen. Mein Weg ist noch sehr lang musst du wissen. Doch sag mal Myro, was machst du junges Mädchen eigentlich alleine hier in der Gegend? «
Voller Entschlossenheit erzählte ich ihr, dass ich ebenfall auf einer Suche sei. Zwar nicht nach dem schönsten Namen, vielmehr nach dem großen und ganzen, nach dem absoluten und vollkommenen Glück.
» Ach du, …nur das Glück willst du suchen? «, fragte die Schnecke gelangweilt und ließ keinen Moment für eine Antwort. » Das kann man doch nicht finden! Es wird immer schneller sein als du! Man kann nur auf ein zufälliges Treffen hoffen, und selbst dann wird es wenige Augenblicke später wieder weiter ziehen. Es ist unaufhaltsam wie der Wind. «
» Bist du dem Glück schon einmal begegnet? «, fragte ich die Schnecke und trat einen Schritt näher an sie heran, da sie zuweilen sehr leise sprach.
» Aber natürlich! Fast jeden Tag! Aber man muss acht in seiner Nähe geben, denn es ist sehr launisch und ist nicht immer Freund, musst du wissen. «
Ich konnte den Worten der Schnecke nicht glauben.
» Aber sag mir; warum reden die Großen dann immer von Ruhe und Frieden in Zusammenhang mit Glück? «
» Das tun sie, weil sie in der Hoffnung leben, dass es irgendetwas auf der Welt gibt, das ihnen ihre ganzen Sorgen und Schmerzen zu nehmen vermag. «
» Und so etwas gibt es etwa nicht? «, fragte ich mit weinerlichen Augen und konnte dabei das schluchzen nicht unterlassen.
» Oh, aber doch natürlich! Es ist doch ein Glück, dass ich dich hier treffe und von deiner vergeblichen Suche abhalten kann! « rief die Schnecke und grinste » Aber wisse, es ist nicht das Glück, welches dich segnet, sondern deine Verbundenheit zu dir und zu dem das dich umgibt. Man muss den Baum lieben, um seine Früchte zu genießen. Und auch muss man einen Stein tragen können, um einst Schutz durch ihn zu nehmen. Also gehe wieder in deiner Eltern Haus und ehre die Steine, welche dein Vater dafür trug, genieße das Obst und Gemüse aus dem Garten, den deine Mutter pflegt. Und einst kommt der Tag, an welchem du groß sein und es ihnen gleich tun wirst. Denn das Richtige und Wahre liegt nicht in der Ferne und muss auch nicht gesucht werden! Stets ist es in greifbarer Nähe. Ob im Vergänglichen oder Beständigen, im Verdorbenen oder frisch gesätem, in allem kann die Vollkommenheit vorhanden sein. Vielleicht nur für wenige Sekunden, wenn dir ein lieber Duft in die Nase steigt, möglicher Weise aber auch für Jahre, in Form eines Freundes. «
Daraufhin gähnte die Schnecke und zog ihren Kopf in die riesige, wunderschön gemusterte Kugel, welche sie auf dem Rücken trug.
Auf meinem langen Weg nach Hause, dachte ich an die Worte der Schnecke und fand mich doch in misstrauen zu ihnen.

Vielleicht ist die Schnecke nur zu langsam für das Glück

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