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Kategorien > Fantasy > Sonstiges

Das Haus der Zeit

von Mythoswolf

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I

„Warum ist eure Tür nur angelehnt?“
Ich stutzte. Dän hatte Recht, unsere Haustür stand offen, und ich war mir sicher, sie als wir vor einer Stunde mit meinem Hund losgegangen waren, geschlossen zu haben. Vorsichtig trat ich näher, leinte Iltschi ab und öffnete die Tür ganz. Das Schloss war unbeschädigt, mein Hund bellte nicht.
„Keine Einbrecher, sonst würde er bestimmt reagieren“, sagte ich zu Dän und ging hinein. Er folgte mit zögernd. Iltschi lief suchend durch den unteren Flur und das Wohnzimmer, dann nach oben. Während Dän in der Küche nachsah tat ich es meinem Hund gleich und betrat das obere Stockwerk. Auch hier war niemand.
„Hast du jemanden gefunden?“, rief Dän von unten.
„Ne, hier ist niemand.“ Besorgt ging ich wieder nach unten.
„Deine Eltern sind wohl weggefahren und haben nur vergessen, die Tür zu schließen“, tröstete er mich.
„Hoffentlich“, gab ich zurück, griff nach dem Telefon und wählte die Handynummer meines Vaters. Er hatte sein Handy immer an, aber jetzt ging niemand dran.
„Komisch“, murmelte ich und ließ mich aufs Sofa fallen. Dän legte einen Arm um meine Schultern und zog mich an sich.
„Hey, sonst stört es dich doch auch nicht, wenn deine Eltern nicht da sind“, meinte er und vergrub sein Gesicht an meinem Hals.
„Schon“, gab ich zu. „Aber irgendwie habe ich ein mieses Gefühl.“

Als sich Dän kurz nach acht verabschiedete waren meine Eltern immer noch nicht zurück. Kein Anruf, und auf dem Handy nicht zu erreichen. Ich machte mir inzwischen wirklich Sorgen.
Als ich um elf Uhr schlafen ging hatte mich immer noch kein Lebenszeichen erreicht.

Am nächsten Morgen klingelte endlich das Telefon.
„Ja?“, rief ich aufgeregt in den Hörer.
„Hey, Chrissy, ich bin’s“, sagte Dän.
„Hey.“
„Sind deine Eltern inzwischen wieder aufgetaucht?“, fragte er.
„Ne.“
„Gehst du zur Polizei?“
„Weiß nicht. Ich hab heut Nacht so… ich weiß nicht, ich glaub ein Déja-vu gehabt.“
„Aha“, antwortete Dän, unsicher, was er davon halten sollte.
„Na ja“, druckste ich herum. „Ich hab von unserem alten Haus geträumt.“
„Glaubst du, deine Eltern sind dorthin gefahren?“
„Die Schränke von meinen Eltern sind leergeräumt, Koffer und Taschen… alles weg, selbst die Medikamente von meiner Mutter, also müssen sie weggefahren sein, und ich wüsste nicht, wo sie sonst sein sollten.“
„Aber warum sollten sie dorthin gefahren sein?“
„Ich weiß nicht. Es ist eine Ruine. Ich kann mich kaum erinnern, ich war vier, als wir hierher gezogen sind.“
„Weißt du, wo es ist?“
„Ja.“
„Willst du hin?“, seufzte er. Ich lächelte.
„Du kennst mich wohl schon zu gut.“
„Ich kenne dich gut genug, um zu wissen, dass du dich in Sachen verrennst und diese bis zum Schluss durchziehst.“
„Kommst du mit?“, wollte ich wissen.
„Bleibt mir etwas anderes übrig?“
„Ich liebe dich“, sagte ich anstatt einer Antwort.
„Ich dich auch. Wann soll ich da sein und was brauche ich?“
„Um elf wäre gut. Nimm Geld mit, wir müssen mit der Bahn fahren. Proviant. Könnte sein, dass wir länger weg sind. Wenn’s zu lange dauert, übernachten wir da.“
„Alles schon geplant, gell? Hast du denn einen Schlüssel?“
„Ich bezweifle, dass die ‚Ewige Treue’ eine Tür besitzt.“

Die Fahrt mit der S-Bahn dauerte eine Stunde, ehe wir umsteigen mussten. Da ich in der Nacht kaum geschlafen hatte, bat ich Dän, mich in Wieselfeld zu wecken, kuschelte mich in seine Arme und schlief ein.

Vertrocknete Wiesen, die wenigen Bäume abgestorben, der Himmel wolkenverhangen und fast schwarz. Ängstlich klammerte ich mich an Dän, doch als ich ihn ansehen wollte, war er verschwunden. Stattdessen erblickte ich endlose Öde. Irgendjemand rief meinen Namen. Ängstlich wandte ich mich um, doch konnte ich niemanden entdecken. Die Stimme war merkwürdig verzerrt, aber auch vertraut. Eine Person trat aus dem Schatten auf mich zu, doch ehe ich ihr Gesicht erkennen konnte, löste sich die Landschaft um mich herum auf und ich kam wieder zur Besinnung.

„Chrissy? Chrissy!“, rief Dän und schüttelte mich. Langsam öffnete ich die Augen.
„Geht’s?“, fragte er besorgt und strich mir eine Strähne meines kurzen Haares aus der Stirn. Ich blinzelte, immer noch etwas benommen.
„Ich hab geträumt“, murmelte ich und merkte, dass ich schweißgebadet war.
„Du hast gezittert.“
„Es war so… trostlos“, nuschelte ich, während meine Lieder wieder schwerer wurden und mein Kopf auf Däns Brust sank. Er legte seine Arme um mich.
„Du glühst ja förmlich“, sagte er entsetzt, dann umfing mich die Schwärze.

Sanftes Rütteln weckte mich.
„Hey“, sagte Dän. „Geht’s dir besser?“
Ich nickte. Draußen zogen Bäume und Wolken vorbei.
„Sind wir schon da?“
„Gleich.“
Langsam richtete ich mich auf, die Bahn wurde langsamer.
„In welche steigen wir um?“, wollte Dän wissen. Ich zog den kleinen, heute Morgen gedruckten Fahrplan aus meiner Hosentasche und studierte ihn schnell.
„In den Regio Richtung Laer, in Lotusberg steigen wir aus. Dauert etwa eine Viertelstunde.“
„Ok.“ Dän nahm meine Hand und zusammen gingen wir zur Tür, als die Bahn langsamer wurde. Ich kicherte leise, wir mussten ein komisches Bild abgeben, mit den Ruck- und Schlafsäcken.
„Was ist?“, fragte Dän und sah mich verwundert an.
„Nichts“, antwortete ich grinsend und zog ihn auf den Bahnsteig. „Unser Regio kommt in zwanzig Minuten – vorausgesetzt er hat keine Verspätung“, fügte ich gehässig hinzu.
„Erzähl mir von eurem alten Haus“, forderte Dän mich auf.
„Naja, so recht erinnere ich mich auch nicht mehr daran, ich kann eigentlich nur wiederholen, was meine Mutter mir erzählt hat. Es ist groß, sehr groß, aber... Moment, ich hab noch ein Foto…“, sagte ich und wühlte in meinem Rucksack. „Das habe ich heute Morgen in dem Fotoalbum meiner Mutter gefunden“, bemerkte ich, während ich Dän das Bild reichte.
„Oh“, erwiderte er trocken. „Und da sollen wir übernachten?“
Ich sah auf die Uhr. Kurz nach halb eins.
„Wahrscheinlich nicht, wir fahren hin, und wenn niemand da ist, fahren wir zurück. Heute Nachmittag, spätestens am Abend, sind wir wieder zu Hause.“
„Und warum dann die Schlafsäcke?“, wollte er wissen. Ich zuckte mit den Schultern.
„War mir ja nicht ganz sicher, außerdem ist es besser, auf alles vorbereitet zu sein.“

In Lotusberg angekommen standen wir etwas verlassen auf der Straße vor dem Bahnhof. Wir waren die einzigen gewesen, die hier ausgestiegen waren, und ehrlich gesagt wunderte ich mich, warum dieses einsame Nest überhaupt einen Bahnhof hatte. Es war unglaublich ruhig. Wenn man in einer Stadt wohnt, beginnt man irgendwann die üblichen Geräusche nicht mehr richtig wahrzunehmen, aber hier gab es kaum Geräusche. Keinen Straßenlärm, keine Passanten. Nicht einmal Wind oder Vögel. Die Bäume, deren Blätter mir irgendwie… düster vorkamen, bewegten sich nicht. Ich schüttelte mich. Dän nahm behutsam meine Hand und sah mich besorgt an.
„Es ist… trostlos“, flüsterte ich, unfähig die Stille mit lauten Worten zu durchbrechen.
„Das hast du heute schon mal gesagt“, erinnerte er mich. Ich nickte und sah in den

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Kommentare

Lisa schrieb am 2006-05-15 15:43:34:
Hi, Svenja! Hattu gut gemacht! Gefällt mir! Spannend erzählt, kannst die Gefühle gut beschreiben.
Lisa (willey)
Mythoswolf schrieb am 2006-05-04 21:35:18:
Moinmoin, liebes Sternenkind =)
Diese Geschichte ist auch schon etwas älter und leider unvollendet, aber ein paar Fortsetzungen hat sie noch ;)
Danke für deinen Kommentar.
Liebe Grüße
Mythoswolf
angelika schrieb am 2006-05-04 11:57:22:
gut geschrieben! Ein paar beschreibungen haben sehr gefehlt, aber sonst ganz nett, teils auch spannend.
Fortsetztung erforderlich. Will wissen was, wieso warum.
lg
sternenkind

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