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Kategorien > Absurd > Merkwürdig

Das Kätzchen im Hörsaal

von Wildhias

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Vor Beginn des Unterrichts bringt der Assistent, der früher immer als ein nervöser und äußerst langweiliger Vortragender bekannt war, worauf sich dann die Beschwerden über seine Vorlesekunst häuften und für ihn zum peinlichen Problem wurden, eine eigentümlich lange, quaderförmige Eisengitter-Konstruktion in den Höhrsaal mit. Wie ein extrem länglicher Käfig wirkt der Block, da sämtliche Flächen aus Gitterstäben bestehen. Zwei Helfer aus den Studentenreihen mühen sich ab das riesige Ding durch die verhältnismäßig kleine Saaltür und schließlich vorne an die Tafel zu schaffen. Der Assistent selbst macht es sich leicht und trägt lediglich einen Korb, der oben mit einem Tuch oder einem Stoff abgedeckt ist. Vorn am Katheder angekommen, stellt er den Korb, der komischerweise von selbst zu wackeln scheint, am Pult ab und beginnt damit den langgezogenen Käfig oberhalb der Tafel anzubringen. Um die Eisenringe, die jeweils am rechten und linken Ende der Gitter Konstruktion angebracht sind, an den dafür vorgesehenen Stahlhaken, welche an Stahlseilen von der Decke herunter baumeln, festzumachen, benötigt er eine Stehleiter, die ihm ein zu spät gekommener Helfer unter größtem Keuchen gerade noch rechtzeitig heranreicht. Nun klettert er, der ansonsten als tapsig und unbeherrscht gilt, aber seltsamerweise den Umgang mit Leitern aufs erstaunlichste meistert, nach oben und macht den Käfig an beiden Seiten fest, dieser baumelt jetzt ein gutes Stück oberhalb der Tafel in der Luft. Seine Länge beträgt ca. 2/3 der einen Hörsaalseite.

Für die Studenten wirkt dieser ganz und gar skurrile Vorgang stets erheiternd. Die wenigen, die es zum erstenmal beobachten, können sich vor Staunen und lachen kaum halten, schließlich werden sie von Kollegen über Sinn und Zweck des ganzen unterrichtet. Ohne, dass der Assistent bis jetzt auch nur ein Wort gesagt hätte, ist die viereckige Röhre, nun hoch über den Köpfen der Studierenden angebracht. Die untere der vier Gitterflächen wird mit einer eigens dafür zugeschnittenen Hartgummimatte ausgelegt. Außerordentlich geschickt schafft es der Assistent die Matte durch die relative kleine Klappenöffnung, die als Käfigtür fungiert, zu pressen. Mit etwas händischer Hilfe spannt sich die Matte auch im Kerker auf und bildet dessen Boden.

Nachdem er dies alles völlig still verrichtet hat, schaut er nun, in dem er seine Geschicklichkeit auf der Leiter mit einer 180°-Drehung erneut eindrucksvoll unter Beweis stellt, mit fragenden Blickes durch die Menge, als müsse er sie jedesmal von neuem fragen. Die meisten klatschen und schreien nun "Ja, Ja, Ja". Andere halten sich mehr zurück und nicken bloß sanft. Die Erstlinge verfolgen den kollektiven Vorgang mit einer Mischung aus erregter Neugier und Ungläubigkeit. Nun bittet er einem aus der Menge ihm seinen Korb hinaufzureichen. Aus dem Korb werden Stoffmäuse und Bälle mit eingebauten Rasseln genommen und in das hoch über alle Köpfe hängende Tiergefängnis geworfen. Gebannt und wohlwissend was jetzt kommen wird blicken die Studenten fast geschlossen auf diese Verrichtungen. Wieder wirft er einen fragenden Blick in die Menge. Der Saal beginnt zu toben "Ja wir wollen das Kätzchen" und "Gib uns das Kätzchen" ertönt es grölend aus der Studentenmeute.

Der junge Assistent zieht nun ein kleines unschuldiges Kätzchen aus dem Korb hervor und präsentiert es der Klasse, immer noch geschickt das Gleichgewicht auf der Leiter haltend. Das kleine Ding hat überwiegend hell- und dunkelrot gestreiftes Fell, nur der Bauch und die Pfoten sind weiß bei ihm. Das Kätzchen ist nicht viel größer als die rechte Hand seines Besitzer mit der er es in luftiger Höhe in Richtung seiner Hörer hält. Sofort erstillt alles. Jeder ist verzückt über das unschuldige, kleine schutzbedürftige Ding und seine lieblichen blau-grünen Murmelaugen.
Ein kollektiver Seufzer geht durch die Tischreihen. Verschreckt aber auch neugierig begegnen die zwei Katzenbaby-Äuglein den verzauberten Blicken des ganzen Saals.

"So nun jetzt ist aber Schluss", spricht der Assistent schließlich nach geraumer Zeit ein Machtwort. Die anderen verstehen es und wenden ihre Augen sogleich von dem süßen Ding ab. Waren sie mit ihren Gedanken davor noch extatisch bei dem orangen Wonneproppen, so bereitet sich jetzt ein jeder mental auf den folgenden und für die Schlussklausur und somit für ihre höchst persönliche Zukunft enorm wichtigen Unterricht vor.

Wieder außerordentlich geschickt drehte sich der Vorzutragende samt Kätzchen mit der Leiter um und wirft sodann das Kleintier unsaft in den Käfig, und schließt schließlich die Klappenöffnung.

Danach steigt er die Leiter hinab und verstaut diese in einer Ecke. Mit ruhiger Gelassenheit wirft der früher so nervöse Vortragende den Projektor an und beginnt seinen langweiligen Vortrag über die Beschaffenheit des Bürgerlichen Rechts in der Republik Österreich.

Droht ein Student einzuschlafen, was aufgrund der stupiden Langweiligkeit der gesprochenen Worte und Sätze des Vortragenden, die sich wie eine warme Decke über den Köpfen der Zuhörer ausbreiten und diese zum Schläfchen geradezu ermutigen, naturgemäß ständig vorkommen kann, so blickt dieser einfach über den Kopf des Assistenten hinauf auf den Katzenkäfig. Er beobachtet wie das kleine Kätzchen sein Spielzeug die Länge nach auf und ab jagt und dabei den größten Spaß zu haben scheint. Hat er dieses allerliebsten Schauspiel erst lange genug verfolgt, so ist er wieder frisch und bereit sich aufs neue auf das langweilige Gefasel des monoton vor sich hin murmelnden Vortragenden: "Sachwalter....Deriativer Eigentumswert usf." einzulassen, bis ihn wieder der Schlaf packt.

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Kommentare

bottleofwodka@yahoo.de schrieb am 2006-04-03 22:13:00:
Die Geschihte ist zwar schön geschrieben, aber ergibt für mich der Schluss leider überhaupt keinen Sinn.…liegt das daran, dass ich fälschlicherweise eine Pointe erwarte…oder soll das so sein ???? Finde ich schade, da der Anfang sehr spannend daher kommt…

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