Das Küchenmesser
von
Mary
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Das Küchenmesser
Was ist nur passiert?
Was ist passiert, das es weit gekommen ist?
Ich weiß es nicht mehr.
Ich weiß es einfach nicht.
Dabei war ich nie der Typ für das hier.
Ich hasste solche Menschen.
Und plötzlich bin ich selbst einer.
Was?, frage ich mich.
Was ist passiert?
Ich stehe hier und frage mich, wieso tue ich das?
Schmerz?
Wut?
Trauer?
Angst?
Du hast mich gelehrt stark zu sein.
Ich habe gedacht, das ich das wäre.
Nun wird mir klar, das ich nicht stark bin.
Also, sage mir: Warum?
Ich habe dich geliebt, zu dir aufgesehen.
Immer.
War so derartig stolz dich zu kennen.
Und nun das.
Ich hasse es.
Hasse, hasse, hasse es.
Ich hasse dich.
Für alles, was du getan hast.
Was du mir angetan hast.
Sage mir, warum stehe ich hier und tue das?
Dabei warst du mir so wichtig.
Wann hat es angefangen?
Wann?
Ich setze mich, versuche zu atmen.
Atmen.
Es ist alt, schon so alt.
Diese Fähigkeit.
So wichtig.
Wolltest du das nicht mehr?
Was war mit dem Mädchen?
Du warst so lieb zu ihr.
Sie war die erste, oder?
Du bist durchgedreht, oder?
Aber warum?!
Warum?
Du hättest zu mir kommen können.
Immer.
Absolut immer.
Dann dieser Junge.
Kanntest du ihn überhaupt?
Seine Mutter wollte dich umbringen.
Sie hatte ein Gewehr.
Aber sage ich dir schon.
Du wusstest es ja.
Sie war die dritte.
Im Wald .
Aufgeknüpft.
Das Stahlseil von deinem Vater.
DannEllie.
Wieso ausgerechnet Ellie?!
Ich habe geweint.
Sosehr geweint.
Und du hast dich geschämt.
Als du in meinem Zimmer standest.
Das war meine erste Ahnung.
Dann hab ich dich gesehen.
Der alte Mann von gegenüber.
Du warst doch immer so nett zu ihm.
Warum also?
Ich verstehe es nicht.
Ich sah wie du ihn mit Blättern bedecktest.
Dann fand man den Chef deines Vaters.
Es war widerlich und krank.
Da wusste ich, das du es warst.
Und nicht nur ich.
Auch Anna, deine eigene Schwester.
Dieser verdammte Abend.
Dieser verdammte, verdammte Abend.
Tränen vermischten sich mit Blut.
Anna, Anna…
Ich ahnte es.
Ich hatte solche Angst vor der Wahrheit.
Und dann war diese schreckliche, grausame Wahrheit vor mir.
Ein Küchenmesser.
Annas aufgerissene, panikerfüllten Augen.
Dein Gesicht.
Diese furchtbare Entschlossenheit.
Mein Schrei.
Anna floh und wir waren allein.
Mein Bitten und Flehen.
Dein Ringen mit dir Selbst.
Deine Niederlage mit dir selbst.
Der Tod stand dort.
Ich habe ihn gesehen.
Er wartete.
War es eine Affekttat?
Im Nachhinein ist mir klar, das ich es so wollte.
Es hätte nicht aufgehört.
Niemals.
Dein Messer in meinen Händen.
Dein Blut auf meinem Gesicht.
Deine Erlösung.
Meine Stille.
Meine qualvollen Tränen.
Ohne das Gefühl des Bereuens.
Kalt.
Mein Herz ist so kalt.
Erinnerst du dich an unsere Pläne?
Die Hochzeit, die Kinder, das Leben zu zweit?
Jetzt bin ich allein.
Ich sitze neben dir.
Ich weine.
Ohne Regung.
Warte darauf, das Anna zurückkommt.
Weißt du was?
Ich glaube, das wir uns schneller wieder sehen könnten, als du glauben wirst.
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