Das Leben auf der Straße
von
Kleine Träumern
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Prolog
Die Liebe ist wie die Seele. Unsterblich.
Julie.
Kapitel 1
Meine Füße schlugen hart auf dem grauen, rauen Asphalt unter meinen Füßen auf. Es war ein rhythmisches Geräusch meiner beiden Füße.
Meine Atmung wich keuchend aus meinen Lungen, die sich spürbar in mir zusammenzogen. Ein in regelmäßigen Abständen wiederkehrendes Stechen oberhalb, oberhalb meines Lungenflügels begleitete meinen Dauerlauf.
Meine viel zu langen, braunen Haare peitschten mir schmerzhaft ins Gesicht und blieben auf meiner feuchten Wange kleben.
Der kalte Nieselregen ließ sich von oben herab auf mich niederfallen. Es war kühl an den Stellen meiner Haut, an denen die Regentropfen mich sanft trafen. Ich spürte, wie sich, ausgelöst durch die Kälte, eine Gänsehaut auf meinen Arm ausbreitete.
Ich hätte den feinen Härchen auf meinem Arm beim wachsen zusehen können, wenn ich nicht gerade von meinen Peinigern davon gelaufen wäre.
Die Gasse schien immer schmaler zu werden und die Wände der alten Fabriken immer drückender zu werden.
Eine einsame Straßenlampe beleuchtete flach das ganze Trauerspiel. Sie flackerte in regelmäßigen Abständen und ließ mich zwischendurch in der Dunkelheit abtauchen.
Durch den schwachen Schein der Straßenlaterne konnte man die wenigen Regentropfen sehen, welche den Teerboden unter meinen Füßen leicht befeuchteten.
Ich bog nach rechts ab und rannte der bloßen Dunkelheit entgegen. Die Anzeichen, die mir mein Körper schickte, sollten mir signalisieren, dass ich nicht mehr lange rennen konnte.
Meine Augen hatten sich noch nicht richtig an die Dunkelheit gewöhnt, deshalb konnte ich nur einzelne Silhouetten ausmachen, doch verlangsamte ich meine Schritte bis sie ganz stoppten. Mit ihnen verschwand das dumpfe Geräusch.
Ich blickte die große, graue Mauer vor mir wütend und entsetzt zu gleich an. Sie war viel zu groß, dass ich sie hätte bezwingen können und jeder Fluchtweg war mir abgeschnitten.
Die Mauer grenzte an zwei kahle Wände, alter Fabriken die nicht mehr benutzt wurden. Der einzige mögliche Ausweg lag direkt hinter mir und mit ihm meine Verfolger, die ihre Schritte nun auch verlangsamt hatten, als wollten sie mir auf sadistische Weise zeigen, wie lange ich noch zu leben hatte.
Verzweifelt streckte ich meine Hand zu der Mauerkante aus, es verursachte ein schmerzhaftes Ziehen in meiner Schulter und meinem Oberarm. Ich stellte mich sogar auf Zehnspitzen, doch rutschten meine Finger auf der rauen, nassen Oberfläche ab und so mit, verpuffte auch meine Hoffnung.
Hinter mir konnte ich leises Gelächter hören und das Klirren einer Flasche, die mit einem lauten Aufprall irgendwo dagegen schlug.
Mein Herz hämmerte hart gegen meinen Brustkorb, als wollte es mir aus dem Leib hüpfen. Mein ganzer Körper zitterte und vergessen war die Kälte und der Regen.
Meine Augen wurden Tennisball groß, als ich mich langsam zu meinen Verfolgern umdrehte, die immer noch viel Distanz zwischen uns brachten. Eine Distanz, die von jeder Sekunde immer weniger wurde.
Das Klopfen meines Herzens wurde immer stärker und lauter, ich presste mich an die kalte Mauer hinter mir, die spitzten Steine stachen mir in den Rücken, doch ich verkniff mir eine Reaktion.
Sie waren zu dritt.
Einer von ihnen hatte rabenschwarzes Haar, in dem sich die Regentropfen verfangen hatten. Sein Haar war angefeuchtet und zerzaust in alle Richtungen verteilt. Seine Augen waren nur auf mich fixiert, als wäre ich der Mittelpunkt der Erde. Er trug eine graue Kapuzenjacke, die bis knapp über den Bauchnabel zugezogen war. Darunter hatte er ein weißes T-Shirt, das von Dreck übersät war.
Meine Augen sprangen zu dem Kerl in der Mitte. Er hatte sich die Kapuze seiner Jacke über den Kopf gezogen und seine braunen Haare kamen nur leicht zum Vorschein, er hielt eine Alkoholflasche in seiner rechten Hand, an beiden Händen trug er zwei schwarze Lederhandschuhe. Mir lief es eiskalt den Rücken hinab.
Seine Jacke war ganz geöffnet und seine Hosen waren abgetragen und ihm viel zu weit.
Er sah amüsiert aus, denn ein breites Grinsen legte sich auf sein Gesicht, als er in meines schaute. Die Wagenknochen wurden dadurch in die Höhe gedrückt und zwei Grübchen bildeten sich neben seinen Mundwinkeln.
Vielleicht war er eigentlich ein netter Junge, aber eben nur vielleicht. In diesem Fall war ers nicht.
Der dritte von ihnen hatte ebenfalls braune Haare, doch sie waren zu kurz um ihm ins Gesicht zu fallen. Es sah so aus als hätte er sie selbst geschnitten.
Sein Gesichtsausdruck war hart, seine Züge verrieten nichts über seine Gedanken, er hatte ein schmales Gesicht und eine hervorstechende Nase. Seine Lippen kräuselten sich ein wenig, dann blieben sie alle drei gleichzeitig stehen.
Ich spürte das Pulsieren meines Blutes in meinen Adern, ich spürte das unangenehme Ziehen in meinem Magen und ich spürte die Schweißperlen, die über meine Schläfen liefen.
„Was wollt ihr?“, fragte ich, es sollte selbstsicher wirken, doch es klang selbst zweifelnd. Natürlich würde ich niemals genug Autorität haben um sie zurück zu halten.
Ich konnte meine Umgebung nicht mehr wahrnehmen, ich hatte meine Augen nur auf die Jungs gerichtete die mich alle drei vergnügt anstarrten.
„Jungs, was wollen wir?“, fragte der Junge in der Mitte und kam einen Schritt auf mich zu. In meinem Schenkel zuckte ein Muskel, als wollte er, dass ich einfach nur davon lief.
„Ich weiß auch nicht“, mischte sich nun der schwarz – haarige mit den längeren Haare ein, „vielleicht ein bisschen Spaß haben?“, fragte er und faste sich mit seinen schmutzigen, schmalen Fingern ans Kinn.
Der Typ in der Mitte bewegte sich wieder unaufhörlich auf mich zu. Er schwankte in seinen Schritten ein bisschen. Ich versuchte mich noch dichter an die Mauer zu pressen, die niemals unter mir nachgeben würde.
Ich wollte mich meinem Schicksal nicht einfach so ergeben, wenn es sein müsste würde ich für meine Freiheit kämpfen.
„Möchtest du auch ein wenig Spaß mit uns haben“, der, wahrscheinlich, Anführer war jetzt nur noch zwei Schritte von mir entfernt.
Ich konnte das schmutzige Gesicht mit dem fiesen Lächeln auf den Lippen deutlich erkennen. Seine braunen Augen waren nur auf mich gerichtet und ich sah das pure Verlangen in ihnen aufblitzen.
Die Augen waren immer der Spiegel der Seele und ich hatte gelernt meine Augen unter Kontrolle zu halten.
Er hielt seine Augen ganz ruhig, mein hingegen sprangen aufgeregt und wild zwischen den drei Typen abwechseln hin und her.
„Nein, will ich nicht“, es sollte laut und willensstark klingen, doch es war leise und schwach.
Die Typen lachten wie auf Kommando alle gleichzeitig auf, so als wären wir hier bei einem Freundschaftstreffen und ich hätte einen äußerst guten Witz erzählt.
Doch es war kein Witz, es war bitterer Ernst.
Die Flasche fiel neben dem Typ, unter einem lauten Klirren, zu Boden. Es war ein Wunder, dass sie nicht kaputt gegangen war.
Die noch verbliebene Flüssigkeit lief aus dem Flaschenhals und
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Kommentare
Keine Kommentare vorhanden.
Kommentar hinzufügen