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Kategorien > Aus dem Leben > die Frage nach dem Sinn

Das Leben eines Arbeiters

von Bernie

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Das Leben eines Arbeiters!

Vorwort 1: " Dumm sein und arbeiten, das ist das Glück!" Gottfried Benn

Vorwort 2: " Es genügte nicht die Arbeit einfach nur zu tun, man musste sich auch noch
dafür interessieren und mit Leidenschaft bei der Sache sein!" Charles Bukowski

Montag morgen, zehn vor sechs. Der Wecker klingelt dich aus sanften Träumen. Du gähnst und
ziehst dir die Decke über den Kopf. Aber es nützt alles nichts, du musst aufstehen. Du raffst dich
auf, gehst aufs Klo, pisst, wäschst dir die Hände, gehst in die Küche, machst das Radio an und
setzt das Kaffeewasser auf. Im Radio läuft schlechte Popmusik. Aber Hauptsache ein wenig
Lärm, damit du nicht wieder einschläfst. Du trinkst deinen Kaffee und schlingst dein Marmelade-
brötchen hinunter. Dann gehst du nochmal ins Bad, machst ein bisschen Katzenwäsche- drei
Tropfen Wasser ins Gesicht und unter die Achselhöhlen -, putzt dir die Zähne, kämmst dich.
Du schlüpfst in deine Klamotten, steckst deine Geldbörse ein, nimmst deinen Schlüssel vom
Brett und verlässt die Wohnung. Es ist Dezember, arschkalt und deine Scheiben sind befroren.
Du musst kratzen und das kotzt dich an. Du stellst den Motor an. Nach fünf Minuten sind die
Scheiben frei und du fährst los. Du hast nicht weit zu fahren. Nach einer Viertelstunde erreichst
du deinen Arbeitsplatz, eine Fabrik, die Zulieferteile für die Autoindustrie produziert. Du arbeitest
dort im Lager, bist für die Logistik, d.h. die Lagerarbeit zuständig. Deine Aufgaben sind die Waren
annahme und - ausgabe: verpacken, wiegen, LKWs auf-und abladen, Lieferpapiere zusammen-
stellen. Eigentlich gar kein so übler Job, aber du hast trotzdem keine Lust. Du machst deine Arbeit und kommst mit deinen Kollegen einigermaßen klar. Sogar mit deinem Vorarbeiter.
Es sind noch fünf Minuten bis Arbeitsbeginn. Du rauchst noch eine Zigarette, während deine
Kollegen über ihre Wochenendausflüge mit der Familie oder den Bundesligaspieltag vom
Wochenende reden. Du sagst nichts. Du hast keine Familie und für Fußball interessierst du dich
auch nicht. Es klingelt. Arbeitsbeginn, die tägliche Routine. Jeder weiß, was er zu tun hat. Der
Betriebsleiter kommt. Er sagt kurz guten Morgen und kommt dann gleich zur Sache. Er sagt dir
und deinen Kollegen, was heute geliefert werden muss, drückt jedem einen Zettel mit den
Lieferplänen in die Hand. Du stöhnst auf. Jede Menge Arbeit. Angeblich soll die Wirtschaftslage
schlecht sein, aber deine Firma produziert und produziert und du und deine Abteilung kommen
nicht mehr mit dem Liefern nach. Du weißt dass du heute wieder Überstunden machen musst.
Also stürzt du dich auf die Arbeit. Draußen auf dem Hof stehen mehrere Lkws, dafür ist der
Staplerfahrer F. zuständig. Du packst schwere Metallteile in Kartons ein. Du musst jede Kiste
einzeln auswiegen, die Teile in die Kartons schütten. Jede Kiste wiegt um die vierzig Kilo und
du hast über hundert Kisten einzupacken. Bis zum Frühstück sollst du fertig sein. Dann kommt
schon der nächste Auftrag. Du musst jeden Karton erst auswiegen und dann auf Paletten stellen.
Ein Knochenjob. Kiste heben, schütten, die leere Kiste auf eine Palette, den vollen Karton auf
eine andere Palette. Du schaffst es gerade bis zum Frühstück, die Sendung fertigzumachen.
Eine Viertelstunde Pause, du trinkst einen Kaffee, isst eine Kleinigkeit, rauchst eine Zigarette
und schon geht es weiter zum nächsten Auftrag. Bis Mittag hast du zwei weitere Sendungen
fertig gemacht. Du hast Glück, dass die anderen Sendungen nicht so schwer sind. Nur zwanzig
Kilo pro Kiste. Trotzdem tut dir das Kreuz wie verrückt weh. Du hast heute alles in allem schon
sieben oder acht Tonnen gehoben. Aber du bist selber schuld. Hättest du etwas vernünftiges
gelernt. Mittagspause. Du isst eine Currywurst mit Pommes und trinkst eine Cola dazu, rauchst
danach zwei Zigaretten. Dann geht es wieder weiter. Mit vollem Magen lässt es sich noch schwerer arbeiten. Du schwitzt wie ein Ochse, obwohl Winter ist. Als es um sechzehn Uhr endlich
klingelt, bist du mit deiner Arbeit immer noch nicht fertig , aber auch deine Kollegen müssen
noch schuften. Dein Vorarbeiter kommt zu dir und weist dich darauf hin, dass die Sendung heute
noch fertig werden muss, weil sie am nächsten Tag schon bei Arbeitsbeginn ausgeliefert werden
soll. Du findest dich damit ab, du kennst das schon. Um sechs Uhr abends bist du endlich fertig,
kriechst auf allen vieren aus der Firma, fährst nach Hause. Du bist müde und kaputt, machst dir
einen Kaffee und belegte Brote zum Abendessen und schläfst vor der Glotze ein. Du wachst um
elf Uhr auf. In der Glotze läuft die x-te Wiederholung einer alten Tatort-Folge. Du machst den
Fernseher aus, gehst pissen und haust dich dann in die Falle. Irgendwann schläfst du ein.
Dienstag morgen. Zehn vor sechs, der Wecker klingelt dich aus sanften Träumen....

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