Das Mädchen am See
von
Traumfänger
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Leise höre ich den Wind durch die Blätter rauschen und spüre, wie er durch mein Haar bläst. Mein Blick wandert zum Himmel, an dem sich inzwischen viel dunkle Wolken gesammelt haben. Sicher fängt es gleich an zu regnen, doch das ist mir egal. Langsam setzte ich meinen Weg fort. Am Ufer eines Sees bleibe ich stehen. Ein Stückchen rechts von mir entdecke ich einen alten Holzsteg, der etwa zehn Meter in den See hinein ragt. Als ich ihn betrete, knarren die Bretter gefährlich, doch ich achte nicht darauf. Am Ende des Stegs lasse ich mich auf das modernde Holz sinken und blicke hinaus aufs Wasser. Mittlerweile regnet es in Strömen. Mein Haar hängt mir in dicken, nassen Strähnen ins Gesicht. Mein zerrissenes Kleid klebt an meinem Körper. Blut tropft vor mir auf den Steg. Ich fahre mit der Hand über meine Stirn und merke, dass das Blut von einer Wunde an meinem Kopf kommt. Ich wische mir die Hände am Kleid ab und blicke wieder aufs Wasser. Das Auftreffen der Regentropfen auf die Wasseroberfläche ermüdet mich und ich lege mich auf die Seite. Nur ein bisschen ausruhen, aber bloß nicht einschlafen. Meine Augen werden schwerer. Vielleicht, wenn ich sie nur ganz kurz zumache…ich werd bestimmt nicht einschlafen.
Der Hund fängt an zu bellen und rennt Richtung See. „Da hinten muss sie sein“, ruft einer der Polizisten und deutet auf das Wasser. Sofort beginnt man mit der Suche. „Dort hinten, auf dem Steg, da liegt jemand“, kommt es von einem der Männer. Als man den Steg erreicht, wird schnell klar, dass das Holz nicht mehr viel Gewicht tragen kann. Der Leichteste wird ausgesucht und vorsichtig betritt er die wacklige Konstruktion. Kurze Zeit später kommt er mit dem Mädchen auf dem Arm zurück. Langsam lässt er sie auf eine Decke sinken. „Sie ist tot“, erklärt er mit leiser Stimme.
„Das wird die Dorfbewohner freuen“, erwidert ein junger Polizist. „Aber sie war doch unschuldig“, schreit ein anderer.
„Das interessiert die wenig. Hauptsache sie haben einen Sündenbock, dem sie die Schuld für die vergifteten Lebensmittel in die Schuhe schieben können“, antwortet der Jüngere.
„Werden wir etwas gegen die Leute unternehmen, die für ihren Tod verantwortlich sind?“
„Wir können ja schlecht ein ganzes Dorf festnehmen. Manchmal ist eben selbst die Polizei machtlos…“
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Kommentare
Chic schrieb am 2009-01-06 11:18:07:
Diese Geschichte verdient meinen tiefen Respeckt.
Richtiger melancholischer Schreibstil.
Mach weiter so*thumps up*
Lg Jhonny
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