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Das Mädchen, das noch immer lacht

von Soraya

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Schon als Kind lachte Samanda gern. Sie lachte über die Schmetterlinge in der Luft, über das kleine Katzenjunge. Als kleines Mädchen lachte sie noch immer, weil sie wusste, dass es andere glücklich machte. Auch als sie größer wurde, lachte sie. Lachte über die gemeinen Streiche der anderen, lachte über die kleinen Kinder, die weinten, weil ihnen ihr Essensgeld geklaut wurde. Aber schon damals war es kein Lachen ausgelassener Freude mehr, nein schon damals wusste sie, dass das Lachen sie selbst davor rettete, ausgelacht zu werden. Das einzige Mal, als sie vergaß zu lachen, änderte ihr Leben. Nun war sie es, über die gelacht wurde, nur weil sie nicht über mich gelacht hat, doch sie lachte noch immer, mit mir. Einige Jahre später, als wir beide älter waren, lachte sie, wenn sie einen bestimmten Jungen sah, ja, sie lachte, weil sie ihn liebte. Irgendwann gestand er ihr seine Liebe und wollte sich mit Samanda verabreden. Sie ging hin, doch das, was sie sah, war das was sie zerbrochen hat. Sie sah den Kuss, der nicht ihr, sondern einem anderen Mädchen galt, sie sah das hämische Lachen in seinem Gesicht – und lachte selbst, lachte ein bitteres, verzweifeltes Lachen. Er lachte seitdem nicht mehr, doch sie lachte noch immer. Es war, als könnte ihr nichts die Freude nehmen, weder die kalten Blicke der anderen, noch die Spitze eines Messers, dem sie einmal knapp entrann. Selbst als sie auf dem Geländer der Brücke stand, lachte sie. „Weißt du,“ sagte damals zu mir. „Es gibt viele Gründe zu lachen, doch mein Lachen, ist kein Lachen mehr gewesen, sondern eine Maske.“
Dann sprang sie – und lachte noch immer. Jetzt verstehe ich, dass dieses letzte Lachen keine Maske war. Damals lachte sie, weil sie glücklich war, von all den Qualen des Lebens erlöst zu werden, eines Lebens, das von ihrem Lachen gefüllt war.
Sie musste viel ertragen, doch sie wusste nicht, dass es einen Menschen gab, der sie liebte – mich. Wie konnte sie es nur nicht bemerken, dass ich sie liebte? Ich habe sie immer bewundert, weil sie selbst in den schwierigen Situationen lachen konnte, doch nun erst sehe ich, dass auch ein Lachen Leben kosten kann. Ich sehe, dass es auch für mich nichts mehr bringt, hier zu bleiben. Ich sehe auch dass Messer in meiner Hand und die Wunde an meinem Arm und ich weiß, dass ich sie bald wiedersehen werde.

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Kommentare

Steffilein schrieb am 2008-07-15 14:35:16:
hey Soraya
Du hast mich gefragt wie alt ich bin und das bleibt mein geheimniss...
auch hast du mich gefragt ob ich probleme mit Suizid habe....
nein dass hab ich nicht!!! Musste nur miterleben wie sich ein sehr nahestehnder umbrachte...ich finde dass ist ein guter weg es zu verarbeiten..wenn mann darüber schreibt...so ist es ja immer..ps du schreibst sehr bewegend. lg
Gimliy schrieb am 2008-06-30 13:45:44:
Ja, ich kann mich den anderen nur anschließen. Die Story ist sehr traurig aber vom Geschriebenen her sehr gut. Ich finde, diese Kontraste machen das richtig gut klar. Du hast wirklich ein Gespür dafür, die Geschichten so zu schreiben, dass die Leser davon mitgerissen werden und selbst deine Gefühle nachempfinden. Dafür kann man dich nur bewundern. Mir gefällt es auch, wie du gleichzeitig die Gefühle des Mädchens und deine eigenen miteinbeziehen kannst. Die Erkenntnis am Ende ist auch sehr heftig, aber zeigt, dass du dich damit sehr intensiv außeinander gesetzt hast.
Bitte schreib weiterhin so gut und lass den Kopf nicht hängen!

Viele liebe Grüße: Gimliy
andrea schrieb am 2008-06-03 18:59:28:
wirklich knallhart geschrieben, aber sehr gut.
lg andrea
TJ Omar schrieb am 2008-06-02 22:28:22:
Eine ziemlich hefftige Geschichte. Zuerst dachte ich 'ist sie bekloppt, immer und überrall zu lachen?' aber nun sehe ich, dass sie nur lachte, damit keiner den Schmerz in ihr sehen konnte.
Und der Schluss war am hefftigsten. Kurz und schmerzreich, sag ich nur.
Gut geschrieben Mädchen. Ich bin beeindruckt.

MFG TJ Omar
William Scaire schrieb am 2008-06-02 15:06:22:
Wow ... wirklich toll gesschrieben.
Der Inhalt ist gut getroffen und trotz des kurzen Textes perfekt rüber gekommen.
Der Text brauch auch gar nicht länger zu sein; es passt einfach alles.

Eine wirklich tolle Geschichte, auch wenn sie einen traurig stimmt.
Weiter so!

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