Das Mädchen kommt nicht los
von
Chips&Wine
1
2
Das Mädchen kommt nicht los
Der Dunst vom Zigarettenrauch stand im Raum und war nicht wirklich angenehm. Dies tat aber niemanden einen Abbruch sich immer wieder eine Zigarette anzuzünden und den Rauch in den Raum zu blasen. Das kleine Fenster das offen stand brachte nicht wirklich Frische aus der kalten Januarluft. Ich lies meinen Blick über die vergilbten Spitzenvorhänge gleiten und sah dann den üppigen Mann an, der lässig neben dem Fenster stand. Auch er rauchte während er auf seinen Spielzug wartete. Nervös zog er den letzten Zug seiner Zigarette und versenkte sie im übervollen Aschenbecher. Er war dran, da der junge Gott am Billiardtisch seinen letzten Zug verspielt hatte. Ich wandte meinen Blick von dem fetten, unappetitlichen Mann weg und sah mir den blonden Gott an, der sich über sich selber ärgerte. Er war sehr ehrgeizig und entschlossen zu gewinnen. Denn obwohl es bestimmt nichts damit zu tun hatte, bildete ich mir ein, dass er wegen mir gewinnen wollte. Ich hatte ihm davor eine Belohnung versprochen. Er solle sich anstrengen.
Sein Blick wanderte kurz zu mir und war sehr verärgert. Ich lies ein Lächeln meine Mundwinkel umspielen und er sah wieder weg. Meine Augen dagegen konnten sich nicht an ihm satt sehen. Ich stellte ihn mir die ganze Zeit nackt vor und wie er mich entkleidet, wie er sich langsam über mich beugt. Als er wieder Ball in Hand hatte musste ich die ganze Zeit auf seine vollkommenen Hände starren. Wie er den Kö immer wieder zwischen Zeigefinger und Daumen hin und her schob um seinen Stoß präzise vorzubereiten. Hin und her. Hin und her. Rein raus. Rein raus. Bitte. Lass uns gehen. Seine Finger sind lang und überaus gut in dem was sie tun. Es war immer sehr unerträglich ihn nur anzusehen. Mein ganzer Körper spannte sich immer an und ich musste mich konzentrieren meine Gedanken nicht laut auszusprechen. Bestimmt hätte ihm das gefallen, zu hören was ich denke. Das Vulgäre und Direkte hat er doch immer sehr bevorzugt. Und kaum anders hat er mich kennen gelernt. Aber an einem bestimmten Punkt habe ich es wieder verschlossen. Wenn alles etwas unklar wird und ich mich erst Schritt für Schritt vortasten muss, dann werde ich immer unsicherer und zurückgezogener.
Nach seinem Sieg, der meiner Meinung nach vorherzusagen war, gingen wir still nebeneinander zu ihm nach Hause. Meine Hand hatte er schon fünf Monate nicht mehr gehalten. Das vermisste ich schon sehr. Ich sehnte mich sehr nach der Wärme seiner Hände und das wohlige Gefühl gehalten zu werden. Gerade in diesen kalten Tagen. Mir kam es manchmal so vor, je kälter es wurde, desto distanzierter wurden auch wir uns gegenüber. Nicht menschlich sondern auf einer Ebene die ich selber nicht verstand. Es war nicht einmal die körperliche Seite. Sex hatten wir ab und zu, wenn es ihm gerade passte. Ich schmiegte mich immer an ihn wenn ich bei ihm schlief. Und an Gesprächsstoff mangelte es uns nie. Vielleicht war es etwas tief in meiner Gefühlswelt. Zumindest von meiner Seite aus baute ich eine immer größer werdende Festung auf. Falls irgendwann einmal eine Emotionsbombe fallen würde, konnte ich im Innersten nicht erschüttert werden. Ab und zu klopfte er an meine großen Tore, ich hielt aber immer nur Small Talk zwischen Tür und Angel.
Er hat eine bescheidene Wohnung im Stadtzentrum in der keine Beweise seiner Vergangenheit rumlagen. Nichts besonderes. Eine kleine Alkoholsammlung, falls mal Frauenbesuch kommt. Bettwäsche die er nicht selber gekauft hat, Überreste aus Teenagertagen. Kaum Sachen die einen wichtigen Wert für ihn hätten. Darum war ich sehr froh in meiner ersten Nacht bei ihm. Damals blickte ich neugierig in den Raum hinein, als er die Tür öffnete.
Es war dunkel und ich konnte alles nur schemenhaft erahnen bis er das kleine Nachtlicht neben seinem Bett anknipste. Ich sah die Unordnung nicht, für die er sich etwas unbeholfen entschuldigte. Ich kniete mit meinen Gedanken schon vor ihm und hatte seine Hände auf meiner Taille. Wir hatten ein sehr ausdauerndes Vorspiel mit neckischen Gesprächen auf seinem kleinen Balkon. Machten uns feucht mit Wein der mir gleich in die Glieder stieg. Und als es dann doch ernst zu werden schien, als wir auf dem Bettrand nebeneinander saßen wurde ich zur stillen Maus. War total übermahnt von seiner Schönheit. Konnte es denn wirklich sein, dass so ein schöner Mensch mich als würdig erachtete hier bei ihm zu sitzen und in den Genuss von seinen köstlichen Lippen zu kommen? Ich war nie die Selbstbewussteste gewesen wenn es um mein Aussehen ging. Ich wusste, ich konnte in bestimmten Momenten mit genug Vorbereitung hübsch sein. Aber ich spielte nie mit in der Liga der wirklich Schönen. Ich kam mir plump vor ohne meine schwarzen Stöckelschuhe die an seiner Eingangstür zurückgeblieben waren. Aber das interessierte ihn alles nicht. Für ihn war ich anscheinend eine schöne Frau die sehr wohl würdig war von ihm genommen zu werden.
Er blickte mir in die Augen, lies seine Hand in meine kurzen blonden Haare gleiten und senkte seine Lippen auf die meinen. Der Rausch vom ersten Kuss kam nicht. Ich war viel mehr darauf gespannt wie all das andere sein wird. So wie mit den anderen davor? Ich wusste es nicht und war so gespannt. Und als er anfing mich im Nacken zu beißen, mich unsanft auf den Bauch drehte und meine Beine mit roher Gewalt spreizte wusste ich, ja es war anders. Ich hatte einfach keine Kontrolle und wusste nicht was geschah. Nach diesen vierzig verschwitzen Minuten stellte ich fest, es gefällt mir besser als das was ich sonst mit Männern erlebt hatte und dass es kein one night stand bleiben darf. Ich fühlte mich neu entjungfert als er mich an den Haaren packte und mir ins Ohr stöhnte: „ Gefällt‘s dir?“ Und ich nur zurück stöhnen konnte: „Ja…“
Ich hätte wissen müssen in dieser Nacht, dass er mich wie eine Zigarette nebenbei genoss, sie aber nicht zu schätzen wusste. Ich ihn dagegen wie Koks benutzte und mich bei jedem Zug einfach unwiderstehlich fühlte. Und als die Wirkung abnahm, würde ich in ein tiefes Loch stürzen. Die Sucht würde immer größer werden. Wann sehe ich ihn wieder? Wann darf ich ihn wieder ansehen? Wann fasst er mich wieder an?
Als er mir diesmal die Tür öffnete, fünf Monate nachdem diese aufregende Nacht stattgefunden hatte, war alles schon ganz anders. Wir hatten uns um hundertachtzig Grad gedreht und standen an einem ganz anderen Platz. So als ob wir dreitausend Meilen in Richtung nichts gezogen wären. Zuerst standen wir in einem Trubel aus vielen Lichtern und alles hat sich bewegt. Alles war total bunt und leicht, wie auf einer Party die man nie vergessen würde. Alle tanzten und flirteten miteinander, sind angetrunken und vergessen alles um sich herum. Aber jetzt standen wir in der Wüste und eine ganz leichte, warme Brise umspielt uns während wir nebeneinander stehen und uns nicht anfassen aber die Spannung ist kaum auszuhalten. Ich rechnete immer mit der Angst, dass er irgendwann losgehen würde, während ich meine Beine
1
2
Kommentare
Keine Kommentare vorhanden.
Kommentar hinzufügen