Das Mädchen mit den Aprikosen
von
Rommee
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"Das Mädchen mit den Aprikosen" ist noch lange nicht fertig. Das hier ist nur die Einstiegsszene. Alles andere befindet sich momentan noch in meinem Kopf aber nicht auf Papier.
Um euch einen kurzen Zukunftsblick zu geben: Das Mädchen wird sich danach auf eine Zugreise begeben, 10 Stunden, 6 Mal umsteigen. Auf jeden Teilstück wird sie andere Personen beobachten oder mit ihnen sprechen. Sie wird auch immer wieder einen Stadtplan herauskramen und immer wenn sie sich dank des Stadtplans an der vorangegangenen Urlaub erinnert in die Aprikosenschachtel greifen. Die Gespräche im Zug mit den unterschiedlichsten Menschen verändern aber ihre Sicht auf die Dinge, auf den Urlaub, auf die Aprkosen. Sie reist nicht nur von Berlin nach Hause, sondern auch ihre Seele reist von einer Einstellung zur nächsten. Am Ende bleibt genau eine Aprikose über. Das Mädchen wird sie nicht essen.
So.. jetzt wisst ihr wenigstens den groben Weriterlauf und warum die Unterkategorie "Auf der Reise" heißt. Hoffe trotzdem ihr sagt mir wie ihr den Einstieg findet. Freue mich über eure Kommentare. Hier nun der Beginn der Geschichte:
Links und rechts hasten sie an mir vorbei. Eilende Männer in halb geöffneten Mänteln, darunter blitzt akkurat ein Anzug. In der Hand die Aktentasche. Ich spalte die gehetzte Menge, so, wie Moses das Meer geteilt hat. Quietschend hält ein roter Kleinwagen. Der Beifahrer, ein Aktentaschen- und Mantel-Mann, drückt seine Frau einen Kuss auf, reißt dabei die Autotüre auf und springt aus dem Wagen. Noch bevor die Frau wieder angefahren ist, ist er bereits in dem kleinen, grauen Bahnhofsgebäude verschwunden.
Kalte Nässe drängt sich durch meine bunt geringelten Chucks mit den blauen Schnürbändern. In das - ungewollte – Loch am Knie meiner grauen Röhrenjeans pfeift der Novemberwind hinein. Die kreisrunde Schachtel in meinen handschuhbepackten Händen knistert und knackt. Ich delle das Plastik ungeduldig im Takt der Beatles-Musik meines MP3-Players. Bis ich auf eine der vier getrockneten Aprikosen drücke, die ich noch nicht hastig in meinen Mund gestopft habe.
Ein neuer Morgen und er schmeckt wieder schal. Meine Finger tasten nach dem Rand der Schachtel, greifen fix ins Innere. Ich schaue mich um. An der Straße auf dem halbrunden Platz parken Autos dicht gedrängt, einige zur Hälfte auf dem Fußweg. Auf der anderen Seite der Straße blicken mir halbhohe Altbauhäuser entgegen, deren neuester Anstrich abblättert und den braunen Einheitston darunter enthüllt. Die Grünfläche in der Mitte schimmert im Nieselregen ganz grau. Niemand da. Gut. Muss ja keiner wissen, dass ich dem illegalen vietnamesischen Verkäufer, der es sich im Bahnhof Berlin Lichterfelde Ost gemütlich gemacht hat, eine Packung überteuertes Trockenobst abgekauft habe. Ich habe nunmal eine Schwäche dafür. Jetzt sind nur noch drei übrig, denn ich versenke eine der orangenen Früchte in meinem Mund. Neben der klebrigen Süße schmecke ich einen Fussl, der wohl von meinen Handschuhen hängen geblieben ist. Igitt. Schnell stürze ich noch einen Schluck meines Coffee to go hinterher. Keine schöne Erinnerung. Pure Verschwendung. „Und plötzlich fragst du dich, wann warst du zum letzten Mal glücklich?!“, brüllt die Band Fotos aus meinen Kopfhören. Über das Ohr, direkt ins Herz. Ich seufze und mein Atem segelt als weißes Wölkchen über die Straße.
Ich will nach Hause. Jetzt. Berlin ist zwar bei Weitem nicht die schlimmste Stadt der Welt aber – home is where your heart is. Und ich hasse es versetzt zu werden. An einem Montag Morgen um 8 an der trostlosesten Ecke der pulsierenden Metropole. Ich drehe die Musik noch lauter, bis mein Trommelfell vibriert, zuppel meine Wollstrickmütze über die Ohren und schleiche zurück zur SBahn. Dann muss Berlin mich eben noch etwas länger ertragen. Oder ich Berlin.
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