Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Fabeln & Märchen > Nachdenkliches

Das Mädchen und der Apfelkuchen

von BehindBlueEyes

1

Es war einmal ein kleines Mädchen, das aß für sein Leben gerne Apfelkuchen. Wenn sie Sonntags ein Stückchen erhaschte, setzte sie sich in den Garten, an ihren Lieblingsplatz, den kleinen Teich am Ende des Gartens um ganz alleine und ohne, dass sie jemand stört, ihr Stückchen Kuchen zu essen. Jeden Sonntag backte ihre Mutter den Kuchen nach einem geheimen Familien Rezept und das kleine Mädchen durfte immer helfen. Die Mutter gab ihr hilfreiche Ratschläge, damit das kleine Mädchen, später selber den Kuchen machen können würde. Trotzdem verriet die Mutter, dem kleinen Mädchen nie, die geheime Zutat, um sicher zu stellen, dass das kleine Mädchen auch später, wenn es erwachsen war zu ihr käme um den Kuchen mit ihr zu backen, denn die Mutter genoss diese Zweisamkeit mit ihrer Tochter sehr. Wenn es dann anfing nach Kuchen zu riechen, lief das Mädchen immer schon ganz unruhig auf dem Flur herum und konnte es gar nicht abwarten, bis es Kaffeezeit war. Normalerweise aß die ganze Familie zusammen, doch genau an diesem Tag, wo es den leckeren Apfelkuchen gab, durfte das kleine Mädchen sein Stück mitnehmen, um an seinen geheimen Ort zu gehen und jeden Bissen zu geniessen. Die Mutter wusste natürlich, wo dieser Ort war und sie sah dem kleinen Mädchen mit Freunde zu, wie es da saß und seinen Kuchen genoss.
Das kleine Mädchen wurde schnell älter, doch ihre Leidenschaft zum Apfelkuchen blieb. Und auch ihr sonntägliches Ritual blieb bestehen. Bald schon zog das nicht mehr so kleine Mädchen in ihr eigenes Heim. Doch die Tradition blieb. Sie backte jeden Sonntag mit ihrer Mutter den Apfelkuchen und aß ihn an ihrem geheimen Ort im Garten. Ein paar Jahre später, bekam das Mädchen, seine eigene Tochter, die ihre Leidenschaft für Kuchen erbte. Sie wollte von nun an nicht mehr jeden Sonntag mit ihrer Mutter backen sondern, auch mal alleine mit ihrer Tochter diese Zeit geniessen.
Eines Tages ging das Mädchen zu seiner Mutter um sie nach der geheimen Zutat zu fragen. Die Mutter war empört darüber und tief gekränkt, weil das Mädchen nicht mehr wöchentlich mit ihr backen wollte, sondern ihr eigenes Kind hatte und auch mal mit ihm backen wollte. Die Mutter wurde sauer und sagte: „ Mein Kind, was hab ich dir nur angetan, dass du keine Zeit mehr mit mir verbringen willst? Liebst du mich nicht mehr? Wir haben doch so wenig Zeit zusammen und nur dieses eine bleibt uns. Ich fühle mich tief getroffen und kann nicht verstehen, was ich getan habe, dass du mir das antust.“ Das Mädchen sah sie erschrocken an, dann wurde sie wütend und verliess das Haus der Mutter. Sie ging nach Hause und fing an, einen Kuchen zu backen. Sie wollte den perfekten Kuchen auch ohne ihre Mutter hin bekommen. Sie versuchte und versuchte und machte bestimmt 50 verschiedene Kuchen, doch er wollte ihr einfach nicht gelingen. Dann fiel ihr ein, dass sie noch ein Stück von Mutters Kuchen im Gefrierschrank hatte. Sie nahm das Stück und setzt sich in ihren Garten und an ihren Teich und aß das Stück. Viele Gedanken gingen ihr durch den Kopf. Hatte ihre Mutter recht? Was das Unfair? Sollte sie nicht diese Zeit mit


ihrer Mutter verbringen? Durfte sie sich diese Zeit überhaupt nehmen,wo es doch ein Ritual war, das es schon seit ewig gibt?
Plötzlich schoss ihr ein Gedanke in den Kopf. Sie zog ihre Jacke an und fuhr schnurstracks zu ihrer Mutter.
Die Mutter schaute sie mürrisch an, doch dass Mädchen beachtetet dies gar nicht und sagte bestimmt „Komm bitte mit!“
Erschrocken von diesem herrschen Ton folgte die Mutter ihrer Tochter in den Garten, an den Teich, an das geheime Versteck ihrer Tochter. Die Tochter sagte „Setz dich bitte“ und die Mutter tat dies ohne Widerworte, denn sie merkte, der Tochter war es wirklich erst, was auch immer sie zu sagen hatte.
Die Tochter holte tief Luft und fing an mit sanfter Stimme zu erzählen: „Liebe Mutter, du bist hier an meinem geheimsten Ort, du bist dort wo niemand anderes hin durfte, du bist hier näher an mir, als jeder andere Mensch zuvor. Früher hatte ich diesen Ort um einfach mal Zeit alleine zu geniessen, um meinen eigenen Platz zu haben. Sicherlich wusstest du immer wo ich war, aber es war für mich trotzdem mein geheimer, geschützter Platz. Ich wollte dich nie aus meinem Leben ausschliessen, sondern einfach einen Platz, eine Zeit einfach für mich. Ich war immer froh, dass du mir diesen Platz gelassen hast. Nun habe ich mein eigenes Leben und trotzdem nimmst du mir heute diesen Platz für mich mehr als zuvor. Ich liebe dich und bin gerne mit dir zusammen und ich interessiere mich auch dafür, was du tust und backe den Kuchen immer noch gerne mit dir. Du solltest auch weiterhin an meinem Leben teilnehmen und ich will auch weiterhin mit die Kuchen backen, solange wir leben, doch ich wünschen mir eins. Platz für mich, nur für mich alleine. Du sagst bestimmt, den habe ich, denn ich habe nun meine eigene Familie, doch das ist nicht so. Ich fühle mich verpflichtet jeden Sonntag hier her zu kommen und mit dir diesen Kuchen zu backen statt, dies auch mal mit meiner Tochter tun zu können. Ich fühle mich verpflichtet und deswegen habe ich keinen Spass mehr daran, denn es war immer etwas was ich gerne gemacht habe und keine lästige Pflicht. Ich will dass du mir nah bist, und grade jetzt hab ich dich in meinen geheimen Bereich geholt um dir das zu beweisen, doch ich bitte dich darum, lass mich bitte noch mal dieses kleine Mädchen von früher sein, dem du seinen Raum gelassen hast, ohne die zurück gestossen zu fühlen. Ich interessiere mich für dich und das wird auch immer so bleiben. Unsere Verbindung besteht immer, wir brauchen kein Kuchen backen um uns nah zu sein, du bist immer bei mir, hier in meinem Herzen. Aber wir brauchen beide unseren Platz, unseren geheimen Ort. Ich liebe dich!“
Sie sah ihre Mutter an, sie hatte Tränen in den Augen. Sie stand auf um ihre Tochter fest zu umarmen und ihr zu sagen, dass sie sie auch liebt.
Sie nahm ihre Tochter bei der Hand und führte sie in die Küche, sie fingen an zu backen, obwohl es kein Sonntag war und die Kaffeezeit längst vorbei. An der Stelle wo das Mädchen immer die Augen zuhalten musst, winkte ihre Mutter ab und sagte: „schau mein Kind, nun lasse ich dich an meinen geheimen Ort“ Sie holte ein


kleines Gläschen aus dem Schrank, und nun sah das Mädchen die geheime Zutat, es war eine halbe frische Vanilleschote, so

einfach, aber doch so wirksam. Als der Kuchen fertig war, setzten sich das Mädchen und ihre Mutter in den Garten, an den Teich und aßen ihr Stück warmen Apfelkuchen. Sie hielten sich in den armen und genossen jeden Bissen ohne ein Wort zu sagen.

1

Kommentare

Silvia schrieb am 2008-03-01 07:22:26:
... wunderschön ... die Geschichte bzw. das Märchen berührt Herz und Seele und weckt damit eigene Erinnerungen aus der Kindheit und den Jugendjahren mit der Mutter .... Kompliment!

Ein kleiner Tip: Für den Leser wäre es leichter wenn du den komprimierten Block deiner Geschichte unterteilst, ähnlich wie in den letzten beiden Absätzen am Ende!

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.