Das Mahagoni-Mädchen
von
Denise Rüegg
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Es war kühl an diesem Nachmittag, ein leichter Nieselregen fiel auf mein Gesicht. Ich lief mit ein paar Freunden von der Schule nach Hause, wir lachten, hatten es lustig. Martin, unser Weiberheld, schwärmte gerade von den Rundungen von Cloe, einem Mädchen in unserer Klasse. Alle stimmten ihm zu, ich natürlich auch. Wer fand Cloe's Körper schon nicht Klasse? Sie hatte eine Figur wie sonst keine, doch leider war ihr Gesicht nicht annähernd so schön, aber die engen Jeans und die weiten Ausschnitte, die sie immer trug, machten alles Wett.
Ich gehörte einfach nicht zu den Jungs, die auf die wahre Liebe warteten (damals glaubte ich sowieso nicht an die), nur auf die inneren Werte zählten und denen es egal ist, wie ihre Traumfrau aussieht. Nein, ich hatte meine klaren Vorstellungen von meiner Taumfrau, so wie alle meine Freunde. Und wenn einmal eine unsere Erwartungen erfüllte, wurde sie natürlich angebaggert, ohne dass wir zuerst auf die Liebe warteten. Heute weiss ich, dass das falsch war, doch so waren fast alle Jungs in meinem Alter.
Doch heute sollte meine Traumfrau eine ganz andere Gestalt annehmen, doch das wusste ich in dem Moment noch nicht.
Also lachte ich weiter, über die üppige Oberweite von Sarah oder die langen Beine von Manuela redend. „Weisst du noch, Ralf“, meinte Tom grinsend zu mir, „als wir im Kino diese Blondine sahen?“ Oh, ja! Selbstverständlich konnte ich mich an diese Blondine erinnern. Sie war eine von jenen Frauen gewesen, die meine Erwartungen voll und ganz erfüllten. Also erzählte ich Martin von den schlanken Beinen, von der Wespentallie und natürlich von ihrem traumhaften Dekolletee. Nur den Versuch, sie anzubaggern, der misslich gescheitert war, erwähnte ich nicht.
Dann, mitten in meinen Erzählungen, kam sie, diese junge Frau, schritt schnell und selbstbewusst an uns vorbei, ohne einen von uns eines Blickes zu würdigen. Ich bemerkte sie zu erst gar nicht, doch als sie an mir vorbei ging, als ich ihr mahagoni-farbenes Haar sah, brach ich ab mit erzählen, mein Hirn schaltete ab. Ich sah nur noch sie, ihre schlanken, jedoch kurzen Beine, ihre klägliche Oberweite. Doch das alles war mir plötzlich egal geworden, denn ihr Gesicht war das Schönste, das Wunderbarste, das Traumhafteste, was ich jemals gesehen hatte.
Als sie schon einige Meter entfernt war, war Martin der erste, der sich wieder fasste. Er pfiff ihr hinterher und fragte laut nach ihrer Nummer. Sie kam nicht zurück und steckte Martin mit einem verführerischen Wimpern-Klimmpern ihre Handynummer zu. Ihre Reaktion war anders, als der Frauenschwarm es sich gewöhnt war, und zog mich noch mehr in ihren Bann.
Denn sie drehte nur den Kopf um, ihre Mahagoni-Wellen zurückschwingend, und blickte mit wundervollsten Augen genervt an, nur einige Sekunden lang. Aber diese Sekunden uns waren für mich eine Ewigkeit, ein Erlebnis, dass ich sonst noch nie hatte, etwas, dass mir für immer in Erinnerung blieb.
Doch das Mahagoni-Mädchen, wie ich sie von da an immer nannte, zog abschätzig eine Augenbraue hoch, und blickte wieder gerade aus.
So schritt sie davon, weg aus meinem Leben, aber verfolgte mein Blick sie, bis sie hinter dem nächsten Haus verschwand, meine Gedanken folgten ihr jedoch bis in die Ewigkeit.
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Kommentare
Nadina :) schrieb am 2009-04-08 19:34:41:
Haamma Story Echt :D
Gefällt mir =)
Man muss nicht immer die perfekten Maßen haben gel ;-)
Ist dir die Geschichte wirklich passiert? :-)
Gutt gemacht :) würde mich freuen wenn du Zurück schreiebn würdest :)
Johannes Beck schrieb am 2007-11-20 19:17:12:
Ja, wer kennt sie nicht, diese Momente? Wahnsinn. Echt gute Geschichte. "Mahagoni-Wellen"... ein genialer Ausdruck, sehr poetisch. Großes Lob und weiter so.
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