Das Puppen-Theater
von
Hildegard Grygierek
Immer das gleiche Theater mit Trinchens Puppen. Jedesmal wenn sie vergessen hat ihr Zimmer aufzuräumen, spielen ihre Puppen verrückt.
Susanne, die uralte Babypuppe dringt mit ihrem Lutschdaumen ins Glasauge Auge der langhaarigen Trude, während es Trude fast vom Korb-Stuhl haut. Geknickt und ziemlich danebenhängend, droht sie herunterzufallen. Trinchen scheint es überhaupt nicht zu stören was ihre Kinder da so unaufgeräumt treiben. Viel zu beschäftigt ist sie mit Barbie, die schon wieder heiraten muss. Zum zehntenmal zieht sie ihr das mittlerweile zerfledderter Hochzeitskleid an und den Brautschuh. Den anderen hat Ken verschwinden lassen, erinnert sie sich, weshalb sollte er sonst so schrecklich unauffindbar sein. Gemeint ist der Schuh natürlich, Ken würde doch nie und nimmer ausrücken, seine geliebte Barbie zum x-ten Mal zu heiraten.
„Wenn ihr der Schuh fehlt“, sagt Trina, „ist es auch nicht so schlimm wenn Ken die Fliege abhanden gekommen ist“. Fest drückt sie die beiden aneinander, verpasst ihnen das Ja-Wort und schmeißt sie, wie könnte es auch anders sein, in die Kinderzimmer-Ecke. Wenn Mama schimpft, wegen der teuren Kleider und der Unordnung, wird sie einfach die beiden aus der Ecke herauskramen und ihr Ja-Wort mit einem Kuss besiegeln. Außerdem hat Mama immer noch nicht begriffen, dass der obere Teil des Kinderzimmers zum festen Wohnsitz von Ken und Barbie geworden ist.
„Überhaupt, wenn man so viele Puppen hat, müssen sie ja überall herumliegen“, verteidigt Trina ihr ewiges Durcheinander. Ihrer Meinung schließen sich voll und ganz die unzähligen Stofftiere an, zumindest der einäugige Brummbär. Sobald sie ihn aufhebt aufs Regal zu setzen, brummt dieser jämmerlich. Was sagt ihr das, bzw. was brummelt der Bär? „Ich will nicht aufs Regal zu dem blöden Plastikpferd“. Wenn Mama das nur mal kapieren würde. Sie legt doch auf nicht auf ihr Küchenregal neben den großen Henkeltassen ihre Lockenwickler. „Wie verdreht die Erwachsenen doch denken“, versteht Trina nun überhaupt nicht und versucht ihren schlappen, einstigen Kuschel-Bär in die überfüllte Spielzeug-Kiste zu zwängen. Dem armen Kerl haut sie dabei so fest den Deckel auf den Kopf, dass ihm sein letztes Auge herausfällt. „Ist ja gut“, tröstet sie ihn und steckt es wieder hinein, in den weichen Kopf.
„Wenn dieses Theater nicht aufhört, hier im Zimmer“, fährt sie ihr Spielzeug einschließlich der Puzzles, Malbücher, Stifte und so weiter an, „und ihr euch nicht sortieren könnt, dann kümmere ich mich einfach nicht mehr um euch. Dann müsst ihr eben herumliegen und werdet nicht mal mehr beachtet.“
Das haben sie nun davon, die Spielsachen. Anerkennung finden sie noch von Trinchens Mama, die, wenn sich zwischenzeitlich nichts durchgreifendes geändert hat, immer noch die Spielsachen aufräumt.
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