Das Reh
von
Celebration
1
Hallo leute....bitte wieder kritik schreiben!! Eure celebration
Das Reh
Es würde ein langer Sommer werden, aber das wusste ich damals noch nicht. Ich lag in der abgenutzten Hängematte auf der Veranda. Die Wiese in Tante Hannahs Garten war mit wildem Mohn überwuchert, die Birken, die hier und da standen von Efeu bewachsen....Es war ein schöner Garten. Tante Hannahs Haus lag abgelegen von dem kleinen Dorf, dass sich, glaube ich Certe nennt. Wenn ich kurz aufsah, weil ein Auto auf der fünfzig Meter entfernten Straße vorbeifuhr oder ein Vogel zu mir flog um sich etwas von dem Kuchen, der neben mir auf dem Tisch stand zu stibitzen, blickte ich über weite Felder, viele mit Mohn bewachsen und in einen von der stark scheinenden Sonne durchstochenen hellblauen Himmel. „Frida?“ Ich blinzelte. Ich war wohl eingeschlafen. „Ja?“ Es war Tante Hannah. „Was ist?“, fragte ich. „Hilfst du mir mal?“ „Ich komme schon“, sagte ich und versuchte aus der Hängematte herauszukommen. Ich überschlug mich und knallte auf den Boden. „Mist“, murmelte ich. Ich rappelte mich auf und lief über die große Veranda zum Haus. Ich öffnete die hellblaue Tür, die gut zu dem restlichen gelb des Hauses passte. Das Haus empfing mich wie immer, ein warmer Hauch und der Duft von frisch gebackenem Kuchen kam mir entgegen und der Wellensittich in Tante Hannahs Küche zwitscherte mir seinen Morgengruß. Was für ein herzliches Willkommen. Ich ging durch den Flur und hinten die Treppe hinauf. „Tante Hannah?“ „Ja, ich bin auf dem Speicher“, antwortete mir die alte, raue Stimme. Ich ging einen weiteren Flur entlang und kletterte die ausziehbare Leiter zum Speicher hinauf. Es roch muffig und kleine Staubflöckchen tanzten im Licht, das durch die Fenster schien. Der Dachboden war zugestellt mit vielen Kisten, Koffern, mit Tüchern bedeckten Möbeln und anderen kleineren Dingen. Tante Hannah stand gebückt über einem Stapel von Zeugs, dass ich nicht identifizieren konnte. Als ich über die knarrenden Dielen zu ihr kam, sah sie auf. „Ich miste meinen Dachboden aus, schmeiß einfach die kleineren Dinge, die kaputt sind auf diesen Haufen“ Ich sah den Haufen an. Da lagen kleine Puppen mit abgebrochenen Gliedmaßen, zersplitterte Vasen und Geschirr, ein alter Besen und verschiedene Kisten mit Zeugs, dass Tante Hannah wohl nicht mehr brauchte. Ich setzte mich neben den Haufen und öffnete den Deckel eines Kartons. Es waren alte Dias. Im nächsten Karton waren schwarzweiß Aufnahmen. Ich öffnete eine größere Kiste. Ein paar Sachen waren nicht mehr zu gebrauchen...Ein alter Hut, ein zerbrochenes Schaukelpferd, eine Puppe, der die Augen fehlten und ein abgewetzter ausgestopfter Falke wurden dem Haufen hinzugefügt. So zog sich die Arbeit stundenlang hin, bis Tante Hannah meinte es sei genug und wir in die Küche gingen um Abend zu essen. Meine Kochkünste waren leider ziemlich miserabel, deshalb ließ ich mich schon die ganze Woche, die ich hier verbracht hatte bedienen...Ich schlang die Spaghetti herunter, denn eigentlich hatte ich gar keinen Hunger und legte mich wieder in die Hängematte. Ich las gerade das Parfüm und es ließ mich nicht mehr los, obwohl ich es jetzt schon zum dritten mal las. Draußen war es jetzt kühler. Ich nahm mir eine Kerze mit und stellte sie auf den kleinen Tisch. Der Kuchen, der eben noch hier stand war von den Vögeln zerpickt worden. Ich sah auf die Uhr, es war sieben. Von einem plötzlichen Schrei geweckt erwachte ich aus dem Halbschlaf. Er kam vom Feld. „Hannah?“, rief ich. Keiner antwortete. Tante Hannah war schon ins Bett gegangen. Ich stand auf und nahm die Kerze in die Hand. „Hallo?“ Ich lief über die Veranda in das Mohnfeld. Es reichte mir fast bis zum Bauch. Ich lief in die Richtung, aus der ich den Schrei vermutete. Die Gräser schnitten mir in die Beine. Ich blieb wie angewurzelt stehen, hundert Meter vor mir kam ein Reh aus den hohen Gräsern. Auf seinem Rücken saß eine schwarze gestalt. Elegant glitt sie von dem Reh herab. Sie beugte sich über etwas, dass im hohen Gras verborgen lag. Sie kam wieder hoch, in ihren Armen hielt sie eine reglose Gestalt. Ich ging näher heran, auch wenn die Angst mir den Atem abschnürte. Die Gestalt war ein Mädchen, sie trug ein schwarzes Kleid und hatte lange schwarze Haare. Ich duckte mich, als sie mir das Gesicht zuwand. Sie hatte schneeweiße Haut und schwarze Augen. Sie weinte Tränen aus Blut, die mit einem ekelhaften Geräusch auf den Körper in ihren Armen fielen. Da setzte sich das Mädchen auf das Reh und wiegte den, wie ich jetzt glaubte toten Körper in ihren Armen. Sie ritt über das Feld, bis sie zwischen den Bäumen hinten beim Wald verschwunden war. Ich fröstelte und rieb mir die Arme. Litt ich unter Wahnvorstellungen? Ich lief zurück zum Haus und sah mich dabei immer wieder um. Ich nahm mein Buch und den Teller und ging hinein. Diesmal war das Willkommen des Hauses nicht mehr herzlich, keiner zwitscherte mir zu und statt des schönen Duftes kam ein heftiger Windstoß von draußen und schlug die Tür hinter mir zu. Ich erschrak und machte schnell das Licht im Flur an. Ich ging auf meine Zimmer und legte mich ins Bett. War das alles wirklich geschehen? Ein Geistermädchen? Ich konnte nicht einschlafen.
1
Kommentare
Celebration schrieb am 2009-09-10 15:25:30:
Schön das es euch gefällt :]
Angelika schrieb am 2009-07-06 13:03:59:
Das war echt voll krass als der schrei gekommen ist.
Angelika schrieb am 2009-07-06 13:03:52:
Das war echt voll krass als der schrei gekommen ist.
Traumfänger schrieb am 2009-06-23 09:10:04:
Du schilderst ganz wunderbar. Man fühlt sich, als wäre man vor Ort.
Weiter so!
Kommentar hinzufügen