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Kategorien > Nachdenkliches > Unglaubliches

Das Schiff

von Nici H.

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Das Schiff

Vivis Eltern leben getrennt. Das ist schon lange so. An die Zeit davor hat sie nur schlecht Erinnerungen. Nicht das sie geschlagen oder angeschrieen worden währe, das nicht. Nicht ein einziges Mahl, soweit sie sich erinnern kann. Doch haben ihre Eltern sich oft gestritten. Und daran erinnert sich doch nun wirklich niemand gerne.
Irgendwann zieht ihr Vater aus. Wann weiß Vivi nicht mehr so genau. Als sie so vier oder fünf war ungefähr.
Danach sieht sie ihren Vater nur noch wenn sie ihn in seiner kleinen Segelschule am Hafen besucht. Er ist ein guter Segler. Viele Leute sind der Meinung, dass es kaum jemanden gibt, der ein Schiff so gut im Griff hat wie er. Sowieso beherrscht er alles, was ein Segel hat. Auch Vivi ist schon früh begeistert von Segelschiffen dem Sommer und dem Meer, genau wie ihr Vater. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass sie im Sommer Geburtstag hatte, das kann wohl keiner so genau sagen. Aber auch sonst mag sie vieles gerne, was ihr Vater kann und hat. So zu Beispiel ist es eines von ihren großen Zielen einmal Niederländisch zu lernen, denn ihr Vater kommt von dort.
Doch zurück zur eigentlichen Geschichte.
Mittlerweile ist Vivi 10 Jahre alt und sieht ihren Vater nur noch sehr selten. Seine kleine Segelschule hat er aufgegeben und begleitet nun Turns irgendwo anders. Wo genau weiß Vivi nicht. Ihre Mutter hat es ihr einmal erzählt, doch sie hat es wieder vergessen. Manchmal wist er noch in dem kleinen Dorf an der Küste, doch das ist schon fast eine Besonderheit. Und melden tut er sich dann auch nicht bei ihr. Nur wenn er auf See ist schickt er ihr oft SMS. Immer verspricht er Vivi sie anzurufen wenn er wieder zu Hause ist und manchmal will er sogar bei ihr vorbeikommen und etwas mit ihr unternehmen. Doch darauf setzt Vivi schon lange nicht mehr. Sie weiß, dass er diese Versprechen nie einhält. Nie. Nie !
Oft macht sie das traurig. Manchmal weint sie sogar. Dennoch liebt sie ihren Vater, wenn auch nicht immer. Besonders dann nicht, wenn ihr Geburtstagsgeschenk wieder mal Monate zu spät bei ihr ankommt. Denn das geht wirklich zu weit findet Vivi.
Zwei Monate vor Vivis 13. Geburtstag bekommt ihre Mutter einen Anruf. Als das Telefonat beendet ist kommt sie in das Zimmer ihrer Tochter. Das Gesicht tränenüberströmt. Vivi bekommt einen Schreck. Es ist eine Ewigkeit her, seit sie ihre Mutter das letzte Mahl hat weinen sehen. Leise und vorsichtig fragt sie was los ist. Es dauert einen Augenblick, doch dann antwortet ihre Mutter ihr: „Papa ist tot“. Genau das sind die Worte, die Vivi so lange begleiten werden. Sie kann es nicht glauben. Hält das alles für nichts weiter als einen schlechten Scherz. Und doch weiß sie: Es ist wahr, es ist wirklich wahr. Auch wenn sie es nicht glauben will. Auch weiß sie nicht, woher sie diese Gewissheit hat. Aber sich ist sich ganz sicher. Ganz, ganz sicher...
Vivi setzt sich auf ihr Bett, zieht die Knie unters Kinn und weint. Sie beschließt auch einmal segeln zu lernen. Und Niederländisch will sie lernen. Das ist ihr fast noch wichtiger. Denn sie hat ihren Vater doch geliebt, sehr sogar. Wenn auch nur fast immer. Sie weiß auch nicht wie lange sie so dagesessen hat. Aber es muss lange gewiesen sein. Irgendwann schaut sie auf den Wecker auf ihrem Nachttisch und bemerkt, dass es schon Abend ist. Sie hat zwar keinen echten Hunger, macht sich aber dennoch ein Brot bevor sie sich wieder in ihr Bett legt und weit. Irgendwann wird sie vom Schlaf übernannt und erlebt eine Traumlose und unruhige Nacht.
Als Vivi am nächsten Morgen erwacht, dauert es einen Moment, bis sie sich an die Geschehnisse des Vergangenen Tages erinnert. Lange bleibt sie in ihrem Bett liegen, weint und versinkt in Gedanken. Irgendwann schafft sie es aufzustehen und etwas zu frühstücken, wenn man das denn so nennen kann, denn es ist schon fast ein Uhr.
Zum Glück sind ja Ferien denkt sie sich. Da muss ich niemandem irgendwas erklären.
Nachdem Vivi sich sattgegessen hat und auch nicht mehr weint, obwohl es ihr doch noch schwer fällt die Tränen zurückzudrängen, ruft sie bei ihrer Freundin an. Sie ist immer für sie da. Darauf kann Vivi sich verlassen. Nur heute leider nicht. Ihre Freundin ist nicht zu Hause. Vivi macht es ihr nicht zum Vorwurf. Wie denn auch ? Es ist doch höchst unwahrscheinlich, dass ihre Freundin an dem ganzen Dilemma schuld ist.
Sie ruft noch bei vielen ihrer Freundinnen an und zu guter Letzt findet sie jemanden der Zeit hat sie zu trösten. Mit einer Freundin an der Seite lässt es sich eben viel leichter Leben.

Die Jahre gehen ins Land. Etwas mehr als Drei sind schon vergangen seit diesem Tag. Und Vivi wird älter und älter. Sie geht auf ein Gymnasium. Besonders gut ist sie nicht, aber eben auch nicht schlecht. Noch immer wird sie manchmal traurig wenn sie ein Segelboot sieht oder auf irgendeine andere Weise an ihren Vater erinnert wird.

Morgen wird Vivi sechzehn Jahre alt. Zusammen mit einer Schulfreundin plant sie seit fast einem Monat eine große Feier. Es soll in ihren Geburtstag reingefeiert werden. An die 40 Leute sind eingeladen. Doch wie das immer so ist sagen viele ab. Die Zahl der Leute die kommen ist schon auf 25 geschrumpft. Aber davon lässt sich keiner beirren. Ob nun ein paar Leute mehr oder weniger ist doch egal. Hauptsache die die kommen bringen einen Haufen gute Laune mit !
Im Endeffekt kommen sogar nur knapp 20 der eingeladenen Leute. Doch das stört niemanden.
Die Party wird besser als es sich jemand hätte erträumen lassen und als Vivi an ihrem Geburtstag nach Hause kommt fällt sie vor Erschöpfung nur noch ins Bett.
Sie schläft einige Stunden. Danach steht noch eine Feier mit der Familie an und trotz der Strapazen des letzten Tages ist sie erstaunlich wach.

Am Abend von Vivis Geburtstag klingelt es an der Haustür. Davor stehr ein freundlich aussehender, großer Mann. Der Akzent mit dem er spricht kommt Vivi von irgendwoher bekannt vor, doch es fällt ihr nicht sofort ein woher. Erst als der Mann erzähl woher er kommt, fällt es ihr wie Schuppen von den Augen. Er ist Niederländer und sein Akzent ist demnach natürlich auch niederländisch. Der Akzent kommt ihr so bekannt vor, weil ihr Vater ihn auch hatte, nur nicht ganz so stark. Der Mann erzählt, dass er Bilder verkauft, gemalt von sich und seinen Freunden und Kollegen. Er fragt ob er nicht hereinkommen dürfe um sie zu zeigen. Vivi hat ein Bild vor Augen. Darauf ist ein Schiff, ein Dreimaster um genau zu sein. Weit und breit ist kein Land zu sehen. Die Sonne spiegelt sich in den Segeln und von den Wellen spritzt die Gischt spritzt. Wenn so ein Bild bei denen von dem netten Herr dabei ist, dann möchte ich es haben.
Gesagt getan. Schon sitzen Vivi und ihre Eltern auf der Terrasse und bestaunen die Bilder. Die meisten zeigen abstrakte Kunst oder Tiere und Blumen. Aber von einem Schiff so wie Vivi es sich vorstellt ist nichts zu sehen. Nicht einmal kommt auch nur der Zeichenstiel von dem Bild das Vivi sich ausgemalt hat in dem vor ihr liegenden

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