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Kategorien > Fantasy > Krimi

Das Schlaflied

von Andre Schuchardt

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betrat die Höhle: ein Mann. Da dieser Caefe nicht sofort bemerkte, machte jener auf sich aufmerksam.
„Ah, guten Tag. Ich nehme an, sie haben nach dem Schatz gesucht?“ begrüßte er den Ankömmling höflich.
„Wer...?“ kam bloß als Antwort und ein überraschtes Gesicht sah Caefe an, bevor sich Erkennen breit machte.
„Ach ihr seid das. Ich wusste, ich hätte euch bereits erledigen sollen!“ sprach der Mann mit rauer Stimme, die Caefe einen Schauer über den Rücken jagte.
Der Mann stellte seine eigene Laterne neben sich und bewegte sich dann seitlich wie eine Krabbe, doch sehr vorsichtig wie eine Raubkatze. Schnell hatte er so den Gang zur Oberfläche blockiert.
„Ich vermute, ihr habt ihn noch nicht gefunden?“ fragte Caefe mit gestellter Nachdenklichkeit, „Sonst wärt ihr vermutlich schon längst geflohen und hättet niemanden dafür umbringen müssen. Habe ich Recht?“
Da fiel ihm noch etwas anderes ein und abschätzend fügte er hinzu: „Aber euch macht das Töten vermutlich sogar Spaß.“
Der Mann in seinen dunklen Gewändern, wie geschaffen für das Verstecken in der Dunkelheit, zog seine Augenbrauen verärgert zusammen. Bedrohlich legte er eine Hand auf den Griff seines Schwertes.
„Bevor ich euch nun endlich zum Schweigen bringe, wärt ihr so gütig mir zu erklären, wie ihr mich gefunden habt?“
„Ach, das Finden war gar nicht so schwer“, begann Caefe, „schließlich muss man nur einen beliebigen Hafenarbeiter nach den Arbeiten am Leuchtturm fragen. Interessanter aber war es, herauszufinden, mit wem ich es zu tun habe.“
„Und? Hattet ihr Erfolg?“ fragte der Mann und beobachte Caefe aufmerksam, welcher immer noch auf dem Stuhl saß mit einem mal abwesend nachdenklichen, mal den Mann musternden Blick.
„Nun, erst mal der Reihe nach“, lenkte Caefe ab, „dass die Familie ma'Ganoul unter Geldproblemen litt, war nicht schwer zu erfahren. Man muss ja nur einmal sehen, in was für eine Wohnung der Stadt die Geschwister gezwungen waren um zuziehen. Also begannen sie nach dem Schatz zu suchen, welchen ihre Vorfahren hier versteckt haben sollten. Als sie hörten, dass diese Höhle entdeckt worden war, wussten sie sofort, was hier zu finden sein würde. Aber wie verhindern, dass man ihnen den Schatz wegschnappt?“
Caefe pausierte.
„Erzählt ruhig weiter“, sprach da der Mann, während er es sich auf einem Felsvorsprung bequem machte.
„Sie beschlossen schlicht, die alte Legende vom wachenden Geiste Funars wieder aufleben zu lassen. Dazu sicherten sie sich der Unterstützung des Herrn Wachtmeisters, welcher früher sozusagen ihren Ziehvater darstellte und der immer noch familiäre Gefühle für sie hegte, sowie seiner engsten Vertrauten. Zusammen fanden sie ein paar Leute, die sie für ihren Plan nehmen konnten und – töteten sie, wie es einst ihre Vorfahren schon mit dem armen Funar getan hatten. Wobei ich allerdings bis heute nicht ganz verstehe, wofür die Ziege gut war.“
Fragend blickte er den Mann an, welcher aber nur mit den Schultern zuckte.
„Um die Gerüchte noch zu verstärken“, fuhr er fort, „ließen sie den Wachtmeister die Geschichte von einem Massenselbstmord erzählen, da sich dann der Aberglaube mitsamt des Tratsches erst recht durchsetzen würde. Irgendwie aber musste der Bürgermeister wohl von der Wahrheit erfahren haben und sollte dafür sterben. An dieser Stelle wollte der Wachtmeister dann aber doch nichts mehr mit den weiteren Morden zu tun haben und lieber an die Öffentlichkeit gehen. Auch wenn sie ihn liebten wie einen Vater, konnten die ma'Ganoul dies nicht zulassen. Zuerst versuchten sie es mit Zureden, dann kam es zum Streit und sie heuerten euch an. Liege ich da richtig?“
„Bisher stimmt es, mehr oder weniger“, bestätigte der Mann angespannt, „meine Auftraggeber waren aber so dumm darauf zu bestehen dabei zu sein als er sterben sollte.“
„Ja. Ihr seid also nicht allein dem Wachtmeister begegnet. Es kam zum Kampf und er und einer seiner Wächter konnten fliehen. Ihr schafftet es erst letzte Nacht, euch ihrer zu entledigen. Das Oberhaupt der Schmiedegilde wiederum musste warum sterben? - Weil der Wachtmeister ihm alles anvertraut hatte?“
„Richtig, und ich hätte den verdammten Hafenmeister wohl auch lieber ruhig stellen sollen, schätze ich“, warf der Mann ein.
Caefe nickte nachdenklich.
„Ich hätte aber auch so hierher gefunden“, meinte er, „beim Durchsuchen der Unterlagen der Wache sowie in einen Grundstein des Leuchtturmes eingemeißelt fand ich das Waffen der ma'Ganoul: zwei gekreuzte, abgeschlagene Hände. Ihr habt den Opfern ebenfalls die Hände abgeschlagen, um das Gerücht vom Geist zu schüren. Erst da ging mir ein Licht auf.“
Der Mann stand auf. Er wirkte wie jemand, der vor hatte, seiner Arbeit nachzugehen. Langsam zog er sein Schwert.
„Und hiermit habe ich ihnen die Kehlen durchgeschnitten“, erklärte er gefühllos, „die Klinge ist gezackt und so geformt, dass sie einen Hundebiss nachahmt. Sie stammt aus dem Familienerbe der ma'Ganoul.“
Nach diesen Worten sprang er plötzlich auf Caefe zu.
Caefe litt unter dem Problem, viel zu sehr in der Vergangenheit zu leben, so dass er die Zukunft hierbei gerne mal vergaß. Ebenso vernachlässigte er das Planen. Sein Beruf war das Aufdecken von Plänen, nicht das Erstellen. Das führte nun dazu, dass er völlig unbewaffnet da saß und einer kleinen Schwierigkeit ins Auge sehen musste: wie konnte er sein Leben retten? Während der Mann seiner Wahrnehmung nach in Zeitlupe auf ihn zu stürmte, ließ er sich etwas einfallen. Schnell griff er nach seiner Laterne und schmiss sie dem Mann entgegen. Sie zerplatzte an ihm und bespritzte ihn mit brennendem Öl. - Zumindest sah so Caefes Idee aus, die Wirklichkeit war anders. Die Laterne blieb leider ganz, aber traf den Mann immerhin hart in den Magen. Während dieser sich vor Schmerz zusammen krümmte, sprang Caefe auf, schnappte sich seinen Stuhl und ließ ihn über dem Kopf seines Angreifers in hundert Teile zersplittern. In sich zusammensackend ließ der Mann sein Schwert fallen. Caefe hob es vorsichtig auf und schnitt damit das Seil durch, welches die Matratze des behelfsmäßigen Bettes zusammen hielt, dann fesselte er mit diesem Strick den Bewusstlosen.
Schließlich, als alles zu seiner Zufriedenheit erledigt war, ließ er ihn allein zurück. Er war versucht, selbst nach dem Schatz zu suchen, entschied sich aber dagegen und macht sich auf in Richtung Stadt. Um Licht zu haben eignete er sich die Laterne des Mannes an, auch nahm er das Schwert mit. Eine Stunde später kehrte er mit drei Männern aus dem Hafen zurück. Die halbe Stadt war schon in Aufruhr, weil Caefe den Fall gelöst hatte. Die Höhlen fanden sie aber verlassen vor, was Caefe nicht sonderlich überraschte.
Am nächsten Abend saß er, frustriert darüber, dass es dieses Kaff immer noch nicht verlassen konnte, wieder auf seinem Platz auf dem Leuchtturm. Die Bürger der Stadt hatten zwar, nun da sie wussten, dass es kein Geist gewesen war, die Angst vor etwas Unbekanntem verloren, dafür aber begegneten sie allen Fremden in der Stadt mit Argwohn. Auch Caefe hatte

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