Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Humor > Satire

Das Telefongespräch

von Kühle Jana

Es klingelte. Gott schreckte auf. Er musste wohl bei seiner Arbeit am PC
eingeschlafen sein. Dabei hatte er sich doch fest vorgenommen, seine
Abhandlung über die schwindende Gottesfurcht unter den Menschen noch heute
auf seine Homepage zu stellen.
Das Telefon gab keine Ruhe. Wo aber hatte er sein Handy bloß wieder
abgelegt? Nach kurzer Suche fand er es unter einem Haufen von leeren
Packungen vom Pizza Service "Flying Angels". Er meldetet sich per Namen.

„Gott“.

Ein Schluchzen kam von der anderen Seite der Leitung. Ein typisches Symptom
für ein verstörtes menschliches Wesen, das wieder einmal seine Hilfe
brauchte. In letzter Zeit nahmen diese Anrufe wirklich überhand.

"Wo drückt denn der Schuh?"
"Nun ja, ich weiß einfach nicht weiter. In letzter Zeit habe ich immer öfter
so ein merkwürdiges Gefühl. Ich glaube, es ist Angst"

Stille.
Gott überlegte, ob es jetzt an ihm war, zu reden. Aber da fuhr der Mann
bereits fort.

"Gestern war es wieder besonders schlimm. Ich habe nach der Arbeit einen
Spaziergang gemacht. Es dämmerte bereits, als ich an einem Spielplatz
vorbeigekommen bin. Ich habe mich auf eine Bank gesetzt und den Kindern
beim Spielen zugesehen. Es war einfach wunderschön. Die Kinder leben ihr
Leben so unbeschwert, so voller Freude. Doch nach und nach verschwanden die
Kinder in ihren Häusern, einige wurden von ihren Müttern abgeholt. Nach dem
fröhlichen Stimmengewirr trat Stille ein. Dazu kam die Dunkelheit. Und ich
saß da, konnte einfach noch nicht aufstehen und gehen. Warum musste ein so
schöner Tag ein Ende haben? Wie konnte es sein, dass aus einem bunten Bild
mit lachenden Kindern so plötzlich ein Bild der Finsternis und der Stille
wurde?"

Stille.
Wieder überlegte Gott, ob es an der Zeit war, dem Menschen etwas zu
erwidern. Es war einer dieser täglichen
Anrufe. Einer dieser Anrufe von Menschen, die mit der Vergänglichkeit nicht
zurecht kamen. Doch Gottes
Gedanken wurden von der Stimme des Mannes unterbrochen.

"Ich meine, da wurde mir dann wieder einmal bewusst, dass es nicht nur der
Tag ist, der dem Ende zugeht. Die Rutsche, die Schaukel, alles würde in
einigen Jahren nicht mehr hier stehen. Nichts ist ewig. Selbst die Kinder,
die eben noch vor meinen Augen gespielt hatten, würden in nicht allzu ferner
Zukunft nicht mehr sein. Das dachte ich, als ich so dasaß. Und auch ich habe
nicht mehr viele Jahre auf dieser Welt."

Die Stimme des Mannes ging in ein Schluchzen über. Gott schaute auf seine
digitale Armbanduhr. Wie sollte er so mit seiner Abhandlung fertig werden?
Und e-Mails hatte er auch noch zu verschicken. Er konnte also nur sagen, was
er den Menschen immer wieder sagte.

"Mein Sohn, der Tod gehört zum Leben nun einmal dazu."
"Ja, ich habe manchmal einfach Angst, das Leben zu sehr zu genießen.
Manchmal vergesse ich dabei, dass das Leben nicht ewig dauert. Es gibt aber
auch Momente, in denen ich den Tod herbeisehne. Er erscheint mir dann, als
eine Art Zufluchtsort, an dem meine Seele auf ewig Bestand hat. Ich bitte
dich wirklich selten um etwas, Gott. Aber heute möchte ich dich darum
bitten, mich nicht im Stich zu lassen. Damit, dass mein Körper vergänglich
ist, kann ich mich ja vielleicht abfinden. Aber ich brauche einfach die
Gewissheit, dass ein Teil von mir ewig Bestand hat. Du weißt es doch am
besten: Gibt es so etwas wie das Weiterleben der Seele nach dem Tod?"

Stille.
Die Stimme war verstummt. Gott seufzte innerlich. Wie oft war ihm diese
Frage in den letzten Tagen bereits gestellt worden? Warum konnten die
Menschen nicht verstehen, dass er ihnen keine Antwort darauf geben konnte,
keine Antwort darauf geben wollte? Sein Blick fiel auf sein Notebook mit
eingebautem Terminplaner.

"Ich muss heute noch auf ein paar Beerdigungen. Die Zeit rennt einfach
davon. Rufen Sie am besten in drei Jahren noch einmal an. Am 17. Februar
ist ein Termin frei geworden. Der gute Mann hat gestern mit seinem Leben
abgeschlossen. Ab 14 Uhr hätte ich dann zwei Minuten Zeit für Sie."

Stille.

Kommentare

Tim.Bo@gmx.de schrieb:
Deine Geschichte ist wirklich nicht schlecht! Ich hoffe nur, Gott ist nicht wirklich so.
timgrett@gmx.de schrieb:
Der Mann hat echt recht, nichts ist für immer da. Deine Geschichte ist humor und Drama zusammen, echt gut.
walter.duggen@ils.de schrieb:
Hierzu fällt mir dies ein, was einmal jemand gesagt hat :
Arbeitet, als würdet ihr kein Geld brauchen,
Liebt, als hätte euch noch nie jemand verletzt,
Tanzt, als würde keiner hinschauen,
Singt, als würde keiner zuhören,
Lebt, als wäre das Paradies auf der Erde.

(Walter Duggen)
kiwi222@gmx.de schrieb:
echt gut. muss man schon sagen. aber irgendwie kenn der mann einem leid tun. so einfach abserviert zu werden...

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.