Das Unvergessene
von
Kathrin Schulz
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Es geschah, als sie, wie gewohnt zur Schule ging. Der Mond stand noch als dünne Sichel am Himmel und spiegelte sich in den Pfützen, in die sie regelmäßig trat, weil das plätschernde Geräusch die morgendliche Stille durchbrach, die ihr Angst machte. Es war dunkel und obwohl sie sich daran gewöhnt hatte, kam ihr dieser Morgen besonders düster vor. In dem kleinen Park, in dem sie sich befand, war es menschenleer. Niemand verirrte sich um diese Zeit hierhin, außer vielleicht der Nachbar mit seinem Hund. Bei jedem Rascheln, das der Wind in den Blättern verursachte, zuckte sie zusammen. Sie fröstelte und zog den Kopf ein, kuschelte sich in ihren dicken Schal. Ihr fiel auf, dass sie mal wieder ihre Handschuhe vergessen hatte und wusste, dass ihre Hände schon ganz blau anliefen, auch wenn sie es in diesem schwachen Licht nicht sehen konnte. Das passierte immer im Winter, ihre Hände sahen dann ganz abgestorben aus und ihre Freundinnen fanden das lustig. Sie würden auch heute wieder darüber lachen und sie wahrscheinlich mit. Sie konnte gar nicht anders, als das zu tun. Lachen war für sie ansteckend und deshalb lachte sie oft mehr, als alle anderen. Und dabei wurde sie dann immer rot und ihr wurde heiß. Das fand sie immer wieder peinlich.
Sie hatte die ganze Zeit auf den Boden gestarrt und erschrak deshalb, als sie den dunklen Schatten plötzlich sah. Für einen kleinen Moment hämmerte ihr Herz mehr, als gewöhnlich gegen ihre Rippen, dass es fast schmerzte. Es war der Schatten von der Bank, an der sie gleich vorbeigehen würde. Sie fiel jedes Mal darauf rein. Jedes Mal sah es für sie aus, als stände da jemand hinter der Bank und warte nur darauf, dass sie vorbeiging. Sie schauderte. Kopfschüttelnd ging sie weiter, erschrak aber kurz danach wieder. Ihre Einbildung hatte es heute wohl auf sie abgesehen. Sie meinte Schritte hinter sich zu hören und ging schneller.
„Du bist albern. Als ob dir jemand folgen würde. Und selbst wenn: Jeder, der dich entführt gibt dich spätestens morgen zurück.“ Sie zwinkerte sich in Gedanken selbst kurz zu. Sie drehte sich nicht um, um zu sehen, ob da wirklich jemand war. Sie hatte recht. Es war albern. Und gleich, nur noch ein paar Meter, würde sie an der nächsten Straßenlaterne vorbeikommen und das Licht könnte ihr endlich diese unbegründete Angst nehmen.
Aber da hörte sie plötzlich jemanden atmen. „Du hast es heute aber auch mit dem bösen schwarzen Mann! Vielleicht solltest du dir besser die Ohren waschen“, riet die Stimme in ihrem Kopf. Sie musste beinahe lachen, weil das alles so abwegig war. Oder etwa nicht? Bevor sie sich gut zureden und die Stimme aus ihrem Kopf vertrieben konnte beantwortete sich ihre Frage von selbst. Da war auf einmal eine Hand auf ihrer Schulter, die sie herumriss. Sie wollte vor Schreck aufschreien, aber ihr Mund war, wie zugeklebt. Eine dunkle Gestalt stand jetzt direkt vor ihr. Ihr Atem stockte. Und plötzlich füllte sich ihr Kopf mit Bildern:
Er schlug auf sie ein, sie schrie. Um Hilfe. Aber niemand half ihr, es war niemand da. Seine großen, starken Hände hielten sie fest, sodass sie nicht die leiseste Ahnung hatte, wie sie es schaffen könnte zu flüchten. Immer wieder versuchte sie die Fragen „Wieso?“ und „Warum?“ aus ihrem Kopf zu vertreiben, aber sie blieben. Sie verstand es nicht. Was hatte sie ihm getan und wer war er? Anstatt ihr auf die unausgesprochenen Fragen zu antworten schlug er immer weiter auf sie ein. Und dann sah sie etwas Glänzendes, Spitzes in seiner Hand. „Nein!“, schrie sie. Aber er lachte nur und ging mit dem Messer weiter auf sie zu. Sie sah nichts vor lauter Panik und Dunkelheit. Spürte nur noch die Klinge an ihrem Hals entlang schneiden und dann war es aus. Es wurde noch dunkler, als es sowieso schon war. Schwarz.. sie meinte sich noch ein letztes mal schreien zu hören, aber es war nicht mehr, als ein leises Stöhnen.
Nächste Szene.
Sie lag tot auf dem Kopfsteinpflaster, das Blut lief ihren Hals entlang und über ihren Schal. Die Gestalt war schon längst weg. Über alle Berge. Die Leiche war das einzige, was er hinterlassen hatte. Bleich und reglos, in einer Lache aus Blut. Niemand kam, niemand hatte etwas gesehen.
Es dauerte bis Mittag, bis sie gefunden wurde. Ein älterer Mann aus der Nebenstraße fand sie und sah direkt, dass nichts mehr zu machen war. Panik durchfuhr ihn bei ihrem Anblick. Es kam jede Hilfe zu spät. Trotzdem rief er die Polizei, die kurz danach eintraf, um Spuren zu sichern. Und dann waren da Leute. Viele Leute. Ihre Eltern, ihre ganze Familie. Und ihre Freunde. Alle um sie herum versammelt mit Tränen in den Augen. Schluchzen und Schreckensschreie erfüllten die sonstige Stille.
Die Vorstellung ließ ihr Wasser in die Augen steigen. Sie atmete leicht aus, war beinahe erleichtert, als sie bemerkte, dass sich „Wer-auch-immer“ noch nicht vom Fleck gerührt hatte. Sie wollte die Zeit anhalten, um weglaufen zu können. Sie fühlte sich bedroht. Sie hoffte, dass sie das alles falsch interpretierte. Wie lange würde sie wohl noch warten müssen, bis sie wusste, was das hier sollte? Vielleicht würde sie es nie erfahren. Das erste, was er sagte verwirrte sie nur noch mehr.
„Na, Süße, wo willst du denn hin?“, fragte eine raue Stimme, die sie wissen ließ, dass es ein Mann war. Oder ein Junge? Er war nicht viel größer, als sie, mehr konnte sie nicht erkennen. Und das beunruhigte sie nur noch mehr. Keine Ahnung zu haben, wen sie da vor sich hatte. Eigentlich hatte sie sich für ähnliche Situationen schon schlaue Sprüche überlegt, aber jetzt traute sie sich nicht auch nur irgendwas zu sagen. Ihr Selbstbewusstsein schwand.
„Zur Schule, Vollpfosten!“, schlug wieder die Stimme in ihrem Kopf vor, aber ihr Mund blieb geschlossen, aus Angst vor Konsequenzen.
Seine Hand lag immer noch auf immer noch auf ihrer Schulter, aber der Griff war zu fest, um nett gemeint zu sein. Er wollte nicht, dass sie weglief. Aber was wollte er? Verdammt, sie wusste es nicht. Ihr Kopf, war leer, sie konnte nicht denken, nur wahrnehmen. Sie regte sich nicht, merkte nur, wie sein stechender Blick auf ihr herumwanderte.
„Lauf“, sagte irgendetwas in ihr, aber ihre Beine hörten nicht auf sie, schienen nicht mehr ihr zu gehören. Ihr ganzer Körper hörte nicht auf sie. Vielleicht wollte sie aber auch selbst nicht wirklich weglaufen. Sie hatte viel zu Angst eine falsche Bewegung zu machen.
„Hey. Ich hab dich was gefragt“, sagte er ungeduldig, dabei war sie sich sicher, dass ihn das nicht wirklich interessierte. Ihre Gedanken drehten sich um sich selbst und dann überfiel sie die reinste Panik. Es war, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Ihr war alles auf einmal völlig egal. Ihr war egal, was mit ihr passierte wenn sie versuchte wegzulaufen. Wie leichtsinnig. Sie wirbelte herum, drehte sich von ihm weg, darauf bedacht ihm dabei ihre Tasche ins Gesicht zu schlagen. Mit voller Wucht. Sie nahm dabei ihren ganzen Mut, ihre ganze Kraft zusammen. Seine Hand riss sie von ihrer Schulter. Und dann lief sie, orientiert an
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Kommentare
Pussycat. schrieb am 2010-05-19 23:12:20:
Für dein alter ist das echt schon ziehmlich beeindruckend.
Dein Schreibstil gefällt mir auch sehr gut...diese Bildhafte Sprache, die du benutzt um alles zu beschreiben...ist sehr gut zu lesen. Dadurch kann man sich das alles gut vorstellen.
Was mich allerdings am Anfag etwas verwirrt hat, ist, dass sie am Anfang sagt... Ich wurde umgebracht und so...doch dann am Ende, hat sie es überlebt...war für mich ein bisschen schwer mit dem Zusammenhang...aber sonst echt gut.
Was für mich nur ein bisschen unrealistisch war, ist, dass sie während sie zusammengeschlagen und Vergewltigt wird, sich Gedanken über die Augenfarbe ihrer Peiniger macht. Das war aus meiner Sicht nicht so ganz realistisch...Aber das ist ja immernoch die Künstlerische Freiheit..
Ich denke mal das wird sich im Laufe der Zeit aber auch noch Ändern...du wirst ja auch älter...
Aber wie gesagt, finde ich sehr beeindruckend. :]]
Giusy schrieb am 2010-04-16 14:57:43:
oh man die Geschichte hat mich richtig gefangen...
bin echt sprachlos
Thats me:) schrieb am 2010-03-21 11:05:10:
tolle geschichete
@kathrin schulz: das ist ganz und gar nicht lustig. sop was passiert voll oft,
aber wirklich ich war die ganze zeit am zittern.
Du solltest echt Autorin werden
Lollipopgirl schrieb am 2010-03-01 19:51:44:
OMG,
du wirst wirklich die nächste Topautorin, iich habe es oft
durchgelesen und war einfach nur am zittern wie es weitereht.
kathrin schulz schrieb am 2010-01-08 20:44:19:
haha sehr lusitg :D
physikjunkie@hotmail.de schrieb am 2009-12-24 23:14:06:
hamma gelungen,unsere nächste Topautorin
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