Das Weiße Königreich - K2
von
Bone1979
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Zwei
(© by Alexander Döbber)
Samuel und Ramon schlossen sich für die Weiterreise nach Buhan einer Theatergruppe an, die von Stadt zu Stadt zog. Die Leute kamen viel rum und hatten in nahezu jeder größeren Stadt der Menschen gespielt. Einige der Geschichten waren recht amüsant für die Freunde. Sie erreichten den Kilometerstein Zehn. Bald, so sagte Charlotte, würden sie die Türme der Kathedrale von Buhan sehen. Charlotte steuerte den Requisitenwagen und war selbst eine der Schauspielerinnen. Die Kutsche aus Vaduz überholte die Drei Wagen der Theatergruppe. Kurz vorher waren Vier Soldaten an ihnen vorbei gezogen. Nach der Kutsche folgten die restlichen Soldaten.
Nur für einen Bruchteil konnte Samuel ins Innere der Kutsche sehen. Dabei erblickte er die junge Frau von der Treppe. Selbst in diesem knappen Moment konnte er sehen das sie von nahem noch hübscher war als aus der ferne. Ein verächtliches Schnauben entfuhr Charlotte.
„Wer war das?“
„Die Tochter von König Hector.“
Wenige Augenblicke später tauchten die Drei Turmspitzen der Kathedrale am Horizont auf. Je näher sie kamen desto größer wurden sie. Die Wagen fuhren über einen Hügelkamm. Hinter dem, so Charlotte, kam Buhan. Allein die Ausmaße der Stadt schienen Samuel gewaltig. Dagegen wirkte Vaduz geradezu klein.
Buhan lag an der Südwestküste von Eurasien. Wie ein Halbmond fächerte sich die Stadt aus. Im Umkreis von einem halben Tag bauten Bauern Getreide, Obst, Gemüse und Früchte an. Auf Farmen wurden Kühe, Schweine, Hühner und Hasen gezüchtet. Die Bauern handelten mit ihren Waren auf dem Markt am Hafen.
In der Stadt gab es unzählige Werkstätten, Herstellungsbetriebe, Händler und Fachwerkhäuser. Einfach Hütten. Zweistöckige Häuser aus Holz, Lehm oder Steinen. Kleine wie Große Häuser. Rund, Oval oder Eckig. Mit oder ohne Garten. Imposante Villen. Stallungen für die Tiere von Reisenden. Gasthäuser. Bäder. Schauspielhäuser.
Samuel und Ramon kamen aus dem staunen gar nicht mehr raus. Die Hauptverkehrsstraße war breit und bot genügend Platz. Selbst in den abgehenden Straßen und Gassen herrschte kein Chaos wie in Vaduz. Wo um jeden freien Zentimeter gerungen wurde. Diese Ordnung überraschte Samuel am meisten.
Charlotte hielt den Wagen an einer Kreuzung an. In der ersten abgehenden Nebenstraße, so sagte sie ihnen, fanden sie die Adresse zu der die Freunde vom Magistrat geschickt wurden. Sie bedankten sich, führten die Pferde am Zaumzeug und gingen die Straße entlang. Wie sie es ihnen gesagt hatte, gingen die Jungs in die Nebenstraße, orientierten sich an den Hausnummern oder Buchstaben. Als sie ihr Ziel erreichten, wich die Faszination aus ihren Gesichtern. Vor ihnen lag eine ausgebrannte Ruine.
***
Das Haus war vor Zwei Tagen abgebrannt, erfuhren die Freunde von Passanten. Der Eigentümer war in den Flammen umgekommen. Unfassbar. Er hatte keine Verwandten. Von dem Lehrling fehlte seither jede Spur. Die Freunde standen am Anfang und Ende zugleich. Es gab niemanden mehr an den sie den Umschlag des Magistrat weitergeben konnten. Was sollten sie nun tun?
Wie erwartet plädierte Ramon für die Rückreise. Samuel hingegen hatte nicht wieder abzureisen. So schnell sollte ihr Ausflug nicht zu Ende sein. Gemeinsam, gezwungener Maßen, beschlossen sie eine Unterkunft für die Nacht zusuchen. Morgen würden sie dem Magistrat eine Brieftaube schicken. Bis die Freunde eine Antwort erhielten, blieben sie in Buhan. Ihren klammen Geldbeutel konnte sie mit Sicherheit irgendwie aufbessern. Was beide nicht ahnten, sie wurden seit ihrem eintreffen beobachtet.
Roman ging nach dem Essen auf sein Zimmer. Er war über die Situation alles andere als begeistert. Sein Freund wollte so schnell es ging nach Hause. Wogegen nichts einzuwenden war, jedoch vermisste Samuel die Waisenmine nicht sonderlich. Bei ihm wog die Aufregung seit der Reise mehr als das Heimweh. In letzter Zeit fragte er sich immer öfters, ob die Mine sein Zuhause darstellte. Je öfter er sich diese Frage stellte, desto entschiedener fiel die Antwort aus. Möglicherweise lag irgendwo in Eurasien sein Zuhause.
Ohne Zweifel verdankte er Schwester Helena, Maria und dem Magistrat sehr viel. Sie hatten ihm ein Dach über den Kopf gegeben, im weites Sinne jedenfalls. Er bekam was zu essen, wurde schulisch gebildet und handwerklich gefördert. Um sich später seinen Lebensunterhalt verdienen zukönnen. Alles im allen führte er kein schlechtes Leben in der Waisenmine.
Wie aus dem Nichts tauchte eine Gestalt vor ihm auf. Dabei wurde ihm bewusst, wie weit er sich von dem Gasthof entfernt hatte. Da war noch etwas anders. Ein mulmiges Gefühl stieg in ihm auf. In der Hand der Gestalt glitzerte etwas. Ein Dolch. Außer ihm war niemand auf der Straße unterwegs. Was mit Sicherheit seine Gründe hatte. Die Gestalt murmelte. Samuel verstand kein Wort, selbst wenn er genauer hingehört hätte. In seinem Kopf überschlugen sich seine Gedanken. Instinktiv wollte er wegrennen. Andererseits züngelte die Flamme des Kampfes irgendwo in ihm. So schnell sie entzündet war, erlosch sie auch wieder. Stattdessen packte ihn eine Furcht tief in seinen Eingeweiden und ließ ihn nicht mehr los. Er stand einfach nur da, statt wegzulaufen. Erst im Nachhinein wurde ihm klar das er sich gar nicht bewegen konnte.
Die Gestalt kam auf ihn zu, langsam. Dadurch wurde das murmeln zwar deutlicher, blieb aber unverständlich. Sie bewegte sich geräuschlos. Ohne jede hast. Renn weg. Nichts geschah. Als wären seine Füße mit dem Boden verwachsen. Panik stieg in ihm auf. Weit und breit niemand der ihm helfen konnte.
Wie ein Geist kam die Gestalt näher. Eine dunkle Aura umgab sie. Wovon er fasziniert und eingeschüchtert zugleich war. Immer wieder sagte sie etwas. Hätte er bloß bei den Sprachen besser aufgepasst, tadelte ihn seine eigene Stimme irgendwo im Hinterkopf. Selbst dann hätte es ihm nichts genutzt. Sein Versuch nach Hilfe zu schreien, ging in einem gurgeln unter. Eigentlich war er kein Angsthase, aber hier lagen die Dinge anders. Eine Armlänge war die Gestalt nur noch von ihm entfernt. Noch immer konnte er nichts außer ihren Umrissen erkennen.
Endete sein Leben hier und jetzt? Samuel versuchte zuschlucken, seine Kehle war wie ausgetrocknet. Er war einfach nicht in der Lage irgendetwas dagegen zu unternehmen. Auf einmal dachte er darüber, nach was er noch alles machen wollte, wie seine Zukunft wohl ausgesehen hätte. Waren das die Gedanken vor dem Tod?
Aus heiterem Himmel schlug ein Pfeil in die Hauswand ein. Kurz darauf folge ein zweiter. Die Gestalt verharrte, wandte sich in die Richtung, aus der die Pfeile gekommen waren. Surrend schlug ein dritter Pfeil in die Hauswand ein. Akrobatisch wirbelte sie umher, ihr Gewand flatterte lautlos. Ein vierter Pfeil verfehlte die Gestalt nur um Haaresbreite. Schwere Schritte kamen zügig näher. Da öffnete sich eine Tür, wodurch Licht in die dunkle Straße fiel.
Die Gestalt verharrte in der Hocke, sah erst Samuel an, wobei er eine Gänsehaut bekam und sah dann an ihm
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