Das Weiße Königreich - K3
von
Bone1979
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Drei
(© by Alexander Döbber)
Übervorsichtig strich Balthasar über den aus Leder gebundenen Buchdeckel. Wasser stieg ihm in die Augen. Seit Jahrhunderten galt das Buch der Zwerge als verschollen. Immer wieder wurden Kundschafter ausgesandt um es zu finden. Alle kehrten mit leeren Händen zurück. Jeder Spur wurde nachgegangen. Das Buch war der Heilige Gral der Zwerge. In ihm stand die komplette Geschichte der Zwerge und all ihren Errungenschaften.
Die erfolglose Suche machte die Zwerge mürbe. Ein ganzes Volk fiel in Depression. Es war mitunter die schwerste Zeit, in der Balthasar von den Stämmen zum König aller Zwerge ernannt wurde. Erst Jahre später kehrten die Zwerge ins normale Leben zurück. Dennoch fehlte etwas. Daher ließ er nichts unversucht um das Buch zu finden, bis zu seinem letzten Atemzug. So hatte er es geschworen.
„Wir sind euch zu unendlichem Dank verpflichtet.“, sprach Balthasar ehrfürchtig.
Michael wiegelte ab. „Das Volk der Zwerge hat uns so oft geholfen, da konnten wir uns jetzt mal revanchieren.“, spielte er die Sache herunter. Es war eher ein Zufall gewesen das sie darauf gestoßen waren.
„Ihr wart immer Freunde der Zwerge. Ganz gleich von welcher Abstammung.“ Beim letzten Satz sah der Zwerg Sirka an. Sie nickte dankend, schlug die Faust gegen den Brustpanzer. Der Zwergenkönig lachte erfreut. „Seit meine Gäste und bleibt über Nacht. Ich möchte das ihr der Feierlichkeiten wegen der Rückkehr des Buches beiwohnt.“
„Ein Fest der Zwerge möchte ich auf keinen Fall verpassen.“, erwiderte Michael lächelnd.
***
Dova brachte die Gruppe zu ihren Räumen, einen Flur weiter. Jeder hatte sein eigenes Zimmer. Anschließend kümmerte er sich um das kurzfristig anberaumte Fest.
Michael ging in den Garten, an dem auf ihrem Weg zu König Balthasar vorbei gekommen waren. Der Zwerg aus dem persönlichen Zimmer seines Königs erschien ebenfalls. Er setzte sich neben Michael auf die Bank und blickte sich im Garten um.
„Wie schlimm ist es?“, fragte Michael.
Der Name des Leibwächters war Paladin. Er befehligte die Leibwache des Königs. Seit genau jenem Tag an dem sein Stammesführer König wurde. „Die Heiler von König Hector können ihm nicht mehr helfen.“
Michael schloss bei der Nachricht die Augen. Seine Befürchtung hatte sich bewahrheitet. Balthasar war ihm ein guter Freund geworden. Umso betroffener mache ihn der Zustand des Zwergenkönigs. „Haben sie gesagt wie lange noch?“
„Der Winter wird sein letzter.“ Außer ihm wusste nur noch die zwergische Leibärztin bescheid. Selbst Dova, der für Balthasar wie ein Sohn war, wusste von nichts. Mit Sicherheit ahnte er etwas. So unbeholfen er auch wirkte, war Dova klüger, wie manch einer vermutete. „Das Buch wird seiner Seele Frieden geben.“, versicherte er Michael. Dankbarkeit schwang in seiner Stimme mit. Nicht nur für den König, sondern auch für sein Volk. „Er möchte das du ihn morgen zu dem Treffen der Völker begleitest.“, teilte Paladin ihm mit.
Michael sah ihn an. Das Treffen der Völker, von König Hector ins Leben gerufen, war das politische und diplomatische Großereignis in Eurasien. Die Führer der Menschen, Zwerge, Orks und Elben würden zugegen sein. Auf persönliche Einladung von König Hector.
„Wird sicherlich spaßig werden.“, urteilte er vorausschauend.
***
Wie auf zwergischen Festen üblich wurde Unmengen getrunken und gegessen. Folkorische Tänze und Gesang. Kräftemessen in Kopfschlagen. Ein zwergischer Nationalsport. Je einmal verpassten sich die Kontrahenten abwechselnd eine Kopfnuss, dann trank man abwechselnd ein Maß Bier. Natürlich aus zwergischer Brauerei. Wer am Ende aufrecht blieb, hatte gewonnen. Solch ein Wettkampf konnte über mehrere Stunden gehen.
Hundeelend lehnte Michael sich an die Brüstung und rieb sich seine Schläfe. So unterhaltsam zwergische Feste auch waren, so nachhaltiger war die Wirkung.
Paladin trabte herbei. Es hörte sich so an als würde eine Herde wilder Mustangs heran galoppiert kommen. Sein Schädel drohte jeden Moment zu explodieren. Einzige Vorteil dabei war, das Pochen in seinem Schädel wäre weg.
„Du siehst übel aus.“, urteilte Paladin viel zu fröhlich für die letzte Nacht.
„Ich will nur noch sterben.“, jammerte Michael wie eine alte Jungfer.
„Für einen Menschen hast du gestern Stehvermögen bewiesen.“ Von einem Zwerg war das ein Kompliment.
Er konnte sich nicht mehr an viel erinnern. Wenn ihm sein Gedächtnis kein Streich spielte, hatte er einen Trinkwettbewerb gegen Paladins Vetter gewonnen. Für einen Menschen war das eine beachtliche Leistung. Daher war der Kater auch kein Wunder. Wie er in sein Bett gekommen war, wusste er nicht mehr. Zumindest war er in seinem Bett aufgewacht, hoffte Michael inständig.
„In diesem Zustand kannst du meinen König nicht begleiten. Adeleis Kräutertee wird dir einen klaren Kopf verschaffen.“
„Musst du so schreien. Ich bin doch nicht taub.“, erwiderte Michael wehleidig und versuchte weiterhin das Pochen durch reiben seiner Schläfe abzumildern.
Paladin schmunzelte. Die Menschen vertrugen einfach keinen Alkohol. Jedenfalls nicht in den Maßen wie die Zwerge. Da konnten lediglich die Orks ansatzweise mithalten.
***
Baldami und Kronos waren Brüder und vom Stamm der Freien. Formell gesehen waren die Freien kein Stamm. Obgleich ihre Lebensstruktur gewisse Stammesmerkmale aufwies. Man nannte sich auch der Bund der Freien.
Vor der Anerkennung durch König Grosso, dem Vorgänger von Balthasar, lebten die Freien versteckt. Ein Zwerg ohne Stammeswurzeln oder Zugehörigkeit zu einem Stamm war ein Nomade. Für Zwerge war das ein Schimpfwort. Mit so jemanden wollten die anderen Zwerge nichts zu tun haben. Eine radikale Minderheit wahrte diese Ausgrenzung weiterhin.
Inzwischen hatte die zwergische Gesellschaft einen Wandel vollzogen. Die Freien waren anerkannt, ihre Lebensweise wurde akzeptiert. Was König Grosso unter großen Widerstand begonnen hatte, setzte Balthasar nach seiner Ernennung fort. So konnten heute Zwerge der Freien sich öffentlich dazu bekennen ein Freier zu sein. Es war längst keine Schande mehr.
König Baltha, wie Baldami ihren Herrscher nannte, hatte die Brüder zum Schutz zweier Menschenjungen abgestellt. Kronos war darüber alles andere als begeistert. Er hatte ein gestörtes Verhältnis zu den Menschen. Seinem Bruder hingegen war es gleichgültig. Besser Menschen als Elben, hatte er ihm gesagt.
„Wieso müssen wir immer die Kindermädchen für irgendjemanden spielen!“, murrte Kronos auf dem Weg zu ihren neuen Schützlingen.
Oh, sein Bruder kannte den Grund. Genau wie Baldami. Er sparte es sich seinen Bruder die Geschehnisse in Erinnerung zurufen die dazu führten das sie im Moment Kindermädchen waren. Der König hatte für den Schutz der Jungs gebürgt. Da niemand so töricht war, selbst sein Bruder nicht, zu erwarten dass der König höchstpersönlich die Menschenjungs schützte, bestimmte er eben jemanden. In diesem Fall Baldami & Kronos. Zwei typische Zwergenbrüder.
Baldami war eine Minute älter wie sein
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Kommentare
Lurz schrieb am 2008-03-19 09:16:17:
Wieder verdamt gut, trotz einiger falschen Bilder, wie z.B. seine Augen füllten sich mit Wasser. Unter Wasser versteht man auf den ersten blick einen Strom, und keie Tränen. Aber wie gesagt ich könnte mir von dir ein bis drei scheiben abschneiden
PS.:König Hector. Schon wieder eine Parallele zu echten Welt. Prinz Hector von Troja...
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