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Kategorien > Fantasy > Abenteuer

Das Weiße Königreich - K9

von Bone1979

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Neun
(© by Alexander Döbber)

„Es tut mir leid, Schatz.“, begann König Hector.
Seine Tochter hatte Jahre lang Zeit gehabt sich daran zu gewöhnen das ihr Vater nur wenig Zeit mit ihr verbrachte. Nicht weil er ein schlechter Vater war, sondern wegen seiner Pflichten als König von Andorra.
Sie schenkte ihm ihr süßes Lächeln. „Deine Pflichten gehen vor.“
Wieder Mal erkannte er wie erwachsen seine Tochter trotz ihrer jungen Jahre war. Seine Pflichten als König ließen ihm nur wenig Zeit, viel zu wenig. Als sie ihr Studium in der Universitätsstadt Flämen antrat, stellte er mit erschrecken fest, wie die Zeit verflogen war. Der Moment, wo er sie als Baby auf den Arm genommen hatte und jetzt, wirkte wie ein flüchtiger Moment statt der 16 Jahre die vergangen waren.
Wie oft hatte er sie in den letzten Tagen gesehen? Zwei, Drei oder mehrere Male! Er war viel zu sehr damit beschäftigt ein neues Bündnis der Volker zu schmieden. Kummer überkam ihn. Hatte ihn sein Stand als König seine Familie gekostet? War das der Preis den er zahlen musste, um das Land seiner Väter und all jener zu schützen die in Eurasien eine Heimat gefunden hatten?
Ja, er hatte viel zu wenig Zeit mit seiner Familie verbracht. Dessen wurde er sich schon früh schmerzlich bewusst, als seine Frau im sterben lag. Auf ihrem Sterbebett hatte König Hector geschworen das Leben ihrer Tochter zu schützen. Genau das tat er.
Beim Anblick seiner Tochter hoffte er sie würde es eines Tages verstehen. Denn die Gefahr war nie größer.
„Am Winterfest bin ich dein Vater und nicht der König.“, versprach er seiner Tochter.
Sie lächelte ihn an, umarmte ihren Vater und gab ihm einen Kuss. „Du warst immer nur mein Vater.“, flüsterte sie ihm zu.
Seine Tochter verneigte sich, schenkte ihm eins ihrer kostbaren lächeln und stieg in die Kutsche. Ein Gardist schloss die Kutschentür. Der Kutschenfahrer rief ein Kommando und die Pferde trabten los.
König Hector sah wie die Kutsche durch das Tor vom Innenhof fuhr. Seine Tochter streckte den Kopf hinaus und winkte zum Abschied. Er erwiderte den Wink und verharrte einige Augenblicke. Der Preis für sein Tun war hoch. Zu hoch?

***
Der Spion beobachtete die Szenerie im Innenhof zwischen dem König und seiner Tochter. Sie war zweifelsohne eine hübsche junge Frau. Jeder Adelsmann und Handelsmann mit einem unverheirateten Sohn versuchte seither auf den Festen den Sohn mit der Tochter des Königs zu verkuppeln. Der König wahrte den Schein. Diese Art der Umwerbung war gang und gäbe.
König Hector überließ es einzig und allein seiner Tochter wer um sie werben durfte wer nicht. Ein Umstand, der die Junggesellen schier zu Verzweiflung brachte.
Als die königliche Kutsche abfuhr, folgte er ihr Fahrt. Sie durchfuhr den Innenhof, den Außenhof, das durch Burgtor auf die Grabenbrücke. Die Kutsche nahm die Königsstraße, die vom südlichen Stadttor direkt zur Königsburg führte, und fuhr Richtung Stadttor.
Er sah ihr nach, blickte kurz nach links und rechts. Aus einer kleinen Ledertasche am Waffengürtel holte der Spion eine glänzende Münze hinaus. Ungesehen hielt er die Münze so ins Sonnenlicht, das sie blinkte. Zwei. Drei. Vier Mal. Dann wartete er.
Wenig später blinkte es nahe des belebten Marktes zurück. Zwei. Drei. Vier.
Der Spion steckte die Münze zurück in die Ledertasche, sah zur Kutsche und verließ die innere Burgmauer.

***
Selma hatte ihrem Vater nie vorwürfe gemacht. Als Mädchen wünschte sie sich insgeheim, das ihr Vater sich mehr um sie kümmerte, statt irgendwelche Streitereien zu schlichten. Die Momente mit ihrem Vater, die es zwischen ihnen gab, waren für sie umso wichtiger. Er versuchte so viel Zeit mit ihr zu verbringen, wie er konnte. Manchmal erzwang er diese Zeit auch, doch Selma kümmerte das wie nicht.
Seit sie das Nest verlassen hatte und an der Universitätsstadt ihr Leben lebte, vermisste sie immer häufiger ihren Vater, die Königsburg und Buhan. Früher wollte Selma immer hinaus. Dieser Widerspruch brachte sie zum schmunzeln.
In Flämen war und blieb sie die Prinzessin von Andorra, die Tochter des Königs. Genauso wurde sie behandelt. Wenn sie auf dem Campus unter einer Großeiche saß und sich umsah, wünschte sie sich manchmal ihr Vater wäre nicht König. Ein einfacher Kaufmann, der seiner Tochter ermöglichte eine erstklassige Schulbildung zu erhalten. Oder ein Bauer, der ihr von dem mühsam ersparten den Aufenthalt in Flämen ermöglichte. Ohne die ständige Anwesenheit der Gardisten, ihrer Leibwache.
Es blieb ein Traum. Mit Sicherheit wünschten sich einige ihrer Kommilitonen an ihrer Stelle zu sein. Das Leben als Prinzessin, die eines Tages ihren Vater beerbte, war alles andere als einfach. Wobei Selma zugeben musste, allzu schwer war es auch nicht. Die Perspektive machte eben den Unterschied.
Selma blickte hinaus, sah das Leben der Bewohner von Buhan an ihr vorbeiziehen und wenig später die Landschaft ihres zukünftigen Königreichs. Sie lehnte sich in die gepolsterte Sitzbank. Obwohl das Winterfest nicht mehr weit weg war, schien es ihr ein ganzes Leben zu dauern bis sie ihren Vater wiedersah.
Die Kutsche verlangsamte ihr Tempo und blieb wenig später stehen. Ihre Leibwächterin, als Zoffe gekleidet, sah hinaus und wechselte mit dem Kutscher einige Worte. Dann kehrte sie ins Innere zurück. Sie öffnete den Mund um etwas zu sagen als ein Schrei ihr von Anfang an das Wort abschnitt.
Der Schrei verklang. „Ein Hinterhalt. Schützt...“ Einer der Soldaten konnte den Befehl nicht mehr beenden. Ein Schussbolzen hatte den Helm durchdrungen und war in den Schädel eingeschlagen. Rufe ertönte. Die Pferde wieherten.
Ihre Leibwächterin wollte hinaus sehen, als ein Ruck durch die Kutsche ging und sie unsanft gegen die Kutschenwand geworfen wurde. Ein weiterer Schrei ertönte.
Der zweite Kutscher hatte die Leitzügel genommen. Es blieb bei dem Versuch die Prinzessin vor dem Hinterhalt zu evakuieren. Zwei Schussbolzen bohrten sich in seinen Oberkörper und er fiel zu Boden.
„Schützt die Prinzessin.“, rief einer ihrer Gardisten.
Der Klang von Metall auf Metall ertönte. Außerhalb der Kutsche fand ein Kampf auf Leben und Tod statt. Nie in ihrem bisherigen Leben war es dazu gekommen. Selma rechnete auch nie damit, weshalb ihr die Sicherheitsmaßnahmen stets übertrieben vorkamen. In diesem Moment, der ihr Leben schlagartig in die harte Wirklichkeit zurückholte, wurde ihr bewusst wie schutzlos sie trotz ihrer Leibwächterin und Gardisten doch war.
„Kommen sie Majestät.“, sagte ihre Leibwächterin.
Halb ziehend, halb hebend wurde Selma grob von ihr gepackt und aus der Kutsche befördert. Draußen sah sie ein Bild das ihr so fern und doch so nah war. Die verbleibenden Gardisten kämpften gegen die angreifenden Männer.
Sie waren in Lumpen gekleidet. Auf den ersten Blick hielt Selma sie für einfache Leute. Schnell wurde ihr aber klar, dass das keine einfachen Männer waren. Bevor sie den nächsten Gedanken bilden konnte, schob sich ihre Leibwächterin vor sie und griff einen der

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