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Kategorien > Träume > von mir

Das Wohnzimmer

von glufke doe

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Da sind sie wieder. Stehe da, um mich rum mehrere halbwegs bekannte Gesichter, die ich aber überhaupt nicht einzuordnen vermag. Ein paar Freunde meiner Ex, Freunde von Freunden, nie wirklich mit ihnen beschäftigt, wahrgenommen, das wars aber auch, egal.
Stehe inmitten eines großen Wohnzimmers, es besteht zu ¾ aus Glasscheiben, die zu unterschiedlichen Gärten führen. Einer ist mit Palmen gesäumt, rechts davon steht ein einziger Baum mitten auf einer leuchtend grünen Wiese, der letzte Garten scheint nur aus Stein und Geröll zu bestehen. Am hinteren Ende ragt eine kleine Mauer empor. Sie ist mit Sprüchen bemalt. „Freude schöner Götterfunken...“ und son Quatsch.
Die Personen um mich herum beginnen laut zu jubeln, der Dealer ist eingetroffen. Er hat das Zeug dabei und auf einmal wird es hell im Raum. Erst jetzt sehe ich den Boden, der aus Leder zu sein scheint. Ich streiche einmal drüber, es fühlt sich nicht wie Tierhaut an, es fühlt sich rauer und rissig an. Die erste Bong wird gebaut, der erste Kopf geraucht. Ich schaue mir das Treiben erst einmal an. Neben mir sitzt dieses Mädchen. Hannah, die alte Jugendliebe...wie kitschig. Sei es drum. Sie sieht wie immer fabelhaft aus. Keine Ahnung was sie an hat, ob sie geschminkt ist oder nicht, ob sie dünner oder dicker geworden ist, ob sie lächelt oder nicht, alles egal, sie sieht aus wie immer. Ein Traum.
Die Drogen um mich herum werden härter, irgendwer packt eine Spritze aus, in der Ecke hinter dem großen Holztisch ziehen 4 Typen und ein Mädchen quasi ein ganzes Kilo weg. „Scheiße!“, ruft Tim. Er ist der einzige den ich hier, außer natürlich Hannah, beim Namen kenne. Er sieht aggressiv aus. Kaum gedacht, gibt er seinem Sitznachbarn eine von links. Der Typ hatte ihm wohl zu wenig übrig gelassen. Zwei Zähne fliegen aus seinem Gesicht und das Blut tropft auf den Boden. Blutflecken auf Leder? Das wird für die Putze nicht einfach. Der Typ nimmt es gelassen und holt einen neuen Beutel aus seiner Hosentasche. Tim lacht nun wieder.
Auf einmal steht Hannah auf und zieht mich am Arm. Ich hasse es wenn sie das tut, das weiß sie. Ich lächle. Sie sagt, „Wir müssen raus hier, ich muss den Bus erwischen, ich muss doch noch Kippen kaufen, und außerdem muss ich noch meine Schwester anrufen, sie ist doch erst 16 und mit diesen fiesen Typen unterwegs, dann muss ich noch unbedingt frische Luft schnappen, du weißt schon, wegen meiner Kopfschmerzen, ich habe keinen Bock später wieder in der Ecke zu kauern und alle anderen nur zu beobachten, während ich denke mein Kopf explodiert, und danach...“. ich liebe es, sie hat immer was zu tun, sie steht immer unter Spannung, aber irgendwie positiv, keine Bankmanager-Spannung, sondern dieses Gefühl von „ Es gibt noch so viel zu tun und so viele Leute kenne ich noch nicht“. Sie ist das genaue Gegenteil von mir. Als wir durch die Tür nach draußen verschwinden läuft „the purple bottle“, „can i tell you that you are the purple in me? Can i tell you that i care?”.
Ich ziehe einen Joint aus der Packung. Sie reicht mir das Feuerzeug. Für einen Moment lassen wir uns auf der Mauer nieder. „punk is dead“ steht rechts von uns, daneben eine schlecht gezeichnete Figur mit Iro. „Du schon wieder, immer wieder du.“, sie versucht ein böses Gesicht zu machen, es gelingt ihr natürlich nicht, sie muss augenblicklich über sich selbst lachen. Der graue Dunst steigt über uns gen Unendlichkeit. Wieder zieht sie mich am Arm. Wir laufen eine Landstrasse entlang, keine Ahnung wo hier ein beschissener Spätkauf sein soll, aber sie ist sich sicher, „Hinter der nächsten Ecke kommt einer“. Tatsächlich erscheint ein ranziger kleiner Kiosk hinter der Kreuzung. Er ist auf der anderen Strassenseite. Vor dem Kiosk prangen die Zeitungen von Morgen, die Schlagzeilen sind immer gleich, „Mond stürzt auf Erde! So retten sie ihr Privatvermoegen.“
Ich bin abgelenkt und überquere die Strasse. Als ich mich umdrehe sehe ich, das sie noch auf der anderen Strassenseite steht. Sie grinnst mich an. Sie will zu mir rüber. Ich habe ihr immer gesagt wie scheisse gefährlich es ist nicht nach links und rechts zu schauen. Ein Bus erwischt sie. Ich weiß nicht was ich sagen oder tun soll. Ich stehe einfach nur da und starre auf die Strasse, auf das Stück Erde auf dem sie gerade noch stand und mich angelächelt hat...
Das nächste woran ich mich erinnern kann, ist, dass ich wieder in diesem beschissenen Wohnzimmer stehe. Mittlerweile liegen hier Reste von allen nur erdenklichen Drogen herum, dazu massenweise Aschenbecher, leere Flaschen, Blut...und Waffen. Noch bevor ich mich selbst fragen kann, warum nun Waffen auf dem Tisch liegen, dröhnen von draußen die Sirenen. Die Blaulichter zucken zum Beat von „Abglanz“ durch das Zimmer. Die übrigen Beteiligten schrecken auf und nehmen die Waffen in die Hand....ich stehe wieder nur da und starre ungläubig. Kurze Zeit später schreit einer der Typen, „Scheiße, die wollen uns ausräuchern!“ Tatsächlich sehe auch ich nun die Funken durch die Glasscheiben. Die Stimmung sprüht über und alle jaulen durcheinander. Es scheint sie wollen ihren Drogentempel nicht kampflos aufgeben. Sie werden schießen, sie werden kämpfen, sie werden verlieren, sie werden sterben, so viel ist klar. Ein Augenblick der Klarheit strömt durch meine Synapsen. Ohne weiter drüber nachzudenken beschließe ich zu rennen, einfach nur zu rennen. Ich renne zu einer der Glastüren und wuchte sie zur Seite. Im Augenwinkel erkenne ich Tim, der schreiend neben der Tür kauert. Ich zerre ihn mit und wir rennen einfach geradeaus. Wir springen über die Mauer. „WIR sind das Volk“ ist das letzte was ich erkennen kann, ansonsten passiert nicht mehr viel in meinem Kopf, er ist auf „Überleben“ eingestellt. Ich renne und renne. Als ich sehe, dass die Autos der Bullen immer näher kommen, überkommt mich ein Gefühl der Resignation. Tim läuft ein Stück weiter vorne, er war schon immer schneller als ich, in allem. Auf der linken Seite steht hinter einer kleinen Baumreihe ein abgerocktes Haus. Es hat keine Fenster mehr und an einigen Stellen ist die Fassade schon runtergekommen. Ich renne drauf zu und flüchte mich in die offene Holztür. Mein Verstand sagt mir „weiter nach oben, immer höher“, obwohl man aus Filmen weiß, dass der Weg nach oben immer dazu führt, dass man am Ende oben steht, es nicht mehr weiter geht und die Verfolger hinter einem immer näher kommen, sie haben einen, jetzt gibt es keinen Ausweg mehr, nur der Sprung hinunter, ins Ungewisse, in den Tod. Und tatsächlich, als ich oben ankomme, stehe ich auf einem maroden Balkon. Ich kauere mich in die Ecke und spreche letzte Gebete. Keinen Schimmer zu wem ich da bete, schließlich war meine Lage noch nie zuvor so beschissen, das ich beten hätte müssen.
Ich mache mich bereit, die letzte Entscheidung steht an. Entweder sie bekommen dich und werden dich foltern, dich niederringen, dich gefügig machen, dich resozialisieren, sie werden aus dir wieder ein funktionierendes Rädchen in dem Getriebe machen, zur Not mit

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Kommentare

franke,sina schrieb am 2011-09-21 19:53:40:
ich bin atemlos. ich bin beeindruckt... du hast einen unglaublichen sprachstil, gefaellt mir sehr. alles ist sehr ueberlegt geschrieben... es gibt keine Situation, bei der der Leser sich denkt "was? wie noch mal?" wirklich sehr gut geschrieben. ich werde mehr von dir lesen.

liebe gruesse

xxx sina xxx

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