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Kategorien > Aus dem Leben > Alltag

Das allgemeine Problem der Postkarte

von Rommee

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Wieviel Sorgen einem doch ein 17x12 cm großes Stück Pappe machen kann. Vielleicht war es sogar noch kleiner. Auf jeden Fall war es bunt. Bunt bedruckt mit lustigen Bildern. Erinnerungen einer Zeit in der man relativ sorglos war. In der man vielleicht nicht wirklich die Bäume ausreißen konnte, leider nicht, aber sich genauso aufführte. Für dieses Verhalten muss noch nicht mal alles Friede, Freude, Eierkuchen sein, aber zumindest hat man so viel zu tun und zu sehn das man völlig vergisst was in einem anderen Teil der Welt wartet. Urlaubserinnerungen einfach. Und bei mir waren es Urlaubsmomente der kleinen Stadt an dem großen Fluss. Spree oder Elbe? Rhein oder Main?! Genauer genommen ist es ja nicht wichtig woher. Das wichtige ist, dass man wo war, dass man was erlebt hat und trotzdem die Heimat nicht vergisst. So könnte man den Zwang anderen zu schreiben beschreiben. Jeder meint es nicht nötig zu haben und dennoch verlangt man das man Post bekommt. Genauer gesagt, Postkarten.
Ich bin ja auch nicht besser, pekier ich mich doch über eine einzige Karte in 6 Wochen. Naja eigentlich 2, nimmt man eine SMS dazu, die als Postkarte fungierte. Ich halte nicht viel davon, wenn Leute zu faul sind, wenigstens handschriftlich und mit mehr oder weniger individuell ausgesuchten Karten aufzutauchen, dagegen lieber 17 oder 18 Mitteilungen verschicken, blind an jeden der einen kennt.
Aus aller weiten Welt kommen sie daher. Und der Inhalt ist wohl Statussymbol. “Ich war da! Du nicht!” könnte er lauten. Stattdessen liest man etwas von traumhaften Wetter, spannenden und schönen Orten, Drinks und coolen Leuten. Und das alles all inclusive. Für Sender wie Empfänger, nur irgendwie anders. Der Leser denkt sich nichts mehr dabei, freut sich einfach, dass jemand so tut als hätte er an einen gedacht. Ach schöne heile Welt!
Und ich, ich bin jeden Sommer auch wieder mit von der Partie. Mit dem kleinen, feinen Unterschied, dass ich meistens versuche entgegen dem Rest der Welt zu streben. Versuche, für jeden die passende Karte mit bunten Bildchen, ob Tag, Nacht oder Dämmerung und verschiedenen Attraktionen zu finden. Allzu oft ein Ding der Unmöglichkeit, dem man nur mit dem beharrlichen, täglich neuem Suchen an anderen Ecken des Ortes entkommen kann. Und auch dann ist es schwierig. Etwas leichter geht dann alles beim Text auf der Rückseite. Man sollte immer nur denjenigen Leuten schreiben, an die man tatsächlich bei der einen oder anderen Begebenheit dachte. So erspart sich das “nach dem Urlaub endlose Erzählmanöver”. Das wichtigste für Liesl Müller und Peter Schmidt ist dann mit der Post schon schriftlich ausgefeilt und gekürzt angekommen. Einer der Gründe, warum ich Pflichtkarten an Großeltern und Eltern so drastisch ablehne, ist die völlige Unorientierung über was ich schreiben soll. Diese reinen Höflichkeitsfloskeln finde ich genauso abgenutzt, wie eine Jeans die man schon “used” kaufen kann. Irgendwie langweilig, auch wenn es nicht so wirkt, aber völlig ohne Charakter, bleibt es nichts weiter als das bunte Stück Pappe. Man könnte auch eine Karte nur mit Adresse verschicken. Hätte vielleicht sogar noch mehr Bedeutung.
Anders bei engen Freunden. Da kann meine Karte meist nicht groß genug sein, völlig proportionell umgekehrt zu meiner Schriftgröße. Und wenn es solche, für Außenstehende natürlich, vollkommen unwichtige Sachverhalte sind, die den Platz rauben. Wie viele grüne Renaults man gesichtet hat oder welches Resaturant, welches Kultessen anbot. Was für verrückte Gedanken einem eben in der Weite einkommen. Individuell angepasst an das, was jeden Einzelnen interessieren könnte. Der nächste Grund nur engen Freunden zu schreiben, da weiß man wenigstens was dieser Interessenpunkt ist.
So nun genug geschwafelt über wie und warum. Ich war bei den Sorgen stehen geblieben. Diese hatte ich die letzten Jahre immer gut umgangen, indem ich mich strikt an eigene Prinzipien hielt. Nun war aber alles anders, wenn man einmal verliebt ist. Und man in einem winzigem Kaff das Bedürfnis hat, dem Objekt des Schwärmens ebenso zu schreiben. Ich dachte mir, was soll schon schief gehen, eigentlich seid ihr ja gut befreundet. Es kam aber eben alles zusammen. Zum einem gab es gerade einmal 4 schöne Postkarten die an ungefähr 8 Personen verschickt werden sollten. Da darf aber keine doppelt vorkommen dachte ich mir. Na gut die 2 Pflichtkarten fanden sich schnell und ohne einen Blick auf sie zu werfen. Dennoch brauchte ich 2 weitere schöne.
Und meine Begleiter trieben mich weiter. Weg von weiteren Läden und somit weiteren Postkarten. Ich hätte wahrscheinlich auch keine weiteren gefunden. Warum sollte man auch 20 verschiedene tolle Karten drucken, für ein Kaff das keine Schönheiten bot?
Ich begnügte mich also mit den 4 einigermaßen ansehnlichen Pappstücken. Darauf folgte ein längeres Auswahlsystem wer nun beglückt wurde mit Post und wer nicht. Und in einem mir völlig unverständlichen, vielleicht sogar geistig unzurechnungsfähigen Zustand entschied ich mich. Für den Schwarm und gegen 2 gute Freunde. Mit dem Gedankengang: “Was soll daran so schwer sein, hast ja schließlich schon genug Postkarten geschrieben in deinem Leben!”. Am Anfang lief es auch recht rund. Das Schriftstück war vollkommen ausgefüllt mit mir mehr oder weniger sinnvollen Gedanken. Eigentlich war ich zufrieden, hatte ich es sogar geschafft zum 18. Geburtstag zu gratulieren.
Schon kurze Zeit später, als ich wieder zuhause ankam, kamen auch die Sorgen. Und mir vielen einige Schwachstellen auf. So hatte ich völlig verschwitzt welche Hausnummer der Angebetete wohnte und ??? war nicht besonders aussagekräftig; zeugte von zu großer Spontaneität, die derjenige wahrscheinlich nicht gut finden würde. Meine Geburtstagswünsche trafen außerdem 1 ½ Wochen zu zeitig ein. Ich war zwar der Meinung, dass er selbst im Urlaub war und meine bunte Pappe erst lesen würde wenn er schon 18 wäre. Aber ich wurde mir immer sicherer, dass die Karte entweder nicht ankam oder sogar zu früh! Alle anderen bedankten sich fleißig für mein Zeugnis vom Urlaub, auch wenn sie sich wie jedes Jahr wunderten was für ungewöhnliche Postkartenthemen ich hatte! Und als mir das alle Empfänger bestätigt hatten, war ich mir auch sicher, dass falls die Post ankam, mein Schwarm es für subtilen Schwachsinn einer Verrückten halten würde.
Klar ist das sehr übertrieben gegriffen, aber anders würde ich es nicht vermuten. Zumal nach 2 weiteren Wochen immer noch kein Lebenszeichen, geschweige denn eine Postkarte mich empfing. Außer einer Einzigen. Und die kam, wie als Strafe, von genau der Freundin, deren Postkarte für meine Unglückspost weichen musste. Wie sollte ich später erklären, warum ich meinem Urlaubs-Schreibzwang diesmal nicht bekommen hatte, zumindest nicht für sie!
Für mich erhebt sich also ein neues Prinzip des Pappe-Verschickens, vielleicht sogar eine Moral von der Geschicht’ für die Menschheit. Schreibt wirklich nur den Leuten die es verdient haben, und die mit solchen

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Kommentare

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rommee schrieb am 2008-01-18 22:45:58:
dachte nur so es wäre wichtig hinzuzufügen.. die unglückspost war doch ein großer erfolg... bald bekam ich einen anruf, der sich groß bedankte für die geburtstagsgrüße.. also war doch alles glatt gegangen... was man sich alles einreden kann ;)

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