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Kategorien > Kurzgeschichte > Einfach so

Das blaue Nichts...

von Phate

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[i]“Mr.Holloway, weilen sie noch unter uns?... Mr.Holloway!“
„Hmm?“
„Hmm? Hmm?... Lautet so die Antwort eines aufmerksamen Schülers? Ich habe Sie schon zwei Mal darum gebeten, meine Frage zu beantworten, und Sie schauen aus dem Fenster. Wenn Sie Ihren Aufgaben hier nicht nachkommen, müssen wir uns ernsthaft überlegen ob wir....“
„Wie lautete die Frage noch mal?“
„Lassen Sie mich den Satz beenden, junger Mann. Wenn Sie Ihren Aufgaben hier nicht nachkommen, müssen wir uns ernsthaft überlegen, ob wir eine andere Lösung finden. Wissen Sie, wie viele verdienstvolle Schüler Schlange stehen, um in dieser Schule aufgenommen zu werden? Selbstverständlich wissen Sie das nicht, und es ist Ihnen auch egal. Haben Sie die Hausaufgabe durchgelesen?“
„Nicht direkt“
„Nicht direkt, verstehe. Nun die Frage lautete: Definieren Sie das oktale Zahlensystem und nennen Sie mir das dezimale Äquivalent der Oktalzahlen 05726 und 12438. Aber weshalb möchten Sie wissen, wie die Frage lautet, wenn Sie nicht einmal Ihre Hausaufgaben erledigt haben? Sie können ja kaum verstehen--“
„Das oktale System ist ein Zahlensystem mit acht Ziffern, so wie das dezimale System zehn und das binäre System zwei Ziffern hat“
„Aha, da haben Sie wohl beim Discovery Channel gut aufgepasst, Mr.Holloway“
„Nein, ich....“
„Wenn Sie schon so schlau sind, warum kommen Sie nicht nach vorne an die Tafel und wandeln diese beiden Zahlen für uns um. Na los, kommen Sie zur Tafel!“
„Ich muss es nicht extra aufschreiben. Die Oktalzahl 05726 entspricht der Dezimalzahl 3030. Bei der zweiten Zahl haben Sie einen Fehler gemacht. 12438 ist keine Oktalzahl. Im oktale System gibt es keine Ziffer 8. Nur die 0 bis zur 7.“
Ich habe keinen Fehler gemacht. Es war eine Fangfrage. Um zu sehen ob die Klasse mitdenkt.“
„Wenn Sie meinen“
„Mr.Holloway, Zeit für einen Besuch beim Direktor.“[/i]

[b] Seine Schulerfahrungen liefen stets nach einem voraussehbaren Muster ab: Im ersten Halbjahr ging alles bestens, aber im Frühjahr fielen seine Noten in den Keller. Das lag daran, dass er die Langeweile der Unterrichtsstunden in den ersten drei oder vier Monaten einigermaßen verdrängen konnte, aber danach war ihm schon der Besuch des Unterrichts dermaßen zuwider, dass er bei den Prüfungen am Ende des zweiten Halbjahres unweigerlich durchfiel.
Schlussendlich schickten ihn seine Eltern auf eine neue Schule, wo sich die ganze Geschichte wiederholte.[/b]
[i] Mr.Holloway, weilen Sie noch unter uns?[/i]
[b] Das war schon immer sein Problem gewesen: Grundsätzlich fühlte er sich in der Gesellschaft anderer fehl am Platz; er war ihnen stets um Lichtjahre voraus.
Seine Lehrer und Studienberater hatten ihr Bestes versucht, ihn in Schnellläuferklassen und dann in noch schnellere Schnellläuferklassen gesteckt, aber nicht einmal dort war es ihnen gelungen, sein Interesse zu fesseln. Und wenn er sich langweilte, wurde er gemein und bösartig. Seine Lehrer- wie der arme Mr.Cummings, der Mathelehrer mit der Oktalsystem-Geschichte - riefen ihn einfach nicht mehr auf, aus Angst, er würde sie und ihren eigenen beschränkten Horizont bloßstellen.
Seine Mitschüler konnten ihn natürlich überhaupt nicht leiden. Er war das [u]Gehirn[/u], oder [u] Drake, der Schlaukopf[/u], er war [u] Mr.Wizard[/u]. Anfangs gingen sie ihn aus dem Weg, doch je weiter das Semester voranschritt, hänselten und beschimpften sie ihn gnadenlos. (Wenigstens sahen sie davon ab, ihn zu verprügeln. Wie hat es ein Football-Spieler einmal ausgedrückt? [u] Den kann doch sogar ein blödes Mädchen verkloppen. An dem mach ich mir nicht die Finger dreckig![/u])
Damit der Druck in seinem wirbelnden Gehirn ihn nicht in Stücke riss, verbrachte er immer mehr Zeit an einem Ort, der eine Herausforderung für ihn darstellte: In der Maschinenwelt. Wenn sie sich ihn damit von Leib halten konnten, gaben Mama und Papa ihr Geld nur zu gerne für die entsprechende Ausrüstung aus, und so standen ihm bereits von Anfang an die besten PCs zur Verfügung.
Trotzdem ließ sich nicht übersehen, dass es mit den Jungen bergab ging. Er wurde immer eigenbrötlerischer, hatte Blackouts und bekam Wutausbrüche, sobald er nicht Online war. Aber bevor er völlig ausklinkte, wie er es damals bezeichnete, und mit Hilfe eines Giftes, dessen Rezept er sich aus dem Netz heruntergeladen hatte, einen [u] Sokrates hinlegte[/u], passierte etwas.
Der Sechzehnjährige stolperte über eine Newsgroup, in der ein Rollenspiel, oder aber auch ein sogenanntes MUDGame gespielt wurde. Ritter waren auf der Suche nach einem magischen Schwert oder Ring, irgendwas in der Art halt. Er schaute eine Zeit lang zu und tippte dann Schüchtern [/b] [i]“ Darf ich mitspielen?“[/i][b]
Einer der altgedienten Spieler begrüßte ihn herzlich und fragte dann [u]“Wer möchtest du sein?[/u].
Drake entschied sich für einen Ritter, zog stolz und glücklich mit seinen Gefährten los und tötetet in den folgenden acht stunden haufenweise Orks und Drachen und feindliche Soldaten. In jener Nacht, als er im Bett lag, nachdem er sich von den Mitspielern verabschiedet hatte, ließ ihn ein Gedanke nicht mehr los:
Er musste nicht mehr Drake, der Schlaukopf, er musste nicht mehr Mr.Wizard sein. Den ganzen Tag war er ein Ritter im sagenhaften Land Cyrania gewesen- und er war glücklich dabei gewesen. Vielleicht konnte er ja auch in der wirklichen welt ein anderer sein.[/b]
[i]Wer möchtest du sein?[/i]
[b] Am folgenden Tag schrieb er sich in der Schule bei einer AG ein, etwas, was er noch nie zuvor getan hatte. Er meldete sich beim Schauspielkurs an. Zunächst ging er langsam und unsicher zu Werke, machte jedoch bald die Erfahrung, dass er eine natürliche Begabung zum Schauspielern besaß. Er hatte einen Plan. Am Ende des Halbjahres fragte er seine Eltern, ob sie ihn zum nächsten Schuljahr noch einmal bei einer anderen Schule anmelden würden. Sie stimmten seiner bitte zu.
Und so befand er sich im folgenden Herbst unter den eifrigen Schülern, die sich für die Kurse an der Jefferson High School für Hochbegabte, in New Jersey einschrieben.
Man hieß ihn an der Schule herzlich willkommen.
Ja, ab und zu hatte er einige Probleme mit seinen Noten, aber er erledigte seine Hausaufgaben zuverlässig und bewegte sich wie die meisten Schüler dieser Schule auf einer soliden Basis von Einsen und Zweien. Er belegte mehrere Sportkurse und Trainierte gewissenhaft. Er saß mit der angesagten Clique auf dem Hügel außerhalb des Schulgeländes und war rundum vollkommen normal. Er war manchmal glücklich, manchmal bedrückt, manchmal ausgelassen.
Genau wie alle anderen auch.
Im Alter von siebzehn Jahren modellierte sich Drake Holloway zu einem der normalsten und beliebtesten Schüler der Schule.
Er war tatsächlich so beliebt, das die Beerdigung seiner Eltern und seines Bruder eine der größten in der ganzen Geschichte des kleinen Städtchens war, in dem sie gewohnt hatten. ( Freunde der Familie hielten es für ein wahres Wunder, dass der junge Drake ausgerechnet an diesen Samstagvormittag, an dem die tragische

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Kommentare

Phate schrieb am 2007-06-19 18:12:48:
Das kann durchaus sein ;)
Die Geschichte habe ich einem Buch nachempfunden, dass mir sehr gefallen hat ^^
Cyclone schrieb am 2007-06-18 22:25:49:
Interessant. Kommt mir aber irgendwie bekannt vor.

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