Das dreizehnte Hexenkind - Kap. 1 "Die Begegnung
von
Kalliope
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Sie gähnte und streckte sich. Dann legte sie das schwere Buch zur Seite und schob die raue, braune Decke weg. Die Dielen knarrten, als das Mädchen im Zimmer umherging. Katreijka zog ihren Schatz aus dem Lederbeutel, einen Kamm aus Fischgräten und machte sich daran, ihre langen, seidenglatten Haare zu kämmen. Dann sah sich sich um und sammelte ihre wenigen Sachen vom Fußboden. Eigentlich war das eine vortreffliche Unterkunft, dachte sie. Groß und geräumig, und das Dach war fast noch vollkommen dicht. Sogar einen Teil des Strohs, der auf dem sie geschlafen hatte, hatte sie als noch nicht verfault vorgefunden. Zuerst hatte sie nicht verstanden, warum mitten im Wald eine Scheune mit Heuboden stand. Doch dann war sie beinahe über die schwarz verkohlten Überreste von den Grundmauern eines Holzhauses in der Nähe gestolpert. Es war ein Wunder, dass die Scheune überhaupt von dem Feuer verschmäht worden war. Und es konnte noch nicht all zu lange her sein, nach dem Zustand, in dem sie sich befand, zu schließen. Den Bruchteil einer Sekunde lang dachte Katreijka an den Jungen, der den Brand hätte verhindern können, doch schnell verscheuchte das Mädchen den Gedanken wieder, denn er kam ihr wie eine lästige Fliege vor. Sie rollte sorgfältig die Decke ein, band sie mit einem Lederriemen zusammen und befestigte sie an den Trägern des Rucksacks. Dann schnallte sie den grünen Gürtel mit dem Langdolch um und nahm ihr Bündel. An der Dachluke drehte sie sich noch mal um, um das Buch zu betrachten. Es lag auf dem dunklen Stroh, der braune Ledereinband schon rissig und vom Stockschimmel befallen. Es würde nicht lange dort liegen bleiben, das wußte sie. Schließlich seufzte sie und stieg rückwärts die Leiter ins Erdgeschoss hinunter.
Als sie das Scheunentor aufschob, blinzelte sie ins schon heller werdende Tageslicht. Nebel lag auf den Wiesen ringsum, und eine blutrote Sonne stieg hinauf in den Morgenhimmel. Unwillkürlich fröstelte Katreijka, als sie aufblickte. Ein unangenehmes Gefühl sammelte sich in ihrer Magengrube. Sie hoffte nur, dass es daran lag, dass sie nun schon seit über einem halben Tag nichts mehr gegessen hatte, und nicht an dem Himmelsgestirn.
Sie atmete tief durch und stieß einen Pfiff aus, bestehend aus einem sehr hohen und einem sehr tiefen Ton. Fast augenblicklich huschte ein Schatten durch das taunasse Gras, und als die ersten Sonnenstrahlen auf ihn trafen, stellte er sich als eine große, fast schwarze Katze mit weißen Ohrspitzen und grünen Augen heraus.
“Shí, da bist du ja endlich!” rief Katreijka, froh, wieder mit jemanden sprechen zu können. “Warst du die ganze Nacht draußen?” Die Katze sprang in die Arme des Mädchens und schnurrte zutraulich.
“Hast du die Sonne gesehen?” Die Katze blickte sie ernst an. “Ich hoffe, ich bilde mir das nur ein, aber ich glaube, wir müssen wirklich ins Lager...” Stumm erzählte sie der Wildkatze von ihren düsteren Vorahnungen. “Denkst du, er hat gewusst, dass ich kommen würde? Werden wir vielleicht verfolgt?” Bei diesem beunruhigendem Gedanken drehte sich Katreijka um, um sich umzublicken. Auch wenn das nicht viel nützte, denn die Späher ihres möglichen Verfolgers waren geschickt. Sie würden sich nicht so einfach blicken lassen.
Die Katze sprang zurück ins Gras und schüttelte den Kopf.
Ich hatte nicht das Gefühl. Gab sie Katreijka zu verstehen. Wir sollten uns jetzt nicht verrückt machen lassen. Einen Moment später antwortete Katreijka:
“Ich hoffe, dass du Recht hast. Ansonsten können wir es nämlich nicht riskieren - wenn er unseren Zufluchtsort findet, dann sind wir erledigt.” Und selbst, wenn er nicht weiß, wo wir uns aufhalten, weiß er dennoch von unserer Existenz. Und darum fürchte ich, dass es nicht bei diesem Buch bleiben wird. Er wird weiter versuchen, einen von uns zu ködern ...
Außerdem hatte ich letzte Nacht diesen Traum... Das Mädchen schluckte. Mutter hat mich an meine Aufgabe erinnert. Das ist kein Zufall, wie du weißt. Ich - ich kann meinen Gefühlen keinen Vorzug mehr geben... Katreijka brach die geistige Verbindung plötzlich ab und ging los in Richtung Waldrand, wo ein schmaler Pfad zwischen den hohen Bäume verschwand. Sie drehte sich noch einmal zu der Stelle um, an der die Katze besorgt im Gras saß und ihrer Freundin nachblickte. “Komm schon! Morgen Vormittag könnten wir da sein, wenn wir die Nacht durchgehen.”
Die Sonne hatte ihren Höchststand überwunden, als Katreijka und ihre Begleiterin sich erneut ihren Weg durch einen dichten Wald bahnten. Sie waren unterwegs durch ein sanftes Tal gekommen, dicht bewachsen mit Apfelbäumen. Katreijka hatte sich erleichtert den Rucksack mit den frühreifen Früchten vollgepackt, Shíuala hingegen hatte nur angewidert ihr Fellgesicht verzogen, sich eine Maus gefangen, und sich gefragt, wem Katreijka da wieder einmal die Ernte schmälerte.
“Es sind nur ein paar Früchte.”, hatte diese entnervt geantwortet. “Während du wahrscheinlich eine Mutter, die für zehn Mäusebabys sorgen muss, um die Ecke gebracht hast.” Darauf hin hatte Shí beharrlich geschwiegen. Ihr ging genauso viel im Kopf herum wie Katreijka, die jetzt ein irres Tempo vorlegte. Auf der einen Seite war Shíuala froh, dass sie jetzt endlich etwas unternahmen gegen die Macht die das Land seit Jahren bedrohte. Aber das hätte schon viel früher geschehen müssen, denn die nahende Herrschaft eines schwarzen Magiers zu brechen erforderte mehr Kraft und Zeit, als sich das Hexenkind bis jetzt im Klaren war. Und es würde gefährlich werden, sehr gefährlich... Wiedereinmal fragte sich Shí, wie alles gekommen wäre, wenn sie sich nicht entschieden hätte, mit Katreijka mitzugehen, sondern bei Falmara geblieben wäre. Vielleicht wären sie alle dann noch zerstreuter... oder es hätte geholfen, die beiden Schwestern wieder zu vereinen.
Aber es war nicht ihre Aufgabe, über das Schicksal nachzudenken. Die Entscheidungen mussten von den Hexenkindern selbst getroffen werden, eine Tirm sollte dabei nur beraten und bei der Umsetzung helfen.
Der Wald war so dicht mit Fichten bewachsen, dass es beinahe nachtdunkel war. Shí, die den besseren Orientierungsinn hatte, lief voran (nicht zuletzt, damit das Mädchen nicht ihre Gedanken las) und Katreijka folgte ihrer Tirm. Plötzlich blieb sie stehen und horchte angestrengt. Schritte waren im Unterholz zu hören, doch sie waren so schnell, dass das Mädchen nicht ausmachen konnte, aus welcher Richtung sie kamen. Sie wollte schon Shíuala zurückrufen, als die klopfenden Geräusche lauter wurden. Zu spät war ihr bewusst geworden, dass sie von rechts kamen, denn da war sie bereits mit voller Wucht von etwas zu Boden gestoßen worden.
Verärgert pustete sie sich ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht. Shíuala turnte bereits auf Katreijka herum und versuchte, ihr das Gesicht abzulecken.
“Schon in Ordnung, Shí! Lass das!” Sie sah immer noch nichts und ihr dröhnte der Schädel. Da sprach plötzlich jemand.
“Ist alles in
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Kommentare
roma2709@web.de schrieb am 2008-09-27 17:52:02:
nicht schlecht. sehr anschaulich geschrieben, sollten mehr kommas gesetzt werden, um den Sinn stärker hervorzuheben, aber super spannend....bin gespannt, wie es weiter geht....
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