Das erste Mal
von
sina franke
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Wir sehen viel, wir erleben viel und wenn wir Glück haben, dann machen wir auch viel. Man hat nur dann wirklich gelebt, wenn man einmal richtig geliebt hat. Wenn man am Abgrund seines Grabes steht und zu seinem Leben zurückschaut und sagen kann: Ich habe gelebt, ich habe vieles erlebt und nicht nur gute Dinge gemacht. Ich habe mein Leben gelebt und ich war glücklich und stolz auf all meine Entscheidungen. Denn meine ersten Male waren vollkommen.
Für alles gibt es ein erstes Mal.
So viele erste Male hast du erlebt. Mit ihm. Ihn hast du zum ersten Mal geliebt und gesehen, wie er angefangen hat zu leben. Doch so wie er lebte, hattest du es nicht gewollt. Du wolltest nicht, dass er so lebt.
Hättest du es ahnen können, dass er einmal so wird?
Er hatte es so gewollt und du hattest kein Eingriff in sein Leben, um ihn davon abzuhalten. Doch kannst du dir dann die Schuld geben? War es dann doch deine Schuld, dass du gegangen bist?
Der erste Kuss war mit einem Jungen, den du gern hattest, doch du liebtest ihn nicht. Nur ihn hast du geliebt. Nur ihn und du hattest geschworen es immer zu tun...
War es euer Schicksal? So nah beieinander und doch entferntet ihr euch voneinander? Er konnte damit nicht aufhören. Es waren seine Freunde die ihn dazu bewegten und du hattest ihm, genauso wie deine ewige Liebe, geschworen, dass du gehen würdest.
Und du bist gegangen. Für immer. Du hast ihn alleingelassen, als er dich brauchte, doch du konntest nicht beleiben. Musstest gehen.
Das war das erste Mal, dass du gehen musstest, und dir selbst weh tatst. Es war das erste Mal, dass du um einen Mann geweint hast, obwohl er dir nicht das Herz gebrochen hatte, denn das hast du getan. Du hast ihm und dir das Herz gebrochen. Und doch konnte er dich dafür nicht hassen.
Man verzeiht ausgesprochen schönen Menschen, oder unglaublich lieben Menschen, oder Menschen die einfach besonders sind, Dinge, die man einem normalen Menschen niemals verzeihen würde.
Und das wusstest du. Du wusstest, dass du für ihn besonders warst und deswegen musstest du gehen. Doch du wusstest auch, dass du wiederkommen würdest. Sehr bald sogar, denn ohne ihn konntest du nicht leben. Viel zu lange kanntet ihr euch. Viel zu lange wart ihr unzertrennlich. Schon als Kinder war es klar, dass ihr zusammen gehört.
Und dann passierte es das erste Mal, dass er nach einer Schlägerei nicht wieder kam. Du hattest ihn aufgrund dieser Schwäche verlassen, weil er es wieder tat. Sich mit anderen zu messen und blutverschmiert, aber glücklich nach Hause zu kommen. Jedes mal hattest du Angst um ihn, starbst tausend Tode, bis er endlich kam.
Dann hatte er versprochen, es nicht mehr zu tun, und du hast geschworen zu gehen, wenn es noch einmal passiere. Du wolltest nicht mehr hilflos und ängstlich zu Hause sitzen während er es wieder tat. Du wolltest glücklich sein und zum ersten Mal bist du dann tatsächlich gegangen. Denn er hatte zum ersten Mal sein Versprechen gebrochen.
Und du warst nicht da, als er nicht wieder kam. Hörtest es von anderen Leuten, was geschehen war und zum ersten Mal blieben deine Augen, aufgrund einer solchen Tragödie, trocken.
Zum ersten Mal kamst du zurück und der, der dich liebte, war nicht da. Er würde nie mehr wieder kommen.
Du hattest zum ersten Mal den verloren, den du geliebt hattest. Alles war das erste Mal gewesen.
Dann hast du dein erstes Kind bekommen, von deinem Mann, der nicht dein erster war. Du hast ihn nicht zum ersten Mal geliebt, er war nicht deine erste große Liebe. Doch er war der erste, den du nach dieser Tragödie wieder fandest. Der dich aufgebaut hat und dir ein neues Leben schenkte. Du hast angefangen neu zu Leben und wurdest älter, bekamst noch zwei Kinder und die ersten Male wurden immer weniger.
Deine Knochen wurden gebrechlicher und dein Geist schwächer, doch nie würdest du dein Versprechen brechen. Du liebst deine erste Liebe immer noch und er, dein Mann, weiß es. Er war der Zweite und er beneidet den anderen. Denn er war nicht der Erste.
Doch nun verstehst du, dass sich das Leben nicht nur um die ersten Male handelt, obwohl wir uns an sie besser erinnern können als an die darauf folgenden. Unser Leben enthält viele erste Male, doch sind meistens die darauf folgenden die, die wir bis an unser Lebensende bedauerlicher Weise behalten, obwohl wir uns wünschen, die ersten immer bei uns zu haben und uns vorstellen wie es wäre, wenn sie bei uns sein würde. Wenn wir sie nie verlassen hätten.
Doch das erste und das einzige Mal wir der Tod sein, kein anderer wir darauf folgen können, also sollten wir versuchen ihn vielleicht sogar ein bisschen zu genießen, weil wir keine zweite Chance bekommen können.
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Kommentare
chrissy schrieb am 2009-06-30 19:24:03:
ich bin grenzenlos verwirrt ;)
Nachtmahr schrieb am 2007-12-25 21:49:18:
guten abend!
schließe mich meinem vorredner an, gefällt mir auch sehr gut. auch gefällt mir dieses den-leser-in-der-luft-hängen-lassen.
fidne aber, dass es eher die spannung dadurch rausnimmt, was ja auch gut wirkt, da sihc das ganze ja in der erinnerung abspielt und die handlung als erinnerung aus dem gedächtnis abgespult wird.
noch ein wort ganz allgemein: finde, du hast ausergewöhnlich interessante ideen und ansatzpunkte für sdeine geschichten. werde dich da etwas im auge behalten ;).
grüße
Johannes Beck schrieb am 2007-12-12 22:30:17:
hi,
noch ein kommentar von mir *g*
wird's eigentlich nicht langweilig, immer die meinung von den selben leuten zu hören?
Die Geschichte gefällt mir supergut. is sehr spannungsgeladen, weil der leser unwissend bleibt. und man nicht weiß, was eigentlich so richtig passiert. und dann bekommt man immer wieder so ein häppchen und ist nur noch hungriger weiterzulesen.
und dann der schluss. Einfach wahnsinn.
lg jo
Stern schrieb am 2007-11-20 13:17:20:
Auch ich war zwischendurch etwas verwirrt, aber auch mir gefällt es.
Habe in letzter Zeit viel über den Tod nachgedacht und muss sagen, dass du sehr viel Wahres ansprichst.
princetongirl8189 schrieb am 2007-09-13 20:12:35:
wie wahr...zwischendurch zwar etwas verwirrend aber schön und vorallendingen es entspricht der wahrheit
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