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Kategorien > Mysterie > Außergewöhnliches

Das fehlende Teil

von Theo Klein

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Das Geschäft in dieser Straße war Paul noch nie aufgefallen. Was aber nichts heißen musste, da er nicht sehr oft diesen Weg benutzte. Es war eine schmale Straße, weit ab vom Hauptverkehrstrom.

Paul wusste nicht, warum er gerade heute diesen Weg eingeschlagen hatte. Das Kopfsteinpflaster sah aus wie versenkte Dominosteine, diese leckeren Lebkuchen, die er sich immer vor Weihnachten haufenweise hineinschaufelte. Nach ein paar Packungen wurde ihm letztendlich schlecht, danach benötigte er erst einmal Natronsalz. Seine Frau titulierte ihn dann immer mit �Verfressener Blödmann�.

Am Straßenrand standen keine Fahrzeuge. Nichts deutete darauf hin, dass hier jemand lebte. Die Straße, nicht breit mit schmalen Bürgersteigen, mündete an ihrem Ende in eine stark befahrenen Querstraße. In der Ferne konnte er Fahrzeuge vorbei huschen sehen.

Wie er so ging, schaute er auch nach links und rechts und betrachtete die Häuserfronten. Die Gebäude standen hier dicht an dicht, meist bis zu vier Stockwerke hoch. Sie waren alt, viele bestimmt über hundert Jahre. Es schienen hauptsächlich Wohnungen zu sein, wobei viele eindeutig leer standen. Öde Fensterlöcher, gähnenden Riesenmäulern gleich, starrten auf ihn herab und je länger er ging, desto bedrohlicher erschienen ihm diese Fensterfronten.

Es brach der Abend herein und die Sonne verkroch sich hinterm Smog über den Häuserdächern, so dass es dämmerte und die Schatten lang wurden. In einigen Hauseingängen brannten Lampen, sie verströmten schwaches, ungemütliches Licht auf den Gehweg. Niemand kam Paul entgegen, weder zu Fuß noch im Auto, weder Mensch noch Tier.

Ihn fröstelte es und er schlug sich die Kragenjacke hoch. Hier in dieser Straße schien es ihm kälter als anderswo in der Stadt und er schrieb es dem unguten Gefühl zu, das in seinen Gedanken breit machte. Der Mensch schafft sich seine eigene Angst, dachte Paul und ein Grinsen stahl sich auf sein Gesicht. Geister gab es doch keine, es konnte nur passieren, dass ein paar Skinheads oder Rocker hier auftauchten, um ihn zu vermöbeln und auszurauben. Wobei diese Aussicht schon gar nicht erstrebenswert erschien. Diese Typen fackelten nicht lange und bestenfalls landete er mit Knochenbrüchen im Krankhaus.

Er blieb plötzlich stehen. Verwundert schüttelte er den Kopf und zwinkerte mit den Augen. Er stand vor einer Glastür, breiter als die üblichen Haustüren. Die Tür war bunt beklebt, mit Werbeaufklebern für Spielzeuge. Die Namen der Herstellen sagten Paul aber nichts. Hinter der Glastür brannte Licht. Ein Geschäft. Es hatte wohl noch offen.

Paul drehte sich um und blickte rechts und links die Straße entlang. Wie war er zu dieser Tür gekommen? Er konnte sich nicht daran erinnern, gezielt hier hin gegangen zu sein. Die Straße war immer noch leer, es war auch verdammt still hier. Nicht einmal ferner Straßenlärm war zu hören.

Seine Augen wanderten wieder zur Tür und Paul zuckte erschrocken zusammen.

�Kann ich Ihnen helfen?�, fragte der grauhaarige Mann auf der Treppe und lächelte ihn dabei freundlich an. Er trat einen Schritt zur Seite und bedeutete Paul einzutreten. Die Tür stand nun offen.

�Woher...äh...woher kommen Sie denn?�, stotterte er.

�Ich bin der Besitzer. Ich verkaufe Spielzeug. Sie sind ein Kunde!�

�Ein Kunde? Ich wollte nichts...�, entgegnete Paul etwas unwirsch, stockte aber..

�Das macht nichts. Kommen Sie ruhig herein. Ich habe für jeden etwas!�

Paul schätzte ihn auf Anfang sechzig, nicht jünger. Alles an ihm erschien grau. Die Haare, die Augen, der Anzug, sogar die Haut der Hände und im Gesicht schimmerte aschfahl. Im Grunde genommen eine ungesunde Erscheinung, fand Paul für sich, aber trotzdem machte er einige Schritte vorwärts und trat in den Laden. Hinter ihm schloss der Graue die Tür. Paul erwartete das Bimmeln eines Glöckchens, was in vielen alten Geschäften die Kunden ankündigte oder sie verabschiedete. Nichts ertönte.

Die Einrichtung des Geschäftes war spartanisch. An den Wänden standen einfach Holzregale und gegenüber dem Eingang befand sich ein alte Theke mit einer Kasse darauf.

Dafür stapelten sich in jedem Winkel des Raumes, der vielleicht fünfzehn Quadratmeter maß, Kisten. Bunte Kartons, die wohl Spiele enthielten.

�Schauen Sie sich ruhig um, Herr�, hörte Paul die Stimme des Verkäufers hinter sich. Er schluckte und drehte sich um. Die grauen Augen des Mannes fixierten ihn.

�Äh, ja. Eigentlich will ich nur nach Hause...�

�Aber, aber. Für eine Stöberei in meinen Spielen ist immer etwas Zeit. Oder etwa nicht?�

Darauf wusste Paul nichts zu antworten. Also zuckte er mit den Schultern und trat an ein Regal heran.

So konnte er sehen, dass sich nicht nur Spiele bis zur Decke stapelten, sondern auch Puzzles und Modellbaukisten. Keine der Firmen, die ihre Logos auf der Verpackungen prangen ließen, kam ihm bekannt vor.

�Haben Sie keine Spiele von den bekannten Herstellern?�, fragte er den Ladenbesitzer, ohne sich umzudrehen.

�Aber Herr, ich kenne sie alle!�

�Ich kenne hier keinen der Hersteller!�

�Das muss nichts heißen. Ich habe sehr gute Spiele.�

�Ah ja.�

Paul war�s jetzt egal. Er schritt die Regalwand ab und blieb plötzlich wie angewurzelt stehen. Seine Hände griffen in Augenhöhe in einen Stapel und zogen eine Pappkiste hervor.

�Ich nehme dieses Puzzle hier�, sagte er, sich zum Spielwarenhändler umdrehend. Seine Gedanken sagte ihm, dass er eigentlich kein Puzzle legen wolle, aber schon legte er den Karton auf die Theke und zog seine Brieftasche.

�Sie werden Ihre Freude an dem Puzzle haben. Viele schöne Stunden!�

Lächelnd zählte er Paul das Wechselgeld ab und steckte die Kiste in eine weiße Plastiktüte.

�Auf Wiedersehen!�, sagte der Mann, seine Stimme zitterte etwas..

�Ja, äh, auf Wiedersehen!�

Paul schritt zur Tür, öffnete sie und erwartete wieder das Bimmeln aus seiner Kindheit. Wieder nichts. Er trat auf die Straße und ging in die Richtung, die er von Beginn an eingeschlagen hatte. Schnellen Schrittes erreichte er die Hauptstraße, ohne sich noch einmal umzublicken. Als er wieder das Getöse des Verkehrs und der Menschen vernahm, blieb er kopfschüttelnd stehen. Dabei schaute er sich um und starrte die einsame Straße zurück. Sie lag immer noch so leer da, wie er sie vorgefunden hatte.

Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass er eine halbe Stunde in Verzug war. Seine Frau wartete bestimmt ungeduldig zu Hause und bei seinen Kindern musste er eigentlich noch die Hausaufgaben kontrollieren.

Er setzte zu einer schnellen Schrittart an und warf sich ins Gewühl. Er wohnte nur einen Kilometer von hier in einer Stadtwohnung, mit Blick auf Autos, Menschen und Straßenbahn.

Schwer atmend erreichte er den Eingang des

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